Die Schlacht bei Neerwinden am 18.3.1793
 
Einleitung
 
Nach mehreren Niederlagen der Kaiserlichen gegen die französischen Revolutionsarmeen im Feldzug 1792 hatten sich erstere hinter Rhein und Roer zurückgezogen. Das Korps des FM Clerfayt mit 27 Bataillonen und 32 Eskadronen stand hinter der Erft mit Besatzungen in Köln und Bonn, seine rechte Flanke war zwischen Geldern und Krefeld durch ein 9.000 Mann starkes preussisches Korps unter Herzog August von Braunschweig-Oels geschützt, Koblenz und die Gegend zwischen Main und Lahn hielt die preussisch-hessische Armee. Die Festung Luxemburg war durch FML Bender besetzt, das gleichnamige Land durch FML Beaulieu mit 15 Bataillonen und 13 Eskadronen. Außerdem stand das Korps Hohenlohe mit 21. Bataillonen und 26 Eskadronen bei Trier. FZM Colloredo (später durch G.d.C. Wurmser abgelöst) stand bei Freiburg und Heidelberg
Der französische Marschall Custine hatte Mainz und ein Teil von Zweibrücken besetzt.
 
Nach der Kriegserklärung des Konvents an England und Holland ergriff der französische Oberkommandierende General Dumouriez die Offensive. Er wollte ursprünglich in Holland einfallen, was jedoch aus verschiedenen Gründen (schlechte Verpflegung und Versorgung, dadurch Demotivation und Desertionen) nicht in dem vorgesehenen Zeitraum durchgeführt werden konnte. Dumouriez übergab den Befehl an Valence und befahl General Miranda Maastricht zu belagern.
Am 17. Februar überschritt die franz. Armee die holländische Grenze bei Bergen op Zoom und schloss am 23.2. Breda ein, das sich nach 4 Tagen ergab. Weiter kamen die Franzosen wegen dem erbitterten Widerstand der Holländer, verstärkt durch ein englisches Expeditionskorps, nicht.
 
Am 1.2. 1793 hatte FM Herzog Josias von Sachsen-Coburg das Kommando über die kaiserlichen Truppen übernommen. Seine Armee war allerdings noch im Entstehen, die Unterstützung aus Wien äußerst dürftig. Um das nötigen Geld zu beschaffen, musste Coburg Anleihen bei Kölner Wechselhäusern machen.
Auch die Unterstützung der Reichsfürsten ließ zu wünschen übrig. Viele wollten einem Konflikt mit Frankreich lieber aus dem Wege gehen. Da auch die Preussen unter Herzog v. Braunschweig nach der Besetzung von Venlo zu keinem weiteren Handeln zu bewegen waren, standen Coburg nur ca. 40.000 Mann zur Verfügung.
 
Einleitende Gefechte
 
In der Nach zum 1. März überschritt Coburg mit der Avantgarde, dem 2. Treffen und dem Korps Württemberg die Roer bei Düren. Das 1. Treffen unter FZM Clerfayt überquerte den Fluss bei Jülich und verdrängte die feindlichen Vortruppen aus Aldenhoven. Coburg rückte trotz lebhafter Kanonade des Feindes über Höningen (Heugen) zur Straße Jülich-Aachen vor.
Württemberg umging die feindlichen Stellungen bei Eschweiler. Clerfayt vereinigte sich während der Gefechte mit Coburg.
Am 2.3. rückte die Armee gegen Herzogenrath und besetzte die vom Feind geräumte Stadt.
GM Davidovich und GM v. Hutten besetzten Colberg und Corneli-Münster. Die auseinander gedrängten Franzosen flüchteten gegen Namur und Lüttich, gefolgt vom Korps Württemberg.
Die Avantgarde besetzte das vom Feind geräumte Maastricht.
Diese schnellen Erfolge waren vor Allem der Leistung des Generalstabchefs Oberst Mack v. Leiberich zu verdanken. Am 4.3. überschritt die Armee die Maas, Erzherzog Karl mit der Avantgarde vertrieb den Feind aus seinen Stellungen bei Melin und verfolgte ihn bis Tongern das am 5.3. erobert wurde. Am gleichen Tag räumten die Franzosen Lüttich, wo den Truppen Württembergs 80 Geschütze, 14.000 Gewehre und anderes Kriegsmaterial in die Hände fielen.
FML Davidovich besetzte Huy. Die Kaiserlichen standen somit nur noch 2 Tagesmärsche vor Brüssel! Mit Rücksicht auf die nur langsam vorrückenden Preussen, Holländer und Hannoveraner nutze Coburg diesen Vorteil jedoch nicht und blieb stehen.


