Die Erstürmung von Schweidnitz durch FML G. Laudon
am 1.Oktober 1761


Einleitung

In der Kriegsgeschichte der k. k. Monarchie gibt es mehrere Beispiele von blitzartigen Überfällen auf befestigte Plätze. Eines der hervorragendsten ist die Erstürmung der Festung Schweidnitz durch Truppen des FML G: Laudon im Jahre 1761.

Es geschah im Siebenjährigen Krieg gegen Preussen zum Ende des Feldzuges 1761.
Das russische Expeditionskorps unter Gen. Buturlin stand noch auf preussischem Gebiet, ohne jedoch nach der Schlacht bei Kunersdorf weiter in das Kriegsgeschehen einzugreifen

Laudon hatte seit Beginn des Feldzuges immer wieder darauf hingewiesen, dass eine Rückeroberung von Schlesien ohne einen befestigten Platz zu haben nicht recht durchführbar sei. Die Preussen standen in ihrem gut befestigten Lager bei Bunzelwitz (dessen Wegnahme gescheitert war). Diese Situation nutzte Laudon zu einem Überraschungsangriff auf Schweidnitz.
Viele seiner Offiziere kannten die Verteidigungsanlagen der Festung von den Jahren 1757 und 1758 her, der russische GL Czernichew bot als Hilfe sein Korps an.
(Laudon nahm letztlich nur ca. 800 russische Grenadiere). Preussische Überläufer bestätigten, dass die Garnison von Schweidnitz aus weniger als 4.000 Mann besteht. Die Vorbereitungen mussten unter größter Geheimhaltung geschehen, Friedrich II. durfte unter keinen Umständen etwas von den Plänen Laudons erfahren. GM Ujházy erhielt den Befehl, mit seinen Husaren ev. Bewegungen des Königs zu verfolgen und sofort Meldung zu erstatten.
Die rasche Handlung ließ es nicht zu, die Verwirklichung vorher mit dem Hofkriegsrat und Anderen abzustimmen. Laudon informierte nur den Kaiser durch ein Schreiben vom 28.9.

Schweidnitz war keine richtige Festung. In früheren Jahren wurden nur einige selbständige Schanzen um die Vorstädte gebaut. Erst 1747 bauten die Preussen diese Werke aus. Die eigentliche Befestigung lag in den vier Sternschanzen und dem - später errichteten - Wasserfort. Die Anlagen hatten jedoch große Mängel. So konnten die Gräben der Forts nicht vom Stadtwall eingesehen werden, der Beschuss tiefer gelegener Abschnitte durch Kanonen der Forts war nicht möglich.

Kommandant der Festung war GM v. Zastrow, zur Garnison gehörten die IR Trewskow, Münchov, Zastrow und Mellin mit einigen Husaren und Dragonern, zusammen nicht mehr als 4.000 Mann. An Geschützen waren 240 verschiedene Kaliber vorhanden, viele von ihnen jedoch in sehr schlechtem Zustand. Verglichen mit der Größe der Stadt und der Werke wäre eine Besatzung von 9.000 Mann vonnöten gewesen.


Vorbereitungen zur Erstürmung der Festung

Am 30.9. Vormittags schloss FML Franz Jahnus mit Grenzinfanterie, Husaren und Kosaken die Stadt in einem großen Kreis ein, so dass alle Verbindungen nach Außen unterbrochen wurden.
Unter der Führung von GM Fürst J. Liechtenstein und Oberstlieutenant Graf Josef Kinsky requirierte die Reiterei in den umliegenden Dörfern alle Leitern und brachte sie nach Kunzendorf. Diese Aktion war am 30.9. gegen 18 Uhr abgeschlossen.
Um die Besatzung zu täuschen, marschierte Laudons Korps Abends in ein Lager bei Reichenbach. Auch die Kavallerie brach dahin auf, kehrte aber im Schutze der Dunkelheit in ihr altes Lager zurück.

