Die Schlacht bei Malplaquet am 11. September 1709
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Karl II. von Habsburg, König von Spanien, starb am 1.11.1700 in Madrid ohne männlichen Nachfolger. Als Universalerbe war Philipp von Anjou, Enkel Ludwig XIV. eingesetzt. Die österreichischen Habsburger machten jedoch Ansprüche auf das Erbe geltend und auch andere europäische Staaten wollten keinen Machtzuwachs der Bourbonen in Europa.
Am 7.9.1701 wurde in Haag eine Große Allianz zwischen England, Holland und Österreich zur Aufrechterhaltung des Mächte-Gleichgewichts in Europa unterzeichnet, anschließend entbrannte der Spanische Erbfolgekrieg. Auf der Seite der Verbündeten spielten zwei Feldherrn eine hervorragende Rolle:
General John Churchill, Baron of Sandridge, Earl of Marlborough, der von König Wilhelm III. zum Befehlshaber der englischen Streitkräfte ernannt wurde und Prinz Eugen von Savoyen, Feldherr Kaiser Leopold I. der bereits in den Kriegen mit den Türken Ruhm erlangt hatte, der seit 1703 auch Präsident des Hofkriegsrates war und 1708 im höchsten militärischen Rang eines General-Lieutenants stand.
Beide Feldherren schätzten sich gegenseitig und obwohl sie völlig verschiedene Charakter hatten, konnten sie hervorragend zum Wohle ihrer Monarchen zusammenarbeiten.
Die Österreicher führten den Krieg vorerst an der norditalienischen Front, wo Prinz Eugen einige Erfolge verzeichnen konnte.
Das erste Treffen der beiden Feldherren fand am 19.6.1704 in Mundelsheim statt.
Gemeinsam planten sie die weiteren Aktionen in Deutschland. Die erste entscheidende Schlacht fand bei Höchstädt/Blindheim, in England unter dem Namen "Blenheim" bekannt, am 13.8.1704 statt und endete mit einem Sieg der Allianz-Armeen. Franzosen und ihre Verbündete; Bayern, verloren ungefähr 30.000 Mann wobei auch ihr Heerführer Marschall Camille de Tallard unter den Toten war. Marlborough, dem der Sieg zugeschrieben wurde, mußte 12.000 Tote und Verletzte beklagen.
Prinz Eugen kehrte danach wieder zum italienischen Kriegsschauplatz zurück. Erst bei der Kampagne 1708 ist er wieder in den Niederlanden und führt dort vorerst einen Festungskrieg. Lille wird erobert und im Juli 1709 Tournai, wodurch der Weg nach Frankreich frei lag. Nach Ausschaltung der französischen Festungen operierten Prinz Eugen und Marlborough wieder gemeinsam.
Die französische Armee - nun unter Marschall Villars - hatte Stellungen bei Mons bezogen. Die Armee der Allianz traf am 4.9.1709 dort ein und unterbrach die Verbindung zu Frankreich.
Am Abend des 8.9.1709 nahm Prinz Eugen Stellung auf den Höhen von Quaregnon, Marlborough bei Query ein. Nächsten Tag morgens rückte das französische Heer in vier Kolonnen gegen die Stellung der Verbündeten, besetzte den Wald bei Traisnière mit dem linken Flügel und den von Lanière mit dem rechten. Danach gab Marschall Villars seinen Plan zum offensiven Vorgehen plötzlich auf und verschanzte sich in aller Eile in seinen Stellungen. So verlief der Tag.
Den nächsten Tag verbrachten die Verbündeten mit heranziehen weiterer Truppen, die Franzosen mit Schanzarbeiten. 
Am 11.September um 3 Uhr morgens bereiteten sich die Verbündeten zum Sturm auf die Schanzen der Franzosen vor. Prinz Eugen befehligte den rechten, Marlborough den linken Flügel; bei den Franzosen G. L. d'Artagnan den rechten, Legal den linken Flügel. Eine Zeitlang hinderte dichter Nebel den Beginn der Schlacht. Gegen 7 Uhr begann die Artillerie beider Seiten das Feuer. Der Kampf begann am rechten Flügel der Verbündeten. Der erste Angriff von 40 Batallionen stockte im Feuer der Franzosen, durch die Offiziere ermutigt, stürmten sie zum 2 x vor. Prinz Eugen erschien persönlich und trieb seine Soldaten an. Sie eroberten die ersten Verschanzungen und nach einer Stunde auch die 2. Linie. Nach 2 Stunden hatten die Truppen Prinz Eugens die Franzosen aus dem Wald von Sart vertrieben, die nun hinter dem Gehölz von Traisnère neue Stellung bezogen.
Während dieser Zeit hatten 22 Batallione vergebliche Angriffe auf die Hauptfront des französischen linken Flügels unternommen. Durch den Erfolg Prinz Eugens wurde jedoch die Stellung Marschall Villars unhaltbar, so daß er sich hinter den Wald von Traisnière zurückzog. Prinz Eugen erneuerte den Kampf dort, erhielt selbst eine Wunde aber verließ das Schlachtfeld nicht. Gegen 1 Uhr mittags brachen seine Truppen aus dem Wald hervor. Die Franzosen warfen sich mit 30 Batallionen entgegen, wurden aber zurückgedrängt. Marschall Villars hatte große Teile seiner Infanterie aus den auf seiner rechten Seite liegenden Verschanzungen herbeigezogen, wodurch eine Lücke zum linken Flügel entstand. Prinz Eugen erkannte die Chance, sammelte seine Infanterie und führte sie erneut zum Sturm, bis der linke Flügel der Franzosen durchbrochen war.
Währenddessen hatte Marlborough mit 15 Batallionen die Verschanzungen bei Bleron angreifen lassen. Es folgten 77 Schwadronen Reiterei, hinter denen sich noch 90 Schwadronen kaiserlicher Reiter formiert hatten. Im ersten Anlauf wurde die vordere Linie erstürmt, eine Batterie beschoß von hier sofort die französische Reiterei in der Hochebene bei Malplaquet und 20 Schwadronen griffen diese an. Es entfaltete sich ein heftiges Reitergefecht, das Boufflers mit der Elite der französischen Reiterei durch einen ungestümen Abgriff entschied und in die Linien der Verbündeten einbrach. In diesem Moment rückte die ganze restliche kaiserliche Reiterei an .Der Masse von 90 Schwadronen konnten die Franzosen nicht widerstehen, sie mußten weichen und auch hier war der Sieg entschieden. 
Um 3 Uhr nachmittags gab Boufflers den Befehl zum allgemeinem Rückzug und räumte Malplaquet. Der Sieg der Verbündeten war teuer erkauft, an eine Verfolgung der Franzosen war nicht zu denken. Prinz Eugen sandte ihnen nur 12 Schwadronen nach. 
Die Franzosen gingen in das Lager bei Quesnoy und Valenciennes zurück