Österreichische Regimentsartillerie
 
In dieser katastrophalen Situation übernahm Gen. Dumouriez am 13.3. den Oberbefehl über die bis Löwen zurückgewichene Armee. Die franz. Avantgarde stand in Kumptich, mit einem Detachement in Tirlemont. Im Heer herrschte Unordnung und Disziplinlosigkeit. Das Erscheinen des allgemein verehrten Generals ließ jedoch die Moral der Truppen wieder steigen.
FM Prinz Coburg konzentrierte sein Heer am 14.3. bei Tongern; den 15. zwischen St. Trond, Leau und Landen und ließ vorrücken. Aber auch Dumouriez war es in überraschend kurzer Zeit gelungen seine Armee zu ordnen, er wusste, dass er schnell handeln musste, um Belgien zu erhalten.
Er hatte bei Löwen ca. 38 - 40.000 Mann Infanterie und 4.500 Reiter. Die Kaiserlichen hatten 40.153 Mann, inklusive 9.500 Reiter (in dieser Zahl sind allerdings die detachierten Trupps und die in den Garnisonen zurückgelassenen inbegriffen)
Duller gibt in seinem "Erzherzog Karl" .die Stärke der Franzosen mit 55.000, die der Kaiserlichen mit 36.749 Mann an. Jomini schätzt die Franzosen auf 45.000, die Kaiserlichen auf 39.000 Mann.
Auch Dumouriez ließ am 14.3. gegen Tirlemont vorrücken, wo es am 16.3. zum Treffen kam.
Beide Oberbefehlshaber schätzten die Stärke ihres Gegners falsch ein. Coburg glaubte die Hauptarmee der Franzosen noch in Löwen, Dumouriez vermutete das Gros der Kaiserlichen noch zwischen St. Trond, Looz und Waremme.
Die Franzosen entwickelten sich sehr rasch zwischen Goidsenhoven, mit der Mitte an der Straße Tirlemont - St. Trond, den linken Flügel auf den Höhen von Oplinter. Das Treffen, das bis in die Abendstunden dauerte, blieb unentschieden. Die Gegner hatten beide je ca. 1.000 Mann verloren.
Der Umstand, dass die Franzosen die alles beherrschenden Höhen von Goidsenhoven hielten, veranlasste Coburg in der Nacht seine Truppen in günstigere Positionen zurück zu ziehen.
Erzherzog Karl mit der Arrieérgarde besetzte die südlich Orsmael gelegenen Höhen, Leau wurde durch ein Detachement leichter Infanterie besetzt, die Verbindung hielt 1 Bataillon J. Colloredo.
Die Front der Kaiserlichen lief auf den Anhöhen, die sich diesseits der kleinen Geete und der Straße Tirlemont - St. Trond von Neerlanden über Overwinden nach Racour ziehen. An die Arriérgarde schloss sich das erste, an dieses das zweite Treffen, dessen linker Flügel bei Neerwinden stand. Südlich Overwinden lag das Reservekorps des FZM Clerfayt.
Am Morgen des 17.3. hatten alle Einheiten ihre Positionen eingenommen. Oberst Mihailowitsch hatte zur Sicherung der linken Flanke den Ort Hannut besetzt, in Hasselt stand das Detachement des Obersten Mylius.
 
Die Franzosen hatten nachts auch die Dörfer Neer-Heylissem, Overhespen, Esmael und Elissem besetzt. Den 17.3. benutzten beide Heerführer zum Rekognoszieren.


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Die Schlacht
 
Dumouriez beschloss am 18. März anzugreifen und erließ folgende Disposition: Die Armee sollte in 8 Kolonnen vorgehen:
  1. Kolonne (Gen. La Marche) sollte bei Neer Heylissem die kleine Geete überschreiten und die Flanke des Gegners überflügeln.
  2. Kolonne ( Gen. Veneur) über die Brücke bei Neer-Heylissem und mit Unterstützung der Kavallerie den Hügel von Middelwinde nehmen, dann Overwinden angreifen
  3. Kolonne (Gen. Neuilly) hatte die Geete bei Esmael zu überscheriten  und Neerwinden von rechts angreifen.
Diese 3 Kolonnen (20.000 Mann) unter Gen. Valence bildeten den rechten Flügel der Armee.
 
  1. Kolonne (Gen. Dietmann) sollte nach Überschreiten der Brücke bei Elissem über Laer nach Neerwinden vorrücken,
  2. Kolonne (Gen. Dampierre) bekam die Aufgabe, über Esmael auch Neerwinden anzugreifen.
Beide Kolonnen (10.000 Mann) bildeten die Mitte, befehligt von Herzog v. Chartres (Louis Ègalité)
 
  1. Kolonne (Gen. Miaczynsky) sollte bei Overhespen über die Geete gehen und in gleicher Höhe mit der 5. Kolonne gegen Neerlanden vordringen.
  2. Kolonne (Gen. Ruault) fiel die Einnahme der Brücke bei Orsmael zu, nach der er gegen die Straße nach St. Trond vorrücken sollte.
  3. Kolonne (Gen. Champmorin) sollte nach Überschreiten der Geete unterhalb Neerlinter nach Leau, den Ort besetzten und bis Ende der Schlacht behaupten.
Die 6 - 8. Kolonne (15.000 Mann) bildeten den linken Flügel und unterstanden GL Miranda.
 
