Die Schlacht bei Jemappes am 6. November 1792


Nach dem unerwarteten Sieg bei Valmy ("Kanonade von Valmy", 20.9.1792) befahl der französische National - Konvent im Herbst d. J. eine Offensive in Flandern zu starten. Man rechnete wohl auch mit der Unterstützung der einheimischen Bevölkerung, deren Aufstand 1789 von der kaiserlichen Armee kurz zuvor niedergeschlagen wurde.
Um die Bedeutung der Schlacht bei Jemappes zu begreifen, sei hier einiges ihrer Vorgeschichte erwähnt.
 
Die Franzosen hatten an den Grenzen zum Kaiserreich inzwischen folgende Kräfte zusammengezogen:

                        Armee Gen. Rochambeau                         45.000 Mann

                        Armee Gen Luckner u. Lafayette               45.000  ..  "
                        Alpenarmee                                                 20.000      "
                        Pyrenäenarmee                                           15.000      "

General Charles Francois du Perrier Dumouriez erhielt im August den Befehl über die hastig zusammengestellte, ca. 40.000 Mann starke, aber undisziplinierte und unerfahrene Armee, die offiziell den Namen "Armée de l´Argonne" trug.(Dumouriez selbst nannte sie "Armée de la Belgique")
Die Franzosen konnten sich auf eine Reihe gut ausgebauter Festungen an den Grenzen stützen: Charlemont, Philippeville, Maubeuge, Valenciennes, Condé, Douai, Lille sowie die vorteilhaften Stellungen in Famars, Maulde, Linselles und la Gorgue.
Weitere Festungen lagen im Bogen um Flandern bis Dünkirchen.
Dem gegenüber waren die festen Plätze Namur, Charleroi, Mons, Tournai, Courtrai, Menin, Ypern und Nieuport auf der kaiserlichen Seite jahrelang vernachlässigt worden und in einem sehr schlechten Zustand.
 
FM Herzog Albert Casimir v. Sachsen - Teschen , Statthalter der Niederlande, erhielt den Befehl über die dort stationierten Feldtruppen - 25 Bataillone, 34 Eskadronen, 22 Kompanien Jäger und 4 Kompanien des Garnisonsregiments, alles zusammen ca. 30.000 Mann.
Auf Drängen des Königs von Preussen (die Preussen waren entsprechend dem Vertrag von Pavia vom Juli 1791 in Frankreich einmarschiert) musste Hrzg. Albert das Korps Clerfayt zur Unterstützung der Preussen in die Champagne schicken.
Er selbst entschloss sich nach langen Beratungen mit seinen Generälen die Festung Lille zu belagern und - was man als möglich betrachtete - zu stürmen.
Es mangelte jedoch an schwerem Belagerungsgeschütz - aus den Arsenalen in Antwerpen und Namur konnten man nur 20 alte Stücke, sechs Böller, einige Zwölfpfünder und Haubitzen zusammenbringen. Die Truppen des Herzogs waren auch zahlenmäßig zu schwach (11 Bataillons, 4 leichte Kompanien, 12 Eskadronen, zusammen 10.896 Mann und 1.840 Reiter) um den Belagerungsring zu schließen.
Am 28.9.1792 waren die Laufgräben und 5 Batterien mit 29 Geschützen fertiggestellt und am 29.9. wurde die Festung zur Übergabe aufgefordert, was jedoch seitens der Besatzung abgelehnt wurde. Danach begann die Beschießung der Stadt. Durch den schlechten Zustand der Kanonen und dem gut gezielten Feuer der (zahlenmäßig weit überlegenen) Festungsgeschütze war bald der größte Teil der kaiserlichen Belagerungsgeschütze demontiert und außer Gefecht gesetzt. Herzog Albert - beunruhigt durch Nachrichten über den Rückzug der Preussen - sah deshalb von einer weiteren Belagerung ab, ließ am 6. und 7.10. die restlichen Kanonen und Munition abführen, räumte am 8.10. - von den Franzosen völlig unbehelligt - seine Stellungen und marschierte über die Marque nach Gruson zurück. Clerfayt bekam den Befehl, mit seinem Korps möglichst rasch nach Mons zu marschieren. Die kaiserliche Armee sollte sich um Mons konzentrieren, wohin Hrzg. Albert am 30.10. sein Hauptquartier verlegte.
Clerfayt hatte sich am 13.10 von den Preussen bei Azenne (heute Azannes et-Soumazannes, nordöstlich Verdun) getrennt und zog über Juvigny, Marville und Longwy ins Luxemburgische. Seine Truppen hatten auf dem Marsch durch schlechtes Wetter schwer zu leiden, ihre Montur und Schuhwerk waren in bedauernswertem Zustand. Am 18.10. trafen sie bei Arlon unweit Luxemburg ein. Der beschwerliche Weg durch die Ardennen bestand ihnen noch bevor. Clerfayt ließ in Luxemburg und Namur Truppen zur Verstärkung der Garnisonen zurück, so dass sein Korps nur noch 11 Bataillons, 8 Kompanien Jäger und 10 Eskadronen; in etwa 10.000 Mann und 1.500 Pferde zählte.
Am 31.10. Abends rückten die ersten 4 Bataillone und 2 Eskadronen völlig entkräftet bei Mons ein. Die Marschleistung des Korps kann nicht hoch genug bewertet werden. Die von Azannes über Luxemburg - Namur - Mons zwischen dem 13. und 31.10. zurückgelegte Entfernung beträgt (über heutige Straßen) ca. 320 Km. Da die Truppe durch die Ardennen sicher nicht immer Straßen benutzte, muss man wohl von 350 - 380 Km ausgehen. Da in Luxemburg und Namur wahrscheinlich ein Tag Rast eingelegt wurde, legte das Korps diese Entfernung in 16 Tage zurück, was einen Tagesleistung von 23,7 Km bedeutet - und das bei schwierigsten Wetterbedingungen, durch Gebirge!
Die preussischen Generäle Clausewitz und Scharenhorst geben in ihren Werken als durchschnittliche Tagesmarschleistungen für Infanterie inkl. Train von 15 bis 18 Km an! Unter diesen Umständen wundert es nicht, dass das Korps bei Mons in äußerst schlechter Verfassung ankam.
 
