Der Rückzug des preußischen Heeres nach der Schlacht bei Kolin 1757
Der Fall von Gabel und Zittau

 
Bemerkung: um dem Leser eine bessere Orientierung auf den derzeitigen Karten zu ermöglichen, sind die heutigen - tschechischen - Ortsnamen in Klammern wiedergegeben.
 
Am 18.6.1757 hatten die Preußen unter König Friedrich II. in der Schlacht bei Kolin ihre erste große Niederlage erlitten. Die Reste der geschlagenen Armee sammelten sich bei Nymburk, ohne daß der kaiserliche Feldherr L. v. Daun größere Anstalten zu ihrer Verfolgung gemacht hätte.
Der König eilte nach Prag, um die nötigen Vorkehrungen für den Abbruch der Belagerung zu treffen.
Die Belagerten bemerkten am 20.6. daß die Preußen ihr Lager bei Braník (heute Teil von Prag) aufgehoben hatten und in 3 Kolonnen Richtung Brandeis (Brandýs n.L./CZ) abzogen. Herzog Karl v. Lothringen, der sich in dem belagerten Prag befand, sandte sofort 300 Husaren des HR Nr. 4  und 300 Grenzer unter Befehl des Obristen Inkey de Pallin, um die abziehenden Preußen zu verfolgen. Den Husaren gelang es viele Gefangene zu machen und ein Geschütz mit 2 Munitionskarren zu erbeuten.
Das Gros der Preußen unter FM Keith mit den IR Nr. 3, 7, 17, 25 und den nicht kompletten IR Nr. 8, 9, 10, 12, 13, 18, 19, 21, 23, 24, 31, 32 und 34, den Kürassierreg. Nr. 2, 4, 10, und Dragonerreg. Nr.5 (das DR Nr. 4 wurde zuvor nach Kolin gezogen) blieb jedoch noch in seinem Lager am Weissen Berg.
Karl v. Lothringen befahl am Nachmittag des 20.6. einen großen Ausfall aus der Stadt. Die Einheiten rückten durch das Karlstor und griffen die preußischen Verschanzungen an. Oberstlieutenant Karl Frhr. v. Amadei vom IR Andrássy Nr. 33 erbat sich von FML Maquire die Erlaubnis, mit seinem Regiment den Sturm anführen zu dürfen. Amadei schickte Hauptmann Riß mit einigen Zügen durch ein kleines Tal in die Flanke des Gegners, er selbst drang mit dem Regiment unter heftigem Geschützfeuer des Feindes über Wolfsgruben und spanische Reiter vor. Seine Füsiliere überstiegen die Brustwehr, worauf die Preußen unter Zurücklassung ihrer Geschütze flohen. Nach dem weitere kaiserliche Infanterie gefolgt war, verließ auch der Rest der Preußen ihre Verschanzungen und sammelte sich an der Mauer des Schlosses "Stern", wo sie noch eine Zeitlang Widerstand leisteten. Als jedoch Herzog v. Arenberg mit weiteren Truppen anrückte, wichen die Preußen auch hier und zogen sich nach Ressin (Rez, heute Stadtteil von Prag) zurück. Das ganze Keith´sche Korps marschierte dann nach Schlan (Slaný/CZ), verfolgt von Husaren, einigen Grenadierkompanien und kroatischen Grenzern. Die Verfolger wurden von den Obristen G. Laudon und Inkey de Pallin angeführt.
 
Die in Prag eingeschlossen gewesenen Truppen vereinigten sich mit dem Heer des FM L. v Daun am 26.6. bei Kolodeg (Kolodeje, ca. 6 km östlich von Prag).
Friedrich II. war mit den bei Nymburg gesammelten Truppen am 19.6 nach Lissa (Lysá n. Labem/CZ) und von da am 21.6. nach Melnik marschiert.
Mit 14 Bataillonen und 7 Kürassierregimentern zog er weiter nach Leitmeritz, wo auch FM Keith mit seinen Einheiten angekommen war.
Das preußische Heer wurde geteilt, der König marschierte dann am 20.7.über Karbitz (Chabarovice/CZ) und Pirna nach Sachsen. Die Elbbrücken bei Leitmeritz ließ er verbrennen.
Der größere Teil der Armee wurde dem Kronprinzen August Wilhelm unterstellt und sollte über Jungbunzlau (Mladá Boleslav/CZ), Böhmisch Leipa (Ceska Lípa/CZ), Reichenberg (Liberec/CZ) und Zittau ziehen. Bei Bautzen sollten sich beide Armeen wieder vereinigen.
 
