Die zweimalige Erstürmung der Festung Cosel (Kedzierzyn/PL)

im Jahre 1745

Einleitung

Es geschah im zweiten Jahr des 2. Schlesischen Krieges. Im Unterschied zu früheren Feldzügen bestand im Grenzgebiet zwischen Schlesien und Mähren auch in den Wintermonaten 1744/1745 eine rege Kampftätigkeit, unter dem Begriff „Kleiner Krieg“ bekannt.
Im erwähntem Gebiet stand als zahlenmäßig stärkste Einheit das Insurrektionskorps (ungarisches Adelsaufgebot) des FM Joseph Graf Esterházy, das bei seiner Einberufung ungefähr 20.000 Mann zählte. Durch massive Desertion bereits beim Anmarsch, als ganze Kompanien kehrt machten und nachhause marschierten, hatte das Korps Anfang Mai 1745 kaum noch 6.500 Mann, inklusive der zwei regulären Husarenregimenter Festetics und Kálnoky. Außer der Insurrektion standen Graf Esterházy noch die kleinen Korps des Obristen Adolf Nikolaus Frhr. v. Buccow (Pandurenregiment unter Obristlieutenant d´Ollone, ein Bataillon Dalmatiner, die Freikorps Strozzi, Magyary, Cronsaz und Bokic sowie die Komorner und Graner Nationalhusaren) und des GFWM Karl Gustav Frhr. v. Kheul mit Infanterie aus verschiedenen Regimentern, alles zusammen ca, 3.700 Mann zur Verfügung.
Die Preussen unter Fürst Anhalt-Dessau („der alte Dessauer“) waren in der Überzahl.

Die von Preussen besetzte Festung Cosel weckte bereits seit langem die Begehrlichkeit der Kaiserlichen. So lange jedoch überlegene preussische Kräfte in der Nähe standen und auch in Jägerndorf (Krnov/CZ) eine starke preussische Garnison lag, traute sich FM Esterházy mit seinen unzuverlässigen Truppen keine größere Aktion zu unternehmen. So versuchte nur FML Joseph Frhr. Festetics de Tolna am 11. Mai einen Überfall auf Cosel, der jedoch kläglich scheiterte.
Mitte Mai brachten Kundschafter die Nachricht, dass die Preussen Jägerndorf räumen wollen.
GFWM Frhr v. Kheul beabsichtigte, die abziehenden Preussen zu überfallen und die mitgeführten Vorräte so weit wie möglich zu zerstören.
Am 22.5. um 03 Uhr begann der Abmarsch der Besatzung, 13 Bataillone und 15 Eskadronen, insgesamt 6.000 Mann unter Befehl des Markgrafen Karl. Die Kaiserlichen hatten bereits in der Nacht ihre Stellungen besetzt, auch die Reiterei Esterházys traf am frühen Morgen ein.
GFWM v. Kheul ließ die marschierenden Truppen angreifen, die sich jedoch erfolgreich wehrten. Die Kavallerie Esterházys griff nicht ein und so erreichten die Preussen das Dorf Mocker (heute Mokre/PL). Nun ging GFWM v. Kheul mit 4 Bataillonen der IR O´Gilvy und Jos. Esterházy zum Angriff vor, überzeugt, dass ihn die Reiter Esterházys unterstützen werde. Kheul wurde enttäuscht. Die preussische Reiterei ritt die kaiserliche Infanterie nieder. Nur das rechtzeitige Eingreifen des Dragonerregiments Sachsen-Gotha und der Husarenregimenter Festetics und Kálnoky verhinderte die vollkommene Niederlage der Kaiserlichen.
Die Preussen marschierten darauf ungehindert weiter nach Neustadt (heute Prudnik/PL), mussten allerdings die meisten ihrer mit Vorräten beladenen Wagen stehen lassen. Das Gefecht kostete die Kaiserlichen 2 Offiziere und 24 Mann tot, 16 Offiziere und 262 Mann verwundet.
Die Preussen hatten 3 Offiziere und 99 Mann tot, 6 Offiziere und 116 Mann verwundet.
FM Esterházy konnte sich nicht entschließen, mit seiner gesamten Macht den Preussen zu folgen.
Die Kaiserlichen besetzten Leobschütz (heute Glubczyce/PL) und Ziegenhals (Glucholazy/PL). Die Insurrektionstruppen lagen bei Soppau (Zapowy/PL), die Truppen Buccows und Kheuls bei Bratsch (Branice/PL) und Löwitz (Lewice/PL). Die Preussen zogen am 25.5 über Bielau nach Frankenstein (Zabkowice Slaskie/PL) zur Hauptarmee.

