Die Schlacht bei Liegnitz
am 15. 8. 1760


Einleitung

Nach mehreren Misserfolgen der Preussen  gelang es Friedrich II. diese Schlacht trotz nummerischer Überlegenheit der Kaiserlichen zu gewinnen. Es war eine seiner taktischen Glanzleistungen im Siebenjährigen Krieg.
Wie bei allen anderen, weichen die zeitgenössischen und auch späteren Schilderungen des Geschehen in einigen wichtigen Details von einander ab. Im folgenden Beitrag wird versucht, der Wahrheit möglichst nahe zu kommen und frühere Fehler zu korrigieren.

Vorgeschichte

Nach dem Glatz gefallen war, brach Friedrich II. die Belagerung von Dresden ab und marschierte nach Schlesien, um sich mit dem dort stehenden Korps seines Bruders Heinrich zu vereinigen.
Die Lage der Preussen war äußerst prekär. Nicht nur, dass das kaiserliche Heer beinahe doppelt so stark wie sein eigenes war, er musste auch jeden Augeblick den Übergang des russischen Expeditionskorps über die Oder bei Lebus befürchten.
FM L. Daun hatte die Absicht Friedrichs vorausgesehen und marschierte mit seiner Hauptarmee einen Tagesmarsch vor ihm, FZM M. Lacy mit seinem Koprs einen Tagesmarsch hinter den Preussen. Die Armeen langten in der Gegend von Liegnitz (heute Legnica/PL) am 10.8. an. An dem Tage stieß auch FZM G. Laudon mit seinem Korps, von Breslau kommend zu der Hauptarmee Dauns.
Die Kaiserlichen lagerten bei dem Ort Koischwitz (Kunice/PL) südlich Liegnitz, der König näher an der Stadt selbst. Beide Heer waren durch die Flüsschen Katzbach und Schwarzwasser getrennt. Die Gegner machten in den nächsten Tagen einige Täuschungsmanöver, kehrten aber in die oben beschriebenen Lager wieder zurück.
FM Daun wurde von Wien hart bedrängt, endlich seine Überzahl gegenüber Friedrich II. auszunutzen und entschied sich endlich, am 15.8. eine Schlacht zu wagen.

Sein Plan war gut durchdacht und hätte eigentlich gelingen müssen. FZM G. Laudon sollte mit seinem Korps nachts Liegnitz südlich umgehen, die Katzbach bei Pohlschildern (auch Klein-Schildern) überschreiten und über Pfaffendorf und Rüstern (Rzeszotary/PL) des Königs linken Flügel angreifen.
FZM M. Lacy sollte den Preussen in den Rücken fallen. FM L. Daun mit der Hauptarmee beabsichtigte die Katzbach zwischen Kroitsch und Hohendorf zu passieren und gegen die Mitte und rechten den Flügel der Preussen vorzugehen.
Es kam anders.

Das Kräfteverhältnis

Wir finden in den Quellen sehr unterschiedliche Zahlen. Janko (1) nennt 90.000 Mann, welche die kaiserliche Armee gehabt haben soll. Dorn (2) spricht von 100 760 Mann.
Friedrich II. hatte nach ersterem 30.000 Mann, Dorn gibt 26.750 an, Bleibtreu (3)  sogar nur 14.000, die an der Schlacht direkt beteiligt waren.
Aus Gründen, auf die ich später zurückkomme, stand allerdings den Preussen nur das Laudon´sche Korps gegenüber, die Hauptarmee Dauns und die detachierten Korps kamen überhaupt nicht in´s Gefecht.
Auch was die Stärke des Korps Laudon betrifft, gibt es sehr unterschiedliche Aussagen.
Janko zitiert in seinem Buch aus einem Schreiben Laudons vom 15.8. an Staatskanzler Kaunitz, in dem Laudon selbst von ..."kaum 15.000 Feuergewehren..." spricht (hiermit konnte allerdings wohl nur die Infanterie gemeint sein). Dorn gibt seine Stärke mit 29.650 Mann an (in der "Ordre de Bataille" allerdings 32.650). Bleibtreu gibt sogar 32.000 mit 120 Geschützen an!