Schlachtaufstellung der kaiserlichen Regimenter zum Beginn der Schlacht
(Reihenfolge gem. Karte von Dormael bis Racour)
 
Treffen
Einheit
Treffen
Einheit
A
E. Esterházy (HR Nr.3) - 4 Div. 2
Coburg (DR Nr.9) - 2 Div.
A
Sztáray  (IR Nr. 33) - 2 Bat. 2
Jos. Colloredo (IR Nr.57) - 1 Bat.
A
Pückler - Grenadiere - 1 Bat. 2
d´Alton (IR Nr.15) - 2 Bat.
A
Bartodetzky - Grenadiere - 1 Bat. 2
Brechainville (IR Nr.25) - 2 Bat.
A
Briey - Grenadiere - 1 Bat. 2
Callenberg (IR Nr.54) - 2 Bat.
1
Kaiser - Karabiniérs (UR Nr.6) - 1 Div. 2
Zeschwitz (KR Nr.6) - 2 Div.
1
Kavanagh (KR Nr. 12) - 3 Div. 2
Karaiczay (CHR , ab 1802 Nr.2) - 1 Div.
1
Brentano (IR Nr.35) - 2 Bat. 2
Rousseau - Grenadiere - 1 Bat.
1
Wartensleben (IR Nr.28) - 2 Bat. 2
 Löwen - Grenadiere - 1 Bat.
1
Kheul (IR Nr.10) - 2 Bat. 2
Morzin - Grenadiere - 1 Bat.
1
Jordis (IR Nr.59) - 1 Bat. 2
M. Baillet de Latour (DR Nr.14) - 4 Div.
1
Erzhrzg. Karl (IR Nr.3) - 1 Bat.

1
Nassau-Usingen (KR, ab 1867 DR 5) 3 Div.

1
Hrzg. Albert Karabiniérs - 1 Div.

1
A. Esterházy (IR Nr.34) - 2 Bat.

1
Württemberg (IR Nr.8) - 2 Bat.

1
de Ligne (IR Nr.30) - 2 Bat.

1
Murray (IR Nr.55) - 1 Bat.

1
Vierset (IR Nr.58) - 1 Bat.

 
Geschützreserve: 12 Zwölfpfünder, 9 siebenpfünd. Haubitzen, 18 Sechspfünder,

2 sechspfünd. Kavalleriegeschütze, 12 Dreipfünder, 2 siebenpfünd. Kavalleriehaubitzen
 
Erklärungen:
A = Avantgarde, KR = Kürassiere, DR = Dragoner, HR = Husaren, CHR = Chevaux-legers,
IR = Infanterie, Bat. = Bataillon, Div. = Division
In Klammern sind die - späteren - Nummern der Regimenter angegeben.
Zur Avantgarde gehörte noch das Freikorps O´Donell und Tiroler Jäger, die auf Vorposten nördlich Orsmael standen.
Drei Divisionen Blankenstein-Husaren (HR Nr.6) standen westlich Overwinden., dem linken Flügel der Kaiserlichen etwas vorgeschoben.
 
Quelle:
Kriegsarchiv Wien, Jahrgang 1793. Berichte des Prinzen Coburg, Nr. 33b.
 
 
Coburg erwartete den Angriff erst am 19.3. Beim Treffen am 18.3. mit den Generälen in Neerlanden erst erfuhr er, dass die ganze franz. Armee im Vorrücken ist.
 
