Der "Heidelberger Brückensturm" am 16. Oktober 1799
Zum historischen Hintergund des Rottmann-Bildes
Von Ursula Perkow

Der Beitrag erschien erstmals im "Jahrbuch" des Stedtteilvereins Handschuhsheim 1999. Er  ist hier bis auf wenige von der Autorin vorgenommene Korrekturen unverändert wiedergegeben. Die Autorin dankt dem Stadtteilverein Handschuhsheim für die Genehmigung der Wiederveröffentlichung sowie dem Kurpfälzischen Museum der Stadt Heidelberg für die Erlaubnis, die seinerzeit zur Illustration verwendeten Bilder von Friedrich Rottmann hier erneut zu publizieren.


 
Bestürmung der Heidelberger Brücke den 16ten Oktober 1799.
Von Friedrich Rottmann (Kurpfälzisches Museum, Aquatinta, koloriert, Inv.-Nr. S 29331, vergl. Anm. 30)

Die seit 1797 in Rastatt andauernden Bemühungen, nach vorausgegangenen Separatverträgen zahlreicher Staaten nunmehr mit einem Friedensvertrag zwischen Frankreich und dem „Heiligen Römischen Reich deutscher Nation“ den Schlußstrich unter den ersten Koalitionskrieg zu ziehen, scheiterten kläglich: Während man noch verhandelte, formierten England, Österreich, Rußland, Portugal, Neapel und die Türkei die zweite Koalition[1] gegen den unersättlichen Expansionsdrang der jungen Republik. - Nachdem der kaiserliche Bevollmächtigte Franz Reichsgraf von Metternich seine Teilnahme schon aufgekündigt und die Stadt verlassen hatte, endete der Kongreß mit der Ermordung zweier französischer Gesandter durch Szekler Husaren am 28. April 1799 wie mit einem Paukenschlag.[2] Doch Hoffnung auf Frieden bestand zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr.

Ein Vorstoß General Jean-Baptiste Jourdans über den Rhein zwischen Kehl und Basel am 1. März, durch den Schwarzwald bis in die Gegend von Rottweil und Tuttlingen fortgesetzt, führte nach Niederlagen gegen Erzherzog Karl bei Ostrach am 20. sowie bei Stockach am 25. März zum Rückzug; General Jean-Baptiste-Jules de Bernadotte, am 1. März weiter nördlich bis Philippsburg vorgedrungen, gab hiernach gleichfalls auf. - Italien sah Ende März / Anfang April die Niederlagen des zuvor in Graubünden und im Engadin erfolgreichen Generals Barthélemy-Louis-Joseph Schérer gegen den österreichischen General Paul Freiherr von Kray und feierte bald darauf den russischen General Alexander Graf Suwarow, der das weitgehend von Frankreich kontrollierte Land zurückeroberte.[3]

In unserer Gegend wurde es seit April zunehmend unruhiger. Am 20. des Monats bereitete General Georges-Joseph Dufour - in Handschuhsheim bekannt durch seine Niederlage und Gefangennahme als Divisionsgeneral am 24. September 1795 - einer Zusammenrottung bewaffneter Odenwälder Bauern bei Weinheim ein blutiges Ende. Am 15. Mai kostete ein von 200 freiwilligen Landleuten unterstützter nächtlicher Überfall österreichischer Dragoner unter Ferdinand Graf Hennequin von Fresnel auf ein Lager bei Leimen die Franzosen neben etwa 200 Verwundeten und Toten 200 Pferde, die die Kaiserlichen den Bauern am Ort überließen. Das Lager wurde angezündet, wer fliehen konnte, rettete sich nach Schwetzingen.[4] Immer wieder liest man von kleineren Gefechten namentlich der Szekler Husaren, von Gefangennahmen, erbeuteten Ochsenkarren und Pferden, vom weiteren Rückzug französischer Einheiten; vor allem aber auch von der planmäßigen Mobilisierung der Bevölkerung unter österreichischer Leitung[5]. Gänzlich unspektakulär vollzog sich am 19. Mai vormittags gegen 11 Uhr der Einzug der Szekler Husaren in Heidelberg[6], nachdem die Franzosen wenige Stunden zuvor unter Mitnahme von fünf Geiseln die Stadt geräumt hatten.

Seit August verging kaum mehr ein Tag ohne Pressemeldung über Kampfhandlungen. Die Stuttgarter Nachricht vom 25. August über das Ausbleiben des am Abend vorher erwarteten Postwagens aus Heidelberg und der Morgensendung von Mannheimer Briefen und Zeitungen signalisierte eine Eskalation der Feindseligkeiten. Das oberhalb von Stuttgart stehende k. k. Kürassier-Regiment Herzog Albert rüstete zum Aufbruch nach Heidelberg, während die unmittelbar zuvor auf 6.000 Mann verstärkte französische Garnison in Mannheim in drei Kolonnen ins Umland vorstieß: die erste die Bergstraße entlang in Richtung Darmstadt, die zweite über Bruchsal in den Raum Durlach und die dritte über Heidelberg nach Heilbronn. Am 26. August mußten die Szekler Husaren aus Heidelberg weichen, wobei im Straßenkampf zwei Einwohner „das Unglück hatten, erschossen zu werden“[7]. Die Chronik der Heidelberger Karmeliter erwähnt die beiden Toten nicht, berichtet aber andere Einzelheiten, wie etwa die Verköstigung von sechs Franzosen im Kloster nach ihrer Rückkehr von der Verfolgung der Szekler. Bemerkt wird außerdem, daß die Soldaten dort weiter nichts verlangt, in den Bürgerhäusern aber mitgenommen hätten, „was ihnen unter die Hände kam“[8].

Überall verdrängten die Franzosen die Kaiserlichen. Von Frankfurt rückte am 31. August der Chef des Generalstabs der französischen Rhein-Armee Generalmajor Louis Comte Baraguey d’Hilliers heran, der trotz heftiger Gegenwehr bei Heppenheim am 2. September Heidelberg erreichte und die dort liegenden Franzosen zeitweise um 4.000 Mann verstärkte. „Sie plünderten an allen Orten, wo sie durchzogen“, vermerkt die Chronik der Karmeliter, um fortzufahren: „Auch der Aufenthalt dieser war von kurzer Dauer.“[9]

Die bis dahin leicht errungenen Erfolge mobilisierten den Widerstand. Während die nichtkämpfende Bevölkerung aus der Gefahrenzone floh - die ganze Bergstraße entlang und den Neckar bis Hirschhorn hinauf waren viele Orte menschenleer - trat zwischen Neckar und Main der Landsturm unters Gewehr, so daß man Anfang September mit Einschluß des Militärs schon etwa 20.000 bewaffnete Männer zählte. Zur selben Zeit nahte ein Teil der k. k. Truppen aus der Schweiz, um sich mit dem aus der Gegend um Villingen und Donaueschingen gegen die Mannheimer Franzosen ziehenden Korps des Generalleutnants Anton Graf Sztáray unter dem Befehl Erzherzog Karls zu einer eigenen Rhein-Armee zu vereinigen.[10]

Als Vortrab erreichte am 8. September eine Division Szekler Husaren Offenbach am Main; das Hauptquartier des Grafen Sztáray langte am 12. in Vaihingen an, nachdem dort am Abend zuvor schon Erzherzog Karl eingetroffen war. Die Franzosen begaben sich nach Mannheim zurück, wobei die Bevölkerung erneut bedeutend litt. Heidelberg wurde gleich doppelt zur Ader gelassen: Kaum war am 11. September die Besatzung nach Erhalt von 6.000 Gulden als „Anzahlung“ für die der Stadt aufoktroyierten Magazine, unter Mitnahme von Geiseln als Pfand für den Restbetrag verschwunden, da tauchte zwölf Stunden später General Michel Ney auf, der - nach vergeblicher Belagerung Philippsburgs - nun in großen Mengen Schuhe, Strümpfe, Hemden und Tücher für seine Truppen verlangte. Das Herannahen von Szekler Husaren veranlaßte ihn zwar vor der vollständigen Erfüllung seiner Forderungen zu hastigem Aufbruch, aber ein von ihm beauftragter „Commissär“ trieb noch weitere 2.000 Gulden ein. Im Gegensatz zu General Ney - der spätere Herzog von Elchingen und Fürst von der Moskwa hatte sich auch andernorts durch übermäßige Forderungen einen schlechten Ruf erworben - hinterließ der zeitweilige Kommandant der Stadt, General Nicolas-Joseph Desenfans „den Namen eines edeldenkenden Menschenfreunds.“[11] Am 13. September früh um 6 Uhr ritten die Szekler Husaren wieder ein, an der Spitze einer Menge von Militär zu Fuß und zu Pferd. Das Hauptquartier der neuen k. k. Rhein-Armee befand sich jetzt in Wiesloch; die Vorposten standen in Schwetzingen, wo am 15. September auch Erzherzog Karl mit drei Kürassier-Regimentern und dem Hauptquartier eintraf.[12]

