Die Schlacht bei Grocka am 22.7.1739
(Grocka liegt ca. 30 km süd-östlich von Belgrad)


Diese - für das kaiserliche Heer sehr verlustreiche Schlacht - ereignete sich im 4. Türkenkrieg (1738-39). Im danach am 1.9.1739 in Belgrad geschlossenen Frieden musste die Habsburger Monarchie Belgrad, Nordserbien und die Kleine Walachei an den Sultan zurückgeben. Von den Eroberungen des 3. Türkenkrieges blieb nur das Banat erhalten.

Ausgangslage:
Nach dem Tode Prinz Eugen von Savoyen verfügte die Monarchie über keinen geeigneten Heerführer. Die türkische Armee war in der Zwischenzeit durch Ahmet Pascha, nach europäischem Vorbild reorganisiert worden. Ahmet Pascha alias Claude Alexandre Graf Bonneval (1675-1747) war ursprünglich französischer Offizier, wechselte zu den kaiserlichen und wurde Schüler und Freund Prinz Eugens. Er wäre sein logischer Nachfolger gewesen; überwarf sich aber mit dem Prinzen, desertierte 1729 zu den Türken, wurde Moslem und diente bis zu seinem Lebensende dem Sultan.
Die gegen die türkische Armee operierenden kaiserlichen Einheiten standen unter dem Befehl von FM Graf Oliver Wallis.
Am 17.7.1739 begann die kaiserliche Armee ihren Vormarsch von Belgrad Richtung Süden und erreichte am 20.7. Zweibrücken (Vinza) Die Wege waren so schlecht, dass die abgesessene Reiterei ihre Pferde führen musste. Die Truppen erreichten erst spät das Lager.
Die türkischen Truppen näherten sich von Nissa und schoben Vorposten bis Grocka vor. Der kaiserliche Oberbefehlshaber fasste also den Entschluss die Türken anzugreifen, bevor sie sich mit dem Hauptheer vereinigen. Er schätzte die Stärke der Türken auf 10 - 12.000 Mann.