Dumouriez marschierte inzwischen am 28.10. von Valenciennes über Quarouble und Quiévrain in Richtung Mons. An seiner Rechten wurde der Vormarsch von Valence; auf der Linken von Labourdonnaye gedeckt. Dumouriez hoffte den Angriff noch vor dem Eintreffen des gesamten Clerfayt´schen Korps unternehmen zu können. Sein Vormarsch wurde durch die in den letzten Tagen des Oktober einsetzende Wetterbesserung begünstigt.
 
Bei einem Vorgefecht am 3.11. bei Thulin (Elouges) gelang den Kaiserlichen (1 Bat. Freikorps O`Donell, 1 Bat. IR Bender, 1 Bat. IR Würzburg und 2 Esk. Blankenstein Husaren; zusammen 3.400 Mann) ein 1.300 Mann starkes Detachment der franz. Avantgarde unter GL Beurnonville zu überfallen. Die Husaren zerschlugen in ungestümer Attacke das Bataillon Chasseurs Belgique, das 200 Mann an Toten und Verwundeten verlor, 50 Mann gerieten in Gefangenschaft. Die Kaiserlichen verloren nur 17 Mann. Hier zeigte sich vorerst die größere Erfahrung und bessere Disziplin der kaiserlichen Truppen. Es war für Dumouriez kein guter Anfang seines Feldzuges nach Flandern!
 
Am nächsten Tag konnten die Franzosen jedoch diese Scharte wieder auswetzen als ihre gesamte Avantgarde (22.000 Mann) bei Boussu auf eine Abteilung Kaiserlicher, die nur aus 5 Bataillonen und 3 Eskadronen Husaren bestand - alles zusammen 3.100 Mann mit 6 Kanonen - stieß. Die 8. Eskadron der Blankenstein - Husaren unter Rittmeister Alexander v. Hertuczky und Wachtmeister Stefan Laurentsis zeichneten sich hier besonders aus, in dem sie die gegnerischen Husaren zurücktrieben und 53 gefangene machten.
Als sich die eigene Infanterie am Platz in Boussu neu formieren wollte, hielten die Husaren den Gegner so lange auf, bis die Infanterie einen Graben passiert und sich neu aufgestellt hatte. Wachtmeister Laurentsis wurde hierbei schwer verwundet, einige Husaren verloren ihre Pferde was sie jedoch nicht daran hinderte, sich der Infanterie anzuschließen und zu Fuß weiter zu kämpfen.
Durch die erdrückende zahlenmäßige Übermacht des Feindes mussten die Kaiserlichen das Feld räumen wobei sie 150 Mann tot und 200 Mann an Gefangenen verloren. Die Franzosen verloren ca. 120 Mann tot oder verwundet. Boussu und der Wald von Sars wurde von den Franzosen besetzt.
Das Clerfayt´sche Korps war am 4.11. immer noch nicht komplett bei Mons eingetroffen, da Herzog Albert an diesem Tag Eilkuriere an Clerfayt sandte, mit der dringenden Bitte, den Marsch seiner Truppen ununterbrochen fortzusetzen(!)
 

