Die Schlacht bei Hochkirch 14. 10. 1758


Im Oktober jährt sich ein Ereignis, dass vor 250 Jahren stattfand und an das bis heute eine Reihe von Denkmälern in der weiteren Umgebung erinnern.
Zum besseren Verständnis vorab einige Erklärungen zu der damaligen Situation auf dem Schlesischen Kriegsschauplatz.

Es war im dritten Jahr des Siebenjährigen Krieges zwischen Preussen und dem Habsburger Kaiserreich.
Die Preussen unter König Friedrich II. hatten Ende August die mit den Kaiserlichen verbündeten Russen bei Zorndorf geschlagen und der König beabsichtigte nun auch die Kaiserliche Armee, unter FM Leopold Graf Daun, zu vernichten.

FM Daun, ein Experte in defensiver Kriegsführung, stand in einem gut befestigten Lager bei Stolpen. Friedrich II. hielt dessen Position als unangreifbar und wollte FM Daun aus seinem Lager herauslocken, um ihn in offener Feldschlacht zu besiegen.
Der König zog also am 26.August 1758 über Bischofswerda nach Hauswalde, wo seine Armee ein neues Lager bezog. FM Daun befürchtete eine Unterbrechung seiner Versorgung aus den Magazinen in Zittau und verließ deshalb am 5.10. Stolpen, um über Ober-Putzkau in ein neues Lager bei Wilthen zu ziehen. Gleichzeitig ließ er den Stromberg nahe Hochkirch durch 300 Grenzer und 2 Husarenregimenter besetzen.
Am 7.10. marschierte Daun weiter über Löbau und ließ vor Kittlitz ein neues Lager beziehen, das am Morgen des Tages vom Korps des Prinzen v. Durlach verlassen worden war.
Der König entschloss sich zu folgen und ließ seine Truppen am 7.10. von Bischofswerda nach Bautzen marschieren. Er war der Überzeugung, das FM Daun keine Schlacht wagen und sich über Zittau nach Böhmen zurückziehen wird.
Am 10.10. setzte sich die preussische Armee in 4 Kolonnen Richtung Hochkirch in Bewegung. FM Keith blieb vorerst in Bautzen mit 6 Bataillonen und 5 Eskadronen zur Bewachung der Feldbäckerei und des Trains.

Erst beim Anmarsch auf Hochkirch gewahrte der König die ganze kaiserliche Armee vor ihrem Lager unter Gewehr.
Dennoch entschloss er sich - zum Entsetzen seiner Generäle - unmittelbar der Position der Kaiserlichen gegenüber, zwischen Hochkirch und dem Löbauer Wasser, ein Lager zu beziehen.
Der General-Quartiermeister von Marwitz, der das Lager ausstecken sollte, verweigerte es, ein Lager in dieser äußerst gefährdeten Position auszustecken. Friedrich II. ließ ihn arrestieren, das Lager wurde von Ingenieur-Lieutenant Marquardt und dessen Fourieren - bereits unter dem Einzelfeuer kaiserlicher Geschütze- ausgesteckt.

Die kaiserliche Armee hatte beim Anmarsch der Preussen folgende Stellung eingenommen:
  • das Gros stand vor Kittlitz
  • der rechte Flügel 24 Bataillone und 47 Eskadronen zwischen Breitendorf und Trauschwitz, dessen Mitte auf dem Spittelberg
  • zur Deckung des rechten Flügels gegen Weissenburg wurde der Stromberg mit 5 Grenadierbataillonen und starker Artillerie unter General Siskowich besetzt. Als Bedeckung standen hier noch 10 Husareneskadronen bei Nostiz
  • dahinter stand das Reserve- und das Karabiniérkorps 14 Bataillone und 21 Eskadronen
  • der linke Flügel, 42 Bataillone und 35 Eskadronen stand zwischen Breitendorf, Peschen, bis zum Fuße des Hochkircher Gebirges, das Dorf Lehn vor dem linken Flügel.

Vor dieser Front bildeten kroatische Grenzer eine dichte Postenkette, um jede Überraschung und Desertionen zu vermeiden.

FML Laudon, dessen Korps ursprünglich nur aus dem ungarischen IR Haller, ca. 4.320 kroatischen Grenzern, dem – allerdings sehr starken – DR: Löwenstein und den Husarenregimentern Nádasdy, Károlyi und Dessewffy bestand, wurde nun verstärkt.
FM Daun schickte ihm die IR d´Arberg und Kolowrat sowie die Kürassierregimenter Schmerzing und Gelhay und das Dragonerregiment Zweibrücken. Danach hatte Laudon ca. 3.300 Mann Linieninfanterie, 6.700 kroatische Grenzer, 4.300 schwere Reiter und 1.700 Husaren, insgesamt also 16.000 Mann unter seinem Kommando.
Laudons Infanterie stand bei Wuischke und besetzte die Wälder und das Tal von Sornsig über Meschwitz bis Soritz. Die Kavallerie stand bei Rachlau.

Die Preussen hatten sich wie folgt gelagert:
  • auf der äußersten Rechten im süd-westlich von Hochkirch gelegenem Birkenbusch lagen 2 Freikompanien
  • vor Hochkirch lagen 6 Bataillone, wobei zwei von ihnen im Ort selbst kampierten und ihr Platz in der Linie frei blieb, was später noch eine große Rolle spielen sollte (es war das Regiment Markgraf Karl)
  • an diese Bataillone schlossen sich 18 Eskadronen Kavallerie an.
  • gegen das Hochkircher Gebirge, unmittelbar vor dem Ort, lagen 3 Grenadierbataillone und bei der Schlosser-Schenke 10 Eskadronen Zieten Husaren
  • im Zentrum zwischen Pommritz und Rodewitz lagen 11 Bataillone, vor ihnen zwei Gardebataillone. In Rodewitz nahm der König sein Quartier
  • hinter dieser Linie standen 5 Eskadronen rechts von Hochkirch, 2 Bataillone und 5 Eskadronen vor Pommritz, 2 Bataillone in diesem Ort und 5 Eskadronen zwischen Pommritz und Wawitz. In letzterem Ort stand der Wagenpark
  • Kuppritz und Niethen waren durch je ein Bataillon besetzt
  • der linke Flügel der Preussen stand vor dem Niethener Grunde, Lauske war von 2 Kompanien Jäger besetzt
  • auf der linken Flanke standen 5 Eskadronen, hinter diesem Flügel 25 Eskadronen links von Rodewitz
  • auf dem rechten Flügel vor Hochkirch wurde eine Batterie von 20 schweren Geschützen errichtet, eine zweite von 30 Geschützen vor dem linken Flügel.
  • das Korps GL Retzow mit 14 Bataillonen und 35 Eskadronen lag bei Weissenberg

