Die Affaire bei Domstädtel
Ende Juni 1758


Der Siebenjährige Krieg zwischen Preussen und der Habsburger Monarchie mit ihren Verbündeten dauerte bereits zwei Jahre, in denen die kaiserlichen Armeen einige schwere Rückschläge hinnehmen mussten.
Die kaiserlich-königlichen Truppen waren 1758 gegenüber früheren Jahren bereits im März in ihren Feldlagern, der Oberbefehlshaber, Graf L. Daun langte am 12.3. bei der Armee in der Nähe von Königgrätz in Böhmen an. GFWM Gideon Laudon war bei der Hauptarmee in Böhmen. Er bekam von Daun den Auftrag, die Preussen mit einem selbständigen Korps in Schlesien und Mähren zu beunruhigen, wozu sich Laudon auf Grund seiner langjährigen Erfahrungen im "Kleinen Krieg" hervorragend eignete.
Sein Korps bestand Anfangs aus 4.294 Mann deutscher Infanterie, 6.056 Kroatischen Grenzern und 424 Husaren. Fast ein Drittel dieser Mannschaft lag allerdings krank in Spitälern oder war abkommandiert.
Mit den verfügbaren Truppen besetzte Laudon die Grenze zu Schlesien und die Gegend von Braunau (heute Broumov in Nordböhmen/CZ)
Friedrich II. ließ inzwischen die Festung Schweidnitz einschließen, die am 16.4. in die Hand der Preussen fiel.
Die Kaiserlichen unter Daun marschierten Ende April nach Skalitz (Skalice bei Náchod/CZ), wo er vom Einfall Friedrichs in Mähren erfuhr. Laudon erhielt den Befehl mit seinem Korps die Avantgarde zu bilden und den König in seinen weiteren Bewegungen zu stören. Am 3.5. erreichten Laudons Truppen Wildenschwert (heute Ústí nad Orlicí/CZ), die Hauptarmee schlug ihr Lager bei Leitomischl auf (heute Litomysl/CZ). Laudon rückte weiter Richtung des von den Preussen belagerten Olmütz
(heute Olomouc/CZ), dem er sich bis auf 4 1/2 Meilen (ca. 33 Km) näherte.
Die Preussen wurden aus ihren in Schlesien angelegten Lagern versorgt, die Transporte wähnte der König als sicher, da alle bis dato ohne Probleme ihr Ziel erreichten.
Laudon fand jedoch im Kordon der Preussen zwischen Proßnitz und Littau (Prosenice und Litovel/CZ) eine  ca. 30 Km breite Lücke, die er sofort nutzte und Major Pálasthy mit 200 Husaren den Befehl gab, bis möglichst nahe an Olmütz vorzustoßen. Pálasthy kam zwar nur bis Namiest (Namest na Morave/CZ), aber setzte sich dort fest.
Als Friedrich II. seinen Fehler bemerkte, entschloss er sich Laudons Truppen zu vertreiben und rückte am 22.5. gegen sie vor.
Durch seine Kundschafter erfuhr Laudon rechtzeitig von der gegen ihn anrückenden Übermacht und zog sich hinter Konitz (Konice/CZ) in´s Gebirge zurück. Die Preussen rückten darauf in ihr altes Lager, wobei sie von Laudons Husaren und Kroaten beunruhigt wurden. Die überfielen mit Erfolg in einem Dorf ein Grenadierbataillon, büßten aber selbst 3 Offiziere und 300 Mann als Gefangene ein.
Bis zum 27.6. beschränkten sich beide Seiten auf Geplänkel, was die Preussen zwang, Tag und Nacht auf der Hut zu sein.
Inzwischen ging der preussischen Belagerungsarmee unter FM Keith langsam die Vorräte zur Neige, ein Laib Brot kostete inzwischen 20 Silbergroschen. Olmütz wurde von FZM Marschall mit 10.000 Mann, hervorragend von der Stadtbevölkerung unterstützt, verteidigt. Friedrich entschied deshalb vom Hauptlager in Zittau eine großen Konvoi, bestehend aus 4.000 Wagen Richtung Olmütz in Marsch zu setzten.
FM Daun erfuhr von diesem Transport und beauftragte GFWM Laudon die Kolonne zu überfallen und aufzuheben.
 