GM Zastrow waren die Bewegungen der Kaiserlichen selbstverständlich aufgefallen, er ließ um 17 Uhr die Garnison unter Gewehr treten, 4 Bataillone zwischen der äußeren Umfassung der Stadt Position einnehmen und die verschiedenen Werke besetzen.
In jedem der 4 Forts war 1 Stabsoffizier und 270 Mann, davon 140 in den Contregarden. Die bedeckten Wege konnten wegen Mangel an Mannschaft nicht besetzt werden.
In dem Wasserfort standen nur 48 Mann, an den Stadttoren jeweils 36 Mann. Die ca. 4.000 Schritt lange Stadtmauern wurden von den verbliebenen 400 Mann unter 2 Stabsoffizieren besetzt.
Für die o. erw. 240 Kanonen standen nur 83 Artilleristen zur Verfügung. Es mussten also weiter Handlanger von den Infanterieregimenter aushelfen. In jeder Sternschanze befanden sich 8 Zwölfpfünder, 4 Sechspfünder, 4 - 5 dreipfündige Kanonen. Außerdem 6 fünfzig- und sechzigpfündige Mörser. Das Wasserfort war mit 8 Kanonen und 4 Mörsern bestückt, in den Redouten je 2 zwölfpfündige, 2 sechspfündige und 4 - 5 dreipfündige Kanonen.

Es scheint, dass GM v. Zastrow auch kurz vor der Aktion nicht glaubte, dass Laudon einen Sturm ohne vorherige Belagerung und Beschießung wagen würde.


Der Sturm

Den Plan für die Erstürmung hatte Laudons Stabschef GM Ernst Friedrich, Marchese Giannini1) ausgearbeitet. Er sah folgendes vor:
Der Sturm sollt mit 4 Kolonnen gleichzeitig, ohne jegliche Artillerievorbereitung erfolgen.
Die Zusammensetzung der einzelnen Kolonnen war wie folgt:

1. Kolonne - gegen das Galgenfort Nr. 1
Oberst Patrick Olivier, Graf Wallis 2), Major Heinrich, Graf O´Donell
als Stabsoffizier Major Elmpt

    1 Grenadierbataillon O´Donell
    1 Bataillon IR "Blau Laudon"
    1 Bat. IR Karl v. Lothringen
    1 Bat. IR C. A. Fürst Waldeck
    1 Bat. F. Graf Gyulai
    2 Kompanien russische Grenadiere
    1 Eskadron Dragoner Löwenstein (das spätere Ulanenreg. Nr.7)
                            4 Haubitzen, 6 x 6-pfünder Kanonen

2. Kolonne - gegen das Jauernicker Fort Nr. 2
Major Link, Stabsoffz. Major Koppenzeller

    1 Grenadierbataillon
    1 Bat. IR  Erzhrzg. Ferdinand
    1 Bat.IR Murray
    1 Bat. IR Ch. Prinz Baden-Durlach
    1 Bat. IR X. Graf Harrach
    4 Haubitzen, 4 x 6-pfünder Kanonen

3. Kolonne - gegen das Gartenfort Nr. 3
Oberstlieut. Thume, Chevalier Caldwell 3),
Stabsoffz. Oberst D. T. di Fabris, Graf von Cassano

    2 Grenadierbataillone : Caldwell und Rummel
    1 Bat. IR A. O. Marquis Botta d`Adorno
    1 Bat. IR Ch. Graf Königsegg
    1 Bat. IR Platz
    2 Grenadierkompanien, Arberg und Sachsen-Gotha
    4 Haubitzen, 4 x 6-pfünder Kanonen

4. Kolonne - gegen das Bogenfort Nr. 4
Obesrtlieut. J. N. Frhr. de Vins 4) , Stabsoffz. Major Huyn

    1 Grenadierbataillon de Vins
    1 Bat. IR Adam, Graf Batthyanyi
    1 Bat. IR Jos. Graf Esterházy
    1 Bat. IR Kajetan, Graf Kolowrat-Krakowsky
    1 Bat. IR C. R. Ahremberg, Hrzg. v. Ahremberg
    2 Kompanien russische Grenadiere
    4 Haubitzen, 4 x 6-pfünder Kanonen

Bemerkung: die Bataillons hatten eine Stärke von max. 500 Mann

Gideon Frhr. Laudon, FML        

Den Scheinangriff gegen das Wasserfort führte FML F. Jahnus v. Eberstädt mit seinen Slavonisch-Peterwardeiner Grenzern.

