Leopold Anton Joseph Graf Schlik
k. k. Feldmarschall, oberster böhmischer Kanzler


Geboren am 10.7.1663 in Ostrovská, Bezirk Karlovy Vary (Karlsbad). Nach sorgsamer Erziehung und einigen Reisen durch Europa trat er als Freiwilliger in das Regiment seines Stiefvaters Graf Taafe v. Carlingsfort, mit dem er bei der Belagerung Neuhäusels (Nové Zámky, SK)und der Schlacht von Gran (Esztregom) kämpfte. Im folgendem Jahr wurde er Hauptmann im Dragoner-Regiment Herzog v. Lothringen (das spätere DR Nr.8), mit dem er den Hauptsturm auf die Festung Ofen mitmachte, bei dem er verwundet wurde. Anschließend zum Obrist-lieutenant befördert, wurde L. zum Kürassier-Regiment Sachsen-Lauenburg (das spätere DR Nr.9) transferiert. Bereits 1689 - im Alter von nur 26 Jahren - wurde er zum Obristen des Dragoner-Regiments Löwenschild (das spätere Ulanenregiment Nr.6) ernannt, dessen Inhaber er im folgenden Jahr wurde. L. nahm in dieser Zeit an allen Schlachten welche in Ungarn geschlagen wurden teil und kommandierte nach Abzug des Obristen Corbelli die letzte Blockade der Festung Grosswardein.
Im Jahre 1692 ernannte ihn der Kaiser zum General-Wachtmeister (GFWM). In diesem Range machte er die Belagerung von Belgrad mit, kommandierte beim Abzug die Arriérgarde und wurde bei einem Ausfall der Türken an der Achsel verwundet. Nun verlieh ihm der Kaiser auf Lebensdauer das Grenzgeneralat zwischen Donau und Siebenbürgen und betraute ihn mit mehreren diplomatischen Missionen (Verhandlungen in der spanischen Erbfolge und des Karlowitzer Frieden).
1701 wurde L. zum kaiserlichen Rat ernannt.
Im Krieg gegen Bayern befehligte er 1703 die kaiserliche Armee, drang über Salzburg in die bayrischen Lande ein, besetzte die Orte Ried, St. Martin, Aroldsmünster und Zell. Bald darauf erlitten seine Truppen bei Eisenbirn eine schwere Niederlage.
Zum General der Kavallerie (G.d.C.) befördert, erhielt er dann den Oberbefehl über die Truppen in Ungarn, die gegen die Kuruzen des Fürsten Rákoczy kämpften.
L. marschierte über den Dukla-Paß ein und vereinigte sich im Pressburger und Neutraer Komitat mit den Truppen des ungar. Palatins Paul Esterházy. Mit ca. 30.000 Mann überschritt L. den Fluß Neutra und überfiel am 1.11.1703 die Aufständischen unter Gen. Ocskay bei Levenz (Levice, SK). Die kaiserlichen errungen einen großen Sieg, 500 Kuruzen blieben auf dem Schlachtfeld, 600 wurden gefangen, der Rest in die Flucht getrieben. Auch Ocskay war gefallen. Durch diesen Sieg hatte L. die Mitte von Ober-Unganr (heute Slowakei) von den Aufständischen befreit.
1707 wurde L. zur Organisierung des neu erworbenen Herzogtums Mailand berufen.
1708 zum General-Kriegskommisär ernannt, ging er mit Prinz Eugen v. Savoyen in die Niederlande und nahm an der Eroberung von Ryssel teil.
Zum kaiserlichen geheimen Rat ernannt, 1712 zum General-Feldmarschall (FM), wurde er nach dem Tode seines Schwagers Johann Wenzel Graf v. Wratislav 1713 oberster Kanzler des Königreiches Böhmen. In Prag erinnert das Palais der böhmischen Hofkanzlei, das von seinem Vorgänger begonnen und von L. beendet wurde, an ihn.
L. starb am 10.4.1723, seine Leiche wurde nach Prag gebracht und in einer Seitenkapelle des Veitsdomes auf der Prager Burg beigesetzt.
Der Graf war zweimal verheiratet. 1687 heiratete er Clara Rosalia Gräfin Kaunitz, (Witwe nach Graf Jaroslav Kaunitz). Nach ihrem Tode heiratete er 1711 Maria Josepha Gräfin Wratislav. Aus beiden Ehen kam eine Tochter, aus der zweiten der Sohn Franz Heinrich, der die Güter Radim und Zabonosy (Tschechei) erbte und im Dienste des Hofes war.


Quelle:

C. v. Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich, Wien, 1872

Harald Skala

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