Die "Ordre de Bataille (2)  zeigt 42 Bataillone, 4 Grenzbataillone, 9 Grenadierbataillone an Infanterie, 63 Eskadronen Reiter sowie 16 Husareneskadronen..
Wenn man diese Einheiten mit den damals üblichen Soll-Ständen multipliziert, kommt man auf ungefähr 34.350 Mann. Da die Regimenter jedoch selten ihre Soll-Stärke erreichten, kann man wohl die Zahl von ca. 29.000 als einigermaßen zutreffend annehmen.
An dem Kampf selbst beteiligte sich allerdings nur ein Teil dieser Truppen. Beim Abrücken aus dem gemeinsamen Lager musste FZM Laudon auf Befehl von FM
Daun ein kleines Korps unter FML Wolfersdorf auf den Höhen von Hochkirch zurücklassen. Es bestand aus 9 Bataillonen und den Kürassierregimentern Karl Pálffy und Alt-Modena, zusammen ca. 5.500 Mann.
Die leichten Truppen Laudons (die Husaren, Chevauxlegérs und Grenzinfanterie, insgesamt ca. 5.800 Mann) unter GM Nauendorf standen am verlängerten rechten Flügel Laudons und beteiligten sich an dem Kampf kaum.

Wenn man nun diese zwei detachierten Truppeneinheiten von der Gesamtanzahl abzieht, kommt man ziemlich genau auf die von Laudon genannten "...15.000 Feuergewehre.." die den ca. 29.000 Preussen gegenüberstanden.
Die Behauptung Bleibtreus, Laudon wäre Friedrich II. doppelt überlegen gewesen, entbehrt jeglicher Grundlage.


Ausgangspositionen vor der Schlacht

Am Abend des 14.8. lagerte die kaiserliche Armee in einem weiten Bogen südlich Hochkirch, am linken Flügel das Korps M. Lacy, vor ihm das Korps Ried, im Zentrum die Hauptarmee Dauns in 2 Treffen, vorgeschoben das Korps Beck, den rechten Flügel bildete das Korps Löwenstein. Etwas östlich davon, hinter Koischwitz stand das Korps Laudon, nördlich in etwas einspringendem Winkel seine Grenadierbataillone. Laudons leichte Truppen (Nauendorf) standen ziemlich weit nord-östlich bei Heinersdorf.
Die Preussen waren noch in ihrem Lager westlich Liegnitz, also genau gegenüber Dauns Hauptarmee.

Marschbewegungen vor der Schlacht

Die Preussen begaben sich am 14.8. gegen 20 Uhr in aller Stille auf den Marsch Richtung Osten. Eine Kolonne umging Liegnitz im Norden, die zweite zog direkt durch die Stadt, die dritte südlich der Stadt. Friedrich ließ die Lagerfeuer weiter unterhalten, um seinen Abmarsch gegenüber Daun geheim zu halten, was auch gelang.

Die Kaiserlichen begannen mit ihren Umzingelungsbewegungen etwas später, wobei Laudon, der den weitesten Weg hatte, als erster gegen 22 Uhr abrückte. Er marschierte in 3 Kolonnen.
Die erste, gebildet aus dem Reservekorps FML Müffling (die Grenadierbataillone und Grenadier + Karabiniérs zu Pferd) links westlich Schildern, das 1. Treffen in der Mitte über Greibing, Fischerau und Schildern und das 2. Treffen rechts davon als dritte Kolonne. Die 3 Kolonnen trafen an dem einzigen Übergang über die Katzbach bei der Furtmühle zusammen und überschritten gegen 2 Uhr nachts das Flüsschen.
Gegen 3 Uhr erreichten die Grenadiere, bei denen sich Laudon aufhielt, die Anhöhen bei dem Dorf Panten (Patnów Legnicki/PL) wo sie auf einige Eskadronen der Zieten Husaren stießen.

Die Schlacht am 15. 8.

Alle Quellen berichten übereinstimmend, dass der König gegen 3.30 Uhr von Major Hundt der Zieten Husaren über die anrückenden Truppen Laudons unterrichtet wurde. Friedrich II. erwartete zu dieser Zeit keinen Falls einen Zusammenstoß mit größeren feindlichen Einheiten. Seine Armee stand nicht in Schlachtaufstellung, sie befand sich größtenteils noch in Bewegung. Der König reagierte nach seiner Art jedoch rasch und präzise. Die vorderste Brigade Schenckendorf, links von ihr die eben eingetroffene Brigade Anhalt-Berneburg, rechts formierte sich die Brigade Saldern - fingen den ersten Stoß auf. Zu Gute kam den Preussen, dass Friedrich seine schweren Geschütze den Brigaden zugeteilt hatte und diese nun sofort die Infanterie wirksam unterstützen konnten.