Das preussische Lager war von den Positionen der Kaiserlichen überall gut einzusehen, die Bewegungen der Kaiserlichen jedoch durch die vorgelagerten Höhenrücken und Wälder den Preussen verborgen.
So lagen sich die zwei Heere 4 Tage untätig gegenüber, abgesehen von den morgendlichen Scharmützeln der Kroaten mit preussischen Vorposten.
Wie unsicher die Lage der Preussen war, bestätigt die Aktion des FML Laudon am 11.10. der sich erdreistete mit seinen Husaren und 3 Eskadronen Chevauxlegers „Jung Löwenstein“ den Versorgungskonvoi von FM Keith, welcher von Bautzen zum König unterwegs war, auf der Straße hinter Jenkwitz zu überfallen. Die Reiter und auch die später noch eingreifenden ca. 600 Kroaten wurden zwar zurückgeschlagen wobei Oberstlieutenant Fürst Liechtenstein mit 17 Mann in Gefangenschaft geriet, der König sandte aber trotzdem 3 Bataillone und 5 Eskadronen Zieten Husaren zur Hilfe. Der Konvoi erreichte dann weiter unbehelligt über Wawitz das preussische Lager.

Welche Tricks bereits damals verwendet wurden, berichtet Fischer in seinem Werk "Geschichte Friedrich II:".
Bei einem Patrouillenritt fiel den kaiserlichen Husaren ein Bauer auf, der angeblich frische Eier in die Unterkunft des Königs bringen wollte. Die Husaren führten ihn zu FML Laudon, der in einigen der Eier geheime Nachrichten an den König fand und diese sofort an FM Daun schickte. Der hatte inzwischen bereits in seinem Sekretär, Major Schöller (in manchen Quellen auch Schaller) einen Spion entdeckt, der den König mit Nachrichten versorgte.
Nach dem Versprechen, dass sein Leben verschont wird, versorgte der Major die Preussen weiterhin mit Nachrichten, nun allerdings von FM Daun präpariert.
Der König wurde so in seiner Meinung bestärkt, dass nämlich Daun eine Schlacht vermeiden und nach Böhmen ziehen will.
Der Major wurde nach der Schlacht bei Hochkirch nach Brünn (Brno/CZ) gebracht und auf der Festung Spielberg eingekerkert.

Während der 4 Tage, an denen sich die Heere gegenüber lagen, kamen viele Deserteure in das preussiche Lager. Dies war nichts Besonderes, nur diesmal waren es mehr als sonst. Wie sich später herausstellte, war ein Teil dieser Männer von ihren Einheiten gezielt in das Lager geschickt worden und machte beim späteren Überfall mit den eindringenden Grenadieren und Kroaten gemeinsame Sache.

Der König ritt am 12.10. zu General Retzow nach Weissenberg, um mit ihm den für den 14.10. geplanten Abzug der Armee Richtung Neisse zu besprechen.
FM Daun war dagegen täglich bis zu 12 Stunden im Sattel und inspizierte persönlich die Stellungen der Preussen.
Am 12.10. beriet er mit seinen Generälen den Angriffsplan. Er wurde detailliert ausgearbeitet und den Führern der einzelnen Angriffskolonnen mitgeteilt. Jeder wusste, was er wann zu tun hatte.

In groben Zügen sah der Plan folgendes vor:
  • der Hauptangriff sollte gegen den rechten Flügel der Preussen bei Hochkirch gerichtet sein. Ihn führte FM Daun persönlich an. Laudon mit seinem Korps sollte den Preussen in Flanke und Rücken fallen
  • das - relativ schwache - Zentrum hatte die Aufgabe die Preussen im mittleren Abschnitt zu binden
  • der rechte Flügel der Kaiserlichen sollte erst nach der Einnahme von Hochkirch vorrücken und gleichzeitig eine Verbindung des Korps Retzow mit dem König verhindern
  • um den Überraschungsmoment nicht zu gefährden, wurde auf die übliche Artillerievorbereitung verzichtet. Die Geschütze wurden zwar mitgeführt, kamen aber erst später zum Einsatz.

Um den König in seiner Ansicht zu bestärken, dass man nur auf eine Defensive bedacht ist, ließ FM Daun vor seinen Linien Verhaue, Fleschen und Redouten bauen.
In der Nacht vor dem Angriff ließ er sein Lager stehen, die Lagerfeuer brennen und die üblichen Signale während der Nachtruhe geben. Um die Bewegungen seines Heeres zu verbergen, wurden die ganze Nacht in den Wäldern unter großem Getöse Bäume gefällt.
Durch die Waldungen vor Hochkirch schlugen die Kroaten, die in solchen Arbeiten von Haus aus geübt waren Schneisen, belegten die Wege mit Reisig, die Räder der Kanonen und Hufe der Pferde wurden mit Stroh umwickelt, um Lärm zu vermeiden.

Am 13.10. gegen 8 Uhr abends brachen die Truppen des linken Flügels unter dem direkten Befehl FM Dauns auf. Sie durchquerten auf den vorbereiteten Wegen das Hochkircher Gebirge und erreichten gegen 4 Uhr morgens unbemerkt die Bereitstellungsräume, keine 300 m von den preussischen Vorposten entfernt.
Das Korps des FML Laudon und die Kavallerie unter FML Karl O´Donell war gleichzeitig losmarschiert und hinter dem Gebirge über Halbe auf Döhlen zwischen Rachlau und Pielitz gezogen, wo die Kavallerie neben Waditz sich postierte, Laudon vor Meschwitz und seine Kavallerie im Grunde von Steindörfel.