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Dumouriez konzentrierte am 5. 11. seine Armee in der Ebene zwischen den Dörfern Paturages und Frameries mit Front auf Mons und bereitete den Angriff für den nächsten Tag vor.
Die Positionen der 13.000 Kaiserlichen, gut eingegraben und verstärkt durch mehrere Artillerieredouten, erschienen uneinnehmbar. FZM Clerfayt, dessen letzte Bataillone gerade noch rechtzeitig eingetroffen waren, hatte die Orte Jemappes und Cuesmes besetzt, FML Beaulieu lag oberhalb von Bertaimont, der Wald von Flénu wurde von Tiroler Scharfschützen verteidigt, zahlreiche Kavallerie stand in der Lücke zwischen Jemappes und Cuesmes in Reserve bereit, den Franzosen, die durch das Feuer der Kanonen aus den Redouten erschüttert werden sollten, den Rest zu geben.
Die Aufstellung hatte allerdings zwei gravierende Nachteile - sie war zu lang (ca. 6000 Fuß) und nur ungenügend mit Artillerie bestückt. Hinter den kaiserlichen Linien befand sich ein sumpfiges Gelände, das bis zum Fluss Haine reichte, der nur über eine einzige Brücke passierbar war. Ein geordneter Rückzug in breiter Linie wäre unter diesen Umständen nicht möglich gewesen.
 
Nach Besetzung von St-Ghislain blieb die franz. Avantgarde in der Nacht auf den Höhen vor Boussu, der Rest der Armee kam über das Flüsschen Honelle und Elouges, die Kaiserlichen zogen sich langsam auf die Höhen von Jemappes zurück. Die Spitze der franz. Avantgarde zeigte sich am 5.11. vor dem Dorf Hornu und griff die kaiserlichen Vorposten vor Quaregnon (J.B. Schels schreibt "Guaregnon")an. Eine weitere Kolonne zog rechts gegen Wasmes und Paturage.
In diesem Moment wäre es günstig gewesen anzugreifen, was jedoch mit den ermüdeten Clerfayt´schen Infanteristen unmöglich war. Die kaiserlichen Jäger verließen Paturage und Frameries und zogen sich in den Wald von Flénu zurück.
Frameries war durch den rechten Flügel der Franzosen in der Front und von etwa 6.000 Mann des d`Harvillschen Korps von der Seite von Genly und Eugies (Schels schreibt "Ugies") angegriffen. Die Franzosen bemächtigten sich der Übergänge vor Wasmes und stellten auf den Höhen bei Paturage Batterien auf um durch ihr Feuer den Aufmarsch der eigenen Angriffskolonnen zu decken. Die Kaiserlichen räumten darauf Quaregnon. Gegen Abend erschien franz. Kavallerie in der Ebene zwischen Frameries und Ciply und näherte sich dem linken Flügel der kaiserlichen Armee. Das Feuer der franz. Batterien wandte sich später gegen die Redouten und dauerte bis in die Nacht.
Die Franzosen hatten ihren Aufmarsch beendet und standen mit dem rechten Flügel an Frameries gelehnt, mit dem linken an Hornu. Quaregnon hatten sie wieder den Kaiserlichen überlassen.
 
Dumouriez Disposition zur Schlacht war folgende: d`Harville sollte den linken kaiserl. Flügel umgehen, beschießen und falls er sich zurückzöge, die Höhen von Nimy gewinnen, anschließend Mons umgehen und so den Rückzug nach Brüssel abschneiden.
Beurnonville sollte seine Attacke durch eine heftige Kanonade auf Cuesmes eröffnen. Ferrand sollte Quaregnon wieder nehmen und den kaiserlichen rechten Flügel umgehen.
Erst wenn beide Flügel geschlagen wären, sollte der Herzog v. Chartres mit dem Zentrum Jemappes stürmen.
 
