Die letzte Schlacht Franz Rákoczy II, Fürst von Siebenbürgen 
und seines Kurutzenheeres vor Trencin am  3. 8. 1708.


Der letzte und größte einer ganzen Reihe von Aufständen des ungarischen Adels gegen die Habsburger fand in den Jahren 1703 - 1711 statt.
Fürst Rákoczy II. der am 24. 11. 1701 aus österreichischem Gefängnis in Wien geflohen war und im polnischen Exil lebte, nahm 1703 den Antrag einer Gruppe ungarischer Adeliger an und stellte sich an die Spitze der Aufständischen.
Auf seinen Gütern in Mukacevo (heute Ukraine) rekrutierte er unter den Ruthenen seine ersten Einheiten. Sein Heer wuchs sehr rasch, da viele ungarische Offiziere und auch Mannschaften aus kaiserlichen Diensten zu ihm überliefen.
Sein Heer war nach dem Muster des k. k. österreichischen Heeres organisiert und bestand aus regulären und iregulären Regimentern. Die leichte Reiterei - Husaren - bildete die Hauptmacht (1706 bestand seine Armee aus 31 Infanterie - und 52 Reiterregimentern). Die Reiterei hatte insgesamt 60.000 Mann, in manchen Jahren des Aufstandes auch mehr.
Berühmte Obristen der Kuruzen waren Anton Esterházy und Georg Paloczay, die vorher in kaiserlichen Diensten waren sowie Franz Barkóczy d. jüngere, der im bayrischen Regiment Lidl gedient hatte. Rákoczy hatte auch Unterstützung aus Frankreich - nicht nur finanzielle; der führende General seines Stabes war der französische General Le Mothe.
  
Fürst Rákoczy II
Den Kuruzen gelang es ganz Oberungarn (heutige Slowakei) zu besetzen. Ihre Husareneinheiten streiften bis Mähren und in die Nähe von Wien. Bei einem dieser Streifzüge nahm Wachtmeister Johann Bornemisza mit 20 Husaren den jüngeren Bruder des kaiserlichen Feldmarschalls General Maxmilian Starhemberg gefangen und brachte ihn in das 100 km entfernte Neutra (heute Nitra, Slowakei) das von den Kuruzen besetzt war.
Durch sein Engagement in Italien konnte der Kaiser erst relativ spät eine genügend große Armee gegen die Kuruzen schicken. 1708 marschierte FM Guido Starhemberg mit den Generälen Siegbert Heister und Johann Pálffy von Mähren nach Oberungarn.
In offener Schlacht waren die Kuruzenreiter den regulären kaiserlichen Truppen nicht gewachsen. Während des gesamten Aufstandes litten sie an großem Waffenmangel. Nach den erhaltenen Musterlisten hatten nur 30 - 50% der Reiter einen Karabiner, ungefähr 50% waren mit Pistolen ausgerüstet und 10% hatten nicht mal einen Säbel!