Die Einnahme von Cosel durch die Kaiserlichen am 26.5.1745

GFWM v. Kheul 1) war von der Untätigkeit der Insurrektionstruppen sehr enttäuscht und berichtete diesbezüglich dem Oberkommandierenden, Prinz Karl v. Lothringen. Auch Oberst Buccow 2) schloss sich der Meinung Kheuls an und schlug vor, wenigstens noch einen Versuch zu machen, um Cosel zu erobern.
Der Zeitpunkt war günstig. Der Kommandant der Festung, GM v. Saldern war kurz vorher verstorben, außerdem war der preussische Fähnrich Johann Michael Wnorowski (nach anderen Quellen Wurrowski), der die Verteidigungsanlagen der Festung gut kannte, zu den Kaiserlichen übergelaufen. Er erbot sich, die Sturmtruppen unbemerkt in die Festung zu führen.

Nach vorheriger Absprache mit FM Esterházy entschied sich Buccow für einen nächtlichen Überfall der Festung. Die hierfür vorgesehenen Truppen bestanden aus dem Trenck´schen Panduren Regiment unter Obrislieutenant d´Ollone, 200 Mann vom IR Jos. Esterházy geführt von Major Ladislaus de Szentiványi, 100 Reiter vom Dragonerregiment Sachsen-Gotha und einigen Büchsenmeistern. Geschütze wurden keine mitgeführt.

Cosel war bis zum Jahre 1743 nur mit einer Ringmauer versehen. In den folgenden 2 Jahren hatten die Preussen begonnen, die Stadt zu einer Festung in Form eines Fünfecks mit niedrigem Erdwall auszubauen. Im Mai 1745 waren die Arbeiten allerdings noch nicht abgeschlossen. Es fehlte der gedeckte Weg, nur der nasse Graben um die Festung schützte einigermaßen.
Die Besatzung bestand aus ca. 720 Mann, die nach dem Tode von GM v. Saldern von Oberst Foris befehligt wurden. Auf den Wällen standen 27 Geschütze unterschiedlicher Kaliber. Für eine längere Verteidigung war die Besatzung viel zu schwach und außerdem unzuverlässig, da unter den Soldaten viele zum Dienst gepresste Schlesier waren.