Zur Überraschung des Königs folgte die Hauptarmee des FM L. Daun nicht ihm sondern den Truppen seines Bruders August Wilhelm.

 
August Wilhelm Prinz von Preußen

Die leichten kaiserlichen Truppen (Husaren, Grenzer und einige Grenadierkompanien) wurden G.d.C. Graf Nádasdy unterstellt und nahmen die Verfolgung der abziehenden Preußen auf. Nádasdy selbst trennte sich Anfang Juli von dem größeren Teil der verfolgenden Truppen, um die Bewegungen des Königs zu beobachten. Seine Vorhut, bestehend aus 4 Grenadierkompanien, 2.000 Grenzern des Likaner IR und 600 Husaren des HR Nr. 9 "F. Nádasdy" (zu denen noch später 200 Husaren des HR "A. v. Hadik" stießen) wurde von Obrist G. v. Laudon geführt.

Mit ihnen überfiel Laudon bereits Ende Juni bei Welwarn (Velvary/CZ) eine preußische Kolonne von der 160 Mann gefangen und ein Brückentrain erbeutet wurde.
Zwischen Lobositz und Welmina (Velemín/CZ) überfiel Laudon die Bedeckung eines preuß. Konvois, erbeutet 100 Wagen mit Proviant und nahm 11 Offiziere und 146 Mann gefangen.
Am 10.7. sandte Laudon eine Abteilung Husaren des HR Nr. 9, geführt vom Rittmeister Grafenstein, gegen Tetschen (Decín/CZ). Dieser Einheit gelang es vier mit Lebensmitteln beladene Schiffe zu versenken, nach dem deren Bedeckung von 50 Mann teils niedergemacht, teils gefangen wurde. (Manche Quellen geben 15 Schiffe an, was jedoch sicher übertrieben ist). Der König entsandte darauf GL v. Winterfeld mit 7 Bataillonen Infanterie und 5 Eskadronen Husaren am 13.7. nach Tetschen. Die Kaiserlichen hatten sich jedoch bereits zurückgezogen und Winterfeld kehrte zu der Armee des Kronprinzen zurück.
Mitte Juli überfielen Laudons Grenzer ein Detachement von 200 neugeworbenen Rekruten, geführt von GM v. Mannstein. Letzterer sprang aus seinem Wagen und setzte sich zur Wehr, wobei er getötet wurde.
General Draskowich erhielt den Befehl, die von Preußen besetzte Burg Schreckenstein (Strekov/CZ) hoch auf einem Felsen bei Aussig (Ústí n. Labem/CZ) zu besetzen. Obrist G. v. Laudon entsandte einen Teil seiner Truppen zur Verstärkung von Draskowich und die Burg wurde am 27.7. erobert. Laudons Einheiten besetzten dann die Gegend zwischen Kraupen und Zinnwald (Krupka und Cinovec/CZ).
Bereits am m 21.7. hatten die Husarenregimenter "Kaiser" (Nr. 1) und "Dessewffy"
(Nr. 4) die Elbe durchschwommen und stießen auf dem anderen Ufer auf mehrere preußische Kavallerie-Regimenter, vor denen sie sich am nächsten Tag wieder auf das rechte Elbufer zurückziehen mußten.
 
Das Gros der kaiserlichen Armee unter FM L. v. Daun blieb vorerst untätig bei Prag stehen und setzte sich erst am 28.6. langsam in Bewegung Richtung Münchengrätz (Mnichovo Hradiste/CZ) und Niemes (Mimon/CZ).
 
Wenden wir uns nun den Preußen unter Kronprinz August Wilhelm, dessen Korps aus ca. 38.000 bestand zu.
Sie wurden von mehreren Streifkorps leichter Truppen der Generäle Emerich Morocz, Andreas Hadik, Lewin Frhr. v. Beck, Sigismund Graf Maquire und Herzog v Arenberg, verfolgt.
Der Kronprinz machte nun den tragischen Fehler und blieb mit dem Gros seiner Truppen 14 Tage in Böhmisch Leipa (Ceska Lípa/CZ) stehen.
Diese Zeit nutzten die Kaiserlichen, um die Preußen zu überflügeln und auf dem beabsichtigten Weg nach Reichenberg Verhaue und Hinterhalte zu errichten. Dadurch gestaltete sich der weitere Rückzug des Kronprinzen äußerst schwierig und verlustreich.
 

