Die Donau-Flotille
Tschaikisten und Nasadisten 
 


 
Die Beschützung des Hauptstromes Österreichs, der Donau, fällt bereits in die Zeit, in der es noch keine Feuergeschütze gab.
Zur Zeit Maximilians I. befand sich in Wien (dort, wo jetzt das Kaiserbad steht) das kaiserliche Schiffsarsenal, in dem die Donauschiffe mit ihrem Geschütz aufbewahrt wurden. Sie dienten im Kampf gegen die Ungarn und Türken, hauptsächlich aber zur Deckung des auf der Donau erfolgenden Nachschubs für die Feldarmeen.
1514 war Jeronimus von Zara der Kommandant der Flotille und des Arsenals, in dem bereits 148 Schiffe mit 2500 Hakenbüchsen lagen. 1540 waren 824 Schiffssoldaten (genannt Nasadisten, das Wort" Nasada" ist slawischen Ursprungs und bedeutet einen flachen Kahn) permanent angestellt.
Kaiser Leopold betraute 1692 den Marquis de Fleury mit dem Bau einer neuen Donauflotille. Die - recht großen - Schlachtschiffe sollten 20 - 40 Geschütze führen.
Das Projekt scheiterte und so wurden unter Kaiser Karl VI. von den Schiffsbaumeistern Daniel David und Friedrich Gerson zwischen 1716 und 1718 zehn große Schiffe mit 50 - 64 Kanonen gebaut. Zehn Jahre darauf wurden 4 weitere große Schiffe gebaut, aber sie strandeten alle, so daß man einsehen musste, das die Donau kein Gefechtsfeld für große Schiffe ist. Den Dienst versahen danach überwiegend Kanonenbarken und "Tschaiken (aus dem Slavischen, bedeutet "Kiebitz") zu deren Bedienung 2 ständige Tschaikisten- Kompanien aufgestellt wurden, denen 1764 zwei weitere folgten. Dieses Bataillon bekam bei der Nummerierung aller Regimenter im Jahre 1769 die Nummer 77. Im Jahre 1798 verlor es diese Nummer und wurde weiterhin nach seinem Stabsort Titl (im Banat) "Titler- Bataillon" genannt. Es hatte 1806 eine Stärke von 1.200 Mann. Anfangs bedienten die Geschütze Artilleristen, später übernahmen auch dies die Tschaikisten.
Die Tschaiken und Nasaden waren Segelschiffe, die man auch rudern konnte.
Erst 1849 wurden Dampfschiffe eingeführt.
 
Während der Türkenkrieg spielte die Flotte eine große Rolle, da sie die Feldarmeen mit allem wichtigen Material und Lebensmitteln versorgen musste (die Wege in Ungarn waren so schlecht, dass eine Versorgung mit Wagen nicht möglich bzw. ungenügend war).
Auch bei Belagerungen der von den Türken besetzten Festungen an Donau und Save konnte man auf die Hilfe der Donauflotte nicht verzichten.
 
Die wichtigste Basis der kleineren Schiffe war die Festung Komorn (heute Komárom, Ungarn), in der Anfangs des 18. Jh. dauernd 100 Nasadisten dienten.
In der Festung wurden auch kleinere Schiffe gebaut und ausgebessert. Mitte des Jahrhunderts gab es weitere Basen in Raab und Esztregom. Die Nasadisten in den Festungen gehörten zur Garnison und unterstanden dem Festungskommandanten.
Die Angehörigen der Flotte wurde lange nicht als reguläre Soldaten betrachtet, obwohl sie Sold bekamen. Die Schiffe wurden bei Bedarf dem jeweiligen Oberbefehlshaber der Feldarmee für einen bestimmten Feldzug unterstellt.
 
Nach dem die Türken aus Ungarn weitgehend vertrieben waren, verlor die Flotte ihre Bestandberechtigung. 1751 wurde die Hauptbasis an die südliche Grenze verlegt, wohin ihr allerdings nur ein Teil der Mannschaft folgte (der Rest kehrte zu seinen Zivilberufen zurück). Erst 1763 gelang es dem Oberst Mathias Mathesen ein neues Bataillon mit Station in Titl zu errichten. Es hatte anfangs 431 Mann in drei
 Kompanien. Das Bataillon war dem jeweiligen Oberbefehlshaber der Militärgrenze unterstellt.
 
Im Jahre 1830 waren die Schiffe mit Geschützen wie folgt ausgerüstet:
 
Kanonenbarke I.: 6 St. 3-pfd, 1 St. 24-pfd. Belagerungskanone, 1 Haubitze 10 pfd.
Kanonenbarke II. 6 St. 3-pfd, 1 St. 18-pfd Feldkanone, 1 Haubitze 10-pfd
Kanonenbarke III 6 St. 3-pfd, 1 St. 12-pfd Feldkanone, 1 Haubitze 10-pfd
Tschaike                6 St. 3-pfd, 1 St. 6-pfd Feldkanone, 1 Haubitze 10-pfd
halbe Tschaike     2 St. 3-pfd, 2 St. 1-pfd Tschaikenkanone
viertel Tschaike    1 St. 1-pfd
 
Die Feldkanonen standen im Vorderteil des Schiffes, die Haubitzen hinten, die Tschaikenkanonen an den Bordwänden in eigenen drehbaren Gestellen (Bollgabeln).
Um diese leichten Kanonen auch an Land verwenden zu können, waren an Bord zerlegbare Gebirgslafetten, in welche die Rohre eingelegt und von der Mannschaft gezogen werden konnten.
 
Harald Skala




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