Der Feldzug 1745 in Deutschland
und das Gefecht bei Nordheim am 19. 7. 1745




Meist berichten wir auf diesen Seiten über einzelne große Schlachten oder Gefechte.
Mitte des 18. Jahrhunderts gab es jedoch Feldzüge, in denen keine einzige Schlacht geschlagen wurde und es trotzdem gelang den Feind aus dem Lande hinauszumanövrieren.
Ein wahrer Meister dieser Taktik war FM Otto Ferdinand, Graf Abensperg-Traun (1677 - 1748), dessen Feldzug im Jahre 1745 hier als Beispiel beschrieben werden soll.

Karl Albrecht, als Deutscher Kaiser Karl VII., war am 20.1.1745 gestorben und sein Sohn Maximilian Joseph verzichtete auf die Kaiserkrone.
Da nun die Stimmen der Kurfürsten (außer der von Brandenburg) sicher waren, sollte die Wahl Franz Stephan v. Lothringen, des Gemahls Maria Theresias zum Deutschen Kaiser in Frankfurt so bald wie möglich stattfinden.
Das einzige Problem war, dass noch ein starkes französisches Heer auf deutschem Boden stand, das die Wahl verhindern sollte.
FM Traun wurde nun ausgewählt, dieses Hindernis zu beseitigen.

Die Stärke der Heere war wie folgt:
Bereits Ende 1744 war am Niederrhein eine Armee der verbündeten Hannoveraner, Holländer und Österreicher zusammengezogen worden. Sie bestand aus ca. 16.000 Hannoveranern und je 8.000 Österreichern und Holländern. Den Oberbefehl hatte Leopold Philipp, Herzog v. Aremberg. Es gab jedoch keine einheitliche Führung, die einzelnen Heeresteile unterlagen ihren eigenen Befehlshabern. Somit waren von diesem Heer keine kräftigen Unternehmungen zu erwarten.

Nach dem der Feldzug in Bayern durch FM Karl Batthyányi gewonnen wurde, sollte seine Armee nach Deutschland marschieren und sich mit Aremberg verbinden. Den Oberbefehl sollte FM Traun übernehmen.
Die in Bayern stehende Armee hatte ca. 24.500 Mann dienstbar, davon 13.660 Infanterie, 1.870 Grenzer (Warasdiner und Banalisten), 6.537 Kürassiere und Dragoner sowie 2.434 Husaren (aus 5 regulären Regimentern und 1 Regiment Theisser Miliz).

Den Oberbefehl bei den Franzosen hatte Prinz Conti, seine Unterbefehlshaber waren GL De la Farre und GL. De la Motte. Conti verfügte über 35.500 Mann Infanterie, 9.240 Reiter sowie einige Freikompanien. Seine Truppen standen Anfang des Jahres um Heidelberg und hielten weitere befestigte Städte entlang des Main besetzt.

Jede der kaiserlichen Truppen (Aremberg und Batthyány) war den Franzosen zahlenmäßig unterlegen. FM Traun musste also versuchen, seine Truppen zu vereinigen, Conti wiederum dies zu verhindern und sie einzeln zu schlagen.

FM Traun kam am 8.5. in Neuburg a.D. an und übernahm den Oberbefehl der aus Bayern anrückenden Armee. Am 25. und 26.5. setzte sich die Armee in 3 Kolonnen in Marsch Richtung Mergentheim, wobei die 1. von FML Prinz Birkenfeld, die 2. von FML Bärenklau und die 3. von FM Traun selbst geführt wurde.
GM v. Trips befehligte die Vorhut bestehend aus den Husarenregimentern Baranyay und Trips sowie 1.000 Warasdiner Grenzern, mit denen er bis an den Neckar streifte. In mehreren Scharmützeln besiegten die Husaren kleinere französische Einheiten.
Conti, der nicht wusste ob sich FM Traun an den Neckar oder Main wenden würde, ließ seine Truppen hin- und her marschieren, um endlich zwischen Heidelberg und Ladenburg stehen zu bleiben.
So lange FM Traun nicht wusste, wo das Heer der Verbündeten steht, musste er vermeiden, dass Conti seine geplante Bewegung errät. Seine 3 Kolonnen vereinigten sich am 4.6. in Mergentheim. Nach zwei Tagen Rast marschierte er weiter nach Boxberg. Dort erhielt er die Nachricht, dass die Franzosen in Speyer ein großes Vorratslager errichten und gleichzeitig Brücken über den Rhein bauen.
Traun konnte sich immer noch nicht sicher sein, ob Conti nicht doch gegen den Main ziehen will und blieb deshalb mit seinen Einheiten bis 9.6. in Boxberg.