Mit dem fünften Schlag der Turmuhr von Hochkirch begann der Angriff auf den rechten Flügel der preussischen Stellungen süd-westlich von Hochkirch und auf den Ort selbst. Es war stockdunkel, über der Gegend lag zusätzlich dichter Nebel.
Die preussischen Vorposten wurden lautlos überwältigt und die Avantgarde der Kaiserlichen, zusammengesetzt aus Grenadieren, kroatischen Grenzern und den ungarischen Infanterieregimentern Erzherzog Ferdinand, Josef Esterházy und Nikolaus Esterházy fiel über die preussichen Freikompanien d´Angelelli und Kensinger du Verger, die im südwestlich von Hochkirch gelegenen Birkenbusch lagen, her. Schon in den ersten Minuten des Überfalls wurde Joseph Graf Browne, Oberst und Inhaber des IR Nr. 36 schwer verwundet. Er starb an seinen Verwundungen im nächsten Jahr. Sein um ein Jahr älterer Bruder Philipp Georg v. Browne befehligte zur gleichen Zeit die erste Angriffskolonne. Beide waren Söhne des an seinen Verwundungen in der Schlacht bei Prag 1757 verstorbenen kaiserlichen FM Maximilian Ulysses Graf Browne de Camus.
Der schwer verwundete Obrist Joseph v. Browne übergab das Kommando über die zwei ungarischen Infanterieregimenter an Obrist Franz (II.) Graf Károlyi, Kommandant des IR Joseph Esterházy Nr. 37, der sie dann bis zum siegreichen Ende der Schlacht führte.
Auch er entstammte einer berühmten ungarischen Offiziersfamilie, sein Vater Franz Graf Károlyi war General der Kavallerie und Inhaber des Husarenregiments Nr. 6

Die Freikompanien im Birkenbusch leisteten kaum Widerstand, vor allem die aus französischen Überläufern bestehende Kompanie du Verger nahm sofort Reißaus und flüchtete. Vor Hochkirch alarmierten die Flüchtenden die dort lagernden preussichen Grenadierbataillone Benkendorf, Plothow und Dieringshofen, die rasch aus ihren Zelten kamen und versuchten, eine Kampfformation anzunehmen. Ihnen zur Hilfe kam das Leibhusarenregiment, das bei der Schlosser-Schenke stand und trotz ausdrücklichen Befehls seine Pferde am Abend nicht abgesattelt hatte. Gemeinsam gelang es den Preussen die Angreifer in den Birkenbusch zurück zu treiben.
Inzwischen waren jedoch auch die Einheiten FML G. Laudons von Steindörfel herangekommen  und eröffneten gegen die Preussen ein verheerendes Feuer. Das ungarische Infanterieregiment Haller fiel den Bataillonen Plotho und Dieringshofen in die Flanke, das Bataillon Benkendorf wurde von dem  - zahlenmäßig sehr starkem - Dragonerregiment Löwenstein, dass von FML Laudon persönlich geführt wurde beinahe gänzlich dezimiert. Unter dem Ansturm von Laudons Truppen mussten sich die Reste der preussischen Grenadiere bis zu ihrem Lager zurückziehen. Das preussische Leibhusarenregiment wich zuerst in seine ursprünglich Position bei der Schlosser Schenke, etwas später dann bis hinter Hochkirch.
Während dieses Kampfes fiel Oberstlieutenant v. Plothen des Grenadierbataillons Plothow. Laudons Grenzer und Grenadiere drangen in das Lager und es entstand ein erbitterter Kampf Mann gegen Mann. Erst aus nächster Nähe konnten sich die Kämpfenden unterscheiden, die preussischen Grenadiere an ihren Metallschildern an den Grenadiermützen, die Kaiserlichen an ihren Bärenfellmützen.

In die preussischen Schanzen vor Hochkirch drangen als erste die Grenadiere des IR Erzherzog Karl v Lothringen Nr. 3 unter ihrem Hauptmann Graf Custine ein. Um die Motivation der Offiziere zu erhöhen, hatte FM Daun denjenigen, die als erste die Schanzen erstürmen, eine Beförderung versprochen. Dementsprechend wurde einige Tage nach der Schlacht Hauptmann Graf Custine zum Obristwachtmeister und zwei Grenadierlieutenants zu Hauptleuten befördert.

Nun rasselten die Alarmsignale auch im preussichen Hauptlager und der König kam aus seiner Unterkunft in Rodewitz angeritten. Er glaubte immer noch nicht an einen Angriff der Kaiserlichen, und schickte sogar ein bereits unter Waffen angetretenes Regiment zurück in die Zelte. Erst als die ersten Kanonenkugeln in seiner unmittelbaren Nähe einschlugen, erteilte er seine Befehle zur Verteidigung.
Das den Grenadieren nächstgelegene Infanterieregiment Forcade Nr. 23 war inzwischen angetreten und rückte mit klingendem Spiel seinen Kameraden am äußersten rechten Flügel zur Hilfe. Gemeinsam mit den sich wieder gesammelten Grenadieren und Resten der zwei Freikompanien gelang es, die Kaiserlichen wieder bis zum Birkenbusch zurückzudrängen. Erneut startete Laudon einen Flankenangriff und wieder mussten die Preussen vor der Übermacht zurückweichen. Hierbei hatte besonders das IR Forcade durch eine Attacke der kaiserlichen Grenadiere zu Pferd große Verluste erlitten.
Nun ließ Laudon auf den Höhen von Meschwitz 8 schwere Geschütze aufstellen und begann mit der Beschießung des ganzen preussischen Lagers.
Währenddessen warf FM Daun weitere Infanterie gegen den rechten Flügel der Preussen. Die große preussische Batterie fiel nach kurzem Kampf in die Hände der Kaiserlichen. Das zur Bedeckung bestimmte I. Bataillon Markgraf Karl hatte sich in Hochkirch einquartiert und auch der größte Teil der Artilleristen verbrachte die Nacht in dem Ort. Sie erreichten die Batterie erst in dem Augenblick, als schon die ersten kaiserlichen Grenadiere zwischen den Geschützen waren. Kaum 30 Schuss konnte die Batterie abgeben, danach drehten die Kaiserlichen die Geschütze um und fingen an, Hochkirch und das preussische Lager zu beschießen. Auch wenn wahrscheinlich nur wenige kaiserliche Artilleristen in diesem Moment zur Verfügung standen, muss das Kartätschenfeuer auf kurze Entfernung verheerend gewesen sein.
Das I. Bataillon Markgraf Karl wich zum Kirchhof, wo es sich mit dem II. Bataillon, geführt von Major Lange verschanzte. Das I. Bataillon Geist besetzte die Gärten hinter dem Ort.
General v. Zieten versuchte nun mit seinem Husarenregiment und dem Dragonerregiment Czettritz gegen die linke Flanke der Kaiserlichen zu attackieren. Er kam nicht weit, als seine Reiter in Flanke und auch im Rücken von Laudons Kavallerie angefallen wurden und in ihre Ausgangsposition zurückweichen mussten.
Bei einer der Attacken der Laudon´schen Kavallerie fand der Obrist des Dragonerregiments „Alt-Löwenstein“, Jacob Florent Franz Graf Thiennes den Tod. Er hatte sich mit seinem überwiegend aus jungen, noch bartlosen Wallonen bestehenden Regiment 1757 in der Schlacht bei Kolin ausgezeichnet. Das Regiment erhielt danach von Maria Theresia das Privileg, keine Schnurrbärte tragen zu müssen.

