Die Schlacht bei Fère-Champenoise 25. März 1814



In dieser Schlacht standen 12.700 franz. Infanteristen mit 84 Kanonen, 4.000 Reiter unter Marschall Mortier, Marmont und G.d.C. Graf Belliard (der den verwundeten Grouchy ersetzt hatte) 12.000 Württembergischen, Russischen und Österreichischen Reitern (ohne jegliche Infanterie!) mit 48 Kanonen  unter Kronprinz Wilhelm v. Württemberg, Großfürst Constantin, GL Pahlen und FML Nostiz gegenüber.
Die Württemberger hatten kurz zuvor die Fronten gewechselt, noch 1813 standen sie an der Seite Napoleons.

Fère-Champenoise liegt süd-östlich Ètoges, 70 Meilen östlich Paris. Marmon´s VI. Korps und Mortier`s  Junge Garde standen am 23.3. neun Meilen westlich von Sommesous, als Mortier den Befehl Napoleons erhielt, sich mit Marmont zu vereinigen und so schnell wie möglich nach Osten zu marschieren.
Am 25.3. stießen die Franzosen zwischen Soude-St. Croix und Soude-Notre-Dame auf der Straße von Troyes nach Chalons auf die Alliierten.
Eine Kavalleriepatrouille des Prinzen Adam v. Württemberg stieß auf einen franz. Vorposten, den sie gefangen nahm. Die Gefangenen bestätigten die Anwesenheit beider franz. Marschälle.
Prinz Adam v. W. ließ 2 Kanonen vorbringen und einige Schüsse abfeuern, worauf die Franzosen in Schlachtlinie aufmarschierten.
Zwischen 8 und 9 Uhr erreichte Kronprinz Wilhelm mit dem Rest der Kavallerie den Ort des Geschehens und befahl sofort eine Attacke. Graf Piotr v. Pahlen mit Kosaken, russischen Husaren und Kretov`s Kürassieren auf der rechten, der Kronprinz auf der linken. Nach kurzem Widerstand zogen sich die Franzosen auf Sommesous zurück wobei die Kavallerie in die Arrièrgarde eindrang und viele niedermachte.
Die Franzosen bildeten bei dem Dorf eine neue Verteidigungslinie. Mortier`s Garde etwas vorgeschoben stand links von Sommesous, Marmont`s Korps rechts.
Kronprinz Wilhelm ließ seine Artillerie vorfahren und die franz. Linien unter Beschuss nehmen. Es entwickelte sich ein heißes Artilleriegefecht während dessen sich Mortier auf eine Linie mit Marmont`s Einheiten zwischen Vassimont und Montpreux zurückzog.
Nun erreichten auch die Kürassiere Nostiz´s das Feld. Graf Pahlen mit Kretov´s  Division suchte einen Übergang über den sumpfigen Grund, der die rechte Flanke der Franzosen schützte.
Prinz Adam´s Brigade bereitete sich auf einen Frontalangriff vor. Im 1. Treffen die Division Nostiz in Divisions-Kolonnen (eine Front von 2 Eskadronen), die Württemberger an den Flügeln.
Es war Mittag. Als Erste griffen Erzherzog Ferdinand-Husaren mit den Prinz Adam-Jägern an. Zwei Eskadronen der letzteren plänkelten hinter der Kampflinie  mit franz. Husaren und Chasseurs und warfen diese nach einem kurzen Gefecht. Die franz. Kavallerie fiel zurück, versuchte sich neu zu ordnen und nochmals anzugreifen. Sie wurde jedoch nochmals geworfen und verließ das Schlachtfeld.
Gen. Belligard´s "Spanische Dragoner" (die 5., 6., 21., 25. und 26. Dragoner mit den 23. Chasseurs) ersetzten die retirierten Reiter.
Gen. v. Jett ritt ihnen mit den 2 übrig gebliebenen Eskadronen der Württemberg-Jäger  entgegen. Es kam zum Kampf Mann- gegen Mann; die Spanischen Dragoner wurden in die Flucht gejagt.
Inzwischen attackierte Nostiz die feindliche Batterie im Zentrum. Delfour´s Brigade wurde durch Kartätschenfeuer arg getroffen, geriet in Unordnung und musste weichen. Zusätzlich von Bordesoulle´s Kürassieren angefallen, räumte sie das Feld.
Liechtenstein´s Kürassiere waren nun von feindlicher Kavallerie umringt und in einer sehr misslichen Lage.
Die Situation im Zentrum bewog das Regiment Prinz Adam zurückzugehen. Der Kronprinz Wilhelm setzte sich nun an die Spitze der Ferdinand-Husaren um eine Gegenattacke zu reiten. Auch die Jäger schlossen sich an. Es gelang die Linien wieder zu schließen und die Liechtenstein-Kürassiere aus ihrer prekären Lage zu befreien.
Nun mussten die Regimenter ralliiert werden was einige Zeit beanspruchte. In dieser Zeit bezog Mortier und Marmont eine neue Linie zwischen Conantry und Clamage, die Infanterie in Karées, Kavallerie dahinter.
Zu dieser Zeit erhielt Kronprinz Wilhelm die Nachricht, dass Großfürst Constantin mit der russischen Garde von Sommepuis über Poivre im Anmarsch ist, um die Franzosen in ihrer rechten Flanke anzugreifen.
Graf Pahlen vereinigte sich mit Kronprinz Wilhelm und Nostiz. Die Kavallerie der Verbündeten ritt nun gegen die franz,. Karées an. Prinz Adam´s Jäger attackierten ein Karée gebildet aus 1.000 Tirailleurs der Jungen Garde. Die Attacke wurde abgewiesen. Auch eine Zweite erschütterte die Gardisten nicht. Bei der dritten Attacke gelang es in das Karée einzudringen, zwei Kanonen wurden erbeutet aber  das Karée hielt stand.
Erst die 4. Attacke, an der sich auch die Ferdinand-Husaren  unter Gen v. Jett beteiligten, hatte Erfolg. Kurz davor ging ein heftiger Regenguss nieder, der den Franzosen direkt in`s Gesicht schlug.  Die Tirailleurs wurden auseinander getrieben, viele von ihnen niedergesäbelt. Die Franzosen begannen sich durch Conantry zurückzuziehen.
Während dessen sprengten Ferdinand-Husaren und russische Garde-Kürassiere ein weiteres Karée (Garde Voltigeurs).
Conantry war völlig von verlassenen Fahrzeugen aller Art blockiert. Die Kavalleristen mussten sich entlang dieses Chaos durchkämpfen und wo es ging, den Strom queren.
Wegen des morastigen Terrains konnte die württembergische Artillerie nun nicht mehr folgen.
Gegen 14. Uhr waren die Franzosen überall auf dem Rückzug Richtung Westen, um  Fère-Champenoise herum, zu den Höhen von Broussy-le-Grande und St. Loup.
Nach der Neuordnung ihrer Regimenter und nach dem das Defillé bei Conantry passiert war, wollte Graf Pahlen und Prinz Adam die weichenden Franzosen in ihrer linken, Großfürst Constantin in der rechten Flanke,  angreifen.
Die Verbündeten hatten nun ca. 10.000 Reiter konzentriert. Ungefähr zu dieser Zeit hörte Marmont Kanonendonner weit hinter den Linien. In der Annahme, es wären Napoleons Einheiten, die ihm zur Hilfe eilten, änderte er die Marschrichtung und zog nun gegen Osten (tatsächlich war es das Gefecht zwischen den Franzosen unter Amey und Pacthod, die von der Schlesischen Armee völlig aufgerieben wurden).
Marmont`s Kavallerie stieß auf drei russische Kanonen. Die Freude über die leichte Beute war kurz - Oberstlieutenant v. Reinhard mit den Prinz Adam-Jägern, unterstützt durch ein österreichisches Kürassierregiment ritten sofort eine Attacke und retteten die Kanonen samt Besatzung. Die Französische Kavallerie zog sich zurück.
Die Dunkelheit unterbrach weitere Aktionen. Die völlig übermüdeten Verbündeten waren nicht in der Lage die Franzosen zu verfolgen.