Eine Woche später meldete der „Schwäbische Merkur“ einen glänzenden Sieg des Erzherzogs: Unter dem Kommando des Grafen Sztáray hatten am 18. September drei Kolonnen, auf der Straße von Heidelberg, längs der Chaussee von Schwetzingen und links dieser Chaussee längs dem Rheindamm die Franzosen angegriffen, bei Neckarau vollständig geschlagen und anschließend Mannheim genommen. Paris sprach auf Grund des Berichts des kommandierenden Generals Baraguey d’Hilliers von einer ehrenvollen Niederlage: 5.000 Infanteristen und 300 Kavalleristen unter General Lubin‑Martin Vandermaesen - der Mannheimer Kommandant FranVois Baron Laroche, Generaladjutant Baron Étienne-Nicolas Lefol und der zur Hilfe herbeigeeilte General Michel Ney werden besonders hervorgehoben - mußten 30.000 Österreichern weichen. Dem eigenen Verlust von 1.200 Mann stünden feindliche Verluste von 3.000 Mann gegenüber.[13] - Aus Wien kam Lob für die Sieger, obwohl Hunderte von Opfern die Freude trübten. Vor allem das „so rühmlich ausgezeichnete“ ungarische Infanterie-Regiment Erzherzog Ferdinand hatte schwer gelitten; aber 900 Tote und Verwundete auf der eigenen Seite gegenüber 1.600 Toten und Verwundeten bei den Franzosen sowie etwa 1.800 Gefangene ergaben eine positive Bilanz. Lang war die Liste der hochverdienten österreichischen Offiziere, von denen neben dem Grafen Sztáray hier nur der am 24. September 1795 in der Schlacht bei Handschuhsheim entscheidend mitbeteiligte Oberstleutnant Pfanzelter vom Infanterie-Regiment Erzherzog Karl genannt sein soll[14]. Gegen halb elf Uhr mittags „sahen die redlich denkenden Mannheimer freudenvoll den jungen Helden in ihren Ringmauern“[15]: Erzherzog Karl und sein Bruder Ferdinand zogen mit stattlichem Gefolge an der Spitze ihrer Truppen ein.

Am selben Tag erreichten laut Karmeliter-Chronik etwa 2.400 französische Gefangene Heidelberg, die man vor­übergehend in der ehemaligen Jesuitenkirche unterbrachte. Das k. k. Hauptquartier, zwischenzeitlich in Schwetzingen, wurde am 29. September nach Bruchsal verlegt, bevor der Großteil der Armee wieder in Richtung Schweizer Grenze ging. In Mannheim blieben Grenztruppen als Besatzung zurück, die Deckung der Umgebung übertrug Erzherzog Karl dem Generalmajor Karl Fürst zu Schwarzenberg mit einem „angemessenen Truppenkorps“. Am 25. September zog ein Teil der k. k. Feldbäckerei von Cannstatt nach Heidelberg, um die Transportwege zur Verpflegung der Mannschaften zwischen Neckar und Main zu verkürzen. Alle Vorsichtsmaßnahmen erwiesen sich als notwendig, denn kaum hatten die Kaiserlichen den Rücken gewandt, als verstärkte Truppenbewegungen im Linksrheinischen und die mehrfache Verlegung des Hauptquartiers der französischen Rhein-Armee auf Vorbereitungen zum Gegenstoß hindeuteten. In Zusammenhang damit stand anscheinend auch der Kommandantenwechsel in Mainz, wo General Dufour die Befehlsgewalt übernahm.

Am 6. Oktober meldete Heidelberg Gerüchte von einem tags zuvor erfolgten Rheinübergang der Franzosen bei Oppenheim; am 13. hörte man, daß bei Rüsselsheim Soldaten aus der französischen Garnison von Mainz den Strom überschritten hätten, und einen Tag danach war bereits vom Übergang auf „mehreren Punkten“ zwischen Mainz und Mannheim die Rede. Aus Mannheim bewegte sich österreichische Infanterie und Kavallerie mit wenig Geschütz einer feindlichen Kolonne entgegen, die in Richtung Bergstraße bereits bis Bensheim vorgedrungen war. Erst am 20. Oktober erfuhren die Leser des „Schwäbischen Merkurs“ - teilweise als noch unbestätigtes „on dit“ - vom Rückzug der Kaiserlichen von der Bergstraße und vom rechten auf das linke Neckarufer. Bei für beide Seiten verlustreichen Kämpfen bei Ladenburg und Heidelberg sei Oberstleutnant Moritz Fürst zu Liechtenstein (Ulanen) verwundet worden und Oberst Paul Graf Esterházy (Vécsey‑Husaren) nach einem Sturz vom Pferd in Gefangenschaft geraten. Mannheim, Heidelberg, Ladenburg „etc.“ befänden sich angeblich wieder in feindlicher Hand, aber die Armee-Depots und das Spital seien in Sicherheit.[16]

Fürst Schwarzenberg, seit längerer Zeit leidend, habe nach Verlegung des Hauptquartiers nach Wiesloch am 17. Oktober das Kommando an Generalmajor Philipp Freiherr von Görger übergeben.[17] Spätere Meldungen und Berichte lassen die Dramatik der vergangenen Tage ahnen, eröffnen auch mitunter einen Blick auf die Kampfbereitschaft der Bevölkerung im Odenwald und an der Bergstraße, beschönigen aber auffallend die Situation der Österreicher. Abgesehen von der Gefangennahme des Grafen Esterházy und der Verwundung des Fürsten Liechtenstein habe sich das Rückzugsmanöver am Neckar „in bester Ordnung“ vollzogen, ohne daß die Ulanen auch nur einen einzigen Mann eingebüßt hätten. Typisch in dieser Art formuliert der „Schwäbische Merkur” am 28. Oktober: “Nun war Ruhe, und die Brücke mit getöteten Franzosen bedeckt. Erst am folgenden Tage morgens um drei Uhr ward, weil der militärische Plan und der Befehl des Generals es so wollten, die Brücke und die Stadt Heidelberg in der Stille von den Kaiserlichen freiwillig verlassen, aber ohne von den Franzosen dazu genötiget zu sein.“

Achtzig Jahre nach dem Geschehen lebte die Erinnerung an Sieg und Niederlage nur noch in verblaßten Überresten fort, obwohl man die „Kugelnarben“[18] an beiden Brückentürmen zum dauernden Gedächtnis konservierte. Schlossermeister August Kraus galt als der letzte Heidelberger, der als sechs- bis siebenjähriger Knabe ein „einigermaßen bewußter Zeitgenosse des Brückensturms“ gewesen war, während andere Hochbetagte bereits Erzählungen der Eltern weitergaben. Robert Salzer, Vorstand und Professor der höheren Bürgerschule in Heidelberg, unterzog sich der Mühe, die schriftlichen Quellen und mündlichen Überlieferungen im Jahresbericht seiner Schule für 1880 aufzubereiten. Obgleich die Bitte um Mitteilung weiterer Nachrichten[19] den Wunsch nach Erweiterung der Studie anzudeuten scheint, bietet diese in der vorgelegten Form bereits ein abgerundetes, an lokalgeschichtlichen Gegebenheiten reiches Bild der Ereignisse:

Nach dem Rheinübergang am 13. Oktober 1799 wandten sich die Franzosen gegen Aschaffenburg, Mannheim und Heidelberg. Während die zur Beobachtung des Rheins bestimmten österreichischen Patrouillen allmählich zurückwichen, lieferten sie bei Bensheim ein Gefecht, in dessen Verlauf sie bis Weinheim abgedrängt wurden. Hier standen am 16. Oktober die österreichischen Vorposten vom 2. Ulanen-Regiment mit dem Auftrag, gemeinsam mit den Szekler Husaren bei Ladenburg und einigen anderen Abteilungen links des Neckars zwecks Deckung des Rückzugs der Truppen unter Fürst Schwarzenberg von Mannheim den Gegner einen Tag lang aufzuhalten. Das Kommando auf dem rechten Flügel führte Oberstleutnant Moritz Fürst zu Liechtenstein.

