Die Schlacht bei Bitonto
am 25. 5. 1734


Einleitung

Wenn man die Anzahl der Truppen, die an dieser Schlacht teilnahmen betrachtet, würde man sie zu den weniger wichtigen rechnen. Trotzdem hatte der Ausgang dieser Schlacht weitreichende Auswirkungen. Durch sie verlor das Haus Habsburg das Königreich Neapel, das viele Jahre zur Monarchie gehört hatte.

In den Jahren 1733 - 1735 musste das Kaiserreich an mehreren Fronten gegen seine Feinde kämpfen. In Deutschland agierte der greise Prinz Eugen von Savoyen mit einem bunt zusammengewürfelten Reichsheer gegen eine französische Übermacht, in Norditalien stand FM C. F. Mercy mit ungenügenden Kräften den vereinten Franzosen, Spaniern und Piemontesen gegenüber, in Neapel war die Situation noch schlimmer.
Dort kämpfte 1734 FM Johann Carl, Graf Caraffa mit wenig Glück gegen ein weit überlegenes spanisches Heer. Es war nicht allein seine Schuld, dass eine Festung nach der anderen in spanische Hände fiel. Seine Armee litt an allem - es fehlte an Geld, um die Soldaten bezahlen zu können, die Versorgung war katastrophal und  die einheimische Bevölkerung war meist gegen die Kaiserlichen eingenommen.
Mitte Mai 1734 wurde Caraffa von seinem Kommando abberufen und übergab den Oberbefehl an den rangältesten General, G.d.C. Joseph Anton, Fürst Pignatelli Belmonte. Es war jedoch zu spät, um die Versäumnisse Caraffas wieder gut zu machen. Inzwischen standen in Kalabrien 11.000 Mann spanische Eliteinfanterie und 5.600 Reiter unter dem Befehl von Don Joseph de Carillo Montemar.
Pignatellis kleine Armee bestand aus folgenden Einheiten:

        1 Bataillon IR Alt-Wallis (wurde 1748 aufgelöst)
        1 Bataillon IR Traun (wurde 1748 aufgelöst)
        1 Bataillon Valparaiso
        1 Bataillon IR Carl v. Lothringen (das spätere IR Nr. 15)
        2 Rekruten Bataillone
        1 Grenadierkompanie des IR Monteleone
        2 Kompanien National Milizen
        1 Kürassierregiment Pignatelli
        1 Kürassierregiment Kokorzowa
        1 Husarenregiment Csáky (das spätere HR Nr. 9)

Die beiden Kürassierregimenter hatten schon Anfang des Jahres gemeinsam nur 1.243 Mann, viele Reiter waren ohne Pferd und wurden den Besatzungen in Capua und anderswo zugeteilt. Das Husarenregiment hatte ca. 700 Reiter.
Insgesamt hatte Pignatelli 6.230 Mann zur Verfügung.

Am 22.5. begab sich Pignatelli mit seinen Generälen zu Vizekönig Graf Visconti nach Brindisi, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Am Kriegsrat nahmen folgende Offizier teil:
FML Ferdinand, Fürst Pignatelli-Strongoli, GFWM Vinals und Wenzel Baron Rodowsky, die Obristen Omulrian, Johann Graf Czernin, Graf Luzan und mehrere Stabsoffiziere. Man beschloss, trotz der aussichtslosen Lage, eine Schlacht zu wagen.