Die französischen Geschütze eröffneten um 7 Uhr morgens das Feuer, das bis 10 Uhr anhielt. Nur im Zentrum standen 12 Sechzehnpfünder, 12 Zwölfpfünder und 12 Haubitzen! Unter ihrem Feuer litt am meisten das Kaim´sche IR Bender auf dem rechten Flügel, das 14 Offiziere und 400 Mann verlor (Oberst Kaim erhielt für seine Tapferkeit bei Jemappes am 19.11. das Ritterkreuz des MTO).
Die 6 Kompanien Freikorps retirierten sich von Quaregnon in das verschanzte Jemappes
Auf der Höhe bei Bertaimont stand der linke Flügel, 3 Bataillons mit ihren Liniengeschützen in Redouten, die außerdem noch von 4 Zwölfpfündern und 2 Haubitzen besetzt waren. In Ciply standen 4 Kompanien Freikorps, vor und neben demselben 3 Eskadronen Kavallerie.
D´Harville ließ schon des Morgens Ciply durch 6.000 Mann wiederholt angreifen, aber die dort postierten 4 Kompanien hielten. D´Harville ließ nun einige Bataillons und Eskadronen auf die erhöhte Fläche zwischen Frameries und Ciply vorrücken und ließ auf dem höchsten Punkt eine Batterie auffahren, die ebenfalls ihr Feuer auf die Redouten vor Cuesmes richtete.
Um den Rücken der kaiserlichen Stellung zu sichern, musste auch das letzte Bataillon der Garnison Mons verlassen und als Reserve aufmarschieren. Auf dem Berg S. Lazare wurde eine Infanteriedivision mit 2 Geschützen postiert.
Der franz. Angriff auf den rechten Flügel hatte sich bisher nur auf eine Kanonade beschränkt. Ein Gegenangriff schien möglich. Beaulieu ließ vorrücken, unterstützt durch das in Reserve stehende Garnisonsbataillon und 2 Eskadronen. Die überraschten Franzosen wichen etwas zurück, erhielten aber sofort Unterstützung durch herbeieilende weitere Einheiten, so dass Beaulieu auf die Höhen von Bertaimont zurückgehen musste.
Gegen Mittag näherten sich mehrere französische Kolonnen dem rechten Flügel.
An ihrer Spitze mehrere Batterien. Zehn bis zwölf Bataillons (Die Regimenter Navarre - 5.LiIR und Auvergne -17.LiIR) griffen das Dorf und die Höhen von Jemappes von vorn an, achtzehn andere Bataillons nahmen diese Höhen von der Seite von Cuesmes. Das Wäldchen von Flénu mussten die österreichischen Jäger trotz tapfersten Widerstandes räumen.
Zugleich bewegte sich das Beurnonvill´sche Korps von Frameries gegen Cuesmes. Diesen Kolonnen folgte in einer dritten Linie die Kavallerie.
Die Überlegenheit der Franzosen war zu groß; ihr verheerendes Kartätschenfeuer riss breiten Gassen in den Reihen der Kaiserlichen. Die 4 Eskadronen der Blankenstein - Husaren, geführt von ihrem Kommandanten Graf Karl Hadik v. Futak (Sohn des berühmten FM Andreas Hadik) warfen sich zum wiederholten mal und trotz des ungünstigen Terrains mehrmals auf die Franzosen und versuchten ihre Geschütze durch einen Flankenangriff zu nehmen, jedoch es misslang jedes mal. Rittmeister Kastl fiel, Oberlieutenant Kaan wurde schwer verwundet (erlag später seinen Verwundungen). Zwei franz. Kolonnen gelang es endlich nach großen Verlusten sich auf den Höhen von Flénu festzusetzen.
Das begünstigte das weitere Vorgehen von Beurnonville, der nun versuchte, sich zwischen die vor der kaiserlichen Linie platzierten Redouten zu schieben. Ein zur Unterstützung von Bertaimont herbeieilendes Bataillon kam zu spät - Beurnonville fand wenig Widerstand. Die Kaiserlichen schafften es jedoch, alle Kanonen aus den Redouten mitzunehmen und sich in größter Ordnung zurückzuziehen.
Die Kavallerie Beurnonvilles versuchte die sich zurückziehenden Truppen zu überflügeln, um sich der Geschütze zu bemächtigen. Dies wurde jedoch von zwei Eskadronen Coburg Dragonern verhindert, die durch ihre rechtzeitige Attacke nicht nur die Geschütze retteten und die franz. Kavallerie verjagten, sondern auch die Infanterie zur Räumung der Redouten zwangen. Gleichzeitig kam eine Eskadron Latour Chevauxlegers unter ihrem Regimentskommandanten Oberstlieutenant Carl Frhr, v. Pforzheim mit verhängtem Zügel angaloppiert, nahm den Franzosen einige Kanonen, derer sich diese bereits bemächtigt hatten ab und zwang sie endgültig zur Flucht.
Dies war für Dumouriez der kritische Moment der Schlacht. Er, seine Offiziere sowie sein Diener Baptiste Renard bemühten sich die auseinanderstiebenden Soldaten wieder zu sammeln.
Wahrscheinlich war es Louis Philippe, Herzog v. Chartres (der spätere "Bürgerkönig" von Frankreich 1830 - 1848), der größte Geistesgegenwart zeigte. Er versammelte die Soldaten, ohne auf ihre Zugehörigkeit zu einzelnen Regimentern zu achten und formierte sie zu einer großen Kolonne, die er einfach "Batallion de Mons" nannte.
Danach ließ er die Trommeln zum Angriff schlagen und stürmte mit diesen Einheiten unter Kartätschenfeuer der Kaiserlichen die Hänge vor Jemappes hinauf.
 