Gegen Mittag warf die französische Kavallerie die Ulanen bei Weinheim bis hinter die an der Straße liegende Ziegelhütte zurück, wo sie sich mit Unterstützung einer von Schriesheim herbeigeeilten Schwadron noch eine Weile halten konnten. Als jedoch die feindliche Infanterie über die Weinberge die Österreicher zu umgehen drohte, nahm Fürst Liechtenstein die Vorposten weiter zurück, um zwischen Handschuhsheim und Neuenheim den Widerstand neu zu organisieren. Einige Kompanien Infanterie gingen in die Weinberge am Heiligenberg, zwei besetzten Neuenheim, die übrigen, mit Geschütz, standen vor Neuenheim; vereinzelte Reiter-Attacken sollten das Vordringen des Gegners von Schriesheim nach Handschuhsheim hemmen. Durch einen Streifschuß an der Achsel verletzt, übergab Fürst Liechtenstein den Befehl seinem Major Friedrich Graf Trauttmannsdorff[20]. - Salzer schließt sich hier der „Relation“ Trauttmannsdorffs vom 5. November an, der anderweitige Angaben entgegenstehen, der Kommandowechsel sei erst erfolgt, nachdem der Fürst an der Brücke neunmal (sonst werden meist sieben Angriffe gezählt)[21] den Angriff General Neys „mit seltener Bravour“ zurückgeschlagen hatte. Nach dem Bericht des Grafen also war er bereits mit dem Kommando betraut, als er die Nachricht vom Übergang feindlicher Kavallerie über den Neckar bei Ladenburg erhielt und vom Vordringen des Gegners bis oben an den Schlangenweg erfuhr. Schon schien der Rückzug nach Heidelberg gefährdet, als Trauttmannsdorff mit seinen Truppen „unter beständigem Fechten“ über die Brücke ging. In letzter Minute gelang es ihm noch, hinter der Brücke zwei Kompanien des Deutsch-Banater Grenz-BatailIons mit zwei Geschützen in Position zu bringen und die notwendigsten Anordnungen zu treffen, bevor die französische Infanterie vom Gebirge herab den Sturm begann.

Den Erzählungen des über dreiundachtzigjährigen Fischers Theobald Hirschel und einem Fragment der „Georg Friedrich Epp’schen Hausacten” entnahm Salzer[22] weitere, sonst unbekannte Einzelheiten: Ahnungslos wären die Heidelberger an den Abhängen des Heiligenbergs mit der Weinlese beschäftigt gewesen, während es überall schon von Militär nur so wimmelte - selbst durch Schüsse nicht beunruhigt, da sie die Knallerei für Freudenbezeugungen der Jugend hielten! Tatsächlich aber galten die Schüsse den kurtrierischen Jägern, die sich aus den Weinbergen zwischen Handschuhsheim und Neuenheim zum Philosophenweg zurückgezogen hatten und im Garten des Hecklerschen Hauses oberhalb der Brücke sammelten. Kurz darauf folgten sie der Aufforderung des Oberleutnants Albert Graf Pappenheim, mit der Nachhut über die Brücke zu gehen und aus der Deckung der Holzstöße die auf der Neuenheimer Straße anmarschierenden Feinde zu beschießen. Schon hatten sich die Franzosen im Eppschen Wirtshaus gegenüber der Brücke[23] festgesetzt, das ihnen bereits vom 26. August bis 12. November als Quartier gedient hatte, schon nahm man vom Berg her die Brücke unter Feuer, als den Heidelbergern in ihren Wingerten plötzlich ein Licht aufging, was um sie herum geschah. In wilder Hast stürzten sie zum Ufer hinunter, die Schnellsten ergatterten die wenigen Kähne, die zum Transport der Trauben bereitlagen; mit Mühe gelang es dem Vater des Erzählers Hirschel, in seinem eigenen Boot noch Platz zu finden. Obwohl durch Überladen zum Teil dem Sinken nahe, erreichten alle Schiffe ihr Ziel. Einige besonders mutige Fährleute ruderten nochmals hinüber, um weitere Personen in die Stadt zu bringen. Wer am Neckarufer wohnte, verrammelte zum Schutz gegen die später auf die ganze Nordseite der Stadt gerichteten Geschosse Fensterläden und Türen, an der Brücke arbeiteten die Militärs an ihren Barrikaden, die Franzosen rüsteten zum ersten Sturm.

Derart lebhaft geschilderte Szenen blieben in Robert Salzers Sammlung seltene Kostbarkeiten, so daß er ein wenig resigniert bemerkte: „Und wenn nicht die bildliche Darstellung des Brückensturms, die im Jahre 1804 von dem Vater des berühmten Landschaftsmalers Rottmann herausgegeben wurde, einige Züge aus dem Kampfe lebendig erhalten hätte, so würde selbst von dem wenigen Übriggebliebenen kaum eine Spur sich erhalten haben.”[24]

Sicher trug die geschickte Vermarktung wesentlich zum Erfolg des Bildes bei, das von früh an - auch unter Glas gerahmt als Zimmerschmuck - weit verbreitet war und sich dank häufiger Wiedergabe in der Literatur bis heute großer Popularität erfreut.[25] So heißt es im „Heidelberger Wochenblatt“ vom 2. März 1826: „Indem schon öfter vergebliche Nachfrage der Abbildung des Heidelberger Brückensturms von 1799 gewesen, so mache ich hiermit die ergebenste Anzeige, daß dieselbe schön illuminiert nach der Aufnahme des Herrn Rottmann um billigen Preis zu haben sei bei J. Conr. Wettstein.“ Da wenige Wochen später im Mai 1826 ein C. V. Sommerlatt in der „Karlsruher Zeitung“ eine Druckausgabe von Rottmanns „Schlacht von Wimpfen“ in Aussicht stellte[26] und durch Verkauf seines Blattes an die lithographische Anstalt in Pforzheim ermöglichte, darf man einen Zusammenhang mit dem zehnten Jahrestag des Todes des Künstlers am 29. Januar 1826 vermuten; doch auch ohne Jubiläum versprach der „Brückensturm“ lohnende Rendite. Denn wie der Land- und Forstwirt Andreas Löwis of Menar in Erinnerung an seine Heidelberger Studienzeit erzählte, hatte schon Rottmann selbst damit ein einträgliches Geschäft gemacht.[27] Der Livländer aus ursprünglich schottischer Familie, der am 24. Oktober 1803 die Heidelberger Universität bezog und nach dem Studium noch bis zum Herbst 1808 in der Gegend blieb, suchte den Maler auf, um sich im Zeichnen von Blüten und Pflanzen zu vervollkommnen. Er erlebte den Meister in der Werkstatt, wo seine kleinen Söhne Carl - der später seinen Vater an Ruhm weit überflügeln sollte - und Anton beim Illuminieren halfen. Dabei erhielt er nicht nur nützliche Ratschläge, sondern sah auch vieles im Entstehen und erhielt Hintergrundinformationen aus erster Hand. Besonders freute den Studenten die Erzählung, wie Rottmann im Revolutionskrieg, gemeint war der „Brückensturm“, aus Neugier in die nächste Straße lief[28], sich an die Häuser drückend “die von der Brücke herpfeifenden Kugeln nach Möglichkeit mied“ und das Geschehen genau verfolgte. Das danach gezeichnete, flüchtig in Kupfer gestochene Blatt fand, schwarz-weiß wie auch illuminiert[29], ein dankbares Publikum.

