Ladislaus Škultety-Gábriš
Dienstältester Husar des k. k. Heeres



Während des Siebenjährigen Krieges 1756 – 1763 zwischen Preussen und dem Reich Maria Theresias war das Durchschnittsalter eines Husaren um die 24 Jahre. Nur ungefähr 0.02 % dienten länger als 36 Jahre.
Es ist also ein kleines Wunder dass im Jahre 1831 ein Husar in den Ruhestand entlassen wurde, welcher 96 Jahre alt war und 81 Jahre gedient hatte.
Er hieß Ladislaus Skultety-Gabriš und stammte aus dem Dorf Mojtín im Komitat Trenčín (heute Slowakei). Dort wurde er 1735 in einer armen Bauerfamilie geboren.
Obwohl C. v. Wurzbach in seiner Biographie schreibt dass sich Skultety im Alter von 15 Jahren in das Husarenregiment „Alexander Károlyi“ Nr. 6 hat anwerben lassen, zeigen Dokumente aus dem Kriegsarchiv, dass er von Anbeginn seiner militärischen Laufbahn im Husarenregiment „Baranyay“ Nr. 8 diente und bei diesem Regiment bis zu seinem Tode verblieben ist.
Als 1756 der Siebenjährige Krieg begann wurde sein Regiment in den Raum Kolin/CZ verlegt und eskadronsweise verschiedenen Infanterieeinheiten zugeteilt. Das ganze Regiment nahm dann an der Schlacht am 1.10.1756 bei Lovosice/CZ teil. Im Winter 1756/1757 bewachte das Regiment die Grenze zwischen Eger und Tetschen (heute Cheb und Děčín/CZ).
Die nächste Schlacht an der Skultety teilnahm fand am 6.5.1757 bei Prag statt. Nach der verlorenen Schlacht gelang es ihm sich vor der Gefangenschaft zu retten und mit dem Teil seines Regiments in der folgenden Schlacht bei Kolin am 18.6. mitzuwirken. Hierbei erlitt er seine erste Verwundung an der Hand.
Die nächste Aktion an der er teilnahm war das Treffen am Moysberg (heute Zgorzelec/PL) am 7.9.1757. Sein Regiment nahm danach an dem legendären Zug des FLM Andreas v. Hadik nach Berlin zwischen dem 10. und 22.10.1757 teil. Während der Kämpfe erhielt Skultety seine 2. Verwundung: ein Bajonettstich durch die Wange.
Die folgenden 2 Jahre kämpfte sein Regiment an verschiedenen Stellen in Sachsen und wurde im November 1759 der „Reichsarmee“ zugeteilt.
Nach Kriegsende 1763 kam sein Regiment zuerst nach Gabel (heute Jablonné/CZ), in den Jahren 1773 – 1778 dann nach Brandejs (heute Brandýs nad Labem/CZ). 1778 wurde Skultety zum Korporal befördert.
Während des sogenannten „Zwetschgenkrieges“ 1778/1779 nahm sein Regiment nur an kleineren Treffen im Raum Nachod/CZ teil und kam nach Friedenschluss wieder nach Gabel.
1784 beteiligte sich das Regiment an der Niederschlagung der Aufstände in den Niederlanden, stand danach in Gent um Ende des Jahres in die Friedensgarnison Tarnów in Galizien verlegt zu werden.
Als 1788 der Krieg mit dem Osmanischen Reich ausbrach, wurde Skultetys Regiment nach Syrmien verlegt. Während der Kämpfe mit den Türken wurde er das dritte Mal verwundet.
Regimentsinhaber war damals FM Dagobert Wurmser. Ihm war der tapfere Skultety aufgefallen und so ernannte er ihn 1790 zum Standartenführer des Regiments. Diese ehrenvolle Funktion bekleidete Skultety dann bis zu seinem Tode.
Während der Friedensjahre 1790/1791 war das Regiment wieder in Tarnów und später in Oppau (heute Opava/CZ).
1792 finden wir das 8. HR am Rhein wo es unter Fürst Hohenlohe gegen die Franzosen kämpfte. 1793 nahm es an der Belagerung von Mainz teil.
1796 wurde das Regiment nach Italien verlegt, ein Teil gehörte zu der Besatzung von Mantua.
Nach der Kapitulation der Festung am 2.2.1797 erhielt die Besatzung freien Abzug. Skultetys Regiment kehrte in die Garnison Oppau zurück. Die Jahre 1798 - 1805 verbrachte es mit kurzen Unterbrechungen wieder in Italien. Danach wechselten die Garnisonen zwischen Bochnia/Galizien, Oppau und Gross-Topolczan/Ungarn.
Im Feldzug 1809 kämpfte das Regiment gegen die Franzosen in Bayern, nahm dann an den Schlachten bei Aspern und Wagram rühmlich teil, um nach Beendigung der Kampfhandlungen nach Gorodenka in Galizien verlegt zu werden.
Das HR Nr. 8 nahm auch an Napoleons Feldzug nach Russland 1812 im Expeditionskorps des FM Schwarzenberg teil. Skultety gelang es die Katastrophe des Rückzuges zu überleben.
Im Feldzug 1813 kämpfte sein Regiment wieder gegen Napoleon teils in Sachsen, dann am Rhein und am Ende in Südfrankreich. Die kurze Friedenzeit verbrachte es wieder in Galizien.
Nach Napoleons Rückkehr von Elba wurde Skultetys Regiment noch in den Kämpfen bei Strassburg eingesetzt.
Nach dem Friedenschluss mit Frankreich kam Skultety nach Rzeszów in Galizien, 1817 für ein Jahr nach Siebenbürgen, anschließend nach verschiedenen Garnisonen in Galizien.
Als Erzherzog Ferdinand d´Este im Herbst 1826 eine Inspektion der k. k. Regimenter bei Vásárhely in Ungarn durchführte, wurde auch Skultetys Regiment dorthin beordert. Der damals bereits 91jährige Standartenträger ritt stolz an der Spitze seines Regiments. Nach der Parade kam der Erzherzog zu Skultety und half ihm vom Pferd mit den Worten: „...mein lieber Vater, das ist schon zuviel für dich...“.
Kurz darauf nahm das Regiment an einer Parade in Wien teil. Auch hier erweckte der majestätische Greis das Interesse des Publikum und selbst des Kaisers. Der ließ Skultety zu sich kommen, wechselte mit ihm einige Worte und erteilte ihm eine lebenslängliche außerordentliche Rente. Fotos des berühmten Kriegers erschienen in Wiener Zeitschriften und in den Schaufenstern der Läden.
Sein Regiment wurde dann nach Arad verlegt, 1831 aber wieder nach Österreich berufen. Skultety konnte zu seinem Leidwesen wegen Alterschwäche sein Regiment nicht mehr begleiten und blieb in Arad. Diesen Schicksalsschlag überlebte er nicht lange. Er starb bereits drei Monate später am 19. August 1831. Angehörige des Regiments ließen ihm am Arader Friedhof ein Denkmal errichten, der damalige Regimentsinhaber Graf Vincent Esterházy ließ in den Zeitungen eine Biographie des berühmten Regimentsangehörigen drucken.