Inzwischen war es ca. 5.30 Uhr, die Kaiserlichen hatten das ganze Terrain auf dem vorher der rechte Flügel der Preussen stand erobert, die große preussische Batterie südlich Hochkirch war in ihren Händen und Laudons Korps hatte die wichtigen Höhen von Steindörfel mit seiner Infanterie besetzt.

Während des Angriffs in völliger Dunkelheit waren Dauns Truppen arg durcheinander gekommen. Diejenigen, die in Hochkirch selbst und im preussischen Lager kämpften, lagen unter Beschuss der Laudon´schen Geschütze, deren Kanoniere auf´s Geradewohl in die Dunkelheit schossen. Daun versuchte also nun seine Truppen neu zu ordnen.
Die der großen Batterie nächststehenden preussischen Bataillone versuchten ihre Batterie zurück zu erobern. Der zweiundsechzigjährige FM Keith stellte sich an die Spitze der Regimenter Kannacher Nr. 30 und Itzenplitz Nr.13 mit denen er das Dorf rechts lassend auf die Batterie vorging.
Seine Regimenter stießen auf die eben vorrückenden Regimenter des FML Graf Forgách und wurden außerdem in den Flanken und auch im Rücken von kaiserlichen Grenadieren, Grenzern und den Geschützen des Zentrum heftig beschossen. Die Preussen eroberten zwar für kurze Zeit die Batterie, mussten sich aber den Rückweg mit dem Bajonett mitten durch das Dorf erkämpfen. Dabei wurde FM Keith von einer Kanonenkugel in die Brust getroffen und fiel tot vom Pferd.

Der König schickte nun zur Verstärkung die Regimenter Wedel Nr. 29 und Prinz von Preussen Nr. 18, jedoch auch ihnen gelang es nicht, den Ort auf Dauer zurück zu gewinnen. Prinz Franz von Braunschweig wurde hierbei durch eine Kanonenkugel, die ihm den Kopf abriss, getötet.
Während dieser Aktionen begannen auch die kaiserlichen Truppen des GM Wiese im Zentrum von Plötzen auf Kuppritz vorzurücken.

FM Daun konzentrierte nun den Angriff seiner Infanterie auf den Ort Hochkirch selbst, zog immer mehr Regimenter dahin und verstärkte auch seine Artillerie.
Inzwischen brannte der Ort bereits lichterloh. Ob er von Haubitzengranaten in Brand geschossen wurde oder ob Laudons Kroaten die Häuser angezündet hatten, ist nicht mehr zu klären. Das I. Bataillon Geist Nr.8 wurde vom IR Batthiányi vertrieben und gab seine Stellung in den Gärten auf. Kaiserliche Grenadiere besetzten den Ort mit Ausnahme des Kirchhofes, der weiterhin von Major Lange und seinen Männern verteidigt wurde.
Alle bisher abgeschlagenen preussischen Bataillone hatten sich hinter dem Dorf wieder gesammelt und eine lange Kette gebildet, deren Gewehrfeuer die im Dorf befindlichen kaiserlichen Grenadiere am Hervorbrechen hinderte. Auch eine seitliche  Umgehung des Dorfes war nicht möglich, da hier Zietens Husaren und das Dragonerregiment Czettritz lauerten. Fürst Moritz von Dessau sammelte nun die 14 preussischen Bataillone und stürmte mit ihnen das Dorf. Die Kaiserlichen mussten weichen, die Preussen kamen wieder bis zu dem verwünschten Birkenbusch. Von allen Seiten und auch im Rücken unter Beschuss genommen, fluteten die Bataillone zurück, von den kaiserlichen Grenadieren zu Pferde durch eine weitere Flankenattacke arg dezimiert. Major Lange mit seinen Getreuen blieb hinter den Kirchhofsmauern zurück.
Nun stürmten die Regimenter Alt-Colloredo, Clerici, Batthyányi, Starhemberg, d´Arberg, Los Rios und Kolowrat den Ort. Als den Verteidigern des Kirchhofes die Munition ausgegangen war, entschied sich Major Lange zum Ausbruch. Nur wenigen gelang es, die Reihen ihrer Kameraden hinter dem Dorf zu erreichen. Major Lange selbst fiel, sein Körper durch 11 tödliche Wunden bedeckt. Seine sterblichen Überreste wurden später auf dem Hochkirchner Friedhof beerdigt, den noch heute seine Gedenksäule schmückt.