Zur Zeit der Bekanntschaft mit Löwis of Menar gab Rottmann die „Bestürmung der Heidelberger Brücke den 16ten Oktober 1799“[30] heraus, begleitet durch seine „Kurze historische Beschreibung“[31], die er 1805 in Heidelberg bei J. M. Gutmann drucken ließ. Ein imponierendes Subskribentenverzeichnis eröffnete das Bändchen mit fast hundert Namen von Freunden des Unternehmens aus nah und fern, von Amorbach bis Zwingenberg, worunter 65 aus Heidelberg. Erwähnt seien außer „Herrn v. Lewis“, bei dem es sich um Andreas Löwis of Menar handeln dürfte, die drei Handschuhsheimer: der reformierte Pfarrer Le Bachelle, Waisenschaffner Rottmann und Ihre Exzellenz Freifrau von Welden.[32]

Im Text gibt Rottmann einen Abriß der Ereignisse, für 1795 bei aller Kürze gelegentlich von großer Eindringlichkeit; für die historisch unbedeutendere Affäre von 1799 bleibt nur eben genügend Raum[33], um die Szene am Brückentor mit 200 Mann ungarischer Infanterie, einigen kurtrierischen Jägern und 80 Ulanen im Kampf gegen die um ein Vielfaches überlegenen Franzosen unter ihrem General - der als einziger namentlich genannte „Lorset“[34] - wie auf einer Bühne für die Phantasie des Lesers herzurichten. Eine Kanone, bis tief in die Nacht von allen Kanonieren und aushilfsweise eingesetzten Infanteristen unermüdlich gegen den siebenmal anstürmenden Feind abgefeuert, dient als Requisit. Zum Helden der Österreicher wird ein Ulanen-Offizier, der vom Pferd absitzt, sich eine Trommel überwirft und sturmschlagend den Seinen Mut zuruft[35]. Genau dieses zeigt das Bild: Die Reiter aufgereiht im Vordergrund, den Blick nach Osten, vom Betrachter abgewandt; vor ihnen auf dem Platz und rundherum die Infanterie. Der Reiter links außen hält ein lediges, tänzelndes Pferd am Zügel, als dessen Besitzer man nach der „Kurzen Beschreibung“ den Offizier mit der Trommel vor dem an den linken Torturm stoßenden Gebäude ansehen darf. Das Geschütz ist in Aktion, am Tor herrscht Kampfgetümmel, über die Brücke naht in wuchtiger Masse der Feind.

Die Chronik der Schwarzenberg-Ulanen, in einem prachtvoll gebundenen Exemplar mit Widmung als Geschenk des Regiments zum Jahre 1899 dem Heidelberger Stadtrat übersandt, ergänzt die Geschichte wirkungsvoll, wenn auch nicht unumstritten: Als Rittmeister Josef von Bogdan[36] beim Rückzug als Führer der Nachhut die Brücke passierte, sah er, daß die Deutsch-Banater Grenzsoldaten vollständig aus der Fassung gerieten. Rasch bestimmte er “fünfzehn der anerkannt tapfersten Reiter“, denen sich Leutnant Cäsar Gressier anschloß, mit ihm die Verteidiger anzuführen und die Grenzer neu zu motivieren. Nachdem Bogdan mit Gressier geholfen hatte, die Brücke zu verbarrikadieren, besetzte er die daneben liegenden Häuser „höchst zweckmäßig“ mit Infanterie und führte anschließend eigenhändig das Geschütz vor, mit dem die französischen Grenadiere aus dem Tritt gebracht werden sollten. Als diese trotzdem die Wagensperren überwanden, warf sich ihnen der Rittmeister mit einigen Ulanen zu Fuß mit eingelegter Lanze entgegen - wieder von Gressier assistiert, der die durch Tod oder Verwundung sämtlicher Kanoniere verwaiste Kanone bediente.

Major Graf Trauttmannsdorff dagegen meldete in seiner „Relation”[37], Gressier habe sowohl das Geschütz bedient als auch mit den Ulanen die Angreifer am Tor zurückgeworfen. Im Ergebnis zwar unerheblich, spielt der Widerspruch doch insofern eine Rolle, als der Streit um die Anerkennung persönlicher Verdienste beim „Brückensturm“ viel Bitterkeit verursachte:

Da erfahren die 200 Deutsch-Banater Grenzsoldaten, im Generalbefehl Erzherzog Karls vom 26. Oktober wegen ihrer „unerschütterlichen Tapferkeit“ so hoch gelobt[38], in der „Relation“ des Grafen Trauttmannsdorff neben eingeschränkter Anerkennung herbe Kritik[39]; die 60 kurtrierischen Jäger, die sich als Freiwillige nach vorherigem Dienst bei den Szekler Husaren kürzlich in Heidelberg dem Fürsten Schwarzenberg zur Verfügung gestellt hatten [40], werden allenfalls beiläufig erwähnt; und am Ende, bei dem Fest zum hundertjährigen Jubiläum des Ereignisses, bleiben Ruhm und Inschriftentafel für das Ulanen-Regiment „Fürst Schwarzenberg“ allein. Hauptmann Vitanovich als stellvertretender Kommandeur der Grenzsoldaten ordnete sich, so schreibt Salzer, „ohne Einsprache zu erheben, dem Grafen Pappenheim unter, dessen Entschlossenheit im entscheidenden Augenblick die Brücke gerettet hatte“[41]. Hier folgt der Professor den Mitteilungen des Schlachtenmalers Wilhelm Emelé - durch seine Arbeit für das Heidelberger „Friedrich-Luisen-Album“ zur Hochzeit des großherzoglichen Paares im Jahre 1856 zum Spezialisten für den „Heidelberger Brückensturm“ avanciert und durch seinen Kollegen Alexander von Kotzebue mit Graf Pappenheim bekannt gemacht.[42] Während Emelé für den Grafen ein zweites Bild zum selben Thema malte (später von Kaiser Franz Joseph erworben und dem Auftraggeber durch eine Kopie ersetzt), erhielt er von ihm jene Informationen, die er an Salzer weitergab[43] - die Wahrheit - wie Graf Pappenheim sie sah:

„Die Brücke schien verloren. Da riß im entscheidenden Moment, da der Hauptmann der Grenzer untätig blieb, Graf Pappenheim entschlossen das Kommando an sich. Er befahl seinen Ulanen abzusitzen, sprang selbst mit seinem Lieutenant vom Pferd an das verlassen stehende Geschütz, richtete es aus und drang, nachdem Gressier das Geschütz auf die dichtgedrängte Masse der Feinde aus nächster Nähe gelöst hatte, an der Spitze der Ulanen auf die Feinde los, von denen ein Teil bereits die Wagen hinter sich hatte.“ Blutig wurde der Ansturm abgewiesen. Die darauf eingetretene Atempause nützte der Graf zum einen zur Einschüchterung der Truppen am jenseitigen Ufer, indem er die Ulanen nach Theatermanier unaufhörlich um die Häuser reiten ließ, um eine respektable Streitmacht vorzutäuschen; zum anderen sorgte er dafür, daß die von der Bevölkerung und - wie man von einem der kurtrierischen Jäger hört - von den Studenten [44] dargebotenen Speisen und Getränke nicht zu unerwünschten Folgen führten. Strenges Alkoholverbot! Die umsichtigen Anordnungen beeindruckten Salzer nicht weniger als der kämpferische Einsatz seines Helden, denn es sei ihm gelungen, „seine kleine Schar frisch und munter zugleich zu erhalten und mit der Entschlossenheit zu erfüllen, von der er selbst und sein Lieutenant erfüllt waren“. Bis Einbruch der Dunkelheit setzten die Franzosen noch viermal vergeblich zum Durchbruch an, bevor sie mit einem Überrumpelungsversuch kurz vor Mitternacht zum letzten Mal an den Verteidigern des Brückentores scheiterten. Auch hierbei fanden wieder Pappenheim und Gressier Gelegenheit, sich hervorzutun.