Herzog Albert hatte schnell sämtliche in der Mitte und dem linken Flügel stehende Kavallerie zu dem bedrohten Punkt beordert. Ihr Aufmarsch verzögerte sich jedoch durch das ungünstige Terrain vor Cuesmes, das von einer Menge Gräben und durch heftige Regengüsse entstandene Wasserrisse durchzogen war. Außerdem konzentrierten die Franzosen das Kartätschenfeuer ihrer Batterien auf diesen Abschnitt, was unter der Kavallerie große Verluste verursachte. Als die Kavallerie endlich anlangte, hatte sich die franz. Infanterie bereits wieder in zwei Linien zwischen den Redouten formiert und die in Unordnung geratene franz. Kavallerie dahinter in einer 3. Linie gesammelt.
Auch diese ungünstige Entwicklung wäre für den Ausgang der Schlacht nicht ausschlaggebend gewesen. Gleichzeitig waren aber die wiederholten Angriffe Dumouriez auf Jemappes geglückt. Er bemächtigte sich der Verschanzungen und der Anhöhe vor dem Dorf, welches bisher von den Grenadieren hartnäckig verteidigt wurde. An ihrer Spitze zeichnete sich hier der erst 21-jährige Erzherzog Karl (Adoptivsohn Herzog Alberts) besonders aus.
 
Dumouriez Angriff wurde durch eine Kolonne, die Jemappes auf dem rechten Ufer der Haine umging und die Verteidiger nun in ihrem Rücken bedrohte, unterstützt. Diese Kolonne erschien im Rücken der Kaiserlichen völlig überraschend. Man hatte mit Recht bei der Auswahl der Stellung vor Mons diesen Ort zum Stützpunkt gewählt.
Der Feind konnte wohl bis an das linke Ufer der Haine und die dort befindlichen ausgedehnten Moräste vordringen.- ohne eine Brücke oder Schiffe jedoch nicht passieren. Die ersteren waren alle zerstört, alle Schiffe entfernt. Wie die Franzosen in den Besitz von Schiffen und Pfosten, die für den Übergang notwendig waren kamen, wurde nie näher aufgeklärt. Jedenfalls tauchten plötzlich drei Bataillone, geführt von Rosières in den Seitenstraßen von Jemappes auf, wo man sie überhaupt nicht erwartete. Zwei Grenadierkompanien warfen sich ihnen entgegen und hielten die Franzosen noch eine Weile vom weiteren Vordringen ab. Dadurch wurde Zeit für einen geordneten Rückzug nach Mons gewonnen. Eine Kolonne des rechten Flügels samt Artillerie zog auf der Hauptstraße durch Jemappes, über die Trouille, eine andere schlug den Weg ein, der von Bertaimont nach Mons führt.
 
Unterdessen wurde der linke Flügel von den Franzosen nicht mehr angegriffen worden. D´Harville hatte es versäumt, den "Mont Panisel" (Schels schreibt "Palizel") und die Höhen bei Nimy zu nehmen, um damit den Rückzug der Kaiserlichen zu bedrohen. FZM Beaulieu wartete somit ruhig den Abmarsch des rechten Flügels und des Zentrum ab, zog dann alle Posten und Detachements vor Ciply und auf dem Mont Panisel zurück und trat den Rückzug an, ohne von den Franzosen behelligt zu werden.
Die Kaiserlichen zogen sich über eine Pontonbrücke bei Nimy über die Haine und bivakierten anschließend zwischen Nimy und Maisières. Die leichten Truppen waren bei Ghlin, Obourg und St-Denis verteilt. Das Detachement, das bei Binche gestanden, zog sich auf Haine-St-Pierre, jenes von Charleroi auf Nivelles, um die Straße von Brüssel zu decken.
 
Am Abend ließ Dumouriez den Kommandanten von Mons zu Übergabe der Festung auffordern. Nach Rücksprache mit Herzog Albert räumten die Kaiserlichen Mons am nächsten Tag, vereinigten sich mit der Division auf dem Berg S.Lazare und stießen am 7.11. früh zum Hauptkorps welches sich nach Soignies in Marsch gesetzt hatte.
Die Franzosen besetzten Mons, ohne die Kaiserlichen weiter zu verfolgen.
 