4 Eskadronen des Dragonerregiment J. W. Fürst Liechtenstein unter GFWM Karl Boromäus Fürst Liechtenstein und Oberstlieutenant Josef, Graf Kinsky standen in Reserve und sollten nach Erstürmung der Stadt in dieser für Recht und Ordnung sorgen.

Jede der Sturmkolonnen hatte außer den o. erw. Einheiten noch einige Pioniere, Sappeure, Zimmerleute und Arbeiter (die auch jeweils 140 Sturmleitern pro Kolonne trugen) aus den Regimentern die nicht direkt an dem Sturm teilnahmen.
Die vier Sturmkolonnen bestanden aus ca. 7.000 Mann, also ungefähr der Hälfte des Laudon´schen Korps.

Den Oberbefehl über die Sturmkolonnen hatte GM Carl, Baron Amadei 5). der bereits 1757 bei der Belagerung der Festung als Oberst die Angriffskolonnen angeführt hatte.

Nachmittags gegen 16 Uhr waren die Mannschaften in Kunzendorf versammelt, wo sie ihre Tornister und sonstige Baggage zurückließen. Der Angriff sollte Punkt 3 Uhr nächsten Morgen beginnen.
FML Laudon richtete an die Truppen noch einige ermunternde Worte und untersagte jegliche Plünderung, wogegen er einen Ersatz von 100.000 Gulden versprach.

Gegen Mitternacht marschierten die Kolonnen in aller Stille in ihre Aufstellungsplätze die um 2 Uhr erreicht wurden. Punkt 3 Uhr erfolgte das Angriffsignal. Weil die Entfernung zu den einzelnen Forts unterschiedlich war, erreichten die Truppen die Sternschanzen doch nicht gleichzeitig.
Zwischen der 1 und 4 Kolonne lag ca eine halbe Stunde.

Als erste erreichte die Kolonne de Vins ihr Ziel. Eine Wache erspähte sie und gab Feuer. Bevor die Besatzung ihre Positionen einnehmen konnte, standen die Angreifer bereits auf dem Glacis. Noch bevor die Batterien des benachbarten Bogenforts eingreifen konnten, standen die Grenadiere bereits im bedeckten Weg und besetzten die Waffenplätze des Forts. Sie gelangten schnell in den Rücken der Verteidiger, die  über die noch intakte Brücke in das Fort flüchteten. Hauptmann v. Bandmer blieb allein.
Mit Hauptmann Sattler versuchte er sich über Umwege in die Stadt zu retten.
Die Sternschanze verteidigte sich gegen 2 Angriffe, erst dem dritten, der von nachrückenden Füsiliren unterstützt wurde, mussten sich die verbliebene Besatzung ergeben.
Oberstlieutenant de Vins führte seine Mannschaften persönlich. Bei der Übergabe flog aus ungeklärten Gründen das Pulvermagazin des Forts in die Luft wobei 400 Mann der IR Esterházy, Ahremberg und A. Batthyanyi sowie einige Preussen getötet und verwundet wurden.
Um halb vier befanden sich also die Kaiserlichen im Besitz eines der Forts.

Der Angriff auf das Gartenfort begann um 3.15 Uhr, geführt durch Oberstlieutenant Caldwell. Oberst de Fabris griff gleichzeitig die Gartenredoute an. Von den patroulierenden preuss. Dragonern wurden diese Sturmkolonnen rechtzeitig bemerkt und Alarm gegeben. Die Dragoner zogen sich zum Bogentor zurück, wo sie jedoch in einen Kampf mit russischen Grenadieren verwickelt wurden. Die Dragoner saßen ab und flüchteten zu Fuß über die Palisaden des Gartenforts.
Die Besatzung des Forts wehrte sich heldenhaft, trotzdem gelang es Caldwell schnell über das Glacis zu kommen und in den gedeckten Weg einzudringen. Als erster stürmte di Fabris auf die Höhe der Contregarde, die Preussen wurden verjagt oder niedergemacht und über die mitgebrachten Leitern das Innere des Forts erreicht.
Nach 15 Minuten war auch dieses Fort in der Hand der kaiserlichen Truppen. Inzwischen hatte auch Oberstlieutenant Rummel mit seinen Grenadieren die Jauernicker Redoute erobert.