Wie kam es aber nun, daß der begabte Führer und Soldat in den Annalen seines Regiments nicht nach Verdienst gewürdigt wurde? Und andererseits, wo beibt in Pappenheims Bericht Rittmeister von Bogdan, den Kaiser Franz Joseph in Anerkennung seiner Taten bei Heidelberg nicht nur am 5. Mai 1802 durch das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens ehrte, sondern auch mit dem Prädikat „von Sturmbruck“ in den Freiherrnstand erhob? Als Karl Otto Frey über siebzig Jahre nach Salzers Abhandlung die Geschichte neu bearbeitete, legte er die erst 1940 zur Benutzung freigegebenen „Denkwürdigkeiten“ des am 3. Juli 1860 dreiundachtzigjährig verstorbenen Grafen zugrunde, um einen Blick hinter die Kulissen zu bieten. Demnach vermutete Pappenheim hinter allem Kameradenneid, da er seit seiner Versetzung von den Erzherzog Franz-Kürassieren als Oberleutnant zu den Ulanen als „Eindringling“ besonders den altgedienten Unterleutnants ein Dorn im Auge war und deshalb sogar von drei Kontrahenten zum Duell gefordert wurde. Zwar glätteten sich die Wogen, als man ihn näher kennenlernte; doch in der mangelnden Würdigung seiner Rolle bei dem Kampf um die Neckarbrücke schienen ihm die Animositäten wieder aufzuleben. Sechs Stürme habe er zurückgeschlagen, bis er nach einer Verwundung bei den drei letzten Leutnant Gressier die Führung überließ. „Für diese anerkannt glänzende Tat wurde mir nichts zuteil, wohl aber erhielt der Rittmeister Bogdan dafür den Theresienorden. Bogdan war auch ein äußerst tapferer Soldat, er hatte den Orden vielleicht zehnmal verdient, allein bei dieser Affäre war er gar nicht anwesend, sondern zwei Stunden entfernt.”[45]

Fürst Schwarzenberg bestätigte am 20. März 1802 in Wien in den ehrendsten Worten ein von Bogdans Regimentskameraden unterzeichnetes Zeugnis, demzufolge die „so rühmliche als wichtige und vollkommen freiwillige Tat des Herrn Rittmeisters unter unsern Augen vor sich gegangen“ war; doch Robert Salzer, der dieses Dokument nach Abschluß seiner Arbeit zu Gesicht bekam, mochte ihm keine Beweiskraft zugestehen. Ebenso entschied Karl Otto Frey, indem er befand: Salzers Darstellung „kommt der Wahrheit wohl am nächsten. Jedenfalls wird sie ganz gedeckt durch die Ausführungen des Grafen zu Pappenheim in seinen auch sonst so interessanten Denkwürdigkeiten“.[46] Wägt man nun die Argumente bezüglich der Verdienste der Offiziere Trauttmannsdorff, Pappenheim und Bogdan gegeneinander ab, so fällt ein Name auf, in dessen Lob sich alle einig sind: Cäsar Gressier, vor wenigen Monaten erst wegen ausgezeichneter Tapferkeit zum Leutnant befördert[47] - der Mann mit der Trommel - und offensichtlich Modell für die Zentralfigur in Rottmanns „Bestürmung der Heidelberger Neckarbrücke“. Doch die Entscheidung muß dem Leser überlassen bleiben - zumal die Heidelberger Tradition keinem der vier den Lorbeer gab. Stattdessen hielt sie das Andenken zweier Franzosen wach: Als Name wird, vielleicht nach Rottmann, gewöhnlich der des Generals Lorcet genannt[48]; als individuelle Persönlichkeit dagegen, wenn auch namenlos, begegnet uns bei vielen Erzählern ein französischer Tambour, der, nachdem ihm eine Kugel den linken Fuß hinweggerissen hatte, an das Brückengeländer gelehnt noch unermüdlich den Sturm-Marsch schlug.[49] Nach anderen fand er hinter dem Denkmal Karl Theodors Schutz und feuerte die Seinen an, bis einer der Verteidiger ihn niederstach und zu den Toten ins Wasser warf.

Mit der Abwehr der zweiten Angriffswelle hatten die Verteidiger das Schwerste überstanden, obwohl General Ney noch mindestens fünfmal den Durchbruch versuchte. Zwischen 1.200 und 1.800 Mann sollen die Franzosen bei der Aktion verloren haben, während die Österreicher dank ihrer gut gedeckten Stellung kaum Verluste beklagten. Die Ulanen verzeichneten für ihr Regiment 22 Verwundete „vom Wachtmeister abwärts“, ferner 9 getötete und 8 verwundete Pferde sowie 9 Mann, die mit ihren Pferden in Gefangenschaft geraten waren.[50]

Eine halbe Stunde vor Mitternacht suchten die Angreifer ihre Quartiere auf, teils in den Wirtschafts- und Ökonomiegebäuden des Eppschen Hauses, teils in Handschuhsheim. Die Verteidiger folgten dem unmittelbar nach dem letzten Sturm empfangenen Befehl, sich nach Wiesloch zu begeben, umwickelten die Räder der Geschütze und Wagen sowie die Pferdehufe mit Stroh und Tüchern und marschierten gegen drei Uhr früh in aller Stille ab. Als die Franzosen um sieben Uhr die Brücke überschritten, auf der noch über 200 ihrer Toten lagen[51], fanden sie zu ihrem Erstaunen die Stadt vom Militär entblößt. Die Plünderung begann. Entgegen anderslautenden Berichten, wonach die Bewohner außer der von General Lorcet erhobenen Kontribution von 200.000 Francs diesmal wenig Schaden litten, belief sich nach Aussage der Karmeliter-Chronik der Plünderungsschaden zusammen auf 80.000 Gulden - bis zu über 1.000 Gulden im Einzelfall. Darüber hinaus erhob General Ney unter der Drohung, die Stadt niederzubrennen, weitere horrende Forderungen. Daß die Karmeliter selbst recht glimpflich davonkamen, verdankten sie dem diplomatischen Geschick ihres Priors, der vom kommandierenden General eine Schutzwache erbat und erhielt.

Bald konnten wieder die Kaiserlichen mit Erfolgen aufwarten. Den Umschwung brachte der Sieg des Generalmajors Friedrich Fürst zu Hohenlohe-Ingelfingen bei Bönnigheim und Erligheim nahe Lauffen am 3. November: Die französischen Generäle Ney und Lorcet wurden verwundet, letzterer mit 17 weiteren Offizieren und 697 Mann gefangengenommen, 1.200 Mann getötet.[52] Nachdem am 6. November General Ney sein Hauptquartier nach Mannheim verlegt hatte, rückte vom unteren Neckar eine Kolonne unter dem bayerisch-pfälzischen Obristen Karl Philipp Freiherr von Wrede in Richtung Heidelberg; Fürst Hohenlohe drängte nach. Die Franzosen, am 12. November noch von Heidelberg über Hockenheim bis nach Wiesloch aufgestellt, konzentrierten ihre Artillerie und schwere Kavallerie in Schwetzingen und Mannheim. In Kämpfen zwischen Karlsruhe und Philippsburg sowie bei Wiesloch und Sinsheim verbesserte sich die Position der Kaiserlichen weiterhin.[53]

Am 3. Dezember abends um acht Uhr traf General Monge, von einem Trompeter und zwölf Kürassieren begleitet, in Neulußheim ein, um dem Grafen Sztáray das „Ansuchen des französischen Obergenerals um Waffenruhe“ zu überbringen. Noch in der Nacht handelte Sztáray mit General Claude-Jacques Comte Lecourbe die Bedingungen aus, unter denen vorbehaltlich der Zustimmung Erzherzog Karls ein Waffenstillstand geschlossen werden sollte. Der Erzherzog lehnte jedoch ab, verlangte zusätzlich die Räumung von Neckarau, Mannheim und Kehl und gab damit das Signal zur Wiederaufnahme der Feindseligkeiten.[54] Heidelberg beherbergte seit dem 5. Dezember nach verabredungsgemäßem Abzug der Franzosen wieder das österreichische Hauptquartier, nachdem Graf Sztáray schon am Tag vorher dort erschienen war; in der Nacht vom 9. auf den 10. Dezember machte der Einzug in Mannheim und Neckarau den Triumph perfekt.[55]

So schnell die Wochen der Franzosenherrschaft vorübergegangen waren, so schnell verwischten sich die Spuren der Erinnerung. Die Taten der Ulanen am 16. Oktober 1799 wurden in den sich wiederholenden Kämpfen um Befreiung oder Verteidigung der Stadt gleichsam zum Symbol für die „Rettung Heidelbergs“, so daß man den Tag des „Brückensturms“ im Jahre 1899 als großes Jubelfest beging. Der Stadtrat beglückwünschte die Schwarzenberg-Ulanen in Tarnow in Galizien und schickte Geschenke, die durch Übersendung der Chronik des Regiments erwidert wurden, man schmückte das Brückentor mit Wappen, Fahnen, Girlanden und der bekränzten Inschriftentafel, Edmund von König brachte eine illustrierte Postkarte nach Rottmann heraus. Die “Gemeinde Steingasse“ veranstaltete im “Grünen Baum“ eine eigene Feier mit Ansprachen, Musik und einem einstündigen Festvortrag von Karl Christ, wozu die Stadtverwaltung Kopien der Bilder von Rottmann und Emelé bereitgestellt hatte. Als „besondere Neuerung“ legte ein Teilnehmer der Versammlung ein Rätsel vor, dessen Lösung lautete: „Brückensturm - Brückenturm“.[56]