Am 25.5. Abends konzentrierte Buccow seine Truppe in Reinschdorf (heute Reňska Wies/PL) und rückte unter Führung des Fähnrichs Wnorowski gegen Mitternacht auf Cosel. Dort angekommen, führte Wnorowski die Kaiserlichen an einem Damm entlang bis zu der Stelle, an welcher der Graben überquert werden sollte. Man wartete, bis die Wache um 02 Uhr ihre Runde beendet hatte. Danach durchwatete der Fähnrich mit einem Korporal und 12 Panduren den Graben. Weitere 200 Panduren folgten, danach der Rest der Truppe. Da der Übergang doch nicht ganz geräuschlos erfolgte, wurde er von einer Wache bemerkt, die sofort Alarmschüsse gab. Bevor jedoch die Besatzung zur Verteidigung antreten konnte, hatten die Panduren den Wall erstiegen und sich einer Batterie von 5 Geschützen bemächtigt. Unter den ersten, die den Wall überstiegen, war der Pandurenhauptmann Gideon Laudon, der später berühmte Feldmarschall, einer der Besten in Maria Theresias Diensten.
Die Panduren richteten die Geschütze sofort gegen die Stadt. Die kaiserlichen Büchsenmeister hatten sich jedoch verspätet und da die Panduren mit den Geschützen nicht umgehen konnten, feuerten sie nur ein bereits geladenes Geschütz ab.
Inzwischen war eine größere Einheit der Preussen gegen die Panduren auf dem Wall vorgerückt. Während des Durchwatens des Graben waren die Musketen der Panduren nass geworden, so dass sie nur mit dem Bajonett und Säbel kämpfen konnten. Trotzt dieses Nachteiles drängten sie die Preussen zurück. Inzwischen waren weitere kaiserliche Soldaten an einer anderen Stelle über den Wall gestiegen und hatten die dort stehende Batterie erobert. Während des Angriffs waren bereits etwa 60 Preussen zu den Kaiserlichen übergelaufen, die ihre Gewehre übernahmen und nun auch feuern konnten.
Die Besatzung gab den Widerstand auf, nach dem ihr Kommandant, Oberst Foris gefallen war. Um 3.15 Uhr war die Festung in der Hand der Kaiserlichen.
Die Preussen hatten 104 Tote, darunter auch Kommandant Oberst Foris. 93 Mann der Besatzung traten in das kaiserliche Heer über, 515 Mann gingen in Gefangenschaft. Davon waren 120 verwundet oder krank. Sie blieben vorerst in Cosel, der Rest wurde in die Festung Olmütz (Olomouc/CZ) gebracht.
Buccows Truppe hatte 10 Tote und 35 Verwundete, unter den letzteren Major Szentiványi vom IR Jos. Esterházy (er fiel später bei Lobositz im Rang eines Obristen).
Die Kaiserlichen hatten alle Geschütze, viel Munition und große Vorräte erbeutet.

Als Besatzung blieben in Cosel 200 Mann vom IR O´Gilvy, 200 Mann vom IR Jos. Esterhazy und 200 Grenzer. Zum Kommandanten der Festung wurde Major Flandrini vom IR O´Gilvy ernannt.
Der preussische Fähnrich Wnorowski erhielt durch Fürsprache des GFWM v. Kheul im Juni d. J. eine Rittmeisterstelle bei der kaiserlichen Kavallerie.
Obrist v. Buccow wurde am 3.6.1745 zum General-Feldwachtmeister befördert.

Die Belagerung und Einnahem von Cosel durch die Preussen im August/ September 1745

Nach der Einnahme von Cosel durch die Kaiserlichen wurde an einer Verbesserung der Verteidigungsanlagen vorerst wenig gearbeitet. Man trug sich sogar mit dem Gedanken sie ganz zu schleifen. Schließlich wurde der Ingenieur-Major Thomas Ludwig Mikoviny, einer der besten Festungsbaumeister der Monarchie nach Cosel beordert, um die Arbeiten voran zu treiben. Unter seiner Leitung wurde der gedeckte Weg, drei Halbmonde und die Brückenschanze gebaut. Der Graben wurde auf 2 m vertieft und die Palisadierung vollendet. Die ganze Nordfront und der Brückenkopf waren im August 1745 jedoch noch nicht fertig.

Anfang August 1745 wurde immer wahrscheinlicher, dass die Preussen versuchen würden, Cosel zurück zu erobern.
Die Besatzung der Festung wurde nach und nach auf etwa 2.800 Mann erhöht, wobei allerdings die Qualität der Truppen sehr zu wünschen übrig ließ. An regulärer Infanterie hatte Major Flandrini nur 216 Mann vom IR Jos. Esterházy, ungefähr 200 vom IR O´Gilvy und je ca. 120 von den IR Andlau und Baden. Die verlässlichste und erfahrenste Truppe war wohl das Bataillon vom IR Jos. Esterházy, geführt von OWM Ferdinand v. Ujházy.
Der Rest waren Einheiten des ungarischen Aufgebotes und 257 Dalmatiner. An Kavallerie waren nur einige Husaren von der Insurrektion in der Festung. Auch an Artilleristen mangelte es. Für die 52 Geschütze standen nur 25 Büchsenmeister zur Verfügung!