Die Erstürmung von Gabel.
 
 
Gabel war ein für die Preußen wichtiges Magazin und sicherte dem Kronprinzen die Verbindung mit der Lausitz. Um diese zu unterbrechen, entschied FM Daun Gabel den Preußen wegzunehmen. Mit der Aktion wurde GM Sigismund Graf Maquire - gegen den Widerstand einiger Generäle - betraut.
Bereits am 14.7. besetzte ein Detachement von 200 Husaren und 200 Kürassieren vom KR Nr. 4 "Serbelloni" die Höhen bei Böhmischdorf (Ceska Ves, heute Vorort von Gabel). Die Kürassiere hatten ihre Kürasse abgelegt und kämpften zu Fuß (wohl deshalb werden sie in zeitgenössischen Quellen aus Böhmen als Dragoner bezeichnet). Die kombinierte Einheit wurde vom Kürassierrittmeister v. Deym geführt.
Deym überfiel einen preußischen Konvoi und erbeutete 100 Proviantwagen.
 
Am 15.7.1757 erreichten die Vortruppen der kaiserlichen Armee, geführt vom GM Sigismund Maquire Graf von Inniskillin (1) das Städtchen Gabel (Jablonné v. Podjestedí/CZ) und schlossen es ein.
Maquire hatte 12 Grenadierkompanien (sie kamen aus den IR "Wallis" Nr. 11, "Deutschmeister" Nr. 4, "I. Mercy" Nr. 56 und "Hildburghausen" Nr.8), 1.500 Füsiliere (unter ihnen 800 Grenzer) und 500 Husaren, dazu 28 Geschütze (3, 6 und 12-Pfünder).
Gleichzeitig rückte GM Beck mit seinen Truppen nach Reichstadt (Zákupy/CZ), GM Morocz mit 2 Husarenregimentern so wie die Truppen des GM A. Hadik nach Mickenhan (Provodín/CZ). Das Reservekorps unter Herzog v. Arenberg (2) zog nach Wartenberg (Straz pod Ralskem/CZ).
Die Gesamtstärke der auf Gabel vorrückenden Truppen betrug ca. 12.000 Mann.



Sigismund Graf Maquire v. Inniskilin.
(Sammlungen Theresianische Militärakademie Wiener Neustadt)


Gabel war ab Anfang Juli von den Preußen mit 4 Bataillonen Infanterie und 5 Eskadronen Husaren besetzt. Der Kronprinz wollte mit seinem gesamten Heer nach Gabel ziehen, was ihm jedoch vom König ausdrücklich untersagt wurde.

Die Besatzung von Gabel bestand aus ca. 2.000 Mann der IR Nr. 43, Nr. 46,
Grenadieren des IR Nr. 8 und Nr. 10 sowie den o. erw. Husaren des HR "Werner". Kommandant von Gabel war GM Nikolaus Lorenz v. Puttkamer.
(G. Schlag gibt in seinem in den Quellen erwähnten Buch auf S. 104 an, daß GM Georg v. Puttkamer die Truppe anführte. Tatsächlich handelte es sich um GM Nikolaus Lorenz v. Puttkamer. Georg v. Puttkamer erhielt den Generalsrang erst am 21.12.1757).
Die Truppe wurde bereits Ende Juni bei ihrem Marsch von Niemes nach Gabel von dem Detachement Morocz (1.200 Husaren der Reg. "Paul Esterházy" und "Morocz" so wie 2.800 Warasdiner und Slavonische Grenzer) attackiert. Die Preußen konnten sich zwar nach Gabel retten, verloren aber im Gefecht alle Rüst- und Versorgungswagen, was sich bei dem späteren Kampf um Gabel nachteilig auswirkte


Die Belagerung von Gabel am 15.6.1757. (Zeitgenössisches Bild, Sammlungen Museum Ceska Lípa/CZ)