Anders in Handschuhsheim, das nicht nur wie alle Bergstraßenorte allgemein unter den beständigen Truppendurchmärschen, Einquartierungen und Kampfhandlungen während der Revolutionskriege zu leiden hatte[57], sondern gerade an diesem 16. und 17. Oktober “gänzlich der Plünderung und harten Bedrückungen preisgegeben war“[58]. Am ärgsten hausten die Feinde in der Nacht vom 16. auf den 17., als sie blindwütig alles zerstörten, was sich nicht mitnehmen ließ, und die Menschen aus ihren Wohnungen verjagten. Pfarrer Mühlings Vorgänger, Dekan Franz Theodor Brunner, mußte in fremden Gärten Schutz suchen, wo ihm eines seiner Beichtkinder die „notwendige Körperbedeckung“ reichte, damit er anderen wieder unter die Augen treten konnte. Den ihm durch die in seinem eigenen Garten lagernden Franzosen zugefügten Schaden allein an Wein, Geld, Kleidung, Weißzeug, Fleisch und Butter bezifferte er später „im geringsten Anschlag“ auf 850 Gulden. - 164 Einwohner meldeten eine Gesamtschadenssumme von 20.692 Gulden 22 Kreuzer, bis hinunter zum geringsten Betrag von 4 Gulden bei dem Kuhhirten Anton Becker. Einen „kleinen Hafen“ mit Schmalz rechnete man auf 2, einen ganzen Bettüberzug auf 6, einen Krug Branntwein auf 8 Kreuzer, einen Laib Brot auf 1 Gulden 35 Kreuzer.[59]

Zu den Hauptgeschädigten gehörten Waisenschaffner Carl Rottmann und Sohn, die am 28. Oktober 1799 einen Verlust von 1.233 Gulden 57 Kreuzer angaben. Während bei dem Vater der Vandalismus rund um die Schaffnerei - allein das zerstörte Laubengehölz belief sich auf 200 Gulden - am schwersten ins Gewicht fiel, hatte die Soldateska es bei Friedrich Rottmann auf die Dinge des gehobenen Lebensstandards im Haus abgesehen: Koch- und Speisegeschirr bester Qualität, zwei goldene Ringe zu jeweils 15 Gulden, ein Paar Pistolen zu 8 Gulden, 110 Gulden in bar und „Eine Sammlung von Handzeichnungen und einigen feinen Kupfern, wofür mir 200 fl. geboten gewesen“ als Hauptposten ergaben mit einigen guten, meist neuen Textilien und teuren Lebensmittelvorräten insgesamt 639 Gulden 57 Kreuzer.[60]

Die Schrecken dieser Tage saßen tief, und noch die Enkel hatten nicht mit dem Kapitel abgeschlossen. Selbst außerhalb des Ortes blieb der Eindruck haften, über Generationen wachgehalten durch das dünne Geläut von St. Vitus. Die schöne große Glocke der Simultankirche, nach „verbürgter Überlieferung“ mit anderen als Kriegsbeute nach Metz verschleppt, fehlte im Zusammenklang. Auf dem Höhepunkt des 1870er Krieges gewann der Fall plötzlich überraschende Aktualität, da die preußische Regierung im Vorgriff auf den als sicher erwarteten Sieg nach Schadensersatzansprüchen fahndete[61]. Die Hoffnung, die durch den eingeprägten Handschuh identifizierbare Glocke zurückzubekommen, erfüllte sich zwar nicht; aber auf ein von Kirchenrat August Eberlin bei Großherzog Friedrich I. unterstütztes Gesuch der evangelischen Gemeinde hin bewilligte Kaiser Wilhelm I. vierzehn Zentner Metall von erbeuteten französischen Kanonen für den Guß einer neuen - der „Kaiserglocke“. Die festliche Einholung des in Kaiserslautern gegossenen Stückes durch die Handschuhsheimer am Heidelberger Bahnhof kommentierte das „Heidelberger Journal“ vom 28. November 1872 unter der Überschrift “Auch eine Revanche!“: Der Verfasser erinnerte an die Plünderung durch die Franzosen im Jahre 1799 und an die lange Zeit des Notbehelfs mit zwei kleinen Glocken für die evangelische Gemeinde, er erwähnte die vom Kaiser „gnädig gewährte“ Bitte um Unterstützung, kam auf den „feierlichen Triumphzug“ zu sprechen und schloß mit markigen Worten im Stil seiner Zeit: „Möchte dieser Ersatz für ihr geraubte Glocken durch den Räubern abgenommene Kanonen der Abschluß all der Kriegsleiden sein, welche diese uralte, wackere deutsche Gemeinde seit Pippins Zeiten bis in unser Jahrhundert herein in überreichem Maße zu erdulden hatte, indem sie zu allen Zeiten an allen Kriegsleiden Heidelbergs, besonders durch die barbarischen Horden der Nachbarn von jenseits des Rheins, vollständig teilnahm, ja noch ungeschützter war als unsere damals befestigte Stadt.“

Anmerkungen:

(Zitate sind - Buchtitel ausgenommen - orthographisch der heute üblichen Form angepaßt, Druckfehler korrigiert.)

[1] Zusammenfassend Timothy C. W. Blanning: The French Revolutionary Wars: 1787-1802. London (u.a.) 1996, 230. - Zu den folgenden Auseinandersetzungen ebd., 231-234.

[2] Schwäbischer Merkur auf das Jahr 1799. Eine politische Zeitung, welche, in Verbindung mit der Schwäbi-schen Chronik [...] zu Stuttgart ausgegeben wird (künftig SM bzw. SC); SC, 10.4., 21.4. (Metternich). - Zum Gesandtenmord: SC, 5.5.; SM, 15.5. (und öfter); vgl. Chronik des Barfüsser Karmelitenkloster zu Heidelberg: ein Beytrag zur Pfälzischen Kirchengeschichte; die deutsche Fassung des F. Gregor Hertwig. Hrsg. u. komm. von Markus A. Maesel. Ubstadt-Weiher 1998, 300 (als Szekler verkleidete gedungene Mörder); Heinz Bischof: Politischer Mord anno 1799. In: Hierzuland. Badisches und anderes von Rhein, Neckar und Main. 9 (1994), H. 17, 19 f. - Zusammenfassend Erich Zöllner: Geschichte Österreichs. 7. Aufl. München 1984, 333.

[3] Blanning (wie Anm. 1), 234-238. - Zu Kray: J. Hirtenfeld: Der Militär-Maria-Theresien-Orden und seine Mitglieder. Abt. 1.2. Wien 1857, I, 407-411; Constant von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Bd. 1-60. Wien 1856-1891, XIII (1865), 161-167. - Zu Schérer: Georges Six: Dictionnaire biographique des généraux et amiraux franVais de la révolution et de l'empire (1792-1814). T. 1.2. Paris 1934, II, 433 f.; mit neuerer Literatur Dictionnaire Napoléon, sous la direction de Jean Tulard. Nouv. éd., revue et augm. Paris 1989, 1544. - Zu Bernadotte: Six, I, 81 f.; Tulard, 200 f.

[4] SM, 24.5.; zu Dufour: Six (wie Anm. 3), I, 382 f.; vgl. Ursula Perkow: Die Schlacht bei Handschuhsheim. Vorgeschichte und Ereignisse des 24. September 1795. In: Stadtteilverein Handschuhsheim: Jahrbuch 1995, 7-33; hier 27, 29. - Karmelitenkloster (wie Anm. 2), 301. - SM, 20.5., 21.5. - Zu Hennequin (SM: "Frenelle"): Wurzbach (wie Anm. 3), VIII (1862), 305 f.: Hirtenfeld (wie Anm. 3), I, 742 ff.

[5] So z.B. SC, 21.4., 24.4.; SM, 21.5. - Die Reiter-Regimenter der k. k. österreichischen Armee. Von einem ehemaligen Cavallerie-Offizier. Bd. 1-3. Wien 1862-1863; hier II, 303 (Szekler Husaren, später Husaren-Regiment Nr. 11, Prinz Württemberg; für "1798" ist "1799” zu lesen).

[6] Karmelitenkloster (wie Anm. 2), 301. - SM, 24.5.

[7] SC 26.5. (Post); SC, 29.8. (Regiment Herzog Albert, später Kürassier-Regiment Nr. 3, König Johann von Sachsen); hierzu Die Reiter-Regimenter (wie Anm. 5), I, 88. - SC, 29.8., 30.8. (Vorstoß der Franzosen von Mannheim); SM, 2.9. (Heidelberg).

