Franz Xaver Graf Harrach zu Rohrau,
k. k. Feldmarschall-Lieutenant


Familiengeschichte:

Die Familie stammt aus dem österreichisch-böhmischen Grenzgebiet. Als erstes nachgewiesenes Mitglied der Familie war Bohomik, der Anfang des 14. J. in Oberösterreich lebte. Die Familie spaltete sich später in mehrere Linien und erwarb weitere Güter in Südböhmen und Österreich. 1524 kaufte Leonard H. das Gut Rohrau. 1550 wurden sie in den österr. Freiherrenstand erhoben, 1552 dann im Reich. Im Jahre 1627 wurde die Familie in den Reichsgrafenstand erhoben.
Im 17. Jh. finden wir viele von ihnen unter den kirchlichen Würdenträgern, Diplomaten und Militärs.
Neben der Grafschaft Rohrau gehörte ihnen Thannhausen, Prugg und Pürrhenstein, in Böhmen dann Starkenbach (Jilemnice/CZ), Sadová, Strkov, in Mähren Gross Meseritz (Velké Mezirici/CZ) und Janovitz (Janovice/CZ). Xavier Harrach bekam noch durch seine Heirat die Güter Bystré/CZ und Kunewald (Kunin/Mähren) mit den dortigen Schlössern.

Franz Xaver Graf Harrach wurde am 2. 10. 1732 an Bord eines Rheinschiffes bei Kaub geboren. Seine Mutter reiste damals zu ihrem Ehemann in die Niederlande und gebar an dem Tag gesunde Zwillinge (sein Zwillingsbruder Ignaz starb am 11.3.1753 in Wien). Xaver wurde später von seinen Freunden spaß halber "Rheingraf" genannt.

Eltern:

sein Vater war Friedrich August Gervas Graf Harrach, (*18.6.1696 in Wien, +6.4.1749 in Wien), seit 1732 Obersthofmeister und Oberstkämmerer von Erzherzogin Maria Elizabeth, Statthalterin der Niederlande. Er war auch böhmischer Oberster Kanzler und Ritter des Goldenen Vlies.
Seine Mutter war Maria Eleonora Fürstin v. Liechtenstein (*31.12.1703, +18.7.1757 in Wien), die am 5.2.1719 in Wien Graf F. A. Gervas geheiratet hatte. Aus der Ehe entsprangen insgesamt 16 Kinder, von denen allerdings mehrere im Kindesalter starben.

Franz Xaver verbrachte seine Jugendjahre im elterlichen Haus in den Niederlanden. Wo er studierte ist nicht bekannt.
Er muss schon in früher Jugend in das k. k. Heer eingetreten sein, da er bereits 1752 im Rang eines Hauptmanns im IR L. Daun Nr. 59 erwähnt wird.
Zu Beginn des Siebenjährigen Krieges wurde F. Xaver zum IR "Puebla" Nr 26 transferiert und erhielt dort den Rang eine Oberstlieutenants.
1757 focht er mit seinem Regiment bei Kolin (Zentrum, 1. Treffen), bei Breslau in der Hauptarmee L. Dauns in der Division Maquire und in der gleichen Division auch bei Leuthen. Im Sommer 1757 war er für kurze Zeit in preussische Gefangenschaft geraten. 1758 stand er mit seinem Regiment bei Hochkirch im Zentrum unter FML Colloredo.
Über sein Verhalten bzw. Taten in diesen Schlachten konnte ich nichts genaueres feststellen.
1759 wurde F. Xaver zum Obristen und Kommandanten seines Regiments ernannt (ALBERTINA so wie einige anderen Quellen geben erst 1762 an).
Nach anderen Quellen erfolgte bereits am 5. 10. 1759 seine Beförderung zum Generalmajor (C. v. Wurzbach gibt 1771 als Jahr der Beförderung an!).

Seine wohl mutigste Tat vollbrachte er in der Schlacht bei Torgau am 3. 11. 1760.
Mit seinem Regiment stand er im 1. Treffen, Brigade FML v. Angern. Gleichzeitig mit seinem Regiment rückte preussische Infanterie auf ein Höhe zu, um sie zu besetzen.
F. Xaver ließ die Preussen bis auf 50 Schritt herankommen, bevor er den Befehl zum Feuern gab. Die Preussen wichen zurück. Kurz danach versuchten es die Preussen erneut, unterstützt durch die KR Nr. 5 und 12 geführt vom Prinz v. Holstein. F. Xaver verlor bei diesem Angriff sein Pferd, führte aber seine Truppen weiter, bis er gefährlich verwundet und vom Schlachtfeld getragen wurde. Wie hitzig der Kampf war bestätigen die 900 Tote und Verwundete seines Regiments.
Für sein Verhalten bei Torgau erhielt Graf F. X. v. Harrach in der 6 Promotion am 22. 12 1761 das Ritterkreuz des MTO.
Nach den starken Verlusten bei Torgau scheint das Regiment in den letzten Kriegsjahren nicht mehr zum Einsatz gekommen zu sein.
Die Ernennung zum FML erfolgte zum 26. 4. 1773. Im Jahre 1777 erhielt F. Xaver das nach dem Tode FM Neipperg vacante IR Nr. 7 als Inhaber. Sein Portrait und die seiner Offiziere aus dieser Zeit befinden sich in den Sammlungen des Schlosses Kunin/CZ

1779 wurde er zum kommandierenden General in der Lombardie ernannt.
F. X. Graf Harrach starb am 15. 2. 1781 im frühen Alter von 49 Jahren in Mailand, wo er auch begraben wurde.

Seit 4. 1. 1761 war Graf Harrach mit Maria Rebecca, Gräfin v. Hohenems verheiratet.
Sie war die letzte Gräfin v. Hohenems, Tochter des Franz Wilhelm (III.) Graf Hohenems (GM und Kommandant von Graz) und brachte in die Ehe die Schlösser und umliegende Güter in Kunewald (Kunin/CZ). und Bistrau (Bystré/CZ)
Aus der Ehe entsprang nur die Tochter Marie Walburga (*22.10.1762 in Brünn, +25.5.1828 Kunin/CZ), die am 12.9.1779 in Enzensdorf bei Wien den Reichsgrafen Clemens Alois Truchseß v. Waldburg-Zeil heiratete.

Harald Skala

Quellen:
  • diverse Dokumente von Schloss Kunin/CZ
  • P. Masek, "Modra krev", Prag/CZ, 1992
  • C. v. Wurzbach, "Biographisches Lexikon des Kaiserthum Österreich", Bd. 7, Wien 1861
  • ALBERTINA - Faksimile , Wien, 1973
  • Dorn/Engelmann, "Die Schlachten Friedrich d. Grossen", Augsburg, 1997
  • F. L. v. Thadden, "Feldmarschall Daun", Wien, 1967
  • Porträt: Schloss Kunin in Mähren

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