Das preussische Generalstabswerk berichtet über eine interessante Geschichte, welche uns die damaligen Gepflogenheiten beleuchtet.
Während des Rückzugs der oben erwähnten preussischen Infanteriebataillone wurde ihr Anführer, Prinz Moriz von Dessau, durch zwei Musketenkugeln schwer verwundet. Sein Adjutant brachte ihn zu einem Wagen und versuchte den Verwundeten aus dem Kampfgeschehen zu bringen. Der Vorgang wurde jedoch von Lieutenant Fellner von den Slavonischen Grenzhusaren bemerkt. Fellner hielt den Wagen mit einigen seiner Husaren an. Prinz Moritz erklärte sich sofort als gefangen, bat aber Fellner, ihn nach Bautzen zur Heilung seiner Wunden zu bringen. Er gab dem Lieutenant sein Ehrenwort, dass jener dadurch keine Unannehmlichkeiten bekommen würde. Fellner eskortierte mit seinen Husaren den Prinzen tatsächlich nach Bautzen und kehrte in den folgenden Tagen zum kaiserlichen Heer zurück. Der Prinz gab ihm für seine Husaren 56 Louisidors und einen Wechsel über 1.000 Gulden so wie einen Brief des Königs an FM Daun, in dem er den Überbringer belobte und ihn der Kaiserin empfahl. Moriz wurde in Bautzen von seinem Leibarzt Dr. Probst, der ihn danach auch nach Dessau begleitete, verbunden.

Kehren wir nun nach diesem kurzen Exkurs zu dem Geschehen bei Hochkirch zurück.
Hier hatte der König inzwischen 3 frische Regimenter sowie sein Gardebataillon gesammelt und rückte an ihrer Spitze gegen Hochkirch vor. Auch er hatte keinen dauerhaften Erfolg. Der aufmerksame FML Laudon schickte seine Kavallerie in Flanke und Rücken der Preussen, die Kroaten überschütteten die preussische Infanterie von Steindörfel her mit einem vernichtenden Feuer. Dem König wurde hierbei sein Pferd verwundet, er selbst blieb unbeschadet.
Preussiche Kavallerie, die den Rückzug ihrer Infanterie decken wollte, brachte zwar die von GM Martigny und St. Ignon geführten Kürassierregimenter Erzhrzg Ferdinand, Buccow und Anspach durcheinander, konnte sie aber nicht zurückschlagen, da den Kürassieren General Quartiermeister Graf Moriz Lacy mit 5 Karabiniérkompanien rechtzeitig zur Hilfe kam. Die kaiserlichen Reiter drängten die preussischen bis hinter Pommeritz zurück. Danach wandte sich Lacy gegen die bereits im Rückzug befindliche Infanterie und trieb auch sie bis hinter den oben erwähnten Ort.

Während des Gefechtes der Daun´schen Truppen um Hochkirch versuchten die 4 kaiserlichen Infanterieregimenter des FML Colloredo im Zentrum von Kohlwiese gegen den Niethengrund in die linke Flanke der neu formierten preussichen Linie vorzugehen. Die preussiche Batterie bei Kupritz und die dort zur Flankendeckung aufgestellten Truppen vereitelten den Versuch.
Was geschah inzwischen am rechten Flügel der Kaiserlichen? Der Angriff begann hier gemäß FM Dauns Befehl erst nach der Eroberung von Hochkirch, also gegen 8 Uhr, als sich das preussische Heer hinter Pommritz wieder formiert hatte. Dort standen nun zwischen Lauske und Kotitz 9 Bataillone und 10 Eskadronen und eine große Batterie von 30 Geschützen. FML d´Arberg und FML d´Ursel rückten mit ihren 19 Bataillonen durch den Kotitzer und Zschornaer Grund. G.d.C. Graf Buccow folgte mit 4 Regimentern Kavallerie.
Während die Infanterie die vorliegenden Höhen stürmte, drängten Buccows Reiter das Kürassierregiment Krockow und Husarenregiment Putkammer, die ihrer Infanterie zur Hilfe eilen wollten, zurück. Die Preussen mussten ihre Batterie aufgeben und sich hinter die Linie Rodewitz - Nechern zurückziehen.
Die Kaiserlichen blieben auf den eroberten Höhen stehen, da das preussische Korps Retzow von Weissenberg im Anmarsch auf ihre rechte Flanke war.
Retzow wurde zwar unterwegs in seiner linken Flanke von Prinz Löwenstein angefallen, was jedoch seinen Marsch um nur ca. eine Stunde verzögerte. Retzow konnte sich mit den Truppen des Königs vereinigen.
Gemäß den Instruktionen FM Daun hätte FZM Herzog v. Arenberg die Verbindung des Korps Retzow, das bei Weissenberg stand, mit den Truppen des Königs verhindern sollen.
Er schickte jedoch nur Fürst Löwenstein mit 6 Bataillonen und 3 Kavallerieregimenter dem Retzow´schen Korps entgegen. Er selbst marschierte mit seinen Hauptkräften über Lautitz und Maltitz zum rechten Flügel des FM Daun.

Die Avantgarde des Retzow´schen Korps - 4 Bataillone und 15 Eskadronen -  erreichte das Dorf Purschwitz als ihr Führer, Prinz Württemberg, die Laudon´sche Kavallerie bemerkte, die das Schlachtfeld bei Hochkirch verlassen hatte und sich Belgern näherte.
Dadurch war der Rückzug der Preussen und ihres Trains bedroht. Württemberg attackierte Laudons Truppen in der Flanke und trieb sie nach Steindörfel zurück. Danach bezog er Stellung bei Drehsa.

Das Retzow´sche Korps besetzte nun Belgern, die sogenannte Schwedenschanze und die Höhen von Canitz.
Der König befahl den allgemeinen Rückzug. FM Daun störte ihn nicht, im Gegenteil: er zog außer Aktion gewesene Truppen an sich und ordnete sie für eine ev. nötige Verteidigung. Auf den Höhen von Kotitz und Steindörfel ließ er schwere Batterien errichten

Die Preussen zogen in völliger Ordnung und Disziplin über Drehsa nach Klein-Bautzen.
Die Kaiserlichen störten den Marsch der Preussen nur durch einzelnes Feuer ihrer Geschütze, das jedoch wenig erfolgreich war.
FM Daun zog am nächsten Tag mit dem Gros seiner Armee in das alte Lager bei Kittlitz.

Nachdem die Preussen abgezogen waren, schickte FM L. Daun sofort seinen Adjutanten, Major Frhr. v. Rothschütz mit der Siegesnachricht nach Wien. Dieser erreichte die Stadt noch am Namenstag Maria Theresias, den 15.10. gegen 21.30 Uhr. Noch vor Mitternacht begab sich die kaiserliche Familie zu einem Dankgottesdienst in die Marienkirche zu Hitzing. In den folgenden Tagen wurde General Tillier mit einem ausführlichen Bericht FM Dauns und den erbeuteten Trophäen zu Maria Theresia und dem Hofkriegsrat in die Hauptstadt entsandt.