Verlauf der Schlacht:
Die kaiserliche Armee brach zwischen 10 und 11 Uhr nachts aus ihrem Lager auf. Die Reiterei, die an der Spitze marschierte, verfehlte anfangs den Weg, so dass sie erst gegen 1 Uhr nachts die große Straße nach Grocka erreichte. Die Infanterie musste halten, um die Kavallerie, die im Galopp den Zeitverlust wettmachen wollte, passieren zu lassen. Die Spitze bildeten nun die Husarenregimenter Dessewffy und Károlyi mit den Raitzen (irreguläre leichte Reiterei), dann Pálffy Kürassiere und Savoyen Dragoner. Zwischen der Kavallerie - Spitze und dem Gros marschierten 18 Grenadierkompanien unter dem kurbayrischen GM Moravitzky mit 2 Geschützen.
Beim KR Pálffy hielten sich G.d.C Graf Styrum, FML Frhr. v. Wittorf und GM Graf Caraffa auf. Die kaiserliche Armee wurde an ihrer Linken von der Flottille auf der Donau begleitet.
Anfangs war der Weg so breit, das die Kavallerie in Eskadronen formiert marschieren konnte. Vor Grocka verengte er sich im Wald mehr und mehr.
Eine 1/4 Stunde vor dem Ort stießen die Husaren gegen 3.30 auf die türkischen Vortruppen.
Die Straße mündete hinter dem Engpass im Wald in eine auf beiden Seiten durch Anhöhen begrenzten Talkessel, welcher nur in östlicher Richtung gegen die Donau offen war. Die Anhöhen waren teils mit Gebüsch, teils mit Weinreben bewachsen. Das türkische Lager befand sich hinter Grocka.
Die Husaren hatten die türkischen Vorposten bereits hinter das zum Talkessel führende Straßendefillee zurückgedrängt, als die Regimenter Pállfy und Savoyen herankamen. Die sich bei den Regimentern befindlichen Generäle ließen die Beiden
sofort im Trab vorgehen. Die Reiter stürzten sich in Marschformation auf die Türken, die sich in die dichten Rebenpflanzungen zurückzogen und von da ein lebhaftes Feuer auf die kaiserlichen Reiter eröffneten, welches von dem rückwertigen Lager herbeieilenden Verstärkung wachsend sich mehrte.
Die beiden Kavallerieregimenter konnten sich wegen des zahlreich vorhandenen Strauchwerks nicht entwickeln und waren dem mörderischen Feuer der Türken preisgegeben, ohne diese richtig zu Gesicht zu bekommen. Den Feind aus seinen günstigen Positionen durch Attacke zu vertreiben war wegen des ungünstigen Terrains unmöglich.
Die türkische Infanterie versuchte nun entlang des Höhenzuges der kaiserlichen Reiterei den Rückzug durch den Hohlweg abzuschneiden. Als dies von den Savoyen Dragonern bemerkt wurde, machten sie kehrt und gingen - die vor ihnen in den Talkessel eingedrungene leichte Reiterei voraus - durch den Hohlweg im Galopp zurück. Die Pálffy Kürassiere, durch die immer lebhafter drängenden Türken festgehalten, konnten dieser Rückwertsbewegung nicht folgen und setzten den ungleichen und aufreibenden Kampf fort.
Das durch den Hohlweg galoppierenden Regiment Savoyen stieß in teilweiser Auflösung auf die 18 Grenadierkompanien, die - von der anstürmenden Reitermasse überrascht - auf die vorauseilenden Raitzen eine Salve abgab, wobei ein Pferd der Dragoner getroffen wurde. Nach dem sich die in Unordnung geratenen Grenadiere wieder gesammelt hatten, wurden sie auf den Kampfplatz dirigiert. Ohne eine Front entwickeln zu können, warfen sie sich den Türken entgegen. Auch sie wurden sofort von den in der Weinbergen versteckten Infanterie unter Beschuss genommen. Die Überlegenheit des Feindes ließ ein weiteres Vorrücken nicht zu und das Gefecht wurde alsbald ein stehendes.
General Styrum befahl inzwischen dem Reg. Savoyen, dass sich hinter dem Hohlweg neu zu ordnen versuchte, mit ihm zur Attacke vorzugehen und galoppierte sofort voran. Ihm folgte allerdings nur Oberstlieutenant Wried mit ca. 20 Dragonern. Das Gros des Regimentes blieb dagegen halten, um seine Neuformierung zu beenden. Der kleine Trupp von G.d.C Styrum blieb dann vor der Einmündung des Weges in den Talkessel stehen und wurde anschließend vom nachrückenden Regiment aufgenommen. Auf dem Gefechtsfeld eingetroffen, gab G.d.C. Styrum den Befehl, die rechts in den Weinbergen stehenden Türken anzugreifen. An der Spitze Oberstlieutenant Wried, gelangte nun das Regiment unter denkbar ungünstigsten Verhältnissen zur Aktion. Mit zeitweisem Anschluss an Pálffy Kürassiere gelangten die Dragoner in dichtes Handgemenge mit den Türken, wurden schließlich von der feindlichen Übermacht umzingelt und zersprengt.