Laudons Kundschafterdienst hatte versagt. Er nahm an, dass die Höhen von Pfaffendorf nur von 2 Husarenregimentern und einigen Freikompanien besetzt wären. Dass die gesamte preussiche Armee so nah war, wusste er nicht. Nach dem er an der Spitze seiner Grenadiere die Zieten´schen Husaren vertrieben hatte, rückte er weiter vor.
Die Entwicklung des Laudon´schen Korps nach dem Übergang der Katzbach war sehr schwierig, da nicht genügend Raum zur Verfügung stand und das Terrain auch noch sumpfig war. Als Laudon die Anhöhen stürmen wollte, erkannte er im ersten Dämmerlicht, dass diese stark von Infanterie und Artillerie besetzt waren. Da er jedoch hoffte, dass Daun und Lacy inzwischen im Rücken der Preussen angelangt wären, wich er einem Treffen nicht aus und stürmte mit dem gesamten Reservekorps weiter.
Es gelang den Grenadieren vorerst die Anhöhen zu erreichen, wobei ihnen 72 feindliche Geschütze in die Hände fielen. Als sich der Nebel langsam hob, merkte Laudon erst, dass er die ganze Armee Friedrichs II., die hinter dem Wald von Hummel stand, vor sich hatte!
Das schwere Feuer der preussichen Geschütze verursachte den folgenden Einheiten Laudons, die wegen der Enge des Raumes in 6 - 7 Linien vorrücken mussten, große Verluste.
Inzwischen hatten mehrere preussiche Kürassierregimenter in den Kampf eingegriffen und drückten Laudons Grenadiere zurück. Die schwere Reiterei der rechten Marschkolonne ritt eine Attacke gegen die Krokow- Dragoner, wurde aber von der Flanke durch Gewehrfeuer des Feindes erfasst, worauf sie umkehrte und durch ihre eigene Infanterie zurückflutete. Laudon versuchte noch seine beiden nachrückenden Treffen zu engagieren, verlor dabei sein Pferd, was ihn aber nicht daran hinderte an der Spitze seiner Truppen weiter zu kämpfen. Noch drei Mal führte er seine Bataillone vor, es war jedoch zu spät.
Die kaiserliche Reiterei war zu keiner weiteren Attacke mehr fähig, die Pferde waren total ermüdet.
Die Preussen drangen in Panten ein und zündeten das Dorf an.
Als Laudon sah, dass er gegen die Übermacht nichts ausrichten kann, befahl er gegen 6 Uhr den Rückzug über die Katzbach. Die Kürassierregimenter Schmerzing und Prinz Albert sowie die Kolowrat Dragoner ritten zur Entlastung eine Attacke, eine Batterie westlich Bienowitz (Bienowice/PL), befehligt von dem berühmten Artillerieoffizier Johann Theodor v. Rouvroy,  deckte den Übergang über das Flüsschen. Zwischen Katzbach und Kunitz (Kunice/PL) blieb das geschlagene Korps in Schlachtlinie stehen, von den Preussen nicht weiter verfolgt.

Die anfangs erbeuteten preussichen Geschütze mussten bei dem Rückzug zurückgelassen werden, von den eigenen gingen ca. 80 (nach Laudons Relation 68) verloren, da sie entweder unbrauchbar, oder ohne Bespannung waren.
Die leichten Truppen Nauendorfs (Husaren und Grenzer) rückten während des Kampfes auf der äußersten Rechten Laudons über die Katzbach, blieben aber zwischen Bienowitz und den Bienowitzer Seen stehen, ohne sich an der Schlacht zu beteiligen.

Vor dem Aufeinandertreffen der Gegner hatte Friedrich II. seine Reiterei unter FML v. Zieten zur Absicherung gegen Daun nördlich Liegnitz, hinter dem Schwarzwasser, Richtung Westen aufgestellt.

FM Daun war mit der Hauptarmee aus Gründen, die nicht mehr rekonstruierbar sind, viel zu spät aufgebrochen. Er passierte die Katzbach an drei Stellen westlich Liegnitz und rückte - vorsichtig wie er immer gegenüber Friedrich II. war - in die Gegend, in der er das preussiche Lager erwartete.
Zu seiner großen Überraschung waren die Preussen jedoch fort! Langsam rückten die Linien weiter vor und blieben in Schlachtaufstellung hinter dem Schwarzwasser stehen. Zu diesem Zeitpunkt war die Niederlage Laudons im Osten bereits besiegelt. Einige Husareneskadronen von Lacys Korps gingen über das Schwarzwasser, stießen dort aber auf Zietens Truppen worauf sie sich eiligst zurückzogen.