Den Sturm auf das Jauernicker Fort leitete der alte, erfahrene Offizier Major Link.
Auch seine Kolonne wurde frühzeitig bemerkt und kam unter dem Schein etlicher Leuchtkugeln unter Feuer der Verteidiger. Die Kanonen konnten jedoch kaum 3 Schuss abgeben, schon waren die Grenadiere über die ersten Hindernisse, überstiegen die Brustwehr und zwangen die Verteidiger zur Aufgabe. Die Besatzung der Sternschanze selbst setzte ihr Feuer fort. Major Link ließ die Sturmleitern anlegen, 300 Mann rückten gegen die Kehle des Forts und kurz danach wurde trotzt mutiger Gegenwehr das Sperrgatter geöffnet und die Zugbrücke niedergelassen. Die Besatzung wurde entwaffnet und der nachgerückten Kavallerie übergeben. Anschließend wurden die Geschütze des Forts gegen die Stadt gerichtet.



Links Grenadier des IR "Blau-Laudon", rechts russischer Grenadier

Den Sturm auf das wichtige Galgenfort führte Oberst Graf Wallis, Major O´Donell und Major v. Elmpt. Das Fort war das stärkste der vier und von dem IR Treskow unter Oberstlieutenant v. Plotho verteidigt.
Wallis bildete vier Kolonnen. Er selbst rückte mit 4 Grenadierkompanien und zwei Infanteriebataillons gegen die Sternschanze vor. Major Graf Truchses mit 2 Grenadierkompanien griff rechts, Major Patkul mit seinen russischen Grenadieren links an. Hauptmann Graf Dombasle mit einem Infanteriebataillon wandte sich gegen die Galgenredoute. Ein Bataillon blieb in Reserve.
Unter starkem Feuer gingen die Kolonnen voran. Major O´Donell wurde gleich zu Beginn verwundet, verband sich die Wunde notdürftig mit seinem Taschentuch und blieb an der Spitze seiner Grenadiere. Diese stürmten, ohne einen Schuss abzugeben. Die Wolfsgruben wurden mit mitgeführten Brettern überdeckt, die Grenadiere gelangten bis an die Palisaden des gedeckten Weges. Es gab bereits bedeutende Verluste unter den Stürmenden, sie zögerten jedoch nicht, sprangen in den bedeckten Weg, die nachrückende Infanterie folgte nach viermaligem Anlauf. Erst der fünfte Versuch, den Wallis persönlich führte, hatte Erfolg.
Als die Leitern angelegt wurden, zauderten die Grenadiere. Wallis feuerte seine Leute an: "Kinder, bedenkt, dass unser Regiment den Namen Laudon führt. Wir müssen siegen oder sterben! Ich habe es unserem Inhaber heilig versprochen".
Das half. Selbst Offiziere stellten die Leitern an und kletterten hoch. Auch O´Donells Trupp erstieg nun die Brustwehr des Forts (der preussische Oberstlieutenant v. Plotho erstellte O´Donell später ein Zeugnis aus, worauf O´Donnell das Ritterkreuz des MTO bekam).
Zur gleichen zeit wurde auch die Galgenredoute von Einheiten des Hauptmann Dombasle gestürmt und die nebenseitigen Verbindungen durch Major Truchses und Patkul.
Aus allen vier Sternschanzen wurde nun gegen die Stadt gefeuert. Es war inzwischen 6 Uhr. Schon kurz nach 4 Uhr hatten einzelne russische Grenadiere das Bögentor erreicht, Major Patkul führte nach Einnahme des Galgenforts seine Grenadiere auch dorthin. Das Tor wurde von Major Doris mit 40 Mann verteidigt. Als jedoch russische Grenadiere unter Major Posnikoff den Wall beiderseits des Tores überstiegen, liefen Doris´ Leute davon. Mit Kanonen, die aus den vorderen Werken angeschleppt wurden, zerschossen die kaiserlichen die Tore und drangen in die Stadt ein.
GM v. Zastrow musste sich mit dem Rest der Besatzung ergeben; was in dem Tumult entkommen konnte, flüchtete in das Wasserfort.