Man kann die Frage stellen, warum Herzog Albert - in Kenntnis der großen zahlenmäßigen Überlegenheit des Feindes bei Jemappes - die Schlacht überhaupt angenommen hatte.
Eine Stellung hinter der Haine bot noch weniger Vorteile, und die Wahrscheinlichkeit sie zu behaupten dar. Würden alle Korps hinter Brüssel versammelt worden sein, hätte man dem Feind einen großen Teil des Landes freiwillig abgetreten und dadurch einer über 100.000 Mann starken franz. Armee die Mittel an die Hand gegeben, sich durch bloßes Manövrieren auch des Übrigen zu bemächtigen. Diesem Entschluss war ganz sicher das ungewisse Schicksal einer Schlacht weit vorzuziehen, besonders da der Feind bei einem Angriff der Stellung vor Mons, auch wenn er gelang, einen beträchtlichen Verlust haben musste (was ja auch eintrat). Es ließ sich sogar ein Sieg der eigenen Truppen erhoffen, welche nicht gewohnt waren, die Menge der Feinde zu zählen und in mehreren Gelegenheiten ihre Bravour und Standhaftigkeit bewiesen hatten. Ein Rückzug ohne dem Feind ein Gefecht geliefert zu haben, hätte sich auch verheerend auf die Moral der Truppen ausgewirkt.
 
Durch die große zahlenmäßige Überlegenheit der Franzosen waren die Kaiserlichen dann letztendlich nicht im Stande, eine Überflügelung zu verhindern. Dazu kam noch die nicht vorsehbare Überquerung der Haine durch die oben beschriebenen drei Bataillons unter Rosières. Die Stärke und große Zahl der feindlichen Artillerie wurde wahrscheinlich von Herzog Albert falsch eingeschätzt.
Die franz. Revolutionsarmee wandte in der Schlacht erstmals die später von Napoléon so geschätzte "Ordre mixte" an.
 
Die Auswirkungen dieses Tages auf die Moral beider Seiten waren immens. Die Kanonade von Valmy hatte den Franzosen Vertrauen gegeben, der Sieg bei Jemappes weiteren Elan.
Am 14.11. rückte Dumouriez in Brüssel ein, das von den Kaiserlichen geräumt war und schickte seine Avantgarde von 6.000 Mann nach Mecheln. Die schwache Besatzung dort kapitulierte am 18.11.
 
FM Albert v. Sachsen - Teschen zog sich mit seiner Armee aus den Niederlanden ganz zurück. Sein Gesundheitszustand hatte sich durch die Strapazen der letzten Wochen so verschlechtert, dass er sich genötigt sah am 15. 11. 1792 den Oberbefehl an FZM Clerfayt zu übergeben.
 
Ordre de Bataille
 
Die Kaiserlichen
 


Oberbefehl: Prinz Albert Casimir v. Sachsen - Teschen, FM

Rechter Flügel:

FML Lilien

 

Grün Laudon - Freikorps

O´Donell Freikorps

7 Komp.

 

Brigade Ehrzg. Karl

Gren. Bat. Morzin

1 Bat.

 

 

Gren. Bat.Barthodeiszky

1 Bat.

 

Brigade Obst. K. V. Kaim

IR Bender

2 Bat.

 

 

HR Blankenstein

3 Eskad.

Zentrum:

FZM F. S. Clerfayt

Brigade GM Mikoviny

Gren. Bat. Leeuven

Gren. Bat. Pückler

1 Bat.

1 Bat.

 

 

IR Würzburg

1 Bat.

 

 

DR Sachsen.- Coburg

4 Eskad.

Linker Flügel:

FML Beaulieu

Brigade GM Jordis

IR Hohenlohe

IR Stuart

1 Bat.

2 Bat.

 

 

Slavonisch - serbisch.

Freikorps Mihailovich

5 Komp.

 

 

HR Blankenstein

1 Eskad.

Kavallerie - Reserve:

GM Lamberg

 

DR Sachsen - Coburg

Chevauxlegers R. Latour

4 Eskad.

2 Eskad.

Infanterie - Reserve

 

IR Hohenlohe

1 Bat.

 

 

IR Matheson

4 Komp.

 

 

Tiroler Scharfschützen

5 Komp.


Insgesamt 11.628 Mann Infanterie, 2.168 Kavallerie, 14 x 12 Pfd. + 36 x 6 und 3 Pfd.

Kanonen sowie 6 x 7Pfd. Haubitzen
 
Die Franzosen



Oberbefehl: General Charles Francois Dumouriez

Rechter Flügel -Avantgarde
GL Beurnonville,
MdC Dampierre
  Cie des Quatre Nations
Cie des Cambrelots
1.Cie franche
3. Cie franche
Légion Belgique
19. Li.Reg
Grenadiere
10. + 14. Jäger
GdN Paris
1., 2, u.  6.Husaren
3. Jäger z. Pferde
6. Jäger z. Pferde
12. Jäger z. Pferde
1 Komp.
1 Komp.
1 komp.
1 Komp.
1 Bat.
1 Bat.
1 + 6 Bat
2 Bat.
1 + 2 Bat
9 Esk.
3 Esk.
3 Esk.
2 Esk.
Flanqueurs links
Gen. Miaczynski
  99. Li.Reg
5. Jäger
5. u. 13. Dragoner
1 Bat
1 Bat.
4 Esk.
Flanqueurs rechts
Gen. Stengel
  11. Jäger
GdN Ardennes
Cie des Clémendos
3.+ 7.Dragoner
3 Haubitzen
 