Aremberg war inzwischen am 5.6.mit den Verbündeten von Siegburg aufgebrochen.
FM Traun konnte nicht mehr warten und begann seinen Marsch an den Main. Am 11.6. erreichte er Wertheim, wo ihm ein Kurier die für den 16.6. geplante Ankunft der Verbündeten in Gießen meldete.
FM Batthyányi hatte inzwischen von Aremberg den Befehl über die verbündeten Truppen übernommen. Die Nachrichten über den Feind besagten, dass die Franzosen in Darmstadt, dem Odenwald, Aschaffenburg und Frankfurt stehen.
FM Traun vereinbarte mit Batthyányi sich so oft wie möglich über die eigenen Bewegungen und die des Feindes zu informieren, da er immer noch die Gefahr eines vorzeitigen Zusammenstoßes mit der feindlichen Hauptmacht sah (Conti stand inzwischen bei Babenhausen).
Um den unwegsamen Spessart zu umgehen, wollte FM Traun über Lohr marschieren, FM Batthyányi nach Bad Orb gehen. Dort sollten sich beide vereinigen.

Prinz Contis Truppen waren bei Dieburg angekommen, Abteilungen hatten Babenhausen, Obernburg und Aschaffenburg besetzt. In letzterer Stadt begannen die Franzosen die steinerne Brücke abzutragen. Nach Kundschafterberichten begannen die Franzosen gleichzeitig in Oppenheim ihr schweres Gepäck und die Kranken über den Rhein zu schaffen.
FM Traun schätzte die Gesamtstärke seiner Feinde immer noch auf 50.000 Mann. Tatsächlich hatte Conti zu dieser Zeit ca. 35.000 Mann Infanterie und 9.240 Reiter zur Verfügung.
Am 26.6. brachen 2 Kolonnen der Verbündeten von Lohr auf. 1.000 Warasdiner Grenzer sollten den Spessart durchstreifen. Die 1. Kolonne erreichte Bad Orb am 23.6. und stellte die Verbindung mit Batthyány her, der in Salmünster angekommen war. Beide Heere waren am 27.6. bei Bad Orb vereinigt  Nach dem FM Traun für Verpflegung des Heeres gesorgt hatte, bezog es am 5.7. ein gemeinsames Lager bei Langenselbold.

Die Hauptmacht der Franzosen stand zu diesem Zeitpunkt bei Steinheim (heute Ortsteil von Hanau), Offenbach war von starken Einheiten unter GL Du Chatel besetzt, auch in Aschaffenburg, Seligenstadt und Höchst lagen noch starke französische Einheiten. In Höchst begannen die Franzosen Brücken über den Main zu schlagen.
Nach dem Großherzog Franz Stephan v. Lothringen in Langenselbold angekommen war, übernahm er den Oberbefehl über die verbündete Armee, die sich am 8.7. über Windecken, Nieder Erlenbach gegen Frankfurt in Bewegung setzte. Frankfurt wurde in 4 Kolonnen umgangen und Bad Schwalbach erreicht. Von dort wurde FML Bärenklau mit 2.500 Mann an den Main geschickt. Bei seiner Annäherung verließen die Franzosen Hochheim, überquerten den Main und verbrannten hinter sich alle Brücken. Die Verbündeten besetzten am 15.7. Hochheim und begannen sofort neue Brücken über den Main zu errichten. Die Franzosen zogen sich nach Darmstadt zurück und waren nur noch darauf bedacht, ohne Verluste die Schiffsbrücken über den Rhein bei Worms zu erreichen. Diese waren zwischen Rhein-Türckheim und Nordheim durch einen befestigten Brückenkopf gedeckt.
Leichte Truppen der Verbündeten verfolgten die Franzosen, viel Gepäck und Gefangene fielen in die Hände der Husaren.
Nach dem mehrere Brücken über den Main fertig waren, überschritt das gesamte Heer den Fluss und bezog ein Lager bei Trebur. FML Bärenklau war mit einer starken Abteilung bei Biberach über den Rhein gegangen. Am 16.7. erreichte er Oppenheim, das die Franzosen befestigt und mit einer 500 Mann starken Freikompanie besetzt hatten.
Bärenklau ließ die Verschanzungen sofort stürmen, was nicht niedergehauen wurde, fiel in Gefangenschaft.
Das Hauptheer marschierte inzwischen nach Wolfskehl und weiter nach Bibisheim, Kranke und Verwundete wurden nach Dieburg zurückgeschickt.
Am 19.7. ging das französische Heer bei Rhein-Türckheim über den Rhein.
Es kam zu einem einzigen Gefecht und das bei Nordheim am 19.7. zwischen den Vortruppen GM v. Trips und dem französischen Heer.