Nach 278 Jahren kehrten die sterblichen Überreste dieses alten Kriegers 2013 in seine Heimatgemeinde zurück. Seit längerer Zeit verhandelten Slowakische Regierungsstellen mit den zuständigen Behörden in Rumänien über eine Umbettung der Überreste nach Mojtín.









Unter reger Anteilnahme der einheimischen Bevölkerung wurde dann im Beisein von Vertretern aus Rumänien, Ungarn, Österreich, der Slowakei und der katholischen Kirche die neue Ruhestätte samt Gedenkstein eingeweiht.


Harald Skala, 2013
Quellen:
  • G. A. v. Treuenfest, "Geschichte des k. k. Husarenregiments Nr. 8", Wien, 1880
  • C. Pizzighelli, "Geschichte des k. u. k. Husarenregiments Nr. 6", Rzeszów, 1897
  • A. v. Wrede, "Geschichte der K. u. K. Wehrmacht" Wien, 1898 - 1905
  • A. v. Thürheim, "Die Reiterregimenter der k. k. österr. Armee", Wien, 1862
  • C. v. Wurzbach, "Biographisches Lexikon des Kaiserthum Österreich", Bd. 36, Wien 1878
  • Dangl/Segeš, "Vojenské dejiny Slovenska" III.Bd., Bratislava 1996
  • Ch. Duffy, "Sieben Jahre Krieg", Wien, 2003
  • G. N. v. Neppel, "Husaren der Weltgeschichte", Wiesbaden, 1975

Inhalt
Übersicht Biographien
Zurück