Die Schlacht bei Kolin am 18. Juni 1757

Der Siebenjährige Krieg zwischen der K.K. Monarchie und dem Königreich Preussen wütete bereits über ein Jahr. Am 6. Mai dieses Jahres hatten die Österreicher unter Prinz Karl von Lothringen die Schlacht bei Prag verloren, Reste der Armee mit dem Prinzen retteten sich nach Prag.

Als nach Wien die Nachricht gelangte, daß sich der Prinz nur noch bis 20. Juni in Prag halten kann, erhielt Feldmarschall Graf Leopold Daun von Maria Theresia den Befehl:

".....mit der Armee dem Feind entgegen zu gehen und eine Schlacht zu wagen..."

Die Monarchin gab Daun ihr kaiserliches Wort:

"... daß Sie bei einem glücklichen Ausgang seine großen Verdienste mit allem Dank und Gnaden ansehen, hingegen einen unglücklichen Erfolg ihm nimmermehr zur Last legen werde..."

Dauns Armee war Österreichs letztes Aufgebot, um die schwierige Situation zu bewältigen. Mitte Juni hatte sich König Friedrich II entschlossen, Dauns Armee nach Mähren abzudrängen. Am 14. 6. vereinigte er sich mit den Truppen von Herzog Braunschweig-Bevern und zog Fürst Moritz mit seinen Einheiten von Prag ab. 

Am 16.6.1757 hatte der König 32 Batallione, 116 Schwadronen und 28 schwere Geschütze zusammengezogen, insgesamt über 33.000 Mann (Gustav, Ritter Amon v. Treuenfest gibt in seiner "Geschichte der k.k.Husarenregimenter" über 36.000 Mann, darunter 14.000 Reiter an). Daun schätzte die Kräfte des Königs auf 60.000 Mann. 

Er selbst hatte 51 Batallione, 43 Grenadier-Kompanien, 171 Schwadronen, 60 schwere Geschütze, insgesamt rund 54.000 Mann. Interessant ist, daß unter der Reiterei sämtliche regulären Husarenregimenter standen, außerdem 3 Grenzhusarenregimenter und weitere Regimenter des Aufgebotes, alle unter Befehl des FM Graf Nádasdy in der Avantgarde.

Am 12. 6. brach Daun von Goltsch-Jenikau auf und rückte bis Janowitz. Nádasdy mit der Reiterei verblieb vorerst bei Tschaslau um den Gegner über die Truppenbewegungen zu täuschen und brach später nach Bikan auf,. Dort wurde er von Bewern angegriffen, erwehrte sich aber, bis die Spitzen der österreichischen Marschkolonnen auftauchten, was die Preussen zum Rückzug nach Kolin bewog.

Friedrich II., der von den Bewegungen Dauns erfahren hatte, vereinigte sich am 14. 6. mit dem Korps Bevern bei Kaurim und übernahm nun das Kommando über die gesamte Armee.

Als Daun den Marsch des König auf Planjan erkannte, bezog er bei Anbruch der Nacht unter Vermeidung jeglichen Lärms eine vorher erkundete Stellung zwischen Radowesnitz und Poborz.

Der König hatte sich entschieden, die Österreicher selbst anzugreifen, um ein Ergebnis möglichst rasch zu erreichen, unter Berücksichtigung der Gefahr durch Russland und Schweden, die sich zum Krieg gegen Preussen vorbereiteten.

Nach der Umgruppierung seiner Kräfte stand Dauns rechter Flügel auf dem Kamhajeker Berg, der linke auf den Boschitzer Höhen, das Korps Nádasdy unweit des Krzeczhorzer Wäldchens.

Gegen 6 Uhr morgens erschienen die Spitzen der Preussen auf der Hauptstraße nach Kolin, der König ließ beim Wirtshaus "Zur goldenen Sonne" halten und rechts aufschwenken. FM Daun beobachtete die Bewegungen der Preussen vom Kamhajeker Berg, ließ zwei Brigaden hinter der Mitte der 3. Linie aufmarschieren, unternahm aber sonst nichts.