Maquire platzierte seine Artillerie auf den umliegenden Höhen und begann mit der Beschießung der Stadt. Seine Truppen stellte er in 2 Treffen auf, das zweite befehligte GFWM v. Wilfenblied (?). Maquire hielt sich nicht mit dem Bau von Verschanzungen auf und trat sofort zum Sturm an. Die Preußen hatten sich beim Herannahen der Kaiserlichen in die Stadt zurückgezogen und beide Tortürme verschanzt.
Der südliche Torturm wurde bereits am 15.7. gegen 10 Uhr stark beschädigt, das Tor selbst konnte aber wegen der vorstehenden Häuser vorerst nicht zerstört werden. Der Sturm wurde nun von der nördlichen Stadtseite geführt. Das Stadttor wurde durch Artilleriegeschosse gesprengt und durch die Bresche drangen kaiserliche Grenadiere, an ihrer Spitze Major v. Normann, in die Stadt. Sie wurden durch heftiges Gewehrfeuer der Verteidiger und Kartätschen ihrer Artillerie empfangen.
In der Stadt wogte eine heftiger Straßenkampf, bei dem die Preußen die Oberhand gewannen, so daß sich die Kaiserlichen bei Eintritt der Dunkelheit aus der Stadt zurückziehen mußten.
Am nächsten Tag wurde der Sturm mit neuen Kräften fortgesetzt. Diesmal führte die Grenadiere Hauptmann Andreas Fürst Poniatowski. Er wurde am Hals verwundet, mußte außerhalb der Stadt verbunden werden, kehrte jedoch anschließend zurück und kämpfte weiter, wobei er noch 4 weitere Wunden erhielt.
Die Preußen zogen sich in das feste Kloster zurück, wo sie sich weiter behaupten konnten. Puttkamer wusste, daß GM Beck und Morocz mit ihren Einheiten inzwischen bei Brims (Brniste/CZ) und Walten (Valtinov/CZ) standen und er keinerlei Hilfe vom Kronprinzen erwarten konnte. Aber erst als den Verteidigern die Munition ausging, wurde die weiße Fahne gehisst und die Besatzung kapitulierte. Puttkamer forderte im Vorschlag der Kapitulationsurkunde freien Abzug der Besatzung, was jedoch die kaiserliche Generalität ablehnte.
Gemäß preußischen Quellen fielen 67 Offiziere und 1.833 Mann in Gefangenschaft.
Auch GM Puttkamer war unter den Gefangenen (obwohl K. v. Priesdorf in seinem Werk "Soldatisches Führertum" diese Tatsache  nicht erwähnt).
Außerdem erbeuteten die Kaiserlichen 220 Pferde und 7 Geschütze (Dreipfünder).
An Toten und Verwundeten hatten die Preußen 2 Offiziere und 34 Mann, die Kaiserlichen 3 Offiziere und 486 Mann (nach preuß. Quellen; die Österreicher gaben 307 Mann an).
Die gefangenen Offiziere durften ihr Seitengewehr, Pferde und Equipagen behalten.
Den Preußen war es nicht gelungen, ihre großen Vorräte inklusive der in der Stadt stehenden 400 beladenen Fouragewagen zu retten.
Von der Besatzung gelang es nur einer größeren Abteilung Husaren zu entkommen.
Für ihre hervorragende Leistung bei der Erstürmung von Gabel erhielten Hauptmann Fürst Poniatowski und Major v. Normann das Ritterkreuz des MTO.

 
Nikolaus Lorenz v. Puttkamer

Nach dem Fall von Gabel mußte sich Kronprinz August Wilhelm von Böhmisch Leipa durch unwegsames Gelände zur Grenze durchschlagen. Der Abmarsch begann am 17.7. Abends. Die preußischen Kolonnen wurden während ihres Marsches von den kaiserlichen leichten Truppen dauernd beunruhigt und mußten ihre Marschroute mehrere Male ändern.

Sie zogen über Ober Liebich (Horní Libchava/CZ), Wolfersdorf (Volfartice/CZ), Gersdorf (Kerhartice/CZ) nach Kamnitz (Kamenice/CZ) und von da über Hasel (Líska/CZ), Kreibitz (Chribska/CZ) und Kaltenbach (Studený/CZ) über die Grenze nach Seifhennersdorf und Zittau.
Das kaiserliche Hauptheer zog inzwischen langsam den Preußen hinterher und stand am 15.7. in Hühnewasser (Kurívody/CZ), um am 17.7. Niemes (Mimon/CZ) zu erreichen.
Maquire war nach dem Fall von Gabel nach Eichgraben (südlich Zittau) gezogen, Morocz ließ Krombach (Krompach/CZ) und Kratzau (Chrastava/CZ) besetzten und schickte Patrouillen bis Grottau (Hrádek nad Nisou/CZ), Grafenstein (Grabstejn/CZ) und Ullersdorf (Oldrichov v Hájích/CZ).
Am 18.7. erhielt FZM Kheul mit einem Korps des rechten Flügels und der bei Gabel stehenden Avantgarde unter Herzog v. Aremberg den Befehl vor Zittau zu rücken. GM Lucchesi sollte mit einem anderen Korps folgen. Die Kaiserlichen wollten vor den Preußen in Zittau sein, was jedoch wegen der Schwerfälligkeit der kaiserlichen Generäle nicht gelang. Die Kaiserlichen erreichten die Gegend um Zittau erst am 21.7. als die preuß. Vorhut unter GL v. Winterfeld und GM v. Schmettau bereits in Zittau waren und die Hauptkräfte unter dem Kronprinz und dem Herzog Braunschweig-Bevern im Anmarsch waren.
 