[8] Karmelitenkloster (wie Anm. 2), 301.

[9] SM, 4.9., 8.9. - Zu Baraguey (deutsche Quellen meist: Baraguay): Six (wie Anm. 3), I, 48 f. - Karmeliten-kloster (wie Anm. 2), 301.

[10] SM, 9.9. (Orte; Landsturm); zum Mainzer Landsturm zusammenfassend Blanning (wie Anm. 1), 241. - SC, 1.9, 9.9. - Die folgenden Ereignisse: SM, 13.9.; SC, 15.9. - Zu Sztáray: Wurzbach (wie Anm. 3), XLII (1881), 258-261; Hirtenfeld (wie Anm. 3), I, 503 ff.

[11] SM, 9.9., 19.9. - Karmelitenkloster (wie Anm. 2), 301. - Zu Desenfans: Six (wie Anm. 3), 1, 338 f.

[12] Karmelitenkloster (wie Anm. 2), 301 f. - SM, 19.9., 20.9.; SC, 19.9.

[13] SM, 22.9., 11.10. - Vgl. Six (wie Anm. 3), II, 530 f. (Vandermaesen; nicht Van der Maas; nicht "Von der Marck"); II, 61 (Laroche); II, 94 (Lefol; nicht Lefolle); II, 253 ff.; hier 253 (Ney); zu Ney mit neuerer Literatur Tulard, (wie Anm. 3),1236-1239.

[14] SM, 22.9., 2.10., 4.10. - Zu Pfanzelter (1795 Major) vgl. Perkow (wie Anm. 4), 25, 27.

[15] Karmelitenkloster (wie Anm. 2), 302; zur Zahl der Gefangenen SM, 25.9.(2.300 und etliche und 30 Mann); SC, 20.9. (2.000): SM, 26.9, (2.300); SM, 4.10. (gegen 1.800); SM, 11.10. (1.800); Karmelitenkloster (2.400). ‑ Das Folgende: Karmelitenkloster, 302; SM, 22.9., 25.9., 26.9., 30.9., 2.10.,13.10. (Hofbericht aus Wien).

[16] (Ab 6. Oktober) SM, 9.10., 14.10., 16.10., 18.10., 20.10. - Zu Liechtenstein s. Anm. 20. - Zu Esterházy: Die Reiter-Regimenter (wie Anm. 5), II, 86 (in Gefangenschaft geraten bei dem Versuch, eine demontierte Haubitze zu retten); statt Vécsey auch Véczay, Vécsay.

[17] SM, 20.10.; das Folgende: SM, 21.10., 28.10., 31.10.; SC, 25.10., 27.10. - Vgl. Karl Fürst Schwarzenberg: Feldmarschall Fürst Schwarzenberg. Der Sieger von Leipzig. Wien (u.a.) 1964, 63.

[18] Robert Salzer: Der Kampf um die Neckarbrücke in Heidelberg am 16. October 1799. Nach mündlichen Mittheilungen von Augenzeugen und officiellen Nachrichten. Beigabe zum Jahresbericht der höheren Bürgerschule für 1880. Heidelberg 1880, 6, 11 (hier Anm. 12), 12 f. (Anm. 19) - Eine Kurzdarstellung nach Salzer: Emil Heuser: Der Kampf um die Neckarbrücke von Heidelberg am 16. Oktober 1799. In: Pfälzisches Museum 16 (1899),167 ff.; mit Abb. einer getönten Federzeichnung (im Besitz des Verfassers), die in Details von dem hier vorgestellten Rottmann-Bild abweicht, im Gesamteindruck aber diesem sehr ähnlich ist (Künstler nicht genannt).

[19] Salzer (wie Anm. 18), 1. - Das Folgende ebd., 3 ff . und 12 f. (hier Anm, 19 "Relation"). - SM, 16,10.; Die Reiter-Regimenter (wie Anm. 5), II, 85 f.; III, 57.

[20] Zu Liechtenstein: Wurzbach (wie Anm. 3), XV (1866), 168 ff.; hier 169 (Ortsbezeichnung "Brücke bei Weinheim"). - Hirtenfeld (wie Anm. 3), I, 686-689: hier 687 Schwarzenberg-Uhlanen: 1790-1887. Wien (ca. 1888), 49; benutzt wurde das Exemplar des Stadtarchivs Heidelberg, Signatur B 112 g. - Zu Trauttmannsdorff: Die Reiter-Regimenter, III, 56, 58, 79, 81; Wurzbach XLVII (1883), 70.

[21] Zur Unzuverlässigkeit der Zahlenangaben allgemein sowie der Bezifferung der Sturmversuche (3, 7 oder 9) Karl Otto Frey: Der Kampf um die Heidelberger Neckarbrücke. Eine Darstellung des Grafen zu Pappenheim. Aus seinen noch unveröffentlichten Denkwürdigkeiten. In: Heidelberger Fremdenblatt 1952/53, Nr. 13 (Oktober 1952), 8 ff.; hier 8.

[22] Salzer (wie Anm. 18), 4 f., 11 (hier Anm. 3).

[23] Salzer (wie Anm. 18), 11 (hier Anm. 3 und 6).

[24] Salzer (wie Anm. 18), 1.

[25] Gerahmte Exemplare Heidelberger Wochenblätter, 23.12.1819 (Verkaufsanzeige). - Zur Verbreitung vgl. Herbert Derwein: Handschuhsheim und seine Geschichte. Heidelberg-Handschuhsheim 1933, 157 f. (2., mit zusätzl. Abb. vers. Aufl. Heidelberg 1997, 158). - Abb. z.B.: Erika Rödiger-Diruf: Friedrich Rottmann - Universitätszeichenmeister in Heidelberg. In: Baden und Württemberg im Zeitalter Napoleons. [...] Ausstellung des Landes Baden-Württemberg. II: Aufsätze. Stuttgart 1987, 561-582; hier 567. - Ludwig Merz / Wilm Weber: Zwei Kämpfe um die Alte Brücke. In: Die alte Brücke in Heidelberg: 1788-1988. Hrsg. Von Helmut Prückner unter Mitw. des Vereins Alt-Heidelberg. Heidelberg 1988,103-106; hier 105. - Heidelberg im Wandel der Zeit: graphische Darstellungen der historischen Stadt. Hrsg. von Thilo Winterberg. Bearb. von Patricia Stahl. Heidelberg 1996, 58, Nr. 74.

[26] Karlsruher Zeitung, 16.11.1826: Anzeige zur Edition.

[27] Karl Ludwig. Blum: Ein Bild aus den Ostsee-Provinzen oder Löwis of Menar. Berlin 1846, 50; biographische Notizen ebd., 45, 49 f., 63. - Die Matrikel der Universität Heidelberg, bearb. u. hrsg. von Gustav Toepke. IV: 1704-1807. Heidelberg 1903, 380: "Edward" Löwis of Menar. - Vgl. Deutsch-baltisches biographisches Lexikon 1710-1900. Begonnen: von Olaf Welding. Unter Mitarb. Von Erik Amburger Köln (u.a.) 1970, 471.

[28] Blum (wie Anm. 27), 50; die Straße nah beim Ort des Geschehens oder evtl. bei einer Stadtwohnung Rottmanns, der aber erst im August 1805 auf Dauer mit Familie nach Heidelberg zog; vgl. Gustav Christ: Maler Karl Rottmann und seine Familie. Eine genealogische Studie. In: Mannheimer Geschichtsblätter 13 (1912), 3-16; hier 7. - Im März 1809 wohnte er im "Reichsapfel" in der Untern Straße in Heidelberg.

[29] Vgl, Verkaufsanzeige Heidelberger Wochenblätter, 23.12.1819.

[30] So der Originaltitel des hier mit freundlicher Genehmigung des Kurpfälzischen Museums Heidelberg abgedruckten Bildes (Inv.-Nr. S 29331) - Vgl. Perkow (wie Anm. 4), 21, 31.

[31] Friedrich Rottmann: Kurze historische Beschreibung zu den am 13ten Dec. 1804 angekündigten zwei Kupferplatten: Die Schlacht bei Handschuhsheim und die Bestürmung der Heidelberger Brücke. Heidelberg 1805.