FM L. Daun war sich wohl dessen bewusst, dass nach der ersten Euphorie in Wien Kritik an seinem Verhalten nach der Schlacht aufkommen wird, da er den Sieg nicht zur Verfolgung und gänzlicher Vernichtung der Preussen genutzt hatte.
Wohl deshalb übte er bereits in seiner offiziellen Relation an die Wiener Behörden Kritik an dem Verhalten einiger Generäle und eines Teils der Truppen. Er schrieb u. A. dass er: (Zitat)
"...überhaupt mit dene Trouppen nicht so zufrieden als es wünschend sein zu können, besonders mit der Cavallerie die so übel gethan, auch werender Schlacht, mir fast zwey mahl selbe vor verlohren angesehen machte..."

dann weiter : "...aber überhaupt ist das betrüblichste, das man sich auf die Generals so wenig verlassen kann, denen es nicht an Willen, aber an bloßem gleichsamben Einsetzen fehlet, und leider kann man nicht überall sein ..."

Namentlich lobte Daun nur die Generäle Johann Anton Frhr. Tillier und Moriz Lacy. Über Prinz Durlach, Graf Arenberg und Fürst Löwenstein schreibt er dagegen, dass wenn diese alles befolgt hätten, was ihnen aufgetragen worden sei, so würde der Feind viel mehr verloren haben, er hätte auch seinen Rückzug niemals so erfolgreich vollziehen können.

Ähnliches lesen wir im Brief des Staatsministers Kaunitz-Rietberg an Graf Starhemberg vom 20.10. in dem steht: (Zitat)
"...Wobey Ich jedoch Ew. Exc. nicht verhalten will, dass zwar der größte Teil unserer Armee eine ganz ausnehmende Tapferkeit erwiesen, jedoch einige von unseren Infanterie- und Cavallerie-Regimentern sich nicht zum Besten betragen haben, sonsten die Niederlage des Feindes, welche sehr beträchtlich ist, weit größer gewesen seyn würde..."

Es fällt auf, dass Daun die Leistung FML G. Laudon nicht besonders erwähnte. Der Leser hat sicher bemerkt, wie oft Laudon in den ersten Stunden des Angriffs auf Hochkirch höchst zweckmäßig manövriert und die Situation durch massiven Einsatz seiner Grenzer, leichter Infanterie und Kavallerie in der Flanke der Preussen mehrmals gerettet hat. Nichts davon steht in Dauns Relation! Es würde jedoch zuviel Zeit kosten, dass Mistrauen, das zwischen FM Daun und FML Laudon bestand, hier zu erklären.
Genau so finden wir die Leistungen der ca. 10.000 kroatischen Grenzer kaum gewürdigt. Immerhin sorgten sie für die absolute Geheimhaltung des Überraschungsangriffes durch den undurchlässigen Kordon, den sie um das kaiserliche Lager gebildete hatten und waren unter den Ersten, die das Lager des preussichen rechten Flügel stürmten. Auch ihr präzises Feuer in die Flanken der immer wieder vorbrechenden Preussen trug maßgeblich zum Sieg der Kaiserlichen bei.

Mehrere Offiziere wurden für ihre Leistungen mit dem Maria-Theresia Orden belohnt.
So Oberstlieutenant Franz v. Bosfort vom KR Erzhrzg. Maximilian, mit dem er zwei preussische Bataillone, die auf einer Höhe postiert waren gänzlich aufrieb und ihre 4 Fahnen erbeutete; weiterhin Major Prinz Nassau-Usingen vom KR de Ville, Oberst Jakob v. Brockhausen und Rittmeister Ravizza vom KR O´Donell und Oberst Rudolf v Pugnetti vom DR Hessen-Darmstadt. Auch der Oberst des fränkischen IR "Rot-Würzburg" v. Stetten wurde für den MTO vorgeschlagen. Da er als Deutsch-Ordensritter jedoch keinen anderen Orden neben dem Ordenskreuz annehmen durfte, lehnte er ab.
Von der Infanterie erhielten sechs Obristen und ein Hauptmann den MTO.
Besonders zeichneten sich die IR J. Esterházy Nr.37, Alt-Colloredo Nr. 20, F. U. Kinsky Nr. 36, Claudius Lamoral de Ligne, Batthyányi Nr. 34, Waldeck Nr. 35 und Clerici Nr. 44 aus.

Über die Verluste der gegnerischen Heere gibt es unterschiedliche Zahlen. Sie sind in der am Ende des Beitrages beigefügten Tabelle dargestellt.

Die Preussen betrauerten den Tod dreier ihrer besten Generäle: FM Keith, Herzog Friedrich Franz v. Braunschweig und Moriz v. Anhalt-Dessau, der später seinen Verwundungen erlag. Auch die Generäle Geist v. Hagen und Krockow starben später an ihren bei Hochkirch erlittenen Verwundungen.
Den Körper des FM Keith brachten kaiserliche Soldaten in die vom Brand verschonte Kirche in Hochkirch, wo er vor dem Hochaltar aufgebahrt wurde.
Die Leiche des Prinzen Friedrich Franz v. Braunschweig ließ FM Daun mit einer Eskorte unter militärischen Ehren in das Lager des Königs bringen, der ja ein Verwandter des Gefallenen war. Am 15.11. wurde Friedrich Franz in seiner Heimat Braunschweig in der Familiengruft der Hauptkirche begraben.
Unter den kaiserlichen Generälen gab es keine Todesfälle, nur Gen. Witellesky fiel in preussische Gefangenschaft.

Die Kaiserlichen erbeuteten 67 (nach anderen Quellen 52) schwere und 35 leichte Geschütze, 28 Fahnen und 2 Regimentsstandarten, außerdem das ganze preussische Lager mit Zelten und vielem Kriegsmaterial.

