Das Treffen bei Moys (Ujazd/ PL)
und der Tod GL Karl v. Winterfeld*
am 7. 09. 1757



Nach dem verlustreichen Rückzug des Prinzen von Preussen August Wilhelm aus Böhmen in den Sommermonaten des Jahres 1745 kam es zu einem Zerwürfnis zwischen ihm und seinem Bruder, König Friedrich II. worauf der Prinz die Armee verließ und nach Berlin zurückkehrte. Die Schlesische Armee übernahm daraufhin der Herzog von Braunschweig - Bevern. Ihm beigeordnet wurde General-Lieutenant Karl v. Winterfeld, der engste Vertraute des Königs.
Im August 1745 lag Beverns Armee in einem weiten Bogen zwischen Bautzen, Schönau bis Nieda jenseits der Neisse. Die Magazine in Bautzen sicherte Prinz Franz v. Braunschweig - Wolfenbüttel mit 4.000 Mann, Bevern stand im Lager bei Schönau mit 22.000 Mann, GL Winterfeld bei Nieda hatte ungefähr 10.000 Mann.
Görlitz war von 5 Infanteriebataillonen unter GM v. Grumbkow besetzt.


Friedrich II. nimmt Abschied von GL Winterfeld am 18. 8. 1757 bei Bernstadt


Die kaiserliche Hauptarmee unter Prinz Karl v. Lothringen und FM L. Daun stand noch bei Eckersberg nord-östlich Zittau.
Bevern erschien seine Stellung zu ausgedehnt und er beschloss - gegen den Rat Winterfelds - seine Armee bei Görlitz zu konzentrieren. Am 31.8. bezog Bevern ein befestigtes Lager westlich von Görlitz, Winterfeld marschierte am nächsten Tag mit seinem Korps durch die Stadt und besetzte die Gegend am anderen Ufer der Neisse, östlich der Stadt.

Dies war die Ausgangsituation, in der Karl v. Lothringen und FM Daun den Plan fassten, das Korps Winterfeld zu vernichten.
Die Hauptarmee rückte gegen Bernstadt, um die Hauptkräfte Beverns zu binden. G.d.C. Franz Graf Nádasdy, der mit seinem Korps bei Seidenberg (Zawidów/PL, an der Grenze zu Böhmen) lag, erhielt den Befehl, Winterfeld in seinem Lager zu überfallen.
Am 4.9. marschierte Nádasdy nach Schönberg (Solików/PL), von da in der Nacht vom 6. auf 7.9. weiter auf Schönbrunn (Studniska/PL) und Hermsdorf (Jerzmanki/PL).
Seine bei Radmeritz (Radomierzyce/PL) stehende Reserve verlegte er nach Kuhna (Kunów/PL). In Schönbrunn stießen Verstärkungen zu ihm, unter anderem 42 Grenadierkompanien unter Herzog v. Arenberg.



G. d. C. Franz L. Graf Nádasdy GL Karl v. Winterfeld


Preussisches Korps GL Karl v. Winterfeld

Infanterie        Kavallerie
Nr. 10 v. Pannwitz Nr. 9 KR Erbprinz Karolath-Schönaich
Nr. 31 v. Lestwitz Nr. 5 DR Markgraf v. Brandenburg-Bayreuth
Nr. 32 v. Treskow Nr. 1 DR v. Normann
Nr. 17 v. Mannteufel Nr. 12 DR Prinz v. Württemberg
Nr. 1 Garnisons-Grenadierbataillon Nr. 6 HR Werner
Nr. 2 Garnisons-Grenadierbataillon   
Nr. 2 HR v. Zieten