Das Gefecht bei Nordheim

GM v. Trips* hatte ungefähr 6.000 Mann leichte Truppen zur Verfügung. Neben mehreren Eskadronen Husaren der Regimenter Bartelotti (1746 aufgelöst), Trips (1748 aufgelöst), Baranyay (das spätere HR Nr.8), der irregulärer Theisser Husaren sowie Warasdiner und Banaler Grenzinfanterie. Geschütze hatte Trips wahrscheinlich keine (die Grenzer hatten selten Geschütze und wenn, dann nur kleine 1 Pfund- Kaliber).
Trips Einheiten kamen am 18.7. bei Biblis an und sichteten das französische Heer hinter Wattenheim, in 2 Treffen gelagert. Sie hatten auch Bobstadt mit 600 Infanteristen besetzt, gedeckt durch 500 Reiter, die hinter dem Dorf standen. Auf der freien Fläche zwischen Wattenheim und Bürstadt hatte der Feind 4 Schanzen (Flechen) und bei der Brücke über den Bach eine Redoute errichtet. Links davon deckte eine weitere Schanze die Brücke über die Weschenitz. Eine Schanze war links vor Bobstadt an einer weiteren Brücke.
Zwischen Zoll und Rhein-Türckheim hatten die Franzosen zwei Schiffsbrücken über den Rhein geschlagen, von einem Brückenkopf gedeckt. Davor waren 4 Redouten, die sich wechselseitig unterstützen konnten.
GM v. Trips sah wohl, dass er mit seinen geringen Kräften das französische Heer nicht am Übergang des Rheins hindern kann, entschloss sich aber trotzdem, den Übergang so weit wie möglich zu stören.
GM v. Trips stellte den größten Teil seiner Truppen bei Biblis auf. Eine gemischte Abteilung sandte er nach Bürstadt.
Obwohl das Heer der Verbündeten 6 Stunden Marsch von GM v. Trips entfernt war und ihm nicht zur Hilfe eilen konnte, versuchten die Franzosen nicht, den lästigen Gegner zu vertreiben.
In der Nacht hatten sie ihren Train und Teil der Artillerie über den Rhein geschickt und verließen bei Anbruch des Tages ihr Lager bei Wattenheim in Richtung der Schiffsbrücken.
Trips, der ihre Bewegungen scharf beobachtet hatte, rückte gegen 4 Uhr nachts gegen Bobstadt vor und vertrieb die Franzosen, welche die dortige Brücke bewachten. Husaren und Grenzer, die in Bürstadt lagen, bemächtigten sich anschließend der zweiten Brücke über den Bach. Französische Infanterie verließ in aller Eile Bobstadt, die dahinter stehenden Reiter wurden von Trips verjagt. Ohne größeren Widerstand gelang es die Schanzen zwischen Wattenheim und dem Bach zu besetzten.
Das französische Heer hatte inzwischen hinter Nordheim Aufstellung genommen.
Trips marschierte zwischen Hofheim und Wattenheim hindurch, die Infanterie in der Mitte, die Husaren an den Flügeln.
Die Husaren des rechten Flügels griffen die Franzosen sofort an, worauf sich diese in einem Haken an den Rhein zurückzogen. In den nächsten zwei Stunden führten die Husaren noch mehrere Attacken durch, die Franzosen wichen hinter Nordheim und stellten eine starke Batterie auf, welche das Feld zwischen Nordheim und dem Rhein wirksam bestreichen konnte. Gegen diese Batterie waren die Husaren machtlos. GM v. Trips befahl nun den nachgerückten Grenzern unter GM Minsky Nordheim anzugreifen. Er selbst versuchte mit einer Abteilung Husaren den Ort links zu umgehen. Innerhalb einer Viertelstunde war der Ort von Grenzern besetzt, die Franzosen flüchteten zwischen den Redouten zum Rhein, gefolgt von Husaren und Grenzern.
Trips Einheiten kamen aber nun in ein vernichtendes Feuer der oben erwähnten Batterien und der Infanterie aus den Redouten. Trips musste also gegen 10 Uhr das Gefecht abbrechen und sich mit der Behauptung von Nordheim begnügen.
Die Franzosen zogen ohne weitere Belästigung über den Rhein und verbrannten hinter sich gegen 17 Uhr beide Brücken.