Der Rückzug des Kronprinzen hatte sich zunehmend chaotischer gestaltet, er dachte nun wohl nur daran, den ihn verfolgenden Kaiserlichen zu entkommen.
Meldungen über seine missliche Lage, die er dem König geschickte hatte, wurden meist von den Husaren abgefangen. Die wenigen, die Friedrich II. erreichten, wurden von ihm nicht ernst genommen.
 
Die Kaiserlichen Truppen hatten die Pässe und Defiléen bei Böhmisch Kamnitz besetzt und erwarteten die herannahenden Preußen.
GM Morocz zog nach Zwickau (Cvikov/CZ), seine Vorhut bildete Oberst Ferdinand Franz v. Ujházy mit 500 Husaren des HR Nr. 8 „Baranyay“ und 600 Grenzern mit 2 Geschützen. Die Vorhut stieß auf 600 Husaren und ein Grenadierbataillon mit 2 Geschützen und es entwickelte sich ein heißes Gefecht. Die preußischen Husaren suchten bald das Weite und überließen die Grenadiere ihrem Schicksal. Die konnten sich aber behaupten bis Verstärkung kam. Nun mußte Ujházy weichen. Erst als die Hauptkräfte von GM Morocz ankamen wendete sich das Blatt und die Preußen mußten sich endgültig zurückziehen. Sie hatten 26 Mann und ihre beiden Geschütze eingebüßt. Morocz lobte in seiner Relation an das Hauptquartier seine Grenzer, die den gefürchteten preußischen Grenadieren in diesem Kampf völlig ebenbürtig waren.
 
In der Nacht vom 18. auf 19.7. versuchte eine preußische Kolonne über Ober Kamnitz und Hasel mit ihrem Train und Brückenpontons durchzustoßen. Hier erwarteten sie ca. 1.000 Warasdiner und Slavonische Grenzer mit 300 Husaren unter Obrist Emerich Graf Esterházy. In der sehr dunklen Nacht leuchteten sich die Preußen mit Laternen und Fackeln. Dadurch gaben sie ein gutes Ziel für die kroatischen Scharfschützen ab. Die Grenzer unter Befehl des FML Lewin Frhr. v. Beck überfielen die Kolonne von drei Seiten. Die schweren Kämpfe dauerten den ganzen folgenden Tag. Anfangs gerieten die Slawonier unter das Feuer von 4 Geschützen und der Grenadiere und kamen nicht so richtig voran. Die Warasdiner, unterstützt von 180 abgesessenen Husaren, kamen zur Verstärkung und jagten die Grenadiere auseinander. Viele der letzteren gerieten unter ihre eigenen Pferde und die Wagen. Die Grenzer fielen über die Wagenkolonne her, zerschnitten die Stränge der Gespanne, zertrümmerten einige Wage und erbeuteten 8 Geschütze (von denen allerdings 6 unbrauchbar waren). Sie versuchten die erbeuteten Wagen und Geschütze nach Falckenau (Falknov/CZ) zu bringen, was jedoch wegen der schlechten Wege und der nachrückenden preußischen Hauptkräfte nicht ganz gelang. Die 500 erbeuteten Pferde des Konvois konnten jedoch in das kaiserliche Lager gebracht werden und waren eine willkommene Ergänzung des arg geschrumpften eigenen Pferdebestandes.
Die Preußen verloren sämtliches Gepäck, viele Wagen mit Munition und alle Pontons. Ihre Verluste waren sehr hoch, 261 Mann gefangen, 43 übergelaufen. Anzahl der Toten ist nicht bekannt. Auch die Kaiserlichen hatten 72 Tote und 94 Verwundete. FML Beck wurde sein beliebtes Pferd unter dem Leib erschossen.
 