3 Bat.
1 Komp.
2 Esk.
Linker Flügel
Gen. Ferrand
Erstes Treffen: 1. Brigade
Brigadegen. Drouet
 
                           2. Brigade
Brigadegen. Desforest
 
                           3. Brigade
Gen. Ferrand
 
                           5. Brigade
 
 
                           7. Brigade
 
 
                           4 Brigade
Gen. Ihler
 
                           6. Brigade
 
 
                           8. Brigade
17. Fédérés
GdN Seine-Inférieure
de Charente
GdN Aisne
1.Li.Reg
GdN de Ste Marguerite
GdN Vendée
de la Meurthe
Deux-Sèvres
GdN Gravilliers
29. Li. Reg
Cotes-du-Nord
GdN Lombards
34 Li. Reg
GdN Marne
GdN l´Yonne
Cote-d´Or
de la Vienne
GdN d´Eure-et- Loir
49. Li.Reg.
9. Fédérés
GdN Marne
71. Li.Reg.
GdN St. Denis
1 Bat.
5 Bat.
1 Bat.
1 Bat
1 Bat.
1 Bat.
1 Bat
1 Bat.
1 Bat.
1 Bat.
2 Bat.
1 Bat.
1 Bat.
2 Bat.
2 Bat.
3 Bat
1 Bat.
2 Bat..
1 Bat.
1 Bat.
1 Bat.
3 Bat.
1 Bat.
1 Bat.
  Zweites Treffen 9. Brigade
Gen. Blottefière
                         11 Brigade
 
 
                        13. Brigade
 
 
                        15. Brigade
 
 
                        10. Brigade
Gen. Stettenhoffen
                        12. Brigade
 
 
                         14. Brigade
 
 
                         16. Brigade
 
 
GdN Républicaine
83. Li. Reg.
GdN Meurthe
78. Li.Reg
GdN Meuse
GdN Marne
Mayenne-et-Loire
l´Eure
GdN Seine-et-Oise
98. Li.Reg
GdN Seine-Infèrieure
GdN Butte des Moulins
72. Li.Reg.
GdN Pas-de-Calais
94. Li.Reg.
GdN Paris
GdN Nièvre
l´Allier
Seine-et-Marne
GdN Seine-et-Oise
104 Li.Reg.
GdN Grenadiers de  Paris
1 Bat.
2 Bat.
5 Bat.
2 Bat.
4 Bat.
1 Bat.
1 Bat
2 Bat.
1 Bat..
1 Bat.
1 Bat.
1 Bat.
2 Bat.
1 Bat.
1 Bat.
9 Bat.
1 Bat.
1 Bat.
1 Bat.
3 Bat.
2 Bat.1 Bat.
Reserve Gen. de Flers Gendamerie Nat.
Grenadiers
2 Esk.
? Bat.

Abkürzungen: Cie = Companie, Li.Reg = Linien Regiment, GdN = Garde Nationale
 
Insgesamt 40.000 Mann Infanterie, 3.000 Kavallerie, 100 Kanonen, davon 6 x 16Pfd.
18 x 6 Pfd. und einige schwere Haubitzen.

 

Bemerkung: die OdB ist nach Digby Smith. Er übernahm sie von Chuquet, schreibt aber selbst, dass sie wahrscheinlich nicht komplett ist und nicht mit den österreichischen und französischen Generalstabswerken übereinstimmt.
Tatsächlich fehlen Angaben über die Einheiten im Zentrum unter Herzog v. Chartres, auch Rosiéres Truppen auf der äußersten Linken der Franzosen sind nicht erwähnt.
 
Verluste in der Schlacht : (nach Digby Smith, gleich Zahlen gibt auch J. B. Schels an)
Kaiserliche: 305 Tote, 513 Verwundete und Vermisste, 423 gefangen. 5 Geschütze
verloren
Franzosen: ca. 650 Tote (darunter Brigadegeneral Drouet), 1.300 Verwundete.
Brissot gab den französischen Verlust, als er Dumouriez vor dem Konvent anklagte, auf 10.000 Mann, andere franz. Berichte sogar auf 15.000 Mann an.
 