Die Schlacht war zu Ende. Selten berichten zeitgenössische Quellen über das, was nach einer Schlacht geschah. Ich möchte deshalb Ihre Aufmerksamkeit kurz auf das traurige Schicksal jener lenken, die auf dem Schlachtfeld verblieben waren.
Da die Preussen ihre Toten und die überwiegende Zahl der Verwundeten bei Hochkirch einfach liegen ließen, standen die Kaiserlichen vor einer großen logistischen Aufgabe.
Ungefähr 4.500 Tote und mehrere tausend Pferdekadaver mussten begraben werden.
Für diese Arbeit zog FM Daun neben Soldaten auch die Bevölkerung aus den umliegenden Dörfern heran. Noch schwieriger war die Versorgung der ca. 10.000 Verwundeten. Sie wurden mit Wagen in Kirchen, Schlösser und Burgen der weiten Umgebung abtransportiert.
Giuseppe Gorani, der als Lieutenant des IR Andlau an der Schlacht teilgenommen hatte, schrieb in seinen 1944 in Paris gedruckten Memoiren:

„...Gerechtigkeit, wem Gerechtigkeit gebührt. Bei dieser Gelegenheit lieferte Daun einen weiteren Beweise seiner Menschlichkeit, denn er widmete sich mit der größtmöglichsten Sorgfalt der Behandlung der preussischen Verwundeten, als ob es seine eigenen Männer wären. Alle Armeeoffiziere stellten sofort ihre Pferde und Wagen für den Transport der Verletzten in die Spitäler zur Verfügung....“



Preussischer FM Jakob v. Keith, gefallen bei Hochkirch Gedächtnissäule für Major Langen, Friedhof Hochkirch


Wie waren nun die Überlebenschancen der Verwundeten?
In den sieben Kriegsjahren betrug der Gesamtverlust des k. k. Heeres inklusive Desertion und Invalidität insgesamt 303.595 Mann. Davon starben an Verletzungen und Krankheiten in Spitälern 93.408 Mann, also 30,76 % des Gesamtverlustes!
Der Prozentsatz der Toten durch Feindeinwirkung während der Feldzüge betrug dagegen bei der Infanterie „nur“ ca. 11%,
Über die haarsträubenden Verhältnisse in den Notspitälern berichten Chroniken vieler Orte.
Die meisten Verwundeten wurden nach Nordböhmen gebracht. Mehrere Tausend lagen in Gabel, Walten und Lemberg (heute Jablonné v. P., Valtinov, Lemberk/CZ)
Anton Lehmann, Lehrer in Neuland, der Augenzeuge war, berichtet in ergreifender Weise über das Schicksal dieser Unglücklichen.
Von Lemberg mussten die Bauern 200 Wagen und Karren für den Transport von Verwundeten bereitstellen. Als die Wagen in Lemberg ankamen, stellte man fest, das 300 der Verwundeten den Transport bei eisigen Temperaturen nicht überlebt hatten.
Lehmann, der damals 15 Jahre alt war, schreibt weiter:

"... Dieselben lagen in den Zimmern des Schlosses auf feuchtem Stroh in Schmutz und Ungeziefer aller Art, Jammer und Wehklagen erfüllte die Räume und Tag und Nacht hörte man ein unausgesetztes Jesus Maria.

Die im Schloss starben, wurden im nahen Wald in einem Schachtgrab beerdigt. Lehmann schreibt weiter:

"...Im Waltner Schlosse warf man sie nur zum Fenster in den Garten herunter und dennoch kroch einst Einer noch davon. In anderen Schlössern schleppte man sie wenigstens noch über die Stiegen herab, dass die Köpfe auf jedem Staffel klingend aufschlugen.
Nur einmal, - sagt Lehmann - habe ich 24 Stunden in einem solchen Zimmer des Spitales aufwarten müssen, und ich werde nie vergessen, was ich gesehen und vernommen, gefühlet und empfunden habe ..."

Was war der Grund für die Niederlage der Preussen beo Hochkirch?
FM Daun war den Preussen zahlenmäßig mehr als doppelt überlegen. Das für sich selbst war jedoch nicht der Hauptgrund. Friedrich II. gewann mehrere Schlachten, in denen seine Armee deutlich kleiner als die seiner Gegner war.
Der Hauptgrund war sicher die Unterschätzung seines Gegners und die daraus folgernde Sorglosigkeit, mit der Friedrich II. sein Lager in äußerst ungünstiger Lage errichten ließ. Jegliche Warnungen seiner Generäle schlug er aus und beharrte auf seinem einmal gefassten Plan. Das kostete ihn knapp 25% seiner besten Soldaten.
Auf der anderen Seite muss man sagen, dass die meisten kaiserlichen Generäle bei Hochkirch ihre Aufgabe gut erfüllten. Sie handelten mit Übersicht, passten ihr Vorgehen der jeweiligen Lage an und auch das Zusammenspiel einzelner Heeresteile funktionierte überraschend gut. In dieser Hinsicht unterschied sich Hochkirch von den meisten anderen Schlachten, in denen die kaiserlichen Generäle versagten und sich gegenseitig eher behinderten bzw. nicht unterstützten.
Bei Hochkirch fand an jenem Tag eigentlich keine Schlacht im wahrsten Sinne des Wortes statt. Es war ein nächtlicher Überfall eines Heeres, das völlig ahnungslos in seinem Lager übernachtete. Viel zu spät hatte der König bemerkt, dass sein Lager von der ganzen Armee FM Dauns überfallen wurde.

Gedächtnistafel für die Gefallenen von  Hochkirch an der Kirche von Valtinov/CZ


Zahlenmäßige Stärke der Heere:

Autor
Preussen     Kaiserliche  

 

Infanterie

Kavallerie

Gesch.

Infanterie

Kavallerie

Gesch.

A. Preil/ KA Wien

28.000

13.200

172

60.000

15.000

290

preuss. Generalstab 21.000
8.000*
8.800
4.200*
?? 53.000
16.000*
12.000
3.000*
??

Dr. Bodar

29.000

13.000

??

55.000

10.000

??

G. Dorn

30000

140

78000

??

K. Bleibtreu

21.200

8.800

??

53.000

12.000

??