Gegen 9 Uhr wurden einige Kompanien des Freikorps O´Donell und Tiroler Jäger nördlich von Orsmael so wie die im Dorf postierte Reserve (ein Bat. IR Sztáray) von den Franzosen zurückgedrängt. Die zurück gedrängten sammelten sich jedoch und vertrieben den Feind mit dem Bajonett aus Orsmael. Erst nach dem GL Miranda die ganze Division Ruault gegen den Ort vorrücken ließ, zogen sich die Kaiserlichen zurück. Die feindlichen Truppen sammelten sich nun im Ort zum neuen Angriff. Erzherzog Karl mit der Avantgarde sollte den Angriff stoppen.
Gegen 11 Uhr rückte die Avantgarde und das 2. Treffen gegen den Feind. Die Kräfte reichten jedoch nicht, den Feind aus den Orten Neerhespen, Gutsenhoven und Orsmael zu vertreiben, der Erzherzog musste sich damit begnügen, ein weiteres Vorrücken der Franzosen aus diesen Orten zu verhindern. Er zog die 2 Bataillone Sztáray, 6 Eskadronen E. Esterházy Husaren und eine Batterie auf eine Orsmael beherrschende Höhe, der Rest der Avantgarde mit der Geschützreserve nahm nordöstlich Neerlanden Stellung.
In diesen Stunden zeiget Artillerie-Oberstlieutenant Josef Smola sein Organisationstalent und artilleristisches Können. Durch seine gut postierte Kavalleriebatterie, verstärkt durch 2 Dreipfünder des O´Donell´schen Freibataillons, verhinderte er durch fünf Stunden jedes Vorrücken der überstarken Franzosen aus Orsmael und demontierte mehrere Geschütze des Feindes. Inzwischen hatten sich Spitzen der Division Miaczinsky des Orte Dormael bemächtigt. FML Benjovsky beeilte sich mit 2 Bat. d´Alton (IR 15), 1 Bat. Brechainville (IR 25) und 1 Division Coburg Dragoner (DR 9) den Franzosen den Ort vor Eintreffen von Verstärkungen zu entreißen. Drei mal greifen die Bataillone an, erst beim 3. Mal gelingt es den Feind zu vertreiben.
Zwischenzeitlich hatte sich Smola, dessen Bedienungsmannschaften größtenteils ausgefallen waren und die Geschütze von Offizieren des IR Sztáray bedient wurden, zurückgezogen. Die französischen Geschütze bestrichen nun die Linien Erzherzog Karl der ganzen Länge nach. Smola gab aber auch dann noch nicht auf. Aus Geschützen, die er den nächsten Truppen und der Reserveartillerie entnommen hatte, stellte er rasch eine Batterie aus 10 Zwölfpfündern, 2 Haubitzen und 2 Dreipfündern unter dem Schutz seiner Kavalleriebatterie auf und eröffnete ein so heftiges Feuer, dass die Franzosen unter Zurücklassung mehrerer Geschütze die Flucht ergriffen.
Diesen Rückzug benutze Erzherzog Karl um mit der Kavallerie gegen den Ort vorzugehen. Er wurde hierbei von den Kavalleriebatterien, die mit letzter Munition einige Kartätschen- und Kugelschüsse gegen die rechts vorgedrungenen Bataillone abgaben, unterstützt. Die Kürassiere und Husaren warfen die Kolonnen Mirandas zurück. FML Benjovsky führte nun seine Truppen (3 Eskadr. Esterházy Husaren, 1 Division Zeschwitz Kürassiere und 1 Division Coburg Dragoner, geführt von Oberst Dévay) in die Flanke Gen. Mirandas. Diese Kavallerieeinheiten verhinderten die Umgehung des rechten Flügels durch franz. Kavallerieeinheiten. Vom HR Esterházy zeichneten sich hierbei besonders aus: die Majors Vajna und Baron Szt. Kereszty und die Rittmeister Löpper, Begány und Kovats, die alle in der Relation lobend erwähnt wurden.
Der franz. Artillerie-Chef Guiscard fiel hier, die Generale Ihler und Ruault wurde schwer verwundet.
Ein Teil Orsmaels und Gutsenhoven war aber noch vom Feind besetzt. Die Kavalleriebatterie Smola´s hatte inzwischen die halbe Bedienung und Bespannung verloren und hatte keine Munition mehr.
Smola erbat sich also 3 sechspfündige Geschütze vom IR Sztáray, vereinigte sie mit 2 Dreipfündern und zwang durch sein Feuer die französischen Batterien zum Abfahren. Darauf stürmte das IR Sztáray den Ort. Smola verlegte seine Geschütze rasch an den hinteren Ortsausgang und schoss eine Kugel nach der anderen auf die flüchtenden Franzosen, bis ihre Verfolgung durch die Kavallerie übernommen wurde, die sie bis Overhespen trieb. Bei dieser Verfolgung ließ die Division Miranda 26 Geschütze liegen!
Während dieser Kämpfe hatte das IR Sztáray und das Freibataillon O´Donell die meisten Verluste. Oberst Gruber und Major Hugo O´Donell fanden den Tod. Die Tapferkeit dieser beiden Einheiten wurde nach der Schlacht durch 30 goldene und 126 silberne Tapferkeitsmedaillen belohnt.
 