[32] Rottmann (wie Anm. 31), 5; vgl. Martin Jordan: Die Handschuhsheimer vor 1900. Orts-Sippenbuch Heidelberg-Handschuhsheim. Heidelberg 1988, 249, Nr. 2141: Name dort "Johann Friedrich La Bachelle"; ebenso Derwein (wie Anm. 25), 272 (2. Aufl., 273); s. aber Heinrich Neu: Pfarrerbuch der evangelischen Kirche Badens: von der Reformation bis in die Gegenwart. Bd. 1.2. Lahr in Baden 1938.1939. (Veröffentlichungen des Vereins für Kirchengeschichte in der Evangelischen Landeskirche Badens. 13,1.2.), II, 30 f.: La Bachelle. - Freifrau von Welden konnte nicht identifiziert werden.

[33] Rottmann (wie Anm. 31), 11 f.

[34] Jean-Baptiste Lorcet (nicht LorVet/"Lorset"); vgl Six (wie Anm. 3), II, 131.

[35] Rottmann (wie Anm. 31),12.

[36] Schwarzenberg-Uhlanen (wie Anm. 20), 49 f. - Vgl. Salzer (wie Anm. 18), 6, 11 (hier Anm. 7) und 12 f. (hier Anm. 19); Die Reiter-Regimenter (wie Anm. 5), III, 57. - Zu Bogdan: Hirtenfeld (wie Anm. 3), I, 721-724.

[37] Salzer (wie Anm. 18), 12 f. (hier Anm. 19).

[38] SM, 3.11. - Vgl. Salzer (wie Anm. 18), 9, 11 (hier Anm. 18).

[39] Salzer (wie Anm. 18), 12 f. (hier Anm. 19).

[40] Viktor J. Dewora: "Ehrendenkmal". Quellen zur Geschichte der Koalitionskriege 1792-1801. Hrsg. von Michael Embach. Trier 1994, 33 f. (Nr. 246): Bestürmung der Heidelberger Brücke und tapferes Benehmen der kurtrierischen Jäger. 16.-17. Oktober 1799. - Merz (wie Anm. 25), 103, spricht irrtümlich von "Tiroler Schützen").

[41] Salzer (wie Anm. 18), 7. - Zu Vitanovich (Wittanovič) vgl. Alphons Freiherr von Wrede: Geschichte der K. und K. Wehrmacht. Bd. 1-5. Wien 1901 - 1905. (Mittheilungen des K. und K. Kriegs-Archivs. Supplement.), V, 300.

[42] Salzer (wie Anm. 18), 8 und 14 (hier Anm. 22). - Zu Emelé: Max Schefold: Alte Ansichten aus Baden. Bd. 1.2. Weißenhorn 1971. II: Katalogband, 321, Nr. 26230, und 818 (Friedrich-Luisen-Album); Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme u. Felix Becker [...], X (1914), 499; - Zu Kotzebue: ebd., XXI (1927), 356 f.; zu Kotzebues Besuchen in Heidelberg und Handschuhsheim s. Eberhard Schöll: "Heimkehr vom Heiligen Berge". Aus der Skizzenmappe des Malers Alexander von Kotzebue. In: Jahrbuch zur Hendsemer Kerwe 5 (1985), 61; und ders.: Das "Glaserhäuschen". Aus der Geschichte des Anwesens Handschuhsheimer Landstraße 61. In: Stadtteilverein Handschuhsheim: Jahrbuch 1989, 23-29; hier 27.

[43] Salzer (wie Anm. 18), 2 f. und 14 (hier Anm. 22). Eine Photographie des Gemäldes schenkte der Künstler dem Holländischen Hof: diese befand sich 1899 noch im "Goldenen Schwanen”, war aber danach verschollen; vgl. Frey (wie Anm. 21), 8; Heidelberger Zeitung, 17. 10. - Das Folgende: Salzer (wie Anm. 18), 6.

[44] Dewora (wie Anm. 40), 334. - Das Folgende: Salzer (wie Anm, 18), 7.

[45] Frey (wie Anm. 21), 9 f.; der Name hier "Bogden".

[46] Salzer (wie Anm. 18), 15. - Frey (wie Anm. 21), 8.

[47] Schwarzenberg-Uhlanen (wie Anm. 20), 39, 50.

[48] So. z.B. Adreß-Kalender sämmtlicher Bewohner der Stadt Heidelberg. Jg. 6. Heidelberg 1848, 8 ("Lorset").

[49] Karl Caesar von Leonhard: Fremdenbuch für Heidelberg und Umgegend. Heidelberg 1834, 64. - Die folgende Version bei Salzer (wie Anm. 18), 6. - Vgl. Georg Weber: Heidelberger Erinnerungen. Am Vorabend der fünften Säkularfeier der Universität. Stuttgart 1886, 78.

[50] Salzer (wie Anm. 18), 7. - Frey (wie Anm. 21), 8. - Schwarzenberg-Uhlanen (wie Anm. 20), 50. - Französische Verluste laut Karmelitenkloster (wie Anm. 2), 303: 1.400 Mann, 20 Offiziere; das Ende des Kampfes hier gegen 11 Uhr nachts. - Das Folgende: Salzer (wie Anm. 18), 8.

[51] Karmelitenkloster (wie Anm. 4), 303; das Folgende ebd.; ferner Salzer (wie Anm. 18), 8.

[52] SM, 13.11., 29.11., 1.12.; SC, 4.12. - Zu Hohenlohe-Ingelfingen vgl. Wurzbach (wie Anm. 3), IX (1863),194 ff.; hier 195; Hirtenfeld (wie Anm. 3), I, 558 ff.; hier 559.

[53] SM, 13.11., 24.11.; SC,. 13.-15.11., 5.12., 8.12. - Zu Wrede: Allgemeine deutsche Biographie. Bd. 44. Neudr. der 1. Aufl. von 1898. Berlin 1971, 246-252; hier 247.

[54] SM, 8.12. (Verhandlungen), 9.12. (General Monge; nicht identifiziert), 16.12. (Vertragsbedingungen); SC, 8.12. - Zu dem "Obergeneral" (Lecourbe): Six (wie Anm. 3), II, 85 ff.; hier: 86.

[55] SC, 6.12.; SM, 9.12. - Vgl. Karmelitenkloster (wie Anm. 2), 304. - SM, 11.12.

[56] Chronik der Stadt Heidelberg für das Jahr 1899. (Jg. 7.) Heidelberg 1900, 72 f.; für den Hinweis auf diese Stelle danke ich Herrn Günther Berger, Stadtarchiv Heidelberg. - Heidelberger Zeitung, 14.10., 17.10.

[57] Bergstraßenorte - vgl. z.B. Rudolf Conzelmann: Dossenheim. Die Geschichte einer 1200jährigen Bergstraßengemeinde. Dossenheim 1966, 65; Hermann Brunn: 1200 Jahre Schriesheim. Mannheim 1964,

171 f.

[58] Eduard J. J. Mühling: Historische und topographische Denkwürdigkeiten von Handschuhsheim. Mannheim 1840, 94 f. - Vgl. Derwein (wie Anm. 25), 56 (2. Aufl., 63).

[59] Stadtarchiv Heidelberg: Amtsbücher Handschuhsheim: Verzeichniß jener unterm 16ten und 17ten Octob. 1799 bei der französischen Lagerung dahier der Einwohnerschaft geplünderten Victualien [usw.], Nr. 116 (Brunner); Nr. 45 (Becker); zu diesem vgl. Jordan (wie Anm. 32), 38, Nr. 0305. - Verzeichniß, Nr. 158 (Schmalz), Nr. 1 (Bettüberzug), Nr. 18 (Branntwein), Nr. 77 (Brot).

[60] Verzeichniß (wie Anm. 59), Nr. 18. - Die hier erwähnte Bildersammlung wird in der Literatur irrtümlich dem Waisenschaffner zugewiesen; so bei Hugo Decker: Carl Rottmann. Berlin 1957, 9; Erika Bierhaus-Rödiger: Carl Rottmann: 1797-1850. Monographie u. krit. Werkverzeichnis. München 1978,13.

[61] Heidelberger Zeitung, 17.9.1870. - Zur Einholung der Glocke vgl. Emil Reimold: Dorfleben in Handschuhsheim und Neuenheim. Heidelberg [1936], 87 ff.; (unveränd. Nachdruck Heidelberg 1996). - Zur Glockenweihe nach Übertragung in die Friedenskirche Dezember 1909 vgl. Heidelberger Tageblatt, 16.12.1909; erstmalig volles Geläut, ebd., 30.12.1909.


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