*Korps Retzow bzw. Prinz Durlach bei Weissenberg

Die Zahlen differieren ziemlich stark. Manche Autoren rechnen das Laudon´sche Korps nicht mit, andere wieder ziehen das Korps Durlach, dass an der Schlacht überhaupt nicht teilnahm ein. Bei der Infanterie werden meist nur die Linienregimenter berücksichtigt, die kroatischen Grenzer (auch "leichte Truppen" genannt) nicht, obwohl es immerhin beinahe 10.000 Mann waren.
Man kann jedoch davon ausgehen, dass die Preussen ca. 30.000 Mann hatten, die Kaiserlichen 65.000 Mann

Die an der Schlacht bei Hochkirch am 14.10.1758 beteiligten Regimenter

Preussen:

Infanterie: Markgraf Karl Rathenow

Geist Heyden

Kannacher Wangenheim

Itzenplitz Rohr

Prinz v. Preussen Unruh

Wedel II. und III. Garde

Retzow Forcade

Bornstedt Jäger

Mannteufel
Pieverling

Alt-Braunschweig Freibataillon Du Verger und Angelelli

zusätzlich Grenadierbataillone Plothow, Dieringshofen, Billerbeck, Kleist, Benkendorf

Kavallerie: Kürassiere Schönaich Dragoner Krockow


Krockow
Normann


Seydlitz
Czettritz


Kyau Husaren Zieten


Schmettau
Puttkamer


Bredow



Garde du Corps



Karabiniérs


Geschütze: 172

Kaiserliche:
(Nach A. Preil, berichtigt nach Eintragungen in den Geschichten einzelner Regimenter)



FM Leopold v. Daun General Gideon Laudon


Infanterie: de Ligne U. Browne Los Rios

L. Daun H. Daun Harrach

L. Wolfenbüttel Wallis J. Esterházy

N. Esterházy Harsch Clerici

Alt-Colloredo Starhemberg Batthyányi

Königsegg Thürheim Neipperg

Puebla Andlau Mainz

Karl v. Lothringen Waldeck Gaisruck

Rot-Würzburg Sachsen-Gotha Kaiser

Hildburghausen Botta Angern

Arenberg Forgach Erzhrzg. Karl
sowie 2.000 kroat. Grenzer der Regimenter Oguliner, Ottochaner, Liccaner, Banalisten, bei FZM v. Baden-Durlach
Die Grenadierbataillone der Infanterieregimenter wurden zusammengefasst und operierten getrennt.

Kavallerie: Kürassiere Erzhrzg. Ferdinand Dragoner Darmstadt


Erzhrzg. Leopold
Erzhrzg. Josef


Anspach
Württemberg


Serbelloni
K. Batthyányi*


O´Donell Husaren Kaiser


Stampach
P. A. Esterházy


Anhalt-Zerbst
Slavonisches HR**


Buccow

*in den meisten "Ordre de Bataille" fälschlich als Kürassierregiment aufgeführt
**meist fälschlich als Husarenregiment Batthyányi" aufgeführt

Geschütze: 290

Korps FML G. Laudon (verstärkt):

Infanterie: Haller

Kolowrat

Arberg
so wie 6.700 kroat. Grenzer der Regimenter Oguliner, Szluiner, Kreutzer, St. Georger und Banalisten

Kavallerie: Kürassiere Gelhay Dragoner Löwenstein* Husaren Nádasdy**


Schmerzing

Zweibrücken
Károlyi**






J. Dessewffy**
* eigentlich zwei Regimenter: „Alt - und Jung-Löwenstein“, insgesamt ca. 1.900 Reiter
**die drei Husarenregimenter waren sehr schwach und hatten zusammen nur 1.670 Mann

Verluste der Heere:

Autor
Preussen Kaiserliche
preuss. Generalstab 9.097  6.038*
Schöning 10.092 5.628
G. Dorn 9.097 ???
Mühlwerth/ Gärtner 10.000** 7.586
K. Bleibtreu                  ca. 9.100 7.671
Dr. G. Bodar 3.816 tot
4.327 verwundet
2.492 vermisst/gefangen
Summa: 10.635
1.136 tot
4.534 verwundet
2.322 vermisst/gefangen
Summa: 7.992
*außer Vermissten
**davon ca. 2.000 gefangen

Auf dem Schlachtfeld blieben also ungefähr 4.322 Tote und 8.861 Verwundete.
Da sich die Preussen bei ihrem Rückzug um ihre Toten und Verwundeten nicht kümmerten und sie liegen ließen, war es für die Kaiserlichen eine große logistische Aufgabe, vor allem die Versorgung der Verwundeten. Viele von ihnen starben jedoch auf Grund ungenügender ärztlicher Versorgung und katastrophaler hygienischer Zustände in den folgenden Wochen in den Spitälern der weiten Umgebung.

Harald Skala, 8/2008


Quellen:
  • H. Wuttge, "Die drei Kriegsjahre 1756-1757-1758 in Deutschland", Leipzig, 1856
  • Generalstab, "Geschichte des Siebenjähr. Krieges, der Feldzug 1758" Berlin 1826
  • O. Teuber, "Unter dem Doppeladler", Wien 1901
  • A. Arneth, "Maria Theresia und der Siebenjährige Krieg", Wien 1875
  • Ch. Duffy, „Sieben Jahre Krieg“, Wien, 2003
  • F. L. v. Thadden, "Feldmarschall Daun", Wien 1967
  • W. v. Janko, "Laudon´s Leben", Wien, 1869
  • M. Bertling, "Die Kroaten und Panduren.."  Dissertation Berlin, 1912
  • ALBERTINA - Nachdruck Wien, 1973
  • Dorn/Engelmann, "Die Schlachten Friedrichs d. Grossen", Augsburg 1997
  • K.Bleibtreu, "Vivat Fridericus!", Bd. II. Hamburg 2002
  • E. Finke, “Geschichte des k.u.k ungar. Infanterieregiment Nr. 37“, Wien, 1896
  • F. Ebhardt, „Geschichte des k.u.k. Infanterieregiments Nr. 33“ Ungar. Weisskirchen, 1888
  • Theimer, „Geschichte des k.u.k. Ulanenregiments Nr. 7“, Wien, 1869
  • G. v. Treuenfest, „Geschichte des k.u.k. Husarenregiments Nr. 4“, Wien 1903
  • A. v. Treuenfest, „Geschichte des k.u.k Dragonerregiments Nr. 14“, Wien, 1886
  • versch. Dokumente aus dem KA Wien


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