Wenn FM Traun mit seinem gesamten Heer am 19.7. nach Nordheim gezogen wäre, hätte er die französischen Truppen beim Übergang über den Rhein gänzlich vernichten können. Da jedoch der Zweck des Feldzuges - die Vertreibung der Franzosen aus Deutschland - erreicht war, scheute FM Traun weitere Opfer.

Prinz Conti marschierte mit seinem Heer nach Worms und nahm Stellung bei Oppenheim, Mutterstadt und Rehhütte.
Die Verbündeten zogen am 23.7. von Bibesheim nach Lorsch, Weinheim und Heidelberg, wo sie zwischen dieser Stadt und Ladenburg ein Lager bezogen. Das Rheinufer zwischen Schreck und Philippsburg wurde besetzt. GM v. Trips besetzte letzteren Ort und die Gegend bis Mannheim. Die Hannoveraner unter General
v. Sommerfeld , verstärkt durch Grenzer und Husaren, gingen über eine Brücke bei Biberach und streiften bis an die Saar.
Prinz Conti hatte sich bis Speyer zurückgezogen, die Verbündeten dachten nicht an weitere Unternehmungen gegen die Franzosen.

Am 14.9. wurde Franz Stephan v. Lothringen in Frankfurt zum Kaiser gewählt. Am 19.9. reiste der Kaiser in Begleitung FM Batthyánys nach Aschaffenburg seiner Gemahlin Maria Theresia, die aus Wien kam, entgegen.
Beide trafen am 27.9. in Heidelberg ein wo sie das Heer besichtigten. Bei dieser Gelegenheit gaben die Majestäten ein Festessen für die Generäle, jeder Mann des verbündeten Heeres vom Feldwebel abwärts erhielt einen Gulden, ein Pfund Fleisch und ein Maß Wein.
Am 4.10. begaben sich dann beide Herrscher zu den Krönungsfeierlichkeiten nach Frankfurt

Ein Teil der Truppen wurde nun in die Erblande verlegt, der Rest bezog Winterquartiere, was sich jedoch wegen des Widerstandes der Reichskreise sehr schwierig gestaltete. Schließlich wurden Ende Dezember 4 Kavallerieregimenter, zwei Husaren- und fünf Infanterieregimenter FZM M. Browne unterstellt und nach Italien in Marsch gesetzt. Die Freikompanien wurden aufgelöst.

So endete der Feldzug 1745

Adolf Baron Berghe v. Trips stammte aus den Niederlanden (Brabant). Im Jahre 1739 Oberst im HR Splényi, zeichnete er sich 1741 in Schlesien aus, wurde 1742 GFWM und 1743 Inhaber des HR Pestvármegy. 1748 verließ Trips den kaiserlichen Dienst und trat in die holländische Armee ein, wo er noch 24 Jahre diente und den Rang eines Generals der Kavallerie erlangte. Er starb im Jahre 1772.


Harald Skala, 2006

Quellen:
  • Baptist Schels, ÖMZ, 8. Jahrgang 1826, Bd.1, S. 115 - 139
  • A. Graf Thürheim, "FM O. F. Graf v. Abensperg und Traun", Wien, 1877
  • C. v. Wurzbach, "Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich", Wien, 1856 - 1891
  • A. v. Wrede, "Geschichte der K. u. K. Wehrmacht", Wien, 1898 - 1905


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