Nach 2 Stunden Wartens ließ der König seine Treffen in die ursprünglichen Stellungen zurückgehen und versuchte einige Scheinbewegungen, ohne jedoch Daun aus seiner Stellung zu locken. So war es Mittag geworden als Friedrich II. in die Offensive ging. Als seine Avantgarde den Weg Brzistwi-Kaiserstraße überschritt, kam sie unter wirkungsvolles Feuer der österreichischen Geschütze. Trotz schwerer Verluste nahmen die Preussen Kirchhof und Dorf. GL v. Zieten konnte mit 80 Schwadronen die Reiter Nádasdys bis Radowesnitz zurückwerfen. Der Erfolg der preussischen Avantgarde unter Hülsen versprach Siegeschancen. Inzwischen Hatte jedoch v. Manstein irrtümlich und eigenmächtig mit vier Infanterieregimentern Richtung Süden angegriffen und so in den preussischen Linien eine Lücke entstehen lassen. Der König sah sein Konzept gefährdet, konnte aber nichts mehr ändern und führte persönlich die Batallione unter kreuzendem feindlichen Artilleriefeuer über einen glacisartigen Hang um Anschluß an Hülsen zu gewinnen. Die Infanterie Graf Wied mußte weichen, die Division Sincére und auch die Batterie auf der Krzeczhorz-Höhe fiel. Um 16 Uhr schien der Sieg der Preussen nahe. In diesem Moment griffen die sächsischen Chevauxlegérs und das Dragonerregiment de Ligne in die linke Flanke der Preussen, brachte sie zum Weichen und fiel dann im Verein mit den am rechten Flügel befindlichen österreichischen Kavallerieregimentern über die preussische Infanterie her, welche nach kurzem Kampf und großen Verlusten weichen mußte.

Das wallonische Dragonerregiment Fürst de Ligne bestand aus lauter jungen, noch unerfahrenen Soldaten. FM Daun war mißtrauisch ob ihrer Jugend, aber sie schlugen sich hervorragend. Den Berichten nach soll der Regimentskommandant vor dem Angriff seinen jungen Dragonern auf französisch zugerufen haben:

"Zeigt jetzt ihr Gelbschnäbel, daß ihr beissen könnt, wenn ihr auch noch keinen Bart habt!"

Dem Regiment wurde für seinen Kampfeinsatz das Privileg erteilt vom Oberst bis zum letzten Mann keinen Schnurrbart tragen zu müssen, was sonst in der Armee nicht üblich war.

Nachdem sich die Division Wied wieder gesammelt hatte, griff die österreichische Reiterei erneut an und nach kurzem Kampf waren 14 preussische Batallione, die auch sämtliche Geschütze verloren, geworfen oder gefangen, der Rest zersprengt. Auch v. Mansteins Infanterie mußte bei Chozenitz in Unordnung weichen. Nun ging der König mit 40 Mann südlich Chozenitz gegen die österreichische Batterie vor, bis ihn sein Flügeladjutant in die Wirklichkeit zurückrief und ihn von diesem Ansinnen abbrachte. Darauf übergab Friedrich II. die Armee dem Prinzen Anhalt um die Reste nach Nimburg zu führen und verließ erschüttert das Schlachtfeld. Der geschlagene linke Flügel der Preussen wäre ganz aufgerieben worden, wenn nicht die österreichische Kavallerie durch das standhafte Ausharren GL v. Zieten mit seinen Reitern bis Sonnenuntergang beschäftigt gewesen wäre. 

FM Daun untersagte jedes weitere Nachstoßen. In der Freude über den Sieg entstand am rechten Flügel ein Lauffeuer mit scharfer Munition, daß zur Folge hatte, daß einige aus der Begleitung des Feldmarschalls, der eben vor der Front hielt, verwundet wurden.

Die Verluste der Preussen in der Schlacht betrugen:

13.733 Mann und 1.667 Pferde sowie 45 Geschütze

Die Verluste der Österreicher betrugen:

8.114 Mann und 2.745 Pferde.

FM Daun hätte Friedrich II. schon einige Tage nach der Schlacht bei Prag angreifen können. Er führte bei Kolin erstmals eine Armee. Seine Stellung war hervorragend gewählt und er nutzte die Fehler der Preussen sofort. Seine Kavallerie griff zum richtigen Zeitpunkt an, die Artillerie bestätigte zum wiederholtenmal ihre Qualität.

Als bleibendes Andenken an diesen Sieg wurde der Militär-Maria Theresia-Orden in´s Leben gerufen und der 18. Juni 1757 als Stiftungstag bestimmt. FM Graf Daun und G.d.C. Graf Nádasdy waren die ersten Inhaber dieses höchsten Ordens. Die Kaiserin bewilligte der Armee eine besondere Gratifikation in Geld.
 

Harald Skala
Quellen:
  • Gustav, Ritter Amon v. Treuenfest, Geschichte des k.k. Husarenregiments Nr.8, Wien 1880
  • G. Dorn - J. Engelmann, Die Schlachten Friedrich des Grossen, Weltbildverlag, Augsburg 1997
  • Egon Sauer v. Nordendorf Österreichische Kavallerie von den Anfängen bis zur Gegenwart, Österreichische Militärgeschichte, Sonderband 1997, Verlagsbuchhandlung Stöhr, Wien 
Das preuß. 1. Bataillon Leibgarde in der Schlacht bei Kolin


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