Grenadierbataillon v. Kleist


Grenadierbataillon v. Beneckendorf



Grenadierbataillon Friedrich v. Anhalt


Die Gesamtstärke des Korps betrug ca. 10.000 Mann



Kaiserliches Korps FML Franz L. Graf Nádasdy

Infanterie        Kavallerie
Nr. 46 Maquire Nr. 8 DR Sachsen-Gotha
Nr. 30 Sachsen - Gotha
DR Jung-Modena
Nr. 14 Salm
DR Hessen-Darmstadt
Nr. 40 Jung-Colloredo Nr. 1 HR Kaiser

d´Arberg Nr. 2 HR Kálnoky

de Ligne Nr. 8 HR Baranyay
Nr. 41 F. Markgraf zu Bayreuth Nr. 9 HR Nádasdy
Nr. 47 Harrach
Sächsische Chevauxlegers
Nr. 57 Andlau
Kurland
Nr. 9 Los Rios
Prinz Albert v. Sachsen
Nr. 20 Alt-Colloredo
Brühl
Nr. 16 Königsegg

Nr. 32 Forgách


1 Banaler Grenzer


Karlsädter-Liccaner Grenzer


Slavonisch-Broder Grenzer


Warasdiner-Kreutzer Grenzer

Nr. 35 Grenadierbataillon Waldeck

Nr. 22 Grenadierbataillon Lacy

Nr. 56 Grenadierbataillon Mercy-Argenteau

Nr. 51
Grenadierbataillon Gyulay


Die Gesamtstärke des Korps Nádasdy war nach österr. Quellen ca. 16.000 Mann (preussische Quellen sprechen von 20.000). Die Regimenter waren sicher nicht komplett, bei vielen war nur ein Bataillon vor Ort. Die Stärke der Grenzer wird mit ca. 4.000 Mann angegeben.
Nádasdy hatte 24 schwere Geschütze.

Bemerkung:
KR = Kürassier, DR = Dragoner, HR = Husaren
Die Nummern der Regimenter sind jene, die sie ab 1798 trugen. Wo Nummern fehlen, handelt es sich um vor 1798 aufgelöste Einheiten


GL v. Winterfeld hatte seine Truppen folgendermaßen verteilt:
Am linken Flügel seiner Stellung stand das HR Werner mit den Grenadierbataillonen Kahlden und Unruh. Das Zentrum und den rechten Flügel bildeten das KR Nr.9, das DR Nr.5, die IR Nr. 10, 31, 32, 17 und die Grenadierbataillone Anhalt und Kleist.
Im zweiten Treffen hinter der Kavallerie standen die DR Nr. 12 und Nr. 1.
Vor dem rechten Flügel lag das Dorf Moys und daneben der Jäckelsberg (auch Holzberg genannt), welchen Winterfeld mit den Grenadierbataillonen Benckendorf und Dürnigshofen besetzten ließ. Für ihre Geschütze wurden dort leichte Verschanzungen aufgeworfen.
Am Fuße des Berges stand GL v. Zieten mit seinem Husarenregiment.
Als Verbindung zu den Hauptkräften Beverns diente eine unterhalb des Schießhauses in Görlitz errichtete Brücke.
Die Stellung war gut gewählt, allerdings waren die Bataillone auf dem Jäckelsberg ziemlich weit (3.000 Schritt) von der Hauptstellung entfernt.

Winterfeld rechnete nicht mit einem Überfall und begab sich am 7.9. morgens mit einigen Offizieren nach Görlitz, um sich Landkarten zu besorgen.
Nádasdy war mit seinen Truppen am frühen Morgen im dichten Nebel Richtung Moys aufgebrochen. Nachdem seine Truppen aus dem Wald bei Hermsdorf in freies Terrain gekommen waren, ordnete er sie in zwei Kolonnen.
Vor dem linken Flügel stellte er die Grenadierkompanien unter FML Karl Reinhard, Hrzg. v. Arenberg auf, deren Rückendeckung übernahm FML Anton Georg, Marquis Clerici.
Die erste Kolonne führte FML P. A. Fürst Esterházy, die ihr folgende zweite Kolonnen wurde von FML Friedrich Georg, Graf Wied - Runkel befehligt. Die Deckung des Vormarsches übernahmen die beiden Dragonerregimenter und die sächsischen Chevauxlegers.
Nádasdy ließ auch den gegenüber dem Jäckelsberg liegenden Galgenberg besetzten und ließ dort seine 24 schweren Geschütze aufstellen.