Nicht weniger blutig waren die Kämpfe vor dem Dorf Kaltenbach, wo die gleiche Kolonne nochmals überfallen wurde. Vier Bataillone, geführt von FML Andreas v. Hadik und den Obristen Ried und Kleefeld mit 8 Geschützen hatten die Höhen des Kaltenberg (Studený/CZ) besetzt und fielen am Abend des 19.7. über die marschierenden Preußen her. 46 Wagen mit Gepäck, Munition und 184 Pferde wurden erbeutet. Als das Brandenburger IR zur Verstärkung anrückte, gingen die Preußen zum Gegenangriff über. Szluiner und Gradiskaner Grenzer, geführt von Oberst Wenzel Frhr. Hnogek v. Kleefeld (Schwager des FML G. Laudon) schlugen den Gegenangriff zurück.
Die Preußen verloren 486 Mann tot, 264 verwundet,135 gefangen und 423 desertiert. Die Kaiserlichen hatten 164 Tote und 214 Verletzte, unter letzteren Oberst Ried. Die Kämpfe flauten erst am 21.7. ab.
Die Kaiserlichen blieben danach in der Umgebung von Tannendorf (Jedlová/CZ) stehen, ohne die Preußen über die Grenze zu verfolgen. GM Beck schickte 100 Grenzer und 100 Husaren nach Georgenthal (Jiretín/CZ), er selbst ging mit 2.000 Grenzern und 500 Husaren nach Tollenstein (Rozhled/CZ). 200 Mann blieben zur Überwachung der Wege beim Kaltenberg zurück.
 

Der Fall und Einäscherung der Stadt Zittau.
 
 
Kronprinz August Wilhelm passierte mit dem arg geschrumpften Rest seiner Truppen die Stadt Zittau und zog eilig Richtung Bautzen weiter. Auf dem Huth- und Landberg ließ er ein - teils befestigtes - Lager errichten. In Zittau selbst standen noch ca. 10.000 Mann Besatzung. Die Vorräte der Preußen in den städtischen Magazinen und auf den ca. 900 vierspännigen Wagen hätten den Unterhalt von 40.000 Mann über drei Wochen sichern können. Zur Rettung der Vorräte unternahm der Kronprinz vorerst nicht viel. Erst als die Stadt bereits brannte, wurde GM v. Rebentisch mit 3 Bataillonen in die Stadt geschickt, um die Vorräte zu retten. Er mußte unverrichteter Dinge umkehren da die Feuersbrunst bereits zu groß war. Es war zu spät.


(Einäscherung von Zittau am 23.7.1757. Supraporte von unbekanntem Maler im Saal der Offiziersportraits, Schloss Betliar/Slowakei)

GM Maquire erschien mit den kaiserlichen Vortruppen vor Zittau am 19.7. und ließ die umliegenden Höhen besetzen.
Im Laufe der nächsten Tage erreichten die Hauptkräfte unter FM L. Daun (Oberbefehlshaber war offiziell Herzog Karl v. Lothringen) die Gegend von Zittau und nahmen auf der Linie Grottau (Hrádek nad Nisou/CZ), Eckersberg, Seyersdorf, Markthennersdorf Stellungen ein.
Artillerieoberst Walter v. Waldenau (3) forderte im Namen des Oberbefehlshabers die Stadt auf zu kapitulieren.
Der damals noch in der Stadt weilende GL v. Schmettau lehnte eine Übergabe ab.
Am 22.7. verließ GL Schmettau mit 7 Bataillonen die Stadt und begab sich in das Lager des Kronprinzen. Sein Abzug wurde von GL v. Winterfeld, der sich mit einigen Grenadierbataillonen zwischen die Truppen des Kronprinzen und die Armee FM Dauns gelegt hatte, gedeckt.
In der Stadt blieb Oberst v. Diericke mit 6 unvollkommenen Bataillonen zurück
(es war das IR Nr. 37, Nr. 49 sowie Grenadiere vom IR Nr. 42). Seine Geschütze ließ Diericke aus der Stadt schaffen, da für sie durch die Nähe der Vorstädte sowieso kein Schussfeld vorhanden war.
Die Kaiserlichen begannen noch am 22.7. mit der Beschießung der Stadt, vorerst ohne größeren Erfolg.
Nach dem weitere Batterien errichtet wurden (vor allem auf dem Kirchhof "Zur Lieben Frau"), ließ W. v. Waldenau die Feuerintensität am nächsten Tag erhöhen. Alle Geschütze feuerten ab ca. 10 Uhr über sechs Stunden. Granaten und Feuerkugeln fanden ihr Ziel und bald brannten die meisten Häuser der Stadt lichterloh.
Die Glut machte ein Verweilen in den Gassen unmöglich. Die Bevölkerung suchte sich durch das bereits eingeschossene Frauentor in Sicherheit zu bringen. Draußen wurden die Flüchtenden jedoch von den überall herumstreifenden kaiserlichen Kürassieren, Dragonern und Husaren aufgegriffen und ihrer Habe beraubt.
Nun fingen auch preußische Soldaten an zu desertieren. Die Verteidiger des Frauentores hatten sich hinter eine zweite, rückwertige Mauer zurückgezogen.
 