Als die Truppen Miranda´s bereits auf der Flucht waren, erschienen 6 Bataillone des Gen. Champmorin auf dem Kampfplatz. Als sie das Desaster sahen, weigerten sie sich, weiter vorzugehen. Mit den National-Bataillonen Miaczinsky´s stürzten sie den Übergängen der Geete zu.
Das 2. Treffen Gen. Champmorin´s hatte seine Reiter bereits gegen Mittag nach Asbrock zurückgeschickt. Eine Division Karaiczay-Chevauxlegers (UR Nr. 7) und eine von Kaiser Karabibniers (UR Nr. 6) unter Führung Majors Stipsicz warf sie nach Leau zurück. Die dortigen Truppen Champmorin´s wagten es nicht, aus dem Ort vorzubrechen und wichen gegen Abend einem Angriff FML Württemberg´s (1 Bat. J. Colloredo Nr. 57, 4 Kompanien Brentano Nr. 35 und 2 Kavallerie Divisionen) hinter Oplinter zurück.
Erzherzog Karl sammelte seine Infanterie, während die Kavallerie den Feind bis Haeckendover verfolgte.
 
Als das Gefecht bei Orsmael bereits entschieden war, wurde auf dem linken kaiserlichen Flügel noch heftig gekämpft.
Der rechte Flügel der Franzosen und die Mitte (5 Kolonnen), unterstützt durch starkes Geschützfeuer, marschierte nach Übergang der kleinen Geete gegen die kaiserlichen Stellungen. FZM Clerfayt rückte - um den linken Flügel zu schützen - mit dem Reservekorps näher an Racour. FM Josias v. Sachsen-Coburg war zu dieser Zeit auch beim linken Flügel.
Dumouriez führte seinen rechten Flügel persönlich über die Geete. Seine 3 Kolonnen (die 1. und 2. mit ca. 1/3 Kavallerie) drangen gegen 12 Uhr zwischen Racour und Overwinden gegen die Kaiserlichen vor. Ein Detachement Kavallerie und Artillerie versuchte den Hügel von Waesmont zu gewinnen, wurden jedoch von dem DR Latour zurückgewiesen.
Gen La Marche mit der 1. Kolonne verjagte die Vorposten in Racour und besetzte den Ort. Die Franzosen postierten sofort auf der Höhe von Racour Geschütze, mit denen sie das Clerfayt´sche Korps auf das wirkungsvollste unter Feuer nahmen. Entgegen seinem Befehl, auf Landen vorzurücken, wand sich La Marche nun gegen Overwinden. Seine Truppen vermengten sich dadurch mit der Division Veneur, was den Vormarsch verzögerte. Gegen 14. Uhr nahm Veneur Overwinden, die 3. Kolonne vertrieb die Kaiserlichen aus Neerwinden, verließ aber bald wieder den Ort um näher an die Truppen Veneurs zu kommen. Die Kaiserlichen kehrten sofort zurück, wurden aber durch die 5. Kolonne der Franzosen wieder vertrieben, wobei der franz. General Desforetes durch Kopfschuss den Tod fand.
Clerfayt wollte die Dörfer Racour und Overwinden zurückerobern. 2 Bataillone A. Esterházy (IR NR.34), unterstützt durch Blankenstein-Husaren (HR Nr. 6) und Latour-Dragoner führte GM Lützow gegen Racour, die Grenadier-Bataillone Rosseau, Löwen und Morzin, geführt von FML Alvinczy wurden gegen Overwinden dirigiert.
Die zwischen Racour und Overwinden aufmarschierten Massen des Feindes sollten durch die Brigaden GM Fürst Auersperg und Oberst Gontreville (2 Bat. Württemberg, 2 Bat. de Ligne, 1 Bat. Murray und 1 Bat. Vierset) und der Brigade GM Boros (3 Divisionen Latour-Dragoner, 2 Divisionen Blankenstein Husaren) sowie der Brigade GM Rehbach (1 Div. Kaiser-Karabiniers und 3 Div. Nassau-Kürassiere) in Schach gehalten werden.
Major Bideskuty mit 4 Kompanien des IR Esterházy vertrieb die Franzosen aus Racour, die jedoch mit Unterstützung zurückkehrten und den Ort im 4. Anlauf wieder einnahmen.
Obwohl durch eine Kartätschenkugel am Kopf verletzt, sammelte Bideskuty seine Truppen und durch das 2. Bataillon Esterházy unterstützt gelang es ihm den Feind von den Anhöhen bei Racour und aus einem Teil des Dorfes wieder zu vertreiben. Sofort wurde eine Batterie auf den Anhöhen postiert, unter deren Feuer der Eingang Racours behauptet werden konnte.
Zur gleichen Zeit stürmten die 3 Grenadierbataillone Overwinden, zwei mal mussten sie den mit Verstärkung anstürmenden Franzosen wieder weichen. Zur Unterstützung der Grenadiere schickte Clerfayt die Brigade Auersperg. FML Alvinczy, GM Wenkheim und GM Auersperg bewiesen in diesen Kämpfen an der Spitze ihrer Truppen persönlichen Mut und Tapferkeit. Obertslieutenant Graf Morzin erbeutete mit seinem Bataillon drei, das Bat. Löwen vier franz. Geschütze. Durch seine geschickten Bewegungen gegen die linke Flanke des Feindes trug das Grenadier-Bataillon Rousseau vorzüglich zum Gelingen der ganzen Aktion bei. Der Eingang von Overwinden blieb in der Hand der Kaiserlichen.
 