Über die Stärke der Garnison gibt es verschiedene Angaben. Das sogen. „Browne´sche Manuskript erwähnt 2.188 Mann. Die nach der Kapitulation von den Preussen erstellte Liste der Gefangenen enthält Namen von 90 Offizieren und 2.860 Mannschaften, also insgesamt 2.970. In dem Browne´schen Manuskript (ohne Datum) fehlen einige Namen, die jedoch unter den Unterschriften auf der Kapitulationsurkunde erscheinen. Die Zahl 2.970 ist demzufolge wahrscheinlicher.

Die Korrespondenz zwischen Major Flandrini und FM Esterházy zeigt die Schwierigkeiten auf, die ersterer im Falle einer Belagerung erwarten musste. Ihm fehlten erfahrene Offiziere, die Mannschaften des Aufgebotes waren undiszipliniert und drohten spätestens Anfang September nachhause zu marschieren, die meisten Büchsenmeister waren alt und hatten noch nie eine Belagerung mitgemacht. Nicht mal genügend Schreibpersonal hatte Flandrini zur Verfügung, so dass er den größten Teil seiner Korrespondenz selbst erledigen musste.
GFWM Buccow drängte FM Esterházy, der Festung eine Verstärkung von mindesten 10.000 Mann zu schicken, was jedoch abgelehnt wurde. Esterházy wollte GFWM Buccow zum Festungskommandanten ernennen, was jedoch dieser mit dem Hinweis, dass er Kavalleriegeneral sei und im Festungskrieg unerfahren ablehnte.
Major Flandrini erhielt also nur die vage Zusage, dass FML Károlyi im Notfall die Besatzung unterstützen würde.

Am 25.8.1745 erschienen die preussischen Vortruppen von GL Christoph Ernst Graf v. Nassau vor Cosel. Die Besatzung wurde überrascht und hatte nicht mal Zeit, die vorliegenden Gehöfte und Dörfer zu besetzen.
Am 27.5. traf auch GL Heinrich Karl Ludwig Herault de Hautchamroy mit 100 Transportschiffen auf der Oder vor der Festung ein. Die per Schiff angelandeten Truppen bestanden aus den IR Flanß und Braunschweig, 2 Bataillonen Jung-Schwerin, dem Grenadierbataillon Goltz und 5 Eskadronen Hallász Husaren.
Auf dem rechten Oderufer standen nun 6 Bataillone und 5 Eskadronen Husaren, auf dem linken 13 Bataillone, 10 Eskadronen Dragoner und 20 Eskadronen Husaren. Auf den Schiffen kam auch der ganze Artilleriepark, 300 Pioniere und 30 Mineure.
Insgesamt hatten die Preussen vor Cosel ungefähr 20.000 Mann. Sie begannen sofort ein verteidigungsfähiges Hauptlager zu bauen, um sich gegen etwaige Entsatzversuche zu schützen. Über die Oder wurde eine Schiffsbrücke geschlagen.
Die Besatzung von Cosel versuchte den Bau der Brücke durch Ausfälle zu stören, jedoch mit wenig Erfolg.
Die Artillerie und die gesamten Belagerungsarbeiten standen unter Befehl des erfahrenen Festungsingenieurs GM Gerhard Cornelius v. Walrave 3).