Nach der Schlacht zogen die Preussen weiter Richtung Osten auf Parchwitz , die kaiserlichen FML Ried und Beck besetzten Liegnitz, FM Daun kehrte mit der Hauptarmee in das Lager bei Hochkirch (Koscielec/PL) zurück.


Plan der Affaire bei Liegnitz am 15.8.1760

A – Stellung der Hauptarmee bei Hochkirch am 14. 8. M – Die preuss. Armee, da sie sich zwischen Pfaffendorf und Hummeln gestellt hatte
B – Das Lacy´sche Korps
N – Feindliche Reiterei, welche die Hauptarmee beobachtete
C – Das Korps Gen. Wieds O – Stellung der Hauptarmee und des Lacy´schen Korps nach dem Treffen
D – Das Korps Beck P – Das Wied´sche Korps während des Treffen
E – Das Korps des Fürsten Löwenstein Q – Der Ort, wo die Hauptarmee und das Lacy´sche Korps über die Katzbach gingen
F – Die 2 Treffen des Laudon´schen Korps vor der Schlacht R – Das Korps Nauendorf vor dem Treffen
G - Das Grenadierkorps desselben S – Das näml. Korps während des Treffen
H – Der Weg, den dieses Korps in 3 Kolonnen zum Übergang über die Katzbach nahm 
T – FML Wolfersdorf mit 8 Bataillonen Fußvolk und 2 Regimentern Reiter, welche auf Befehl des FM die Anhöhen von Hochkirch besetzten
I  - Angriff der 3 Kolonnen, oder das Schlachtfeld zw. Panten und Pfaffendorf
V – Das Laudon´sche Geschütz, wodurch der Rückzug gedeckt wurde
L – Stellung des Königs 14. 8. X – Stellung des Laudon´schen Korps den folgenden Tag nach der Schlacht
 Wien, Prag, Triest, Johann Thomas Tratter, k. k. Hofbuchdruckerei und Buchbinder, 1761

Die Verluste

Sie werden - wie üblich - von den Historikern unterschiedlich angegeben, unterscheiden sich jedoch in diesem Fall nur marginal.

 
Autor    Tote    Verwundet    Gefang./Verm.
Summe





Preussen:



G. Dorn (2) ?
?
?
3.394
K. Bleibtreu (3) 775 2.435 348 3.558
Dr. G. Bodart (4) 800    2.500 300 3.600





Korps Laudon:



G. Dorn (2)
3.797
4.734 8.531
K. Bleibtreu (3)
ca. 5.000
ca. 5.000 10.000
E. v.- Janko (1) 1.422 4.648
4.736 10.806
F. L. v. Thadden (5) 1.421 2.276 4.437 8.134
Dr. G. Bodart 1.460 2.340 2.200 6.000


In dem zitierten Brief an Kaunitz vom 15. 8. nennt Laudon den General Biela und Oberst v. Bretton als tot, die Generäle Draskowich, Campitelli, Rhebach, Gourcy, Callenberg und Gianinni verwundet. General v. Gondrecourt verwundet und gefangen.
FZM Laudon hob besonders die Leistungen des Majors Thume, Chevalier de Caldwell vom IR Laudon hervor, der sich beim Rückzug über die Katzbach an die Spitze eines Teiles des Kürassierregiments Albert stellte und eine gelungene Attacke gegen die nachdrängenden Preussen anführte (dieser sehr tapfere Offizier hatte sich bereits bei Lobositz, Prag und Breslau hervorgetan, wofür er mit dem MTO ausgezeichnet wurde. Er fiel später im Rang eines Oberst bei einem Ausfall aus der belagerten Festung Schweidnitz im Alter von nur 29 Jahren)