Dieser Kampf dauerte bereis ungefähre eine Stunde, als FM Frhr. v. Seherr mit dem Gros der Reiterei ankam. Er dirigierte einige Regimenter in den Talkessel, die restlichen auf den rechts der Straße liegenden Höhenzug, soweit es das dort wachsende Strauchwerk ermöglichte. Die dem Gemetzel entkommenen Savoyen Dragoner unter Wried schlossen sich dem KR Lanthieri an. Wried selbst bekam von FM Wallis den Befehl, eine in Reserve stehende Grenadierkompanie vorzuführen. Später erhielt derselbe von GM Prinz v. Birkenfeld den Befehl, das Reg. Savoyen zu sammeln. Er stieß kurz hinter den Lanthieri Kürassieren auf die von Lieutenant Carcona geführte Oberstlieutenants-Kompanie des Regiments, welche noch vollkommen beisammen war. In diesem Moment bemerkte Wried zwischen den Weinreben eine Einheit türkischer Infanterie, gegen die er sofort eine Attacke reiten ließ, um den Rücken der Lanthieri Kürassier zu sichern. Die Dragoner stürmten allerdings zu weit voran und sahen sich bald vom Feinde umringt, dem sie nur mühsam entkamen., ohne sich danach in dem für Reiterei ungünstigen Gelände wieder sammeln zu können.
Graf Wried begab sich nun zu den rechts stehenden Bernes - Kürassieren, die von einem überlegenen Feinde angefallen gleichfalls zu weichen gezwungen waren.
Zwischen 7 und 8 Uhr erreichte endlich das Gros der  kaiserlichen Infanterie das Schlachtfeld und entwickelte sich auf den beiderseits der Straße gelegenen Höhen, womit sich die Kavallerie hinter die Infanterie zurückziehen konnte.
Auf dem Rückweg begegnete Oberstlieutenant Wried den Regimentskommandanten Oberst Graf Gros, Hauptmann Ugarte und einigen Offizieren mit einigen Kompaniestandarten - dem traurigen Rest des Regiments.
Während die Kavallerie aus dem Geschehen herausgezogen war, tobte der Kampf am rechten Flügel der kaiserlichen, deren Zentrum und Linke vom Feinde vorerst nicht angegriffen wurde. Die türkischen Geschütze, auf den umliegenden Höhen postiert, konnten dem Zentrum wegen ihrer geringen Tragweite keine Verluste bereiten.
Das Gefecht dauerte bis zum Einbruch der Nacht, als der kaiserliche Oberbefehlshaber den Rückzug in`s frühere Lager bei Zweibrücken anordnete, wo FZM Graf Neipperg mit seinem inzwischen von Temesvár eingetroffenen Korps zur Aufnahme bereitstand. Der Rückzug während der Nacht wurde von den Türken nicht gestört.
Die kaiserliche Armee hatte beträchtliche Verluste - nur die Kavallerie hatte 2.142 Tote und Verwundete zu beklagen. Am stärksten betroffen waren die beiden Husarenregimenter, die keine Rückzugsmöglichkeit gehabt hatten: Károlyi ca. 300 Mann, Dessewffy 150, unter ihnen der Regimentskommandant Oberstlieutenant Alexander Grassalkovich. Das waren immerhin 25 - 50% des Gesamtstandes! Die Savoyen Dragoner verloren 54 Mann tot und 41 verwundet. Die Verluste der Pálffy Kürassiere lagen sicher noch höher.
Am 23.7. nachmittags setzte die kaiserliche Armee ihren Rückzug nach Belgrad fort.

Die kaiserliche Reiterei gelangte bei Grocka unter Umständen zur Aktion, welche zur Katastrophe führen mussten. Der Hofkriegsrat erließ anhand dieser Erfahrungen vor dem 1787 bevorstehendem Türkenkrieg eine Vorschrift, in der auf den dem Wesen der Kavallerie widersprechenden Verwendung bei Grocka und dessen Folgen hingewiesen wurde.

Harald Skala
Quellen:

-    Friedrich v. d. Wengen, Geschichte des K. k. 13. Dragonerregiments Prinz Eugen v. Savoyen, Brandeis, 1879
-    M. Buchmann, Österreich und das Osmanische Reich, Wien, 1999
-    V.Dangl/V. Seges, Vojenske dejiny Slovenska, Bratislava, 1996
-    G.Ságváry/G.Somogyi, Das Buch der Husaren, Budapest, 1999


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