Während des Kampfes um Overwinden versuchte Gen. La Marche abermals aus Racour vorzudringen um die vorliegenden Höhen zu erobern, wurde aber von den Blankenstein-Husaren zurückgetrieben. Die Franzosen setzten den Angriff auf Overwinden fort.
Diese Beharrlichkeit veranlassten Prinz Coburg, nun die Massen der Franzosen zwischen beiden Orten mit Macht anzugreifen. Der größte Teil der Reiterei wurde zur Attacke konzentriert, während auch die Infanterie vorrückte. Clerfayt an der Spitze des IR A. Esterházy verjagte die Franzosen aus dem noch von ihnen besetzten Teil von Racour und schaffte damit Luft.
Zwei Divisionen Nassau-Kürassiere unter Oberst Riesch und eine Div. Zeschwitz-Kürassiere unter Oberstlieutenant Karl Paul Graf Pálffy griffen die franz. Kavallerie an und verjagten sie, ungeachtet des mörderischen franz. Kartätschenfeuers. Der Rest der Kavallerie unter GM Boros warf das 1. Treffen der Franzosen auf das 2., dieses aber hielt dem Angriff stand. Die hereinbrechende Nacht machten dem Gefecht ein Ende, der Zweck des Angriffes war jedoch erreicht - der Feind räumte Overwinden.
 
In der Mitte gelang es FZM Colloredo in der Zeit, als GM Lützow Racour angriff, sich des Ortes Neerwinden und des Hügels von Middelwinde wieder zu bemächtigen. Die dichtgedrängten Franzosen, die unter dem verheerenden Feuer der kaiserlichen Artillerie standen, gerieten in Unordnung und fluteten zurück. Auch dem persönlichen Einsatz Dumouriez gelang es nicht, die demoralisierten Soldaten zu nochmaligem Vorgehen zu ermuntern. Im Augenblick der größten Unordnung griff noch die Kavalleriebrigade Hoditz die franz. Kavallerie an. General Valence an der Spitze seiner Reiter wurde hierbei verwundet. Nur die Kaltblütigkeit des franz. Generalstabschefs Thovenot, der mit einigen noch kampffähigen Bataillonen die stürmenden kaiserlichen Reiter aufhielt, rettete die Flüchtenden vor sicherem Verderben. Auch hier machte die Nacht dem Kampf ein Ende.
 
Über das Ergebnis der Schlacht waren beide Befehlshaber bei Einbruch der Nacht im Unklaren.
Dumouriez, der von seinem linken Flügel keinerlei Nachricht hatte, ritt mit Thovenot und zwei Flügeladjutanten nach Laer, wo er gegen 22 Uhr eintraf. Er fand den Ort verlassen vor. Er ritt dann bis zur Brücke von Orsmael, wäre aber hier beinahe von kaiserlichen Ulanen gefangen worden. Erst vor Tirlemont traf er auf die ersten Einheiten Miranda´s, den General selbst in der Stadt. Jetzt erst registrierte Dumouriez seine Niederlage!
 
Um seine Position zu sichern, befahl er GL Miranda dessen Truppen zu sammeln und noch in der Nacht die Höhen von Wommersom und die Brücke von Overhespen zu besetzten. Gen. Dampierre wurde beauftragt, Esmael zu verlassen und durch eine flankierende Position die Kaiserlichen so lange aufzuhalten, bis die franz. Mitte die kleine Geete überschritten hätte. Dann sollte er sich in die Stellung zwischen Goidshoven und Haeckendover begeben.
 
Prinz Coburg stand am Abend im Begriff, den Rückzug anzuordnen. Sein Generalstabschef Oberst Mack v. Leiberich, der Nachmittags von einer Ohnmacht befallen wurde und vom Leibarzt des Erzherzogs behandelt werden musste, drang mit Erzherzog Karl auf Coburg ein, den Kampf am nächsten Tag fort zu setzten. In seinen Erinnerungen schrieb er:
Karl Mack von Leiberich
"...(ich sagte): Um Gotteswillen, denken Euer Durchlaucht an keinen Rückzug. Es wäre schändlich, sich zurückzuziehen, wenn man auf einem Flügel gesiegt hat und auf dem anderen nicht ist geschlagen worden. Haben Sie die Gnade, die positivsten Befehle zu geben, dass der Feind gleich bei anbrechendem Tag mit den frischen Bataillonen wieder angegriffen werden soll....Der gegenwärtige, einsichtsvolle und standhafte Erzherzog unterstützte meine Bitte, meine Gründe und der Prinz Coburg entschied für uns...."
 