Dieses Fort war von Gräben und Kanälen umgeben und seine Kanonen konnten gut alle Seiten mit ihrem Feuer bestreichen. Mit einem Überraschungserfolg war hier nicht zu rechnen, deshalb ordnete Laudon nur einen Scheinangriff an.
Im Fort waren jedoch ca. 400 Kriegsgefangene. Denen gelang es die Türen ihrer Zellen zu öffnen und eine der Mauern zu erstürmen, von denen sie den Stürmenden zuriefen.
FML Jahnus hatte Hauptmann Szeczujaz mit dem Scheinangriff beauftragt. Dieser erfasste die Situation sofort und - ohne weiter Befehle einzuholen - änderte den Scheinangriff in einen wirklichen. Die Zugbrücke wurde von den Gefangenen heruntergelassen und die Grenzer waren gegen 7 Uhr im Besitz auch dieses letzten Forts.

Kaum war die Infanterie in die Stadt eingedrungen, sprengten die 4 Dragonereskadronen unter Liechtenstein und Kinsky in die Straßen, um ev. Plünderungen zu verhindern.

Laudons Sturmtruppen verloren 12 Offiziere und 270 Mann tot, 51 Offiziere und 986 Mann verwundet, 140 Mann vermisst. Die Russen verloren 51 Mann tot, 5 Offiziere und 41 Mann verwundet.
Die Verluste der Preussen wurden nie offiziell angegeben. In Gefangenschaft gerieten: 1 Generalmajor (Zastrow), 1 Oberst, 1 Oberstlieutenant, 8 Majors, 17 Hauptleute, 70 subalterne Offiziere und 3.173 sonstige (Unteroffiziere, Stabsbeamten, Mannschaften).
Die Verluste müssen sich also bei 800 Mann bewegt haben.

Laudon hielt sein Wort und ließ 100.00 Gulden an die Sturmtruppen auszahlen. Jeder Soldat erhielt 13 Gulden.

In seiner Relation an die Kaiserin über das geglückte Unternehmen schlug Laudon die GFWM Liechtenstein, Giannini und Amadei zur Beförderung zu FML; den Oberst Rouvroy von der Artillerie und Oberst Wallis zu GFWM vor. Die Obristlieutenants Devins, Leopold Pálffy und Caldwell zu Obristen, den OWM Graf O´Donell  und Link zu Oberstlieutenants.
Mit der Meldung über die Einnahme von Schweidnitz wurde  Oberstlieutenant de Vins nach Wien geschickt (nach C. v. Wurzbach war es Fürst K. B. v. Liechtenstein). Maria Theresia belohnte de Vins mit einem wertvollen Ring und dem Oberstenpatent.

Man würde meinen, das Laudon für diese hervorragend geglückte Waffentat in Wien unbegrenztes Lob geerntet hätte. Dem war vorerst nicht so. Der Hofkriegsrat und andere beschwerten sich bei Maria Theresia über Laudons "eigenmächtige" Handlung und verlangten seine Bestrafung. Beinahe wäre Laudon vor ein Kriegsgericht gestellt worden! Als Maria Theresia die Sache beiläufig ihrem Gemahl, Kaiser Stephan erwähnte, sagte dieser, dass ihn Laudon von seinem Plan informiert hätte und er ihn gut geheißen hätte. Danach änderte Maria Theresia ihre Meinung. Am 10.10 schickte sie ein Handschreiben an Laudon ab und übersendete ihm 3.000 Dukaten für die russischen Grenadiere und die Einheiten, die an keinerlei Plünderungen teilgenommen hatten.
In einem weiteren Handschreiben schickte sie Laudon das mit Brillianten verzierte Großkreuz des MTO im Wert von 6.000 Dukaten, das einst Herzog Karl v. Lothringen getragen hatte.

Friedrich II. - obwohl er den Verlust von Schweidnitz bereute - gab GM v. Zastrow keine Schuld. Im Gegenteil - in einem Handschreiben tröstete er den in Gefangenschaft geratenen mit den Worten: ... Alles, nur nicht die Ehre ist verloren...!"

