Überfall preussischer Quartiere im Winter 1756/1757



In der Literatur findet man viele Beschreibungen großer Schlachten der Schlesischen Kriege, selten jedoch der Aktionen des "Kleinen Krieges", in denen die k. k. leichten Truppen sehr erfolgreich waren.
Es ist Tatsache, dass Friedrich II. durch eben diese kleinen Aktionen und Krankheiten mehr Soldaten verlor, als in den großen Schlachten. Eine dieser Aktionen soll dem Leser hier beschrieben werden.

Noch in der 1. Hälfte des 18. Jh. war es üblich, dass die Truppen über den Winter Winterquartiere bezogen und die Kampfhandlungen unterbrochen wurden. Dies änderte sich in der Zeit Maria Theresia, zumindest was die "leichten Truppen" betraf.
(Unter dem Begriff "leichte Truppen" sind die Grenzinfanterie und Husaren zu verstehen.)

Im Winter 1756/1757 unternahmen diese Einheiten einen gelungenen Überfall preussischer Winterquartiere zwischen Zittau und Görlitz.
Die k. k. Truppen hatten Ende Oktober 1756 ihre Winterquartiere entlang der Grenze zwischen Böhmen, Sachsen und Schlesien bezogen. Obristlieutenant Ernst Gideon Frhr. v. Laudon (der später berühmte Feldmarschall) bezog mit Grenzern seines Karlstädter-Liccaner Regiments und Husaren des Karlstädter Grenz- Husarenregiments Quartier in dem Städtchen Grottau (heute Hrádek n. Nisou/CZ, Nordböhmen).
Laudon war nicht der Offizier, der den ganzen Winter untätig in seiner Unterkunft ausgehalten hätte. Nach dem er die Zustimmung seines Vorgesetzten, GFWM Moritz Lacy eingeholt hatte, brach er in der Nacht des 31.12. mit 6 Kompanien seiner Grenzer und 200 Husaren von Grottau Richtung Zittau auf. Es war bitter kalt, überall lag tiefer Schnee. Die Truppe bewegte sich entlang der Neisse, passierte unentdeckt Zittau, das von Preussen besetzt war und überfiel noch während der Dunkelheit den Posten in Marienthal. Die völlig überraschten Preussen wurden überwältigt, ihr Kommandant tödlich verletzt. Ein Teil Laudons Truppe überschritt die Neisse und überfiel den Ort Ostritz. Auch dort fiel der preussiche Kommandant, die Mannschaft wurde niedergemacht oder gefangen. Während die auf dem rechten Neisseufer verbliebene Kolonne Radmeritz (heute Radmierzyce/PL) eroberte, überwältigte Laudon mit dem Rest seiner Truppe den auf der anderen Seite des Flusses liegenden Posten in Leuba.
Während der ganzen Aktion, die nur wenige Tage dauerte, legten Laudons Grenzer mehr als 150 Km unter schwersten Bedingungen zurück, brachten 34 Gefangene ein und erbeuteten sämtliche Offiziersbagage und eine Menge Gewehre.
Laudon verlor nur 2 Mann, verwundet wurde 1 Offizier und 9 Mann. Inzwischen hatten die Preussen von allen Seiten Verstärkung herangezogen und versuchten Laudon den Rückweg zu versperren. Oberst Mitrovsky mit 500 Grenzhusaren kam jedoch Laudon rechtzeitig zur Hilfe.

Nach dem gelungenen Coup wurde Oberst v. Haumont, der als Volontär an dem Zug teilgenommen hatte, in das Lager des Oberbefehlshabers, FM Ulysses Brown mit der Meldung über das Gelingen der Aktion entsendet.
Darauf hin wurde G. Laudon zum "wirklichen" Obristlieutenant ernannt (vorher war er nur "aggregiert", d. h. 2. Obristlieutenant).

Harald Skala
März 2006

Quellen:
  • W. Edler v. Janko, "Laudon´s Leben", Wien 1869
  • ALBERTINA, Faksimile, Wien 1973


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