 
Der Lebenslauf des französischen Oberbefehlshabers General Dumouriez ist so interessant, dass er hier kurz erwähnt werden soll.
Geboren am 25. 1. 1739 in Cambrai als Sohn eines Kriegskommissars, kämpfte er als Volontär in der franz. Kavallerie bereits im Siebenjährigen Krieg. Mehrmals verwundet, fiel er 1760 in Gefangenschaft. Später kämpfte er auf Korsika. Danach als Geheimagent Choiseuls mit Missionen in Madrid, Polen und Schweden betraut.
Nach Choiseuls Sturz kam er für kurze Zeit in die Bastille. Während der franz. Revolution schloss er sich den Jakobinern an, später den Girondisten. In den Jahren 1775/89 war er Kommandant der Nationalgarde in Cherbourg.1788 wurde D. zum Generalmajor befördert. Am 15.3.1792 wurde er von Lafayette zum Außenminister ernannt, welches Amt er allerdings nur bis Juni d.J. innehatte, als er das Kommando der Nordarmee übernahm.
Nach anfänglichen Erfolgen bei Valmy und Jemappes überwarf er sich mit dem Konvent, dessen Kommissäre sein Heer desorganisierten und wurde am 18.3.1793 bei Neerwinden geschlagen.
Dumouriez fasste den Plan, die jakobinische Anarchie zu stürzen und eine konstitutionelle Monarchie herzustellen.
Er begann durch Vermittlung des damaligen Stabschefs des Prinzen Friedrich Josias v. Sachsen - Coburg - Saalfeld, dem Oberst Karl Frhr. Mack v. Leiberich, über einen Waffenstillstand zu verhandeln.(Mack war zu Verhandlungen im franz. Hauptquartier in Ath am 25.3.1793). Die Abgesandten des Konvents, die Dumouriez zur Rechenschaft ziehen wollten, lieferte er am 2.4. an die Kaiserlichen aus. Um einer drohenden Gefangennahme durch Davout zu entrinnen, lief Dumouriez anschließend zu den Kaiserlichen über.
Von den Großen der Koalition gemieden, erhielt er schließlich Asyl und 1800 eine Rente in England. Er unterstützte später Wellesley in Spanien und organisierte den dortigen Guerillakrieg gegen Napoleon.
D. starb in seinem selbstgewählten Exil am 14. 3. 1823 in Henley-on-Thames (nach anderer Quelle in Turville Park bei London).
Sein Diener Baptiste Renard, der sich bei Jemappes so bewährt hatte, wurde nach der Schlacht vom Konvent auf Staatskosten ausgerüstet und zum Kapitän ernannt.
Er lief mit Dumouriez über, lebte bis 1800 in sehr ärmlichen Verhältnissen und kehrte dann nach Brestot (Orne) zurück. Völlig mittellos, nahm er jede Arbeit an, die ihm angeboten wurde. Am 10. 5. 1827 fand man seinen leblosen Körper im Fluß Risle.
 
Erwähnenswert ist auch, dass beide Unterbefehlshaber von Hrzg. Albert v. Sachsen Teschen, Clerfayt und Beaulieu, gebürtige Wallonen waren. Beide wurden während des Aufstandes von seinen Führer umworben, blieben jedoch ihrem Herrscher treu.
FML Johann Peter Frhr. Beaulieu - Marconne wurde 1725 in der Nähe von Namur geboren, während des Aufstandes ermordeten die Aufständischen seinen Adoptivsohn. Auch die Familie von FZM Francois Sébastian Charles Joseph de Croix, Graf v. Clerfayt, der 1733 im Hennegau geboren wurde, hatte während des Aufstandes schwer gelitten.
 
Harald Skala
 
 
Quellen:
-          Chuquet Arthur, Jemappes et la conquete de la Belgique, Paris
-          Smith Digby, Napoleonic Wars - Data Book 1792 - 1815, PA/USA 1998
-          Chandler David, Dictionary of the Napoleonic Wars, Ware/Hertfordshire /UK 1999
-          J. B. Schels, Neue militärische Zeitschrift, Wien 1812 (S. 50 bis 69)
-          Pizzighelli Cajetan, Geschichte des Husarenregiments Nr. 6, Rzeszów, 1897
-          Musée royal de l´Armée et d´Histoire militaire, Brüssel (Karte + Legende)
 
 
Bemerkung: A. Chuquet bezieht sich in seinem Beitrag "Jemappes et la conquete de la Belgique" in seinem Buch "Guerres de la Revolution" Bd. IV .auf den Artikel von Johann Baptist Schels in der ÖmZ Jahrgang 1811, Seiten 269 - 336.
Meine Nachforschungen im Kriegsarchiv Wien haben ergeben, dass diese Angabe falsch ist. Der Beitrag J. B. Schels ist im Jahrgang 1812 erschienen, unter der Überschrift "Des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen Königliche Hoheit Vertheidigung der Niederlande im Jahre 1792"


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