Am Morgen des 19.3. bekam FML Benjovsky den Befehl mit 2 Bat. Sztáray, 2 Bat. Wartensleben, 1 Bat. Bartodetzky 1 Bat. De Briey, einem Grenadierbataillon und je einer Division Reiterei von Kaiser, Albert, Coburg, Karaiczay und 3 Div. Esterházy Husaren die Verfolgung des Feindes aufzunehmen. Als 2. Treffen folgten 2 Bat. Brentano und 1 Bat. J. Colloredo.
Dumouriez vermochte seine entmutigten Truppen erst gegen 10 Uhr gegen die vorrückenden Kaiserlichen vorzuführen.
Oberlieutenant Smola fuhr nun mit seiner Kavalleriebatterie, zwei 12-Pfündern und zwei
6-Pfünder gegen die vorteilhafte Position der franz. Artillerie auf. Der Artilleriekampf dauerte dem tapferen Offizier zu lange. Er jagte - trotz feindlichen Kartätschenhagels - mit vier Geschützen auf die vorliegende Höhe hinauf, und nur noch 300 Schritt vor der franz. Front richtete er sein wohlgezieltes Feuer auf die Franzosen, Tod und Schrecken verbreitend.
Vergebens forderte Dumouriez seine Truppen zum Sturm auf die Batterie auf. Sein Pferd wurde getroffen und fiel, er raffte sich auf und setzte sich wieder an die Spitze seiner Truppen. Vergebens, sie versagten ihm den Gehorsam.
Die Franzosen fluteten gegen Tirlemont, Nur Dampierre stellte sich noch zwei Mal den vorrückenden Kaiserlichen entgegen.
Am Abend des 19.3. bivakierten die Truppen nahe aneinander. Warum Prinz Coburg nicht die allgemeine Verfolgung anordnete, bleibt unerklärt.
Am nächsten Tag zogen sich die Franzosen unter weiteren Scharmützeln mit den nachdrängenden Kaiserlichen weiter zurück.
 
Nach eigenen Angaben Gen. Dumouriez hatten die Franzosen einen Verlust von 3.000 Toten und Verwundeten. Ungefähr 1.000 Mann wurden gefangen, 30 Geschütze fielen in die Hände der Kaiserlichen. Über 6.000 Mann der National-Bataillone flohen nach der Schlacht Richtung französische Grenze.
 
Die Verluste der Kaiserlichen können nachstehender Tabelle entnommen werden:
 
 
Verluste der Kaiserlichen zwischen dem 16. und 21.3.1793
 
Einheit Tot
Offiz./Mann.
Verwundet
Offiz./Mann.
Sonst. Veruslt Pferde
tot/verwund.
IR Wartensleben 4/8 0/8 0/1 0/1
IR Kheul 0/37 0/33 -- --
IR Jordis -- 0/4 -- --
IR Erzh. Karl 0/14 1/33 0/3 0/1
IR Brentano -- 0/2 0/2 --
IR Jos. Colloredo 0/1 0/1 -- --
IR d´Alton 0/11 2/60 0/1 0/1
IR Brechainville 0/21 3/67 0/18 0/5
IR Callenberg 0/1 1/13 -- 0/1
Pückler- Grenadiere 0/1 0/7 -- --
Bartodetzky - Grenadiere -- 0/15 0/3 --
Briey - Grenadiere 0/1 -- 0/47 --
IR Sztáray 0/29 7/160 -- --
Rousseau - Grenadiere 0/40 6/39 0/10 --
Löwen - Grenadiere 0/24 1/94 0/14 --
Morzin - Grenadiere 2/18 8/74 2/15 --
IR A. Esterházy 4/146 7/407 0/37 5/0
IR de Ligne 0/12 10/137 1/71 --
IR Württemberg 0/30 4/48 0/9 4/0
IR Murray 4/51 5/100 -- --
IR Vierset 2/33 6/98 -- --
Hrzg Albert Karabiniérs -- 0/1 -- 0/2
KR Kavanagh 1/7 0/21 0/6 16/36
KR Nassau-Usingen 0/99 6/85 0/25 171/98
Kaiser - Karabiniérs 1/12 2/22 0/4 13/27
DR Coburg 0/1 0/2 -- 6/0
KR Zeschwitz 1/26 2/34 -- 42/54
CHR Karaiczay -- -- -- 3/0
HR Esterházy 1/11 3/64 0/3 50/50
DR Latour 0/17 -- 0/1 34/11
HR Blankenstein 1/5 1/27 0/2 24/31
Ulanen 0/4 0/10 0/4 6/17
O´Donell Freikorps 1/12 0/20 0/4 0/39
Würzburger Division 0/5 1/18 0/7 --
Artillerie 0/13 0/43 -- 27/4
 
Unter den toten Stabsoffizieren befanden sich Major Hugo O´Donell, Lieutenant Bougée vom KR Nassau, Major Retz vom IR d´Alton und Major Kornhofer (gefallen am 23.3. bei Löwen).
Verwundet wurden GM Rehbach, Oberst Riesch, Major Hartelmüller und der Oberst der Kaiser-Karabiniérs.
In der Schlacht selbst verloren die Kaiserlichen 97 Offiziere, 2.762 Mann und 779 Pferde, tot, verwundet oder vermisst.
 