Auswirkungen von Laudons Niederlage

Das Ergebnis der Schlacht wurde in Wien mit großer Bestürzung aufgenommen. Es ist interessant, dass kaum jemand die Schuld an dem Desaster FZM Laudon gab. Die überwiegende Meinung war, dass die Unentschlossenheit FM Daun und die Missgunst FZM M. Lacy gegenüber Laudon die Hauptgründe waren.
FM Dauns Popularität hatte zum damaligen Zeitpunkt bereits arg gelitten, die Niederlage von Liegnitz ließ sie noch weiter sinken. Dauns Ehefrau wurden auf dem Weg durch Wien vom Volk Schlafmützen in die Kutsche geworfen, in der Stadt kursierten viele Pamphlets auf Daun und Lacy.
Daun rechtfertigte sich mit dem Argument, dass er vom Zusammentreffen Laudons mit den Preussen zu spät erfahren und den Kanonendonner nicht gehört hätte (!) Die Quellen berichten zwar übereinstimmend, dass ein starker Wind in östlicher Richtung wehte, allerdings war der Ort des Geschehen nur ca. 1,5 Stunden Marsch von Dauns Standort entfernt.
Es wird auch berichtet, dass Dauns Plan an Friedrich verraten wurde. Tatsächlich lief am Tag vor der Schlacht ein Lieutenant des KR O´Donell namens Wiese zu den Preussen über und erschien bei Friedrich II. gegen 16 Uhr. Er war allerdings betrunken und es dauerte einige Zeit, bevor man ihn zu dem König führen konnte. Der ritt anschließend in Begleitung Wieses nochmals auf Rekognoszierung, konnte aber im kaiserlichen Lager keine Bewegung feststellen (der Aufbruch erfolgte bekanntlich erst spät Abends in der Dunkelheit). Die Aussagen des Überläufers beeinflussten die Entscheidungen Friedrichs II. sicher nicht.
Auch Laudon strich eine diesbezügliche Bemerkung in dem Konzept seines Briefes an Kaunitz vom 15.8.
Lieutenant Wiese war außerdem bereits aus seinem Regiment ausgeschlossen worden und verfügte sicher nicht über detaillierte Kenntnisse des Daun´schen Planes.

Bereits während der Schlacht muss FZM Laudon über die Untätigkeit Dauns und Lacys sehr enttäuscht gewesen sein. Einige Stunden nach der Schlacht sagte er bei einem Treffen mit seinen Generälen u. A. folgendes:

"...Heute ließ mich der Feldmarschall Daun im Stich; aber auch er soll die Freude nicht zum zweiten Mal erleben..." (1)

Als General Beck, der nicht gerade ein Freund Laudons war, von dem Desaster erfuhr sagte er :
 "...er (Laudon) verdient ein besseres Los! ..Präsente von der Art kommen der guten Kaiserin und uns allen theuer zu stehen..."

Einige Tage nach der Schlacht entsandte FZM Laudon den Oberstlieutenant Graf Erbach an Kaunitz, um letzteren von allen Umständen, die zur Niederlage geführt hatten, zu informieren.
Maria Theresia schickte FZM Laudon in einem Schreiben vom 25.8. einige tröstende Worte, auch Kaiser Franz Stephan und Staatskanzler Kaunitz äußerten sich ähnlich, meinten jedoch, dass man FM Daun keinen Vorsatz unterstellen sollte.
Laudon selbst beruhigte sich in den folgenden Tagen, bereits am 31.8. schrieb er an Kaunitz, er hätte schon alles vergessen und
..."habe nun selbst die Meinung, dass das Unglück nicht auf Rechnung der Vorsätzlichkeit, sondern auf jene der Unentschlossenheit und Verzögerung zu setzten ist" (1)

Im November 1760 verlor FM L. Daun mit der Hauptarmee die Schlacht bei Torgau.
FZM G. Laudon mit seinem Korps war an dieser Aktion nicht beteiligt.
Er erhielt 1761 wieder ein selbständiges Korps in Schlesien, mit dem ihm eine seiner berühmtesten Aktionen - die Erstürmung der Festung Schweidnitz am 1.10. gelang.


Harald Skala. 2006


Quellen:
  • (1) Wilhelm, Edler v. Janko, "Laudons Leben", Wien, 1869
  • (2) G. Dorn/J. Engelmann, "Die Schlachten Friedrich des Grossen", Augsburg, 1997
  • (3) K. Bleibtreu, "Vivat Fridericus!", Hamburg, 2002
  • (4) Dr. G. Bodart, Statistiken (unveröffentlicht)
  • (5) F.-L. v. Thadden, "Feldmarschall Daun", Wien, 1967
  • C. v. Wurzbach, "Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich", Wien, 1856 - 1891
  • C. Pizzighelli, "Geschichte des k. u. k. Husarenreg. Wilhelm II. Nr. 6", Rzeszów, 1897
  • G. Ernst, "Geschichte des k.u.k Neunten Husarenregiments", Wien, 1862
  • Plan der Schlacht: Nachlass FM Laudon, Sammlungen Museum Nový Jicín/CZ


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