Bewegungen der Armeen zwischen dem 30. 8. und 7. 9. 1757


Inzwischen hatte ein Adjutant Winterfeld gemeldet, dass es zu kleineren Feuergefechten mit Kroaten bei Ober-Moys gekommen ist. Winterfeld hielt dies für die üblichen Plänkeleien, erst als sich die Nachrichten über den Anmarsch größerer Einheiten häuften, stieg er auf sein Pferd und ritt zu seinen Truppen. Er ließ sofort die im Hauptlager liegenden Einheiten auf die bei Moys liegenden Höhen ziehen, das Grenadierbataillon Anhalt schickte er zur Verstärkung auf den Jäckelsberg.
Da Meldungen eintrafen, dass kaiserliche Husaren versuchen Leopoldshain (Lagów/PL) östlich von Görlitz zu besetzen, ließ Winterfeld das Grenadierbataillon Unruh dorthin aufbrechen (es wurde jedoch von den Kaiserlichen in seine ursprüngliche Position zurückgeworfen)

Die Batterien auf dem Galgenberg eröffneten ein wirkungsvolles Feuer auf die preussischen Einheiten auf dem Jäckelsberg und das HR Zieten unterhalb des Berges. Gegen 11 Uhr setzten die Grenzer zum ersten Sturm auf den Berg an. Nach einigen Quellen wurden die preussischen Grenadiere durch die vom Süden vordringenden Grenzer unter GM Kasimir, Graf Draskowitz beim Kochen überrascht. Wie dem auch sei - es gelang ihnen in kürzerster Zeit eine wirkungsvolle Abwehr zu organisieren und den ersten Angriff abzuweisen.
Der zweite Angriff, bei dem die Grenzer von Grenadieren unterstütz wurden, hatte mehr Erfolg. Trotz heftiger Gegenwehr gelang es den Kaiserlichen die Preussen zu vertreiben. Nádasdy focht an der Spitze und überstieg als erster die Schanzen, wobei er im Handgemenge verwundet wurde.
Die preussischen Grenadiere zogen sich in ihr Lager zurück, das eben angerückte Bataillon Anhalt konnte ihren Rückzug nicht mehr aufhalten und wurde mitgerissen.
Die Kaiserlichen drängten nach und zwischen den Zelten entbrannte ein hitziger Nahkampf.

GL Winterfeld versuchte nun an der Spitze der IR Mannteufel und IR Treskow den Jäckelsberg erneut in Besitz zu nehmen. Die kaiserlichen Husaren griffen an der äußersten linken Flanke in geschlossener Attacke (nach Art der "schweren" Kavallerie!) das IR Treskow an, erbeuten zwei Fahnen und machten zahlreiche Gefangene, unter ihnen den Flügeladjutanten des Königs, Major Graf Dessau
Die Preussen kamen bis auf den Hügel hinauf, auf den Nádasdy inzwischen von der anderen Seite weitere Infanterie gebracht hatte. Die Preussen wurden zurückgetrieben.
Als nun Winterfeld  auf einem schmalen Weg nach Moys ritt, um seine Grenadiere zu sammeln, traf ihn der Schuss eines Grenzers. Die Kugel drang unter der rechten Schulter in den Rücken und blieb in der Brust stecken. Seine Soldaten trugen den Schwerverletzten nach Görlitz in das Haus des Gürtlers Fischer. Er war noch bei Bewusstsein, erteilte seinen Generälen die nötigen Befehle und diktierte einen Brief an den König. Kurz danach starb GL Winterfeld.
Die Kämpfe gingen noch weiter, den Preussen gelang es aber nicht mehr, den Jäckelsberg wieder zu erobern. Die Kaiserlichen drangen bis in den Ort Moys vor, zogen sich aber - nach dem sie den Jäckelsberg mit einigen Bataillonen besetzt hatten - in ihr ursprüngliches Lager zurück, die Preussen waren nach Görlitz geflüchtet.
Nicht alle preussische Einheiten beteiligten sich an dem Kampf, da Winterfeld nicht eine Lücke zu Bevern, die von der kaiserlichen Hauptarmee genutzt werden könnte, entstehen lassen wollte. Gegen die doppelte Übermacht der kaiserlichen hatte Winterfeld keine Chance.