Unter den siegreichen Truppen hatten sich besonders hervorgetan:
Erzherzog Karl, der unter Einsatz des eigenen Leben die Truppen des rechten Flügels anführte, FML Benjovsky, der Dormael erstürmte, Oberlieutenant Karl Smola, der durch bravourösen Einsatz seiner Geschütze dem Feind größten Schaden zufügte (Dumouriez selbst schrieb in seinen Memoiren, dass seine Niederlage vor allem dem hervorragendem Einsatz der kaiserlichen Artillerie zuzuschreiben war).
Auch GM Boros, FZM Colloredo, FML Alvinczy und FZM Clerfayt hatten sich um den Sieg verdient gemacht.
Prinz Coburg erwähnt in seiner Relation noch seinen Generalstabschef, Oberst Mack von Leiberich und den Flügeladjutanten Major Merveldt. Letzterer hatte - als eine feindliche Kolonne am rechten Flügel eingebrochen war - ohne einen Befehl zu bekommen, sich an die Spitze zweier Grenadierbataillone gestellt, den Feind entschlossen angegriffen  und ihn zurückgeworfen.
Major Merveldt hatte die Ehre, die Nachricht vom Sieg bei Neerwinden nach Wien zu bringen. Der Kaiser ernannte ihn unmittelbar darauf zum Oberstlieutenant im General-Quartiermeisterstab, außerdem erhielt er für seine Tat bei der 34 Promotion das Ritterkreuz des MTO (Merveldt wurde 1797 Inhaber des Ulanenregiments Nr.1, kam 1814 als außerordentlicher Botschafter nach London, wo er 1815 verstarb).
 
Dem Erzherzog Karl wurde in Anerkennung seiner Leistung vom Kaiser Franz das Grosskreuz des MTO zugesandt, das ihm durch den kaiserlichen Oberfeldherren im Angesicht der ganzen Armee übergeben wurde.
FML Alvinczy wurde das Kommandokreuz des MTO außer Kapitel verliehen.
Oberlieutenant Karl Smola (geb. 1764 in Teplitz, Böhmen) erhielt - wie Merveldt - in der 34 Promotion das Ritterkreuz des MTO (1809 dann das Kommandokreuz. Er starb im Rang eines General-Majors 1820 in Wien).
 
Resüme
 
Der Sieg bei Neerwinden gegen einen zahlenmäßig überlegenen Gegner kann sich durchaus mit den Siegen Prinz Eugens bei Zenta, Höchstadt/Blendheim und FM Daun´s bei Kolin messen.
Die Schlacht wurde durch den hervorragenden Einsatz der kaiserlichen Artillerie, der Leistung der einzelnen Unterbefehlshaber und die taktischen Fehler, die Dumouriez unterliefen gewonnen.
Die Franzosen verloren die Schlacht, weil sie die feindlichen Stellungen in ihrer ganzen Ausdehnung zugleich angriffen. Die fünf Kolonnen der Franzosen am rechten Flügel und in der Mitte hatten sich in dem engen Raum zwischen Neerwinden und Racour konzentriert. Die dort dicht gedrängten Massen lagen unter dem Dauerfeuer der gut platzierten kaiserlichen Geschütze und verzettelten sich bei den - vergeblichen - Versuchen die vorliegenden Dörfer in ihren Besitz zu nehmen. Der linke franz. Flügel war zu schwach, um einen Erfolg gegen Erzherzog Karl zu erringen. Die Moral der kaiserlichen Truppen war während der Schlacht höher als der französischen, was auch maßgebend für ihren Sieg war.
 
Harald Skala


Quellen:
-          W. Porth, "Beiträge zur vaterländischen Geschichte", ÖMZ 1877, Wien
-          A. H. Jomini, "Atlas portaif pour servir à l´Histoire critique et militaire des guerres de la Révolution", Brüssel, 1839
-          A. Dolleczek, "Geschichte der Österreichischen Artillerie", Wien, 1887
-          C. v. Wurzbach, "Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich" Bd. XVII, Wien 1861
-          A. Graf Thürheim, "Die Reiterregimenter der k. k. österreichischen Armee", Wien 1862
-          J. F. Ebert, "Österreichische Generäle 1792 - 1815", CD, 2004


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