Links Slavonisch-Peterwardeiner, rechts Likaner Grenzinfanterist
Zu diesem Zweck erhielt Laudon 4 Bataillone Infanterie, 200 Dragoner vom DR "Württemberg" (das spätere Nr. 11), das Husarenreg." F. Nádasdy" (das spätere Nr.9) und seine Kroaten (Likaner und Slavonisch-Peterwardeiner) geführt von GFWM Franz Jahnus v. Eberstädt1) und verfügte somit über ca. 8.000 Mann. Im Stabe Laudons war auch  Oberst Karl, Graf Caramelli di Castiglione Fallet, den sich Laudon bei Daun  schon früher als fähigen Offizier ausgebeten hatte. Caramelli zeichnete sich in der folgenden Aktion besonders aus (er wurde 1767 Inhaber des Kürassierregiments Nr.2, erhielt den MTO und starb 1788 im Rang eines G.d.C in Wien).
Mit diesem Korps rückte er nach Müglitz (Mohelnice/CZ), während ihm rechterseits GM Joseph Frhr, Siskovits als Deckung folgte. Am 27.6. erreichte Laudon Sternberg. An dem Tag schrieb Laudon an Daun, dass er sich an der Straße bei Giebau (Jívová/CZ) postieren will um den Konvoi zu überfallen.
Am 28.6. passierten Laudons Truppen Bären (Moravský Beroun/CZ) und setzten sich zwischen  Altliebe (Stará Libava/CZ) und Bautsch (Budisov/CZ) fest.


Kaum war Laudon in Gundersdorf (Guntramovice/CZ), an der Straße zwischen den beiden oben genannte Orten eingetroffen, als seine Husaren auf den preussischen Vortrab stießen. Die Preussen schlugen den Angriff zurück, begannen auf einer Anhöhe eine Wagenburg zu bilden und gingen in die Offensive über. Fünf mal wechselten sich Angriff und Rückzug, bis Laudon vor der preussischen Übermacht den Rückzug antrat.
In dem Beschluss bestärkte ihn die Meldung, dass General Joachim v. Zieten mit größeren Kavallerieeinheiten im Anmarsch ist und bereits Obergibau (Jívová/CZ) erreicht hätte.
Laudon zog sich unter Verlust von 21 Offizieren, 51 Toten, 111 Verwundeten und 399 Versprengten bis Bären zurück, ließ aber in Domstädtel (Domasov n. Bystricí/CZ) eine starke Arriérgarde zurück. In seiner Relation an Daun über das Treffen hob Laudon vor Allem die Verdienste seines Stückhauptmanns Johann Theodor Rouvroy (er erhielt im Folgejahr den MTO, starb bei der Belagerung von Belgrad 1789 an der Ruhr) hervor.
GM Siskowits war inzwischen bis Altstadt (Staré Mesto na Morave/CZ) vorgerückt.

Obwohl der erste Überfall missglückt war, hatte er für den Konvoi fatale Folgen. Die Wagen kamen total durcheinander, viele Fuhrleute spannten beim ersten Kanonenschuss ab und ritten eiligst davon oder ließen Wagen und Pferde stehen und flüchteten zu Fuß. Andere fuhren von der Straße ab und versuchten die Ladung für sich zu retten. Oberst Mosel, dem der Konvoi anvertraut war, blickte trotz Sieg auf die kläglichen Reste seines Konvois.
Nun erschien Gen. v. Zieten mit seinen Husaren, die er sofort aussandte die geflohenen Fuhrleute einzufangen und die Wagenreihe wieder aufzufüllen. Viele Wagen mit Bespannung fanden Zietens Husaren in Gundersdorf, wo sie sich versteckt hatten. Die Husaren zündeten das Dorf an.
Es dauerte die ganze Nacht und den folgenden 29.6. bevor die Preussen ihren Transport einigermaßen geordnet hatten. Am 30.6. frühmorgens setzte sich der ca. 7 Km lange Konvoi, nun unter Befehl von Gen. v. Zieten wieder in Bewegung.
Aber Laudon und Siskovits hatten diese Zeit genutzt. Sie trafen sich in Altliebe und vereinbarten das weitere gemeinsame Vorgehen.
 
 Laudon  postierten seine Truppen zur rechten, Siskovits zur linken Seite der Straße. Diese zog sich mitten durch offenes Feld hin, rechts Buschbewuchs, zur linken Wald. An einzelnen Stellen war die Straße durch Gebüsch gesäumt und ging durch Hohlwege. Gemeinsam hatten die Kaiserlichen nun ca. 15.000 Mann, Zietens Konvoi wurde von ca. 14.000 Mann begleitet.
Laudon ließ die Preussen längere Zeit ohne Belästigung. Als 120 Wagen mit ungefähr 4.000 Mann durch den Hohlweg waren, griffen die Kaiserlichen an. Laudon hatte die ganze preussische Reiterei gegen sich. Er ließ einen Teil seiner Kroaten in die Wagenburg eindringen, die Zieten hat schnell formieren und von 3 Bataillons verteidigen lassen, der andere Teil griff den Transport selbst an.
Die Bedeckung der Wagenburg wurde auseinandergetrieben und die Kroaten sprengten einige mit Munition beladene Wagen in die Luft.
Die Kavallerie beider Seiten lieferte sich inzwischen ein heißes Gefecht und erst als kaiserliche Infanterie ihren Reitern zur Hilfe kam,  wichen die Preussen.
Nach dem sie sich wieder formiert hatten, griffen sie noch vier mal an, konnten aber letztlich den vereinten Kräften von Laudon und Siskovits nicht widerstehen. Zieten sah die Nutzlosigkeit eines weiteren Widerstandes ein und ließ zum Rückzug blasen. Er selbst konnte sich nur durch einen mächtigen Sprung seines Pferdes über einen breiten Graben vor den herangaloppierenden ungarischen Husaren retten. General Krockow  wehrte sich mit dem Rest der preuss. Infanterie, aber auch er musste weichen. Es gelang ihm jedoch, 200 Wagen, die bereits Domstädtel passiert hatten, zu retten und in das Lager des Königs zu bringen. Der Rest der geschlagenen Preussen floh mit Zieten bis Troppau.
 