Der schnelle Fall der Festung hatte mehrere Ursachen. Wie schon Anfangs gesagt, waren die Möglichkeiten der Festungsartillerie völlig unzureichend. Die Kanonen in den Werken waren so ausgerichtet, dass sie niedriger gelegene Abschnitte nicht erreichen konnten. Ihr Zustand war mangelhaft, Bedienungsmannschaft unzureichend. Der Festungskommandant hatte seine Truppen nicht richtig verteilt, auch die vorhandenen Minen nicht genutzt. Wahrscheinlich hatte er von Anfang an wenig Vertrauen in die Stärke der ihm anvertrauten Festung.

Die zeitgenössische russische Literatur übertreibt den Beitrag der eigenen Truppen an der Erstürmung. Die Grenadiere hatten ihren Anteil geleistet - siegentscheidend war er nicht.
Fußnoten:

1) Giannini wurde 1719 in Schlesien geboren und stammte aus einer alten modenesischen Familie. Als Jüngling trat er in das IR Botta ein, kam in preussische Gefangenschaft, kam dann zum Geniekorps wo er zum Oberst avancierte. 1759 übernahm er das Generalquartiermeister Amt im Korps Laudon. Er starb im Rang eines FML im Jahre 1775 in Wien.

2) Wallis entstammte einer irischen Familie, die jedoch mit keiner der in den Stammtafeln erwähnten verwandt war. Geboren 1724 in Dublin, stand er 1757 bereits im Rang eines Hauptmann im IR Nr. 22. Bei der Belagerung von Schweidnitz 1758 schloss er mit General Treskow die Kapitulation ab und blieb als Geisel zurück. Anschließend zum Oberst befördert. Im April 1762 erhielt er den MTO, 1767 wurde er in den Grafenstand erhoben. 1777 wurde er Inhaber des IR Nr. 35. Er starb 1787 im Rang eines FML in Prag.

3) Caldwell wurde 1733 in Cadowell in Irland geboren. Trat als Volontär in das c. k. Heer, wurde aber bald zum Hauptmann befördert. Nach den Schlachten bei Prag und Breslau zum Major ernannt, erhielt er 1759 den MTO. Nach Schweidnitz wurde er Oberstlieutenant (er war erst 28 Jahre alt!). Er blieb in Schweidnitz, wurde bei der folgenden Belagerung durch die Preussen bei einem Ausfall tödlich verwundet und unterlag nach 5 Tagen am 19.8.1762 seinen Verletzungen

4) de Vins stammte aus Mantua, wo er 1732 geboren wurde. 1748 trat er als Fähnrich in das IR Leopold Pálffy ein wo er vor Beginn des Siebenjährigen Krieges bereits Grenadierhauptmann war. 1758 erhielt er den MTO. Oberstlieutenant wurde er 1760. Nach der Erstürmung von Schweidnitz 1761 wurde er Oberst im IR Nr. 16 und 1773 Generalmajor. Er zeichnete sich noch im folgendem Türkenkriege aus, 1788 zum FZM ernannt erhielt er den Oberbefehl in Kroatien. 1790 erhielt er für die Erstürmung von Czettin das Großkreuz des MTO. 1795 war er Oberkommandierender  der österreichischen und piemontesischen Truppen in Italien. 1795 ging er in Ruhestand und starb in Wien am 26.9.1798.
   
5) Amadei war 1723 in Brüssel geboren, trat bereits mit 12 Jahren in das IR Markgraf Ludwig G. v. Baden ein, in dem sein Vater als Hauptmann diente. Er zeichnete sich gegen die Türken und in den Schlesischen Kriege aus, erhielt 1758 den MTO und wurde 1760 GM. Er starb 1796, als er Festungskommandant in Mailand im Rang eines FML war.
 
Harald Skala












Karl, Frhr. v. Amadei, GM




Quellen:


- W. Edler v. Janko, "Laudon´s Leben", Wien, 1869
- C. v. Wurzbach, "Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich", Wien 1860-80
- ALBERTINA-Handschrift, Faksimile , Wien, 1973
- Ch. Duffy, "Sieben Jahre Krieg", Wien, 2003
- Portraits - Heeresgeschichtliche Museum, Wien




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