Die Preussen verloren in dem Gefecht um die 2.000 Mann (nach anderen Quellen bis 6.000, was jedoch in Hinsicht auf die Gesamtstärke der Preussen bei Moys unwahrscheinlich ist) sowie die am Jäckelsberg postierten Geschütze. Unter den Gefangenen war auch Reichsgraf v. Anhalt, der an der Spitze seines Grenadierbataillons tapfer gekämpft hatte.
Nádasdy verlor ungefähr 1.550 Mann, außer ihm waren noch drei Generäle unter den Verwundeten. Die stärksten Verluste hatte das IR Nr. 42 Bayreuth, von dem kaum ein Bataillon übrig blieb. Oberstlieuenant Johann de Pasteel vom Grenadierbataillon Los Rios und Obrist Kramer vom IR Salm Nr. 14 erhielten für ihre hervorragende Leistung bei Moys den MTO.

Man fragt sich, warum Herzog v. Bevern, dessen Lager ja nicht mal 10 km vom Ort des Geschehen lag, Winterfeld Unterstützung zukommen ließ. Sicher lag dies an dem gestörten Verhältnis zwischen den Beiden. Eine Niederlage des königlichen Favoriten wäre Bevern sicher nicht ungelegen gekommen.
Winterfelds Leichnam wurde einbalsamiert und zuerst in Pilgramsdorf bei Lübben beigesetzt, dann nach seinem Gut bei Polkwitz gebracht und dort beerdigt.
Der Leichenzug musste die kaiserlichen Linien passieren, wozu Karl v. Lothringen nicht nur sofort seine Zustimmung gab, sondern den Toten auch durch eine Schutzwache bis Polkwitz begleiten ließ.


  Winterfeld auf dem Totenbett (Zeichnung A. Menzel)


* Hans Karl v. Winterfeld,

geboren 4.4.1707 in Vanselow Kreis Demmin. Er diente bereits unter Friedrich Wilhelm I. und begleitete den Kronprinzen bei dem Feldzug am Rhein 1734. Winterfeld erlangte das volle Vertrauen Friedrich II., der ihn bei jeder Gelegenheit unterstützte und förderte, was andererseits den Neid der - oft dienstälteren - Generäle hervorrief. Besonders schlecht war sein Verhältnis zum Bruder des Königs, Prinz August Wilhelm der - als er selbst ein Jahr später dem Tode nahe war - gesagt haben soll :"...ich beschließe mein Leben, dessen letzte Periode mir so viel Kummer verursacht hat, aber Winterfeld ist Derjenige, der es mir verkürzte..."
Auch Joachim v. Zieten war auf Winterfeld eifersüchtig und bangte um die Gunst, die ihm Friedrich II. zeigte.
Winterfeld hielt sich oft in der unmittelbaren Umgebung des Königs auf, der ihn gern zu Rate zog und auch mit diplomatischen Missionen im Ausland betraute. Er war außerdem der Erste, der ein gut funktionierendes Nachrichtenwesen für Friedrich II. aufbaute. Seine Fähigkeiten als Kommandeur waren unbestritten.
Der König war auch der einzige, dem Winterfelds Tod sehr nahe ging. Als er die Nachricht erhielt, sagte er: "...Gegen die Menge meiner Feinde hoffe ich noch Rettungsmittel zu finden, aber nie werde ich einen Winterfeld wiederbekommen!..."

Harald Skala, 2007

Quellen:
  • "Hans Karl v. Winterfeld und der Tag von Moys", Görlitz, 1857 Verlag Heinze & Co.
  • K. v. Priesdorf, "Soldatisches Führertum", Hamburg, 1937
  • M. Bertling, "Die Kroaten und Panduren etc." Dissertation, Berlin, 1912
  • G. Ernst, "Geschichte des K. u. K. neunten Husarenregiments", Wien 1862
  • F. Kugler, "Geschichte Friedrichs des Grossen", Leipzig


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