Am 30.8. konnte man mit dem Ausheben der Laufgräben beginnen. Vor Beginn der Arbeiten sandte GL v. Nassau zwei Offiziere in die Festung, um den Kommandanten zur Aufgabe aufzufordern. Dieser lehnte jedoch ab.
Noch am Abend begannen die Preussen mit der Bombardierung der Stadt aus einer Haubitze und zwei Mörsern.
In den folgenden Tagen gingen die Arbeiten an den Laufgräben gut voran, es wurden mehrere Batterien errichtet und das Feuer auf die Festung verstärkt. Am 3.9. feuerten insgesamt 44 Geschütze in die Stadt und auf ihre Verteidigungswerke. Obwohl Flandrini ungefähr 1.000 Bauern aus dem Umland zum Löschen herbeigeholt hatte, verbrannten die meisten Häuser der Stadt. Verschont blieben nur die Kasernen, das Schloss, die Kirche und etwa 20 Häuser. Auch die Vorräte an Brot, Mehl und Salz fielen den Flammen zum Opfer. Ein großer Teil der Außenwerke war zusammengeschossen, die meisten Geschütze der Festung demontiert.
Die Einwohner, aber auch die Insurrektionstruppen, fingen an unruhig zu werden und weigerten sich weiter Widerstand zu leisten.
Obwohl schon die ganze Stadt in Flammen stand, unterbrachen die Preussen die Beschießung nicht. GL v. Nassau wollte die Bewohner für die im Mai den Kaiserlichen geleistete Hilfe bestrafen.
Kommandant Flandrini, der vergebens auf Hilfe von FM Esterházy gehofft hatte, sah nun die Zwecklosigkeit einer weiteren Verteidigung ein und ließ am 5.9. gegen Mittag die weiße Fahne hissen.
Die Hauptleute Kopp vom IR O´Gilvy und Pavianovich (?) von den Saustrom-Grenzern wurden in das preussische Hauptquartier geschickt, um die Kapitulationsbedingungen auszuhandeln.
Der Wunsch nach freiem Abzug der Besatzung wurde von GL v. Nassau abgelehnt. Nur der Kommandant und einige Offiziere wurden auf Ehrenwort entlassen. Dem Rest wurde eine gute Behandlung garantiert, außerdem sollten die Gefangenen nur bis Breslau gebracht und bei erster Gelegenheit gegen preussische Gefangene ausgetauscht werden. Wie bereits oben erwähnt, gingen 90 Offiziere und 2.860 Mann in Gefangenschaft, von den Offizieren wurden jedoch einige auf Ehrenwort entlassen.

Noch am 5.9. wurde das Ratiborer Tor und der Brückenkopf von je einem preussischen Grenadierbataillon besetzt.
Den Siegern fielen 52 – allerdings meist beschädigte – Geschütze, 700 Gewehre und große Mengen von sonstigem Kriegsmaterial in die Hände.
Die Preussen verloren während der Belagerung 11 Tote und 29 Verletzte, die Kaiserlichen 8 Tote und 20 Verletzte.

FM Esterházy hatte keinen ernsten Versuch eines Entsatzes der Festung unternommen. Nur GFWM Kheul und Buccow rückten mit einer kleinen Einheit bis Militsch vor, kehrten aber um, als sie vom Fall der Festung erfuhren.

FM Esterházy, dessen Korps durch die täglichen Desertionen weiter schrumpfte, befürchtet nun ein Vordringen der Preussen über  Ratibor bis Troppau (Opava/CZ). In diesem Fall wäre ein Rückzug nach Mähren unvermeidlich gewesen, an einen Widerstand war nicht zu denken.
GFWM Kheul schrieb dazu am 9.9.1745 an Prinz Karl v. Lothringen: „...nichts anderes geschehen werde als, wie es bei diesem Commando gebräuchlich, hin und her zu laufen...“


1)    Karl Gustav Frhr. v. Kheul geb. 1694 diente im IR Wallis (Nr.36) als Obristlieutenant, 1735 beim IR Wachtendonk (Nr.25) Obrist, 1740 GFWM. Zeichnete sich 1741 bei Mollwitz aus, wo er verwundet wurde. Im gleichen Jahr Inhaber des 1746 aufgelösten IR Göldy. 1745 zum FML ernannt. 1746 verlor er in der Schlacht bei Piacenza das linke Auge. 1747 Inhaber des IR 49. Im Jahre 1749 kommandierender General in Innerösterreich, 1754 FZM. In der Schlacht bei Breslau 1757 schwer verwundet, erlag er am 26.6.1758 seiner Verwundung. [zurück]