Die Schlacht

Noch am 22.5. schickte G.d.C. Pignatelli eine 150 Mann starke Husarenabteilung zur Beobachtung des Feindes nach Bitonto, in dessen Nähe inzwischen die gesamte spanische Armee erschienen war. Am gleichen Tag kam es zu einem ersten Gefecht zwischen den Husaren und spanischen Grenadieren zu Pferd, in dem  die Husaren siegten und 22 Spanier gefangen nahmen.
Gegen 18 Uhr stellte Montemar seine Armee in drei Treffen vor dem Dorf San Martino in Schlachtordnung auf. Im ersten Treffen standen lauter Eliteeinheiten, zwei Schweizer Regimenter, die spanischen und wallonischen Garden.
Pignatelli stellte seine kleine Streitmacht wie folgt auf:
Auf dem rechten Flügel die Husaren unter Oberst Johann Frhr. Ghilány, links neben ihnen das KR Pignatelli. Beide Regimenter unter Befehl von FML Strongoli.
300 Schritte vor der Kavallerie stand das Bataillon Lothringen unter Oberstlieutenant Weyher, vor ihm 100 Mann unter Hauptmann Frhr. v. Eltz zur Beobachtung des linken feindlichen Flügels.
Das Zentrum bildeten die Bataillone Alt-Wallis und Valparaiso unter GFWM Rodowsky.
Am linken Flügel standen unter GFWM Vinals das KR Kokorzowa und das Bataillon Traun. Das links von ihm stehende Kloster St. Antonio war durch das Rekrutenbataillon unter Major Graf Ariosti besetzt. In einem Gehöft, das vor dem Bataillon Traun lag, hatte sich die Grenadierkompanie  Monteleone verschanzt.
Vor dem linken Flügel stand Rittmeister Honry mit einem Zug Kürassiere und neben ihm die Milizkompanien. Vor dem Zentrum waren noch kleinere Einheiten postiert, die weitere Gehöfte besetzt hielten.
Die Stadt Bionto war von dem zweiten Rekrutenbataillon unter Oberst Omulrian besetzt.
Geschütze hatte Pignatelli keine zur Verfügung!

Bei Sonnenaufgang begann die Schlacht. Die spanischen Linien überflügelten weit die kaiserlichen. Unter dem Feuer zweier Geschütze rückten die Spanier gegen den linken Flügel Pignatellis vor. Die dort stehenden Milizen fingen an zu weichen und auch der Zug Kürassiere wankte, nach dem Rittmeister Honry durch eine Geschützkugel getötet wurde. Erst der Eingriff des Bataillons Traun und der Grenadiere hielt den Vorstoß der Spanier auf.
Nun ließ Montemar gegen den rechten Flügel der Kaiserlichen vorrücken. Ein heißes Gefecht entspann sich um ein Gehöft, besetzt durch Lothringen-Infanterie. Die dort stürmenden drei Bataillone Wallonen erlitten große Verluste, bevor es ihnen gelang, die kleine Schar der Verteidiger zu überwältigen.
Die Spanier marschierten nun gegen das Zentrum, wo sie von einem gut gezielten Feuer der Bataillone Alt-Wallis und Valparaiso empfangen wurden. Die Verluste auf beiden Seiten waren groß.
Das Terrain, mit vielen Gräben und Mauern durchzogen, erlaubte es der Kavallerie nicht sich zu entfalten und die eigenen Infanterie zu unterstützen.
Langsam gewannen die Spanier die Übermacht, die ermatteten kaiserlichen Truppen wichen immer weiter, die Schlachtlinie wurde durchbrochen. Vergebens ritten die Kokorzowa-Kürassiere gegen die Wallonen noch eine Attacke, bei der Oberst Graf Czernin verwundet wurde und in Gefangenschaft geriet,.
G.d.C Pignatelli versuchte die kläglichen Reste seiner Armee zu retten und befahl den Rückzug nach Bitonto und von dort nach Bari.
Anfangs wagten es die Spanier trotzt ihrer zahlreichen Kavallerie nicht, die geschlagenen Kaiserlichen zu verfolgen, da sich in den Klöstern St. Antonio und Monte Oliveto noch kaiserliche Einheiten hielten. Erst nach ihrem Fall begaben sich zwei spanische Reiterregimenter auf die Verfolgung.
Der Rückzug der Kaiserlichen wurde von den beiden Kürassierregimentern gedeckt.
Diese mussten nun mehrmals Front gegen die anrückenden Spanier machen, wobei sie größere Verluste als in der Schlacht selbst erlitten.
In Bitonto hielt sich GFWM Rodowsky mit seinem Bataillon noch bis zum Morgen des 26.5. Nach dem die Munition ausgegangen war, musste er sich mit seinen Soldaten den Spaniern ergeben.