Die Stadt Zittau vor der Einäscherung. (Kupferstich von Montalegre, Stadtarchiv Zittau)

GM Ludwig Frhr. v. Buttler (4) an der Spitze von 1.000 Grenadieren verschiedener Regimenter bereitete sich zum Sturm vor, der jedoch nicht mehr nötig war.
Oberst Diericke ließ spät Nachmittag die weiße Fahne hissen und kapitulierte mit seiner Besatzung, die kriegsgefangen wurde.
Anschließend versuchten zwei kaiserliche Infanterieregimenter den Brand zu löschen. Er wütete jedoch noch die ganze Nacht und vernichtete 2/3 der Häuser. Auch das Rathaus mit seinen Archiven verbrannte gänzlich.
(Maria Theresia gewährte später der Stadt auf Bitten des Rates 30.000 fl zum Wiederaufbau der Stadt).
 
Bei der Armee des Kronprinzen waren inzwischen die Brotvorräte ausgegangen. Als die Nachricht vom Fall der Stadt Zittau eintraf, mußte August Wilhelm am 24.7. sein Lager aufheben und zum nächstgelegenen Magazin, daß sich in Bautzen befand, ziehen.
Hier erwartete der Kronprinz die Ankunft des Königs.
Dieser war am 25.7. bei Gießhübel (Kyselka/CZ, Kreis Karlsbad) über die sächsische Grenze gegangen und traf mit seinen Truppen bei Bautzen am 28.7. ein. Am Morgen dieses Tages versammelte der Kronprinz seine Generäle, um dem König entgegen zu reiten. Eine halbe Stunde vor Bautzen begegneten sich beide Züge. In ca. 300 m Entfernung ließ der König halten, stieg vom Pferd und legte sich auf die Erde um auf seine nachfolgenden Truppen zu warten. Auch der Kronprinz und sein Gefolge stiegen ab und setzten sich. Als die Spitzen der königlichen Truppen erschienen, stieg der König wieder auf sein Pferd und ritt in einiger Entfernung an seinem Bruder vorbei, ohne ihn zu begrüßen.
Dem Kronprinz blieb nichts anderes übrig als dem König zu folgen. Durch GL v. Winterfeld ließ Friedrich II. etwas später seinem Bruder und den Generälen seine Unzufriedenheit mitteilen:
"...Sie hätte alle verdient, daß über ihr Betragen ein Kriegsrecht gehalten werde, wo sie dann dem Spruche nicht entgehen könnten, ihre Köpfe zu verlieren; indeß wolle es der König nicht so weit treiben, weil er im General auch den Bruder nicht vergesse..."
 
Während Winterfeld diese Nachricht überbrachte, stand der König unweit, um darauf zu achten, daß sich Winterfeld auch der ihm anbefohlenen Ausdrücke bediene.
 
Kronprinz August Wilhelm trat sofort aus dem Kreise der Generäle, ohne mit dem König ein Wort gewechselt zu haben und ritt nach Bautzen. Anschließend schrieb er dem König einen Brief in welchem er seinen Entschluss die Armee zu verlassen mitteilte, da er nach dem Verlust seiner Ehre und Rufes nicht länger beim Heere bleiben könne. Den Befehl über sein Korps übertrug der Kronprinz an den Herzog von Braunschweig - Bevern.
 
August Wilhelm hielt sich dann einige Zeit in Dresden, dann in Torgau auf, um Ende des Jahres nach Berlin zurückzukehren. Er starb an einem Fieber am 12.6.1758 auf seinem Schloss Oranienburg.
 