Von den ursprünglich 4.000 Wagen erreichten also nur 200 ihr Ziel. Über 1.000 wurden wegen Mangel an Pferden verbrannt, die Munition in die Luft gesprengt. 1.000 vernichteten die Preussen auf ihrer Flucht selbst. General Puttkammer, 2 Majors, 3 Hauptleute, viele Lieutenants und 650 Mann wurden von Laudons Truppen gefangen, 2.000 weitere tot oder verwundet, 7 Geschütze erobert.
Auch Siskovits erbeutete 7 Geschütze und übergab 1.000 Wagen den Flammen, seine Truppe nahm 30 Offiziere und ca. 1.000 Mann gefangen, 500 waren  tot  oder verwundet.


Franz Maximilian, Frhr. Jahnus v. Eberstädt

Laudons Sieg war kein leichter, er verlor über 1.000 Mann. Die Preussen wehrten sich heldenhaft. Das Regiment Prinz Ferdinand, überwiegend aus jungen Rekruten bestehend die noch nie im Kampf waren,  schlug sich so tapfer, dass es beinahe ganz aufgerieben wurde. Von 900 Mann fielen nur 65 in Gefangenschaft, der Rest lag tot auf dem Schlachtfeld.
 
Friedrich II. erfuhr von der Tragödie seines Versorgungskonvois am 1.7. Er ordnete sofort den Abbruch der Belagerung von Olmütz an und entschloss sich zum Rückzug. Der direkte Weg durch Mähren nach Schlesien war ihm durch die Truppen Dauns versperrt. Daun war fest überzeugt, dass Friedrich II. den Weg über Troppau (heute Opava/CZ) in die Grafschaft Glatz nehmen wird. Der König stärkte ihn in dieser Meinung noch durch eine List: er schickte einen Feldjäger mit einem Befehl an den Kommandanten der Festung Neisse ab, Proviant und Futter für Pferde bereit zu halten, da er über Troppau dahin kommen würde.
Der Feldjäger wurde angewiesen, sich von den Kaiserlichen gefangen nehmen zu lassen, was auch geschah. Nach dem Daun die Depesche gelesen hatte, verstärkte er seine Truppen in dieser Richtung.
Friedrich ließ jedoch seine Truppen in der Nacht des 1.7. über Zwittau (Svitavy/CZ) und Leitomischl (Litomysl/CZ) Richtung Königgrätz in 3 Hauptkolonnen abmarschieren.
Die Generale Buccow, Siskovits, Laudon und Lacy hatten den Befehl, den Marsch zu beobachten und ihn zu erschweren. Nach mehreren kleineren Gefechten erreichte der König Opotschno (Opocno/CZ) wo er sein Hauptquartier aufschlug.
Am 28.7. erhielt Laudon seine Beförderung zum Feldmarschall-Lieutenant (FML).

 
1) Franz Maximilian, Frhr. Jahnus v. Eberstädt, geb. 1711, stammte aus einer Thüringischen Offiziersfamilie. Nach seinem Studium in Jena trat er in das IR L. Daun Nr.45 ein, in dem er zum Oberstlieutenant avancierte. Er zeichnete sich in den Feldzügen in Italien aus, kam dann zu den Grenztruppen, wurde Oberst und Kommandant des Broder Grenz-Infanterieregiments, übernahm dann 1754 das Slavonisch-Peterwardeiner Grenzregiment. Unter GFWM G. Laudon zeichnete er sich im Siebenjährigen Krieg mehrmals aus und erhielt 1758 den MTO. Nach Unstimmigkeiten mit FM L. Daun verließ er die k. k. Armee im Rang eines FML und nahm die Stelle eines Stadtkommandanten in Hamburg an. Dort starb er am 26.1.1772.
 
Harald Skala

Quellen:
-          W. Edler v. Janko, "Laudon´s Leben", Wien, 1869.
-          C. v. Wurzbach, "Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich" Wien 1862-89
-          A. v. Wrede, "Geschichte der K. u. K. Wehrmacht", Wien, 1898-1905
-          "Das Heer Maria Theresias" Faksimile-Ausgabe der ALBERTINA, Wien, 1973
-          A. Dolleczek, "Geschichte der Österreichischen Artillerie", Wien, 1862

Portrait Franzl Jahnus v. Eberstädt, Museum SNM Bojnice/SK


Inhalt
Übersicht Gefechte
zurück