Florimund Claudius, Graf Mercy
K.K. Feldmarschall


M. wurde 1666 in Martinfontaine, einem Gehöft zwischen dem im Dreißigjährigen Krieg zerstörtem Schloß der Familie und dem Ort Longwy in Lothringen geboren und entstammte einer alten lothringischen Familie.
Er trat noch jung in die kaiserliche Armee ein in welcher er sich zuerst in den Türkenkriegen Ruhm und Ehre verschaffte. 1683 im Rang eines Lieutenants in einem Kürassierregiment nahm er am Entsatz der Stadt Wien teil. 1684 - 90 nahm er er an Unternehmungen in Ungarn teil und erlitt durch den Sturz seines Pferdes Schaden an einem Auge.
1691 -96 machte er sich als Parteigänger in Italien auf das rühmlichste bemerkbar.
1697, nach Ungarn zurückgekehrt, kämpfte er in der großen Schlacht bei Zenta im Rang eines Majors. Danach zum Oberst-lieutenant befördert, ging er wieder nach Italien wo er bei Bogoforte mit nur 300 Reitern ein ganzes feindliches Regiment in die Flucht trieb und ihm eine Batterie wegnahm. Im Jahre 1702 befehligte er vor Cremona bereits die ganze kaiserliche Reiterei. Während dieses Feldzuges geriet M. mehrmals in Gefangenschaft, wurde aber kurzfristig ausgewechselt.
Als Oberst eines neu errichteten Kürassierregimentes (das 1801 aufgelöste KR "Anspach") ging M. dann an den Rhein, wo er in dem blutigen Treffen bei Friedlingen 1702 große Tapferkeit bewies.
1705 zum Generalmajor (GM) befördert, befehligte er am Rhein eine Reiterbrigade und zwang bei Pfaffenhofen die Franzosen zum Rückzug. 1706 deckte er die Festung Landau und versorgte sie mit Vorräten.
1707 überfiel er bei Offenburg die Franzosen unter Gen. Viard so unverhofft, dass diese gar keine Zeit hatten sich zu formieren. 600 Tote deckten das Schlachtfeld, 1300 Pferde und große Beute fielen M. in die Hände. Nun rückte M. zum Feldmarschall-Lieutenant (FML) vor.
1708 war der Übergang des Rheins beschlossen worden, M. ging mit einem Korps von 6000 Mann voraus. Die Bewegungen des Feindes machten andere Dispositionen nötig und M. schloss sich wieder dem Hauptheer an. Nächstes Jahr zog er mit 6 Regimentern nach Mantua, kehrte aber bald nach Deutschland zurück und ging bei Neuburg in Stellung. Gegenüber bezogen Franzosen unter General  
du Bourg ihr Lager. M. der in guter Stellung war, ließ sich von seiner Kampflust hinreißen, griff an und erlitt große Verluste an Mannschaft und Artillerie, worauf er sich nach Rheinfelden zurückziehen musste.
In den folgenden Jahren bot sich keine Gelegenheit zu besonderen Unternehmungen, erst 1716 zeichnete sich M. während des türkischen Krieges bei Peterwardein und Temesvár aus, nahm nach dem Fall dieses Platzes Pancsowa,  Uj-Palanka und Kubin und wurde anschließend zum kommandierenden General im Banat ernannt.
1717 führte M. die ersten Truppen gegen Belgrad und nahm an der Belagerung und Schlacht rühmlichen Anteil. Er eroberte dann noch die Festung Orsova. Nach dem Feldzug widmete sich M. Reformen im Banat. 1719 wurde er wieder zur Armee berufen um gegen die Spanier in Sizilien zu kämpfen. Er griff sie bei Francovilla an, kämpfte bei Melazzo, eroberte Messina und berannte Palermo.
Nach Friedensschluß kehrte M. 1720 im Mai in sein Banat zurück. Er holte Kolonisten, ließ neue Dörfer gründen (Weißkirchen, Szt. Peter, Zaderlak, Neu-Bessenova, Ujpecs, Detta, Brückenau, Guttenbrunn, Kudritz). Neu-Arad und Gyarmata wurden durch deutsche Siedler vergrößert. Nach Becskerek holte M. Kolonisten aus Spanien (sie kamen in den folgenden Jahren durch Seuchen alle um).M. kümmerte sich auch um Reis - Seiden - und Weinanbau. Maulbeerplantagen wurden angelegt. 1728 wurde der Bau eines Kanals unter Facset begonnen, der bis Temesvar ging, wo er sich teilte um nach 16 Meilen wieder das alte Flussbett zu erreichen.1717 bis Mai 1720 unterbrach M. seine Tätigkeit im Banat um am Feldzug nach Sizilien teilzunehmen.
Gegen Ende 1733 wurde M. als Feldmarschall Oberbefehlshaber des k. k. Heeres in Oberitalien. Kaum hatte er seine neue Funktion angetreten, musste er sich nach einem Schlaganfall in ärztliche Behandlung begeben. Nach seiner Rückkehr ging er mit seiner Armee über den Po und lieferte (er war inzwischen 68 Jahre alt!) den verbündeten Franzosen und Piemontesen am 29.6.1734 die unglückliche Schlacht unter den Mauern von Parma, in der er gleich am Anfang, von zwei Kugeln in den  Kopf getroffen den Tod fand. Sein Leichnam wurde in der Domkirche zu Reggio beigesetzt.
Am unglücklichem Ausgang der Schlacht hatte M. einen nicht unbedeutenden Anteil.
Durch seine auch im Alter unbändige Kampfeslust traf er - gegen den Rat seiner Generäle - einsame Entscheidungen, die er außer dem noch mehrmals änderte, ohne seine Heerführer zu informieren. Er führte persönlich die ersten angreifenden Einheiten in den Kampf, ohne das Einrücken der gesamten Armee in Kampflinie abzuwarten.
Dieses Chaos hatte zur Folge, dass in der Schlacht der größte Teil aller Stabsoffiziere den Tod fanden.

Harald Skala


Quellen:


- C.v.Wurzbach,"Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich", Wien, 1861
- Kriegsarchiv Wien, Relation zur Schlacht bei Parma von Prinz F.v. Württemberg, AFA 1734, Kt.431
- "Die Reiterregimenter der K.K. österr. Armee", Band I. S.148, Wien, 1862 (verfasst von ehem. Offizieren)

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