Genaue Zahlen über die Verluste beider Parteien gibt es nicht. Die Kaiserlichen hatten aber bereits am Abend des 25.5. an die 1.000 Tote und Verwundete zu beklagen.
Spanische Quellen sprechen von 2.400 Toten und 2.600 Gefangenen, was jedoch sicher stark übertrieben ist. Noch am Abend des 25.5. erreichte G.d.C Pignatelli mit ca. 3.600 Überlebenden die Stadt Bari.
150 Husaren und 20 Kürassieren unter Rittmeister Köbisch, die von den Spaniern bereits umzingelt waren, gelang es sich durchzuschlagen. Sie erreichten nach vielen Mühen die ca. 350 km entfernte Festung Pescara. Eben so konnte sich Leutnant Nahdol mit 30 Husaren nach Cotrone in Kalabrien durchschlagen. Auch Obrist Ghilány gelang mit 200 Husaren die Flucht. Sie trafen Ende des Jahres in Steinamanger in Ungaren ein.
Die beiden Kürassierregimenter Pignatelli und Kokorzowa waren beinahe gänzlich aufgerieben. Die Reste der Mannschaft wurden später anderen Regimentern zugeteilt.

Auch in Bari konnte sich G.d.C. Pignatelli ohne Geschütz nicht lange halten. Er schloss deshalb mit Montemar am 26.5. eine Kapitulation, nach der ca. 4.000 Mann ihre gesamte Kriegsausrüstung den Spanier übergaben und in Gefangenschaft gingen. Einem Offizier wurde gestattet, die Hiobsbotschaft über den Ausgang der Schlacht nach Wien zu bringen.
Die Spanier zwangen einen Teil der Mannschaft in ihre Dienste zu treten. Diese benützten allerdings die nächste Gelegenheit zur Desertion und kehrten unter die kaiserlichen Fahnen zurück.
Montemar wurde von seinem König zum Herzog erhoben mit dem Titel "Herzog von Bitonto".
Fürst Pignatelli-Belmonte erhielt 1735 den Ritterorden des Goldenen Vlies und trat 1738 aus dem kaiserlichen Dienst aus.
FML Pignatelli-Strongoli quittierte bereits 1737 den Dienst im kaiserlichen Heer.
Oberst Johann Frhr. Ghilány wurde in Anbetracht seiner Verdienste im Neapelfeldzug 1735 zum GFWM befördert, wurde Inhaber eines (später aufgelösten) Husarenregiments, mit dem er sich in den Schlesischen Kriegen erneut bewährte. Er starb im Rang eines G.d.C. im Jahre 1752.

Nach der Katastrophe von Bitonto ergaben sich auch die Besatzungen der restlichen Festungen den Spaniern. Am längsten hielt sich FML Traun in Capua. Er kapitulierte erst nach langer Belagerung am 30.11.1734 gegen freien Abzug mit allen militärischen Ehren. Die Besatzung wurde auf spanischen Schiffen nach Triest und Fiume gebracht.
Das Königreich Neapel war für Habsburg verloren.


Harald Skala, 2006

Quellen:

  • k. k. Kriegsarchiv, "Feldzüge des Prinzen Eugen v. Savoyen", Bd. XX., Wien, 1891
  • G. Ernst, "Geschichte des K.u.K. neunten Husarenregiments", Wien, 1862
  • A. Graf Thürheim, "Reiterregimenter der k. k. österr. Armee" Wien, 1862
  • A. Graf Thürheim, "FM o. F. Graf v. Abensperg-Traun", Wien, 1877
  • G. Schreiber, "Des Kaisers Reiterei", Wien, 1967


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