Der Zorn des Königs auf den Bruder und seine Generäle war nicht unbegründet. Der Kronprinz hatte auf seinem Rückzug über 8.000 Mann, den gesamten Train und Brückenwagen und etliche Geschütze verloren.
 
(1)     Johann Sigismund  Maquire Graf v. Inniskilin (* ??, +1767) stammte aus Irland und trat schon in früher Jugend in das k. k. Heer als Fähnrich ein, diente in versch. Infanterieregimentern. Unter  M. U. Browne zeichnete er sich als Oberst des Warasdin-Kreuzer Grenzinfanterieregiments bei der Erstürmung der Bocchetta in Italien aus. 1747 zum GM und Inhaber des 5. Grenzregiments ernannt, Im Siebenjährigem Krieg war er bereits FML. Im August leitete er die Belagerung von Dresden, das am 4.9.1759 kapitulierte. 1760 erhielt er das Grosskreuz des MTO. Im gleichen Jahr verteidigte er mit Erfolg die Stadt Dresden während der Belagerung durch die Preußen. 1763 wurde er Inhaber des IR Nr. 35.Später kam er als Festungskommandant nach Olmütz und starb am 12.1.1767 in Troppau (Opava/CZ)
 
(2)     Carl Maria Raymund Herzog v. Arenberg (1721 - 1778) stammte aus den Niederlanden (Belgien), war Inhaber des IR Nr.21, im Jahre 1755 zum FML ernannt. Zeichnete sich bei Moys aus, wofür er 1758 das Grosskreuz des MTO erhielt. .Ab 1770 FM und Ritter des Goldenen Vließ. Generalkapitän der Grafschaft Hennegau. Er starb in Enghien/B.
 
(3)   Walter v. Waldenau, einer der hervorragenden Artilleristen seiner Zeit. Zeichnete sich bei der Erstürmung von Schweidnitz aus. Auch bei Hochkirch erwarb er sich große Verdienste. Bei Torgau leitete er am 3.11.1760 eine Batterie von 200 Geschützen. Während der Schlacht traf ihn eine Flintenkugel tödlich.
 
(4)     Ludwig, Frhr. v. Buttler (*1709 ,+ 14.2.1775) stammte aus einer irischen Familie, aus der auch der Dragoner Obrist Walter Buttler, (maßgeblich an der Ermordung des Generalissimus Albrecht v. Waldstein in Eger 1634 beteiligt) war. Seit 11.11.1746 Oberst im IR "J. Frhr. v. Andlau" Nr. 57. Am 28.10.1756 wurde er zum GFWM ernannt, 1760 dann zum FML (Rang zum 24.1.1758). Er starb am 14.2.1775.

                                                                                                                Harald Skala
Quellen:

-          Gen. Stab: "Die Kriege Friedrich d. Grossen" Bd. 3, Berlin 1901
-          Bericht des Oberamt-Advokats Chr. Glieb. Cunitio, 1757 (S. 9, 10, 12 und 19)
-          Briefe des Zittauer Rates vom 25 u. 27.7.1757 an das Oberamt
-          F. M. Mayer, "Geschichte des siebenjährigen Krieges", Beiträge, Innsbruck, 1886
-          K. v. Priesdorf, "Soldatisches Führertum", Hamburg, 1937 - 1942
-          Edler v. Janko, "Laudons Leben", Wien, 1869
-          N. N. "Hans K. v. Winterfeld und der Tag von Moys", Görlitz, 1857
-          V. Pinkava, "Geschichte der Stadt Gabel", Gabel, 1807
-          D. Koch, "Heimatkunde d. Schulbezirkes Deutsch-Gabel", Zwickau i. B.
-          Karel Stein, "Pomníky pod Studencem", Beitrag von  2005
-          A. Pillersdorf, "Das 57 IR Fürst Jablonowski" Wien 1857
-          G. Ernst, "Geschichte des K. u. K. neunten Husarenregiments", Wien, 1862
-          A. v. Treuenfest, "Geschichte des K. u. K. Husaren_Regiments Nr. 4", Wien, 1903
-          G. Schreiber, "Des Kaisers Reiterei", Wien, 1967
-          G. Schlag, "Unser Leben und Blut für die Königin", Eisenstadt, 1999
-          A. Graf Thürheim, "FM Carl Joseph Fürst de Ligne", Wien, 1877




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