Auf der Seite der kaiserlichen standen nur 2 ungarische Husarenregimenter: das Reg. Esterházy und Nádasdy (die kaisertreuen ungarischen Truppen wurden damals "Labanzen" genannt).
1708 beabsichtigte Rákoczy einen Feldzug nach Schlesien zur Unterstützung des preussischen Königs Friedrich Wilhelm, den er für die Unterstützung des Aufstandes gewinnen wollte. Obwohl er seine Kräfte nicht teilen wollte, gab er dem Drängen seiner Generäle nach, die zuerst die in ihrem Rücken liegende Festung Trencín erobern wollten. Ihr langsamer Vormarsch auf Trencín ermöglichte den kaiserlichen noch rechtzeitig die Besatzung von Trencín zu verstärken. Gen. Heister verfolgte inzwischen Rákoczys Heer auf dem Marsch nach Trencín.
Die Kuruzen lagerten im bergigen Gelände östlich der  Burg Trencín, als Heisters Truppen nach mühevollem nächtlichem Marsch die Gegend erreichten. Er sah sich einer Armee von ungefähr 14 - 15.000 Kuruzen mit 12 Geschützen gegenüber.
Auf dem rechten Flügel stand die leichte Reiterei und ein Teil der Infanterie unter Lorenz Pekri. Weiter Infanterie stand in unübersichtlichem Gelände, von Gräben durchzogen. Das Zentrum der Aufstellung wurde von deutschen und polnischen Karabinieren in Rákoczys Diensten gehalten. Hier stand auch die Artillerie unter Gen. Le Mothe. Als Heister die günstige Position des Gegners sah, wollte er eine Schlacht vermeiden und sich unter den Schutz der Kanonen der Burg Trencín begeben. Als er mit der Umgruppierung seiner Einheiten begonnen hatte, gab Rákoczy den Befehl zum Feuer und Pekri den Befehl, mit seiner Reiterei in den Rücken der kaiserlichen zu fallen. Das Terrain zwischen zwei Teichen über einen schmalen Damm war aber für einen Reiterangriff nicht besonders geeignet. Als man Pekri auf die riskanten Rückzugsmöglichkeiten nach einer ev. missglückten Attacke aufmerksam machte, gab dieser den Befehl zum Rückzug, der in ein Chaos ausartete. Johann Pálffy nutzte diesen Moment und griff mit seiner Reiterei die in Unordnung geratenen Kuruzeneinheiten an. Die Kuruzen fielen in Panik und ergriffen die Flucht.
Inzwischen wurde auch in den anderen Abschnitten der Frontaufstellung hart gekämpft. Rákoczys Infanterie wehrte die Angriffe der kaiserlichen ab, die Flucht der Reiterei auf dem rechten Flügel brachte aber auch hier Verunsicherung. Rákoczy wollte durch persönliches Beispiel seine Soldaten aufmuntern und mitreißen, verletzte sich aber beim Überspringen eines Graben und fiel in Ohnmacht. Die Nachricht über seinen angeblichen Tod führte zur Panik unter seinen Einheiten, die eine nach der anderen aus der Front flohen. Heisters Reiterei zerschlug innerhalb von 3 Stunden das beinahe dreimal so starke Kuruzenheer.
Ungefähr 3.000 tote Kuruzen blieben auf dem Schlachtfeld, auch Gen. Le Mothe war gefallen. 500 wurden gefangen genommen, die gesamte Artillerie fiel in die Hände der Sieger. Die Verluste der kaiserlichen betrugen nur ca. 200 Mann.

 

Viele der Kuruzenregimenter wurden zersprengt und kamen nie mehr unter Rákoczys Fahnen.
Rákoczy, Gen. Nikolaus Berczényi und einigen anderen gelang die Flucht über Topolcany nach Nitranská Streda. Im Dezember rief er nochmals seine Getreuen zu einem Treffen, viele seiner ehemaligen Mitkämpfer erschienen jedoch nicht mehr.
Dem Kuruzenobristen Ján Botián gelangen noch einige kleinere Erfolge in den Weißen Karpaten, wo er bei Galanta eine kleinere Einheit kaiserlicher besiegte, an der gesamten Niederlage des Aufstandes änderte dies jedoch nichts. Johann Pálffy, der den Oberbefehl von Gen. Heister übernommen hatte, besetzte in der Folgezeit beinahe ganz Oberungarn, sein Obrist Peter Viard fiel in die Zips und besetzte auch Kézsmark. Rákoczy versuchte 1710 die von Kuruzen gehaltene Festung Neuhäusel zu entsetzen  Am 22.1.1710 wurde er jedoch bei Romhányi besiegt, Neuhäusel kapitulierte am 24.9. Am Ende des gleichen Jahres. kapitulierten auch Bartfeld und Eperies. Die letzten Zentren des Aufstandes, Murán und Kaschau ergaben sich im April 1711.
Ladislaus Oczkay, Inhaber eines Husarenregiments der Kuruzen, ging bereits am 28.8.1708 mit seinem ganzen Regiment zu den kaiserlichen über, wurde jedoch vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Die Mannschaft wurde in das Regiment Esterházy übernommen. Viele hohe Kuruzenoffiziere gingen nach dem gescheiterten Aufstand nach Frankreich und machten Karriere bei den franz. Husaren.
Am 14.7.1709 erließ Kaiser Joseph I. für alle Aufständischen, die sich innerhalb von 4 Wochen ergaben, eine Amnestie. Sie galt nicht für Fürst Rákoczy II und seinen Vertreter Nikolaus Berczényi, die in Polen Asyl fanden.
Verhandlungen, die letztlich am 30.4.1711 im Frieden von Szatmár endeten, führte Graf Alexander Károlyi. Nach der Unterzeichnung übergaben ca. 15.000 Kuruzen auf dem Majtés - Feld 147 Regimentsfahnen und schworen dem Kaiser den Treueeid.
Harald Skala

Quellen

  •     G. Ságvári/G. Somogyi, Das Buch der Husaren, Magyar Könyvklub, Budapest 1999
  •     Dusan Skvarna u. A., Lexikon slovenských dejin, Media Trade, Bratislava 1999
  •     PhDr Milan Simis, Trencín, Vlastivedná Monografia, Verlag Alfa, Bratislava, 1993
  •     V. Dangl/V. Seges, Vojenské dejiny Slovenska, Band III,  MOS, Bratislava 1996


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