Die Kürassiere



Die Kürassiere sind die älteste Reitergattung und wohl bekannteste der K.u.K. Kavallerie. Bereits am 28. Mai 1498 erhielten die Stände Niederösterreichs von Kaiser Maximilian I. ein Patent zur Aufstellung einer Einheit von 100 "Kyrissern". Sie bestand nur aus Adeligen, welche unter 4 Hauptleuten standen. Mann und Pferd waren noch ganz in Eisen gehüllt. Jedem dieser Kyrisser waren "ein leichter Büchsenschütze zu Pferd" und  zwei mit Lanzen bewaffnete Knechte beigegeben. Außerdem hatte jeder Hauptmann sowie jeder Kyrisser einen Knappen, mit Hellebarde versehen, einen Reitknecht und einen leichtgerüsteten jungen Edelmann (Pagen) in seinem Gefolge. Wie man sieht, war die Organisation und Zusammensetzung dieser "Haufen" genannten Einheiten von den späteren regulären Regimentern noch weit entfernt.
Am Beginn des 16. Jahrhunderts verschwand der Ausdruck "Kyrisser" und an seine Stelle trat die Bezeichnung "deutsch gerüstete Reiter". Auch in diesen Einheiten hatte jeder Adelige eine Reihe von "reisigen Knechten" bei sich, deren Anzahl sich im Laufe der Zeit änderte. 

"Kyrisser" aus der Zeit Maxmilian I.
Die "deutschen Reiter" wurden Anfangs in einzelnen "Fahnen" in der Stärke von 100 bis 300 Mann unter dem Kommando eines Rittmeisters geworben. Erst Mitte des 16. Jh. treten stärkere Haufen, in mehrere Fahnen gegliedert und unter dem Kommando eines Obristen dem auch ein eigener Stab zustand auf.
Mit den deutschen Reichs - Kontingenten erschienen 1596 unter Schwarzenberg die ersten "Kürassiere" nach "niederländischer und französischer Art" gerüstet im kaiserlichen Heer. Sie waren mit einem Kürassschwert, einer starken Pistole, einem kurzen Fäustling und mit ganzem Kürass (Stahlkragen, Helm, Arm-und Beinschienen, Rücken-und Krebsharnisch) gerüstet. Sie unterschieden sich von den "deutsch gerüsteten Reitern" nur durch den Namen und die Bezeichnung verschwand bald mit dem Auftreten der Kürassiere. Diese bestanden unverändert während des gesamten 30-jährigen Krieges. Die Büchsenschützen wurden mit der Zeit aus den Kürassiereinheiten ausgegliedert und bildeten eigenständige Haufen, aus denen später die Arkebusiere entstanden.
Obwohl die Reitereinheiten einem Obrist unterstanden und auch einen Stab hatten, wurde für sie die Bezeichnung "Regiment", die bei der Infanterie gebräuchlich war in dieser Zeit noch nicht benutzt. Der Grund liegt wohl darin, daß der Obrist das "jus gladii" nicht besaß - dies wegen des Adels unter der Reiterei, die nur nach den Satzungen des Reichsrechts vom Feldmarschall selbst gerichtet werden konnten. Erst von Beginn des 30-jährigen Krieges wurde "Regiment" als administrativer Begriff verwendet. Während des Krieges waren in den Regimentern Kürassiere sowie Arkebusiere vertreten. (das Patent für den Obrist Max Liechtenstein 1621 lautete z. Bsp. auf 500 Kürassiere und Arkebusiere).


1 - Offizierskürass und Helm um 1805
2 - Offizierskürass mit "Schwalbenschwanz" um 1827
3 - Mannschaftsküras und Helm um 1805
4 - Kürassier- und Dragonerhelm um 1850


Nach der Armee - Reduktion in den Jahren 1649/50 blieben bei der Reiterei 9 Regimenter "zu Ross" - Kürassiere und ein Dragonerregiment "auf dem Fusse" und können so als reguläre Einheiten bezeichnet werden.

Anlässlich der Kriegsrüstung 1715 wurde bei jedem Kürassierregiment eine Carabinier - Kompanie aufgestellt, die jedoch bereits 1768 wieder abgetrennt und in eigenständige Regimenter umgewandelt wurden. Die Carabiniers nahmen im Regiment eine bevorzugte Stellung ein, es sollten nur starke, verlässliche Leute sein, sie erhielten auch einen höheren Sold als die Kürassiere. Sie waren mit guten, jedoch leichteren Pferden ausgerüstet, hatten "gezogene" Karabiner un waren im "Schnellfeuern" geübt.
Das älteste Kürassierregiment war das Reg. Maradas, das bereits den Feldzug im Friaul 1616-1617 mitmachte. Die Anzahl der Regimenter wechselte und erreichte 1636 mit 66 die höchste Zahl. Nach dem Ende des 30-jährigen Krieges blieben nur 9 Regimenter bestehen. Es waren dies die Regimenter Werth (später Dragoner Nr. 9), Khevenhüller (1652), Gonzaga (1660), Sporck, Götz und Beck (1679), Picolomini (1701) Montecuccoli (1734) und Walter (1775 aufgelöst). 
In den Jahren 1650 - 1705 trugen die Kürassiere einen gut anschließenden ledernen Rock mit kurzen Schößen und Stehkragen, später aus weißem Tuch mit verschiedenfarbigen Aufschlägen. Statt der schweren Helme bediente man sich der leichteren Casquets, die jedoch bald dem seitwärts aufgebogenem, mit Gold-oder Silberborte eingefaßtem schwarzen Hut wichen. Als einzig verbliebene Schutzwaffe hatten sie den Kürass (Anfangs zweiteilig, Hinter-und Vorderstück).Nach den Vorschriften 1765/71 trugen die Kürassiere nur den Vorderteil des Kürasses (nur in den Türkenkriegen kam noch der komplette Kürass zum Einsatz). In den Jahren 1798 - 1802 wurden die Hüte anbgeschafft und - wie bei den Dragonern - Bügelhelme mit Kammquaste eingeführt. Die Kammquasten verschwanden Anfang der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts. 
Die Kürassiere wurden zur "schweren Reiterei" gezählt, es war die Schlachten-Reiterei, die Regimentsweise durch ihre Masse den Feind zum Weichen bringen sollte. Sie waren mit schweren Pferden ausgerüstet. Mitte des 19. Jahrhunderts war für Kürassierpferde ein Stockmaß von 15 Faust 3 Zoll (ca. 165 cm) vorgeschrieben.
1860 wurden die Kürasse abgeschafft. Mit 1. Oktober 1867 wurden die verbliebenen 12 Kürassier - Regimenter in Dragoner umgewandelt, unter Beibehaltung ihrer alten Regimentsnummern. Somit hörte diese wohl bekannteste und ruhmreichste K.u.K Reitergattung auf zu existieren. Aus diesem Grund sind auf unseren Seiten die Regimentsgeschichten der Kürassier unter den entsprechenden Dragonerregimentern zu finden.
 

Harald Skala (Text und Abbildungen)



 Kürassier-Offiziers in der Adjustierung um 1740

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