Clerfayt, François Sébastien Charles Joseph de Croix, Graf, FM


stammte aus einer alten Wallonischen Adelsfamilie und wurde am 14.10.1733 auf dem Schloß zu Bruille im Hennegau geboren.
1753 in die kaiserliche Armee eingetreten, nahm er am Siebenjährigen Krieg teil, in dem er sich in den Schlachten bei Prag (6.5.1757), Hochkirch (14.10.1758) und Liegnitz (15.8.1760) sowie einigen anderen kleineren Treffen so sehr auszeichnete, dass er einer der ersten war, den Maria Theresia mit dem von ihr gestifteten Orden schmückte (MTO).
Nach Beendigung des Krieges war er bereits im Rang eines Obersten. Ende des bayrischen Erbfolgekrieges 1788 wurde er  zum Feldmarschall-lieutenant befördert,
beim Ausbruch des Türkenkrieges 1788 war er bereits Feldzeugmeister (FZM).
In diesem Range befehligte er zuerst die Truppen im Banat, dann den linken Flügel der Armee. Später befehligte er ein abgesondertes Korps mit dem er den walachischen Fürsten Maurozeny bei Mehadia und Kalefat (26.6.1788) besiegte.
Anschließend wirkte C. auch bei der Eroberung von Belgrad mit. Für seine Erfolge wurde er von Kaiser Joseph II. mit dem Großkreuz des MTO belohnt.
Beim Ausbruch der Revolutionskriege in die Niederlanden beordert, wurde C. mit einem Korps zur Verstärkung des Herzogs v. Braunschweig in die Champagne geschickt, schlug die Franzosen bei Stenay und deckte dann den Rückzug des Herzogs. Von Herzog Albert v. Sachsen-Teschen zurückbeordert, traf sein Korps im letzten Moment bei Mons ein, um an der schicksalhaften Schlacht von Jemappes (6.11.1792) maßgeblich teilzunehmen.
Nach dem Herzog Albert den Oberbefehl niedergelegt hatte, übernahm C. die Armee.
Der Oberbefehl wurde anschließen dem Prinzen von Sachsen-Coburg anvertraut. Unter ihm kämpfte C. 1793 in der Schlacht bei Neerwinden, nahm an der Belagerung von Valeciennes teil und eroberte anschließend mit den ihm unterstellten Einheiten Quesnoy. 1794 siegte C. bei Chateau-Cambresis, Landrecy, Charleroi sowie in mehreren kleineren Treffen. Die Übermacht der republikanischen Armee an Schelde und Sambre entschieden das Los der Niederlande. C., der sich bei Lille und an der Lys ehrenvoll behaupten konnte, übernahm - nachdem der Herzog v. Sachsen-Coburg die Schlacht bei Flerus verloren hatte - abermals den Oberbefehl über die Armee, die er nach Kämpfen bei Aspremont, Düren und anderen Orten gegen einen sechsfach überlegenen Feind glücklich über den Rhein zurückführte.
Danach wurde C. zum Feldmarschall (FM) ernannt und zum FZM des römischen Reiches, wobei ihm der Befehl auch über die Reichstruppen anvertraut wurde.
In dieser Funktion schlug er Gen. Jourdan bei Höchst und warf ihn über den Rhein zurück.
C. entsetzte die belagerte Festung Mainz, wobei seine Truppen die mit 80.000 Franzosen hartnäckigst verteidigten Mainzer Linien stürmten.
Nach dem Waffenstillstand 1795 begab sich C. nach Wien, wo ihn der Kaiser und Erzherzog Karl besuchten und ihm den Orden des Goldenen Vlies verliehen.
Seine angegriffene Gesundheit sowie die Spannungen zwischen ihm, dem Minister Thugut und FM Wurmser veranlassten C. um seine Entlassung zu bitten. Er wurde darauf zum Mitglied des Hofkriegsrates ernannt, nach dem Erzherzog Karl den Oberbefehl der Armee übernommen hatte.
Nach einem langen Leiden starb C. nur dreieinhalb Jahre später am 21.7.1798 in Wien (Oettinger gibt als Todestag den 18.7.1798 an). Seiner letztwilligen Anordung gemäß wurde er ohne alles Leichengepränge in Herstal bestattet. Die Stadt Wien ließ ihm ein schönes Grabmal errichten.
 
FM Clerfayt war ein ausgezeichneter Feldherr und vortrefflicher Mensch. In der Armee nannte man ihn den "Soldatenvater".
Er blieb unverheiratet. Bekannt ist sein Ausspruch: "...hab ich denn nicht eine genug große Familie? Meine Soldaten - sind sie nicht alle meine Kinder?..."
Sein Beutel stand für die Offiziere die unter ihm dienten, immer offen. Am Tag vor seinem Tode verbrannte er alle Schuldscheine mit der Äußerung: .."er könne sich mit größerer Zuversicht auf sich selbst als auf seine Erben verlassen ".
C. überwachte persönlich die Armeespitäler und war darauf bedacht, dass es den kranken Soldaten an nichts fehlte.
Gewöhnlich in schlichter Kleidung, legte er seine glänzende Uniform mit allen Orden nur an, wenn es gegen den Feind ging.
 
                                                                                                                      Harald Skala
 
Quellen:
-          C.v. Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich, Band II. Wien, 1861
-          J.F. Ebert, Österreichische Generäle 1792 - 1815, Edition Militärbibliothek (CD 2003)

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