Die Franzosen verloren bei Fère-Champenoise 5.000 Mann an toten und verwundeten. Mit den Einheiten Amey`s und Pacthod`s zusammen noch 10.000 Gefangene, 80 Kanonen und 250 Wagen des Trains.
Die Verbündeten verloren ca. 2.000 Mann.
Das Korps Marmont und Mortier waren so schwer betroffen,  dass sie in der nächsten Zeit nicht mehr kampffähig waren.

Fère-Champenoise war die letzte große Schlacht vor dem Fall von Paris am 30.3.1814.
Napoleons Marschälle wollten nicht mehr weiterkämpfen.
Auf die Aufforderung Napoleons weiterzukämpfen antwortete ihm Marschall Ney: "die Armee wird nicht marschieren".
Darauf Napoleon: "die Armee wird mir gehorchen" - Ney erwiderte: "die Armee wird ihren Kommandanten gehorchen".
Ney hatte Recht. Napoleon gab am 4.4.1814 seine Abdankung bekannt.

Die Schlacht von Fère-Champenoise ist auch aus einem anderen Grund  interessant:
die Verbündeten schlugen die zahlenmäßig überlegenen Franzosen, die genügend kampferprobte Infanterie im Feld  zur Verfügung hatten , nur mit Kavallerie und einigen reitenden Batterien - ein Fall, der in den Napoleonischen Kriegen Seltenheit besitzt!

Harald Scala

Beteiligte Einheiten:

Franzosen:

Marschall Mortier mit 8  Batallionen der Jungen Garde
sowie Tirailleurs und Voltigeurs,
Gesamt ca.- 3.878 Mann
VI. Korps - Marschall Marmont mit 2 Divisionen Infanterie
und einer leichten Kavallerie-Division:
Gesamt ca. 11.330 Mann
Kavallerie-Korps Belliard mit 4 Divisionen und 2 Brigaden,
Gesamt ca. 4.000 Reiter

Verbündete:

IV. Korps Kronprinz Wilhelm v. Württemberg
Gesamt 8 Eskadronen
Großfürst Constantin - Garde (russ.)
Gesamt 54 Eskadronen
VI. Korps GL. v. Pahlen    (russ.) 
Gesamt 24 Eskadronen

zusätzlich 5 Pulks Kosaken
FML Graf Nostiz Kürassiere, Husaren, Chevauxlegers
Gesamt 28 Eskadronen

 Quelle:

- Digby Smith, CHARGE, Great Cavalry Charges of the Napoleonic Wars, London, 2003

 
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