An der Schlacht hatten auf der Seite der Verbündeten ungefähr 90.000 Mann teilgenommen. Am rechten Flügel unter Prinz Eugen Kaiserliche, Reichstruppen, Dänen und Sachsen, am linken Flügel unter Marlborough Engländer, Holländer, Hannoveraner und Preußen.
Die Franzosen hatten in der Schlacht ungefähr 80.000 Soldaten.
Die Verluste der Franzosen lagen bei 19.000 Toten und Verletzten, unter ihnen auch Marschall Villars, bei den Verbündeten ungefähr 18.000 Mann (nach anderen Quellen 25.000 Mann bei den Verbündeten und 11.000 Mann bei den Franzosen).
Malplaquet war die letzte und blutigste Schlacht des Spanischen Erbfolgekrieges, Verhandlungen über Beendigung der Kampfhandlungen begannen danach, aber der Krieg zog sich noch bis 1714 fort. Erst am 6.3.1714 wurde der Frieden von Rastatt zwischen Österreich und Frankreich unterzeichnet, am 7.9.1714 dann in Baden für das Kaiserreich.
 

Harald Skala
 Quellen:
  • Gustav, Ritter Amon v. Treuenfest, Geschichte des k.k. Husarenregiments Nr.8, Wien 1880
  • Egon Sauer v. Nordendorf Österreichische Kavallerie von den Anfängen bis zur Gegenwart, Österreichische Militärgeschichte, Sonderband 1997, Verlagsbuchhandlung Stöhr, Wien 
  • Franz Herre, Prinz Eugen von Savoyen, Deutsche Verlags-Anstalt GmbH Stuttgart, 1997
 


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