2)    Adolf Nikolaus Frhr. v. Buccow, geboren am 7.1.1712, Spross einer norddeutschen altadeligen Familie. Aufgrund seiner Fähigkeiten und Kenntnisse wurde er Generaladjutant des Prinzen Karl v. Lothringen. 1744 Oberst, zeichnete sich in den Schlesischen Kriegen aus und wurde 1745 GFWM. Während des Friedens 1752 zum FML ernannt, erhielt er nach Leuthen den MTO und wurde 1758 G.d.C. und Inhaber eines Kürassierregiments. 1760 bei Torgau verwundet, wurde er anschließend Kommandant in Siebenbürgen. Dort starb er bereits am 18.5.1764. [zurück]

3)    Gerhard Cornelius v. Walrave, geb. 1692 in Warendorf (?) als Sohn eines Offiziers in holländischen Diensten. Bereits im jugendlichen Alter in den Diensten der Generalstaaten als Ingenieur. 1715 wechselte er auf Empfehlung des Fürsten Leopold v. Anhalt-Dessau als Major in preussischen Dienst. Dort machte er rasch Karriere. 1724 in preussischen Adelsstand erhoben, erhielt er 1729 das Kommando über das Ingenieurkorps und wurde zum Oberst befördert. Er bewährte sich u. A. als Festungsbaumeister in Magdeburg. 1741 zum Generalmajor befördert. Zweifelhaften Ruhm erwarb er sich durch die Plünderung der Prager Adelspaläste während der Besetzung der Stadt durch die Preussen. Ende 1747 wurde er verdächtigt, zu den Kaiserlichen übergehen zu wollen. Die von GL Winterfeld eingeleitete Untersuchung ergab, dass Walrave auch einen größeren Geldbetrag unterschlagen hatte. Am 10.2.1748 wurde er verhaftet und in Magdeburg eingekerkert. Friedrich II. verzieh seinem ehemaligen Günstling nie. Ohne gerichtliches Verfahren verbrachte W. die restlichen 25 Jahre seines Leben in Magdeburger Festungshaft. Er starb dort am 16.1.1773.
Unter den Offizieren war W. sehr unbeliebt. Er war habgierig und arrogant. Seine Qualität als Festungsbaumeister kann ihm jedoch nicht abgesprochen werden. [zurück]
FZM Adolf Nikolaus Frhr. v. Buccow
(Original - Theresianische Militärakademie Wiener Neustadt)


Effective Stand-Tabella über die in der Festung Cosel befindl. Garnison
(nach dem sogen. „Browne´schem Manuskript)

v. Himmelberg 53 Mann
Hillebrand 73 Mann
Wirtorius 74 Mann
Ubelli 55 Mann
Kopp (IR O´Gilvy) 75 Mann
Baden-Baden (IR Nr.23) 142 Mann
Andlau (IR Nr. 54) 111 Mann
Esterházy (IR Nr. 34) 216 Mann
Dalmatiner 257 Mann
Prodanovich (Pavianovich?) 174 Mann
Phillipowich 92 Mann
Scentianin 144 Mann
Radack 146 Mann
Jokoly 129 Mann
Poppowich 145 Mann
Szowincka 132 Mann
Nestrowitzky 119 Mann
Von der Artillerie 25 Mann
Vom Proviant 26 Mann
Gesamt: 2.188 Mann

Bemerkung: in Klammern Ergänzungen vom Autor

Harald Skala, 3/2008

Quellen:
-    Grosser Generalstab, „Die Kriege Friedrich des Großen“ 2. Teil, Berlin 1895
-    Oscar Criste, „Österreichischer Erbfolgekrieg 1740 – 1748“ Bd. VII, Wien 1903
-    Edmund Finke, „Geschichte des k.u.k. ungarischen IR Nr. 37“, Wien, 1896
-    A. Graf Thürheim, „Feldmarschall Otto Ferdinand Graf v. Abensperg und Traun“, Wien, 1877

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