Simonyi de Vitézvár, Joseph, Frhr., Oberst.

Die meisten Biographien, die auf diesen Seiten zu finden sind, beschreiben Lebensläufe hoher Offiziere.

Obwohl er "nur" Oberst wurde, ist die Biographie Joseph Simonyis so außergewöhnlich, dass sie verdient, hier erwähnt zu werden. Er war Anfang des 19. Jh. wohl der bekannteste kaiserlich-königliche Husarenoffizier und wurde als "der tapferste Husar" bezeichnet. Dem Autor ist es gelungen, Dokumente aus einem Privatarchiv in Kanada und dem Wiener Kriegsarchiv zu bekommen, wodurch hier einige der bei C. v. Wurzbach und J. Hirtenfeld erwähnte falsche Daten bzw. Angaben richtiggestellt werden.

Nach C. v. Wurzbach und Marki Sándor (Arad, vermegye es Arad szabab kiralyi vaross Eörtenete, Bd. II. S. 707) wurde J. Simonyi am 18.2.1777 in Nagy-Kalló geboren.

Hirtenfeld gibt den 8.4.1770 und  Szoboszló im Hajducken Distrikt an, entsprechend dem Grundbuch des HR Nr.4, Abgang, 2. Klasse. Diese Angabe scheint realistischer, da der Eintrag seiner Assentierung - 1787 im Grundbuch des Regiments und die dort erwähnten Daten seiner ersten Beförderungen wohl nicht angezweifelt werden müssen. S. wäre bei seiner Assentierung 17 Jahre alt gewesen, nach den Angaben bei Wurzbach und Marki erst 10, was doch sehr unwahrscheinlich ist).

Seine Eltern waren Paul Simonyi und Susanna Hetesinyi. Die Familie gehörte seit 1637 zum niederen Adel.

Bereits in seiner frühen Jugend war er in seinem Geburtsort als rauflustiger, verwegener Bursche bekannt. Nach dem ihn die Eltern zur Schule nach Debreczin geschickt hatten, war er als Katholik oft in Schlägereien mit den überwiegend kalvinistischen Schülern verwickelt. Seine Lehrer beschwerten sich bei den Eltern worauf S. zum Studium nach Pest geschickt wurde. Er war kein besonders guter und aufmerksamer Schüler, die Armee interessierte ihn schon damals weit mehr!

So ließ er sich als sechzehnjähriger (?) anwerben, aber die erschrockenen Eltern lösten ihn wieder aus. Aber es half nichts, er wurde doch wieder Soldat. Noch vor Ausbruch des Türkenkrieges 1788-91 wurde er am 28.11.1787 als einfacher Husar von den Ständen gestellt und beim HR Wurmser (das spätere HR Nr.8) assentiert.

Seine Feuertaufe erhielt er 1788 bei Pancsova. Heißblütig wie er war, galoppierte S. einer Schar Sipahis entgegen und stand plötzlich allein 5 - 6 Türken gegenüber. Es wäre sein letzter Kampf gewesen, wenn ihn nicht ein Korporal seines Regiments im letzten Moment herausgehauen hätte. S. trug eine Schnittwunde an der Stirn davon und kam in ein Spital, wo er auf Grund schlechter Behandlung beinahe gestorben wäre.

Den Feldzug gegen Frankreich machte er bereits als Vize-Korporal mit (Beförderung am 1.4.1790). Mit 16 Husaren auf Vorposten zwischen Metz und Thionville, wurde seine kleine Einheit von franz. Husaren angefallen. S. warf den Kapitän der Franzosen mit einem Hieb seines Säbels aus dem Sattel, die Anderen flohen. S. erbeutete 13 Pferde und erhielt 1794 für seine Leistungen die silberne Tapferkeitsmedaille (später auch die goldene) und wurde Wachtmeister (26.12.1795)

Seine ungewöhnliche Kühnheit und Tapferkeit erregte die Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten. Kaum war ein Jahr vergangen so sprach man schon am Rhein von dem schneidigen Husaren auf seinem Schimmel. Die jungen Damen schwärmten von ihm. Von seinen Vorgesetzten wurde S. gern zum Auskundschaften feindlicher Stellungen ausgeschickt und er brachte immer verlässliche Nachrichten.

Nach 10 Jahren Dienst wurde er mit der Offizierscharge belohnt (J. Hirtenfeld schreibt in seinem Buch über die Träger des MTO: "...über alles Lob beherzten aber wenig intelligenten Soldaten..." sic!) und kam am 23.9.1797 als Lieutenant zu Merveldt Ulanen (UR Nr.1) Noch vorher vollführte S. eine Tat, die allgemeine Bewunderung hervorrief. Als die Franzosen am 2.8.1796 das Armeekorps des FML Quosdanovich am Gardasee überfallen und umzingelt hatten, bemächtigten sie sich auch der 30 Geschütze der Reserve, die sie gleich gegen die Österreicher in Aktion setzten und diese in ihrem Rücken heftig beschossen. S. wurde mit einem Zug zur Besetzung einer Anhöhe entsendet, gewahrte aber eine größere Anzahl Franzosen, die ihm zuvorkommen wollten. S. sprengte mit einer Handvoll Husaren dem Feind entgegen und trieb die Franzosen auseinander. Dann teilte er seine Mannschaft in mehrere kleine Haufen, die von verschiedenen Seiten gleichzeitig die Bedeckung der erbeuteten Geschütze attackierten. Diese, durch den aufgewirbelten Staub über die Anzahl der Angreifer getäuscht, ergriffen die Flucht. S. verfolgte die Fliehenden noch, bemächtigte sich dann der Geschütze und der Bagage des Korps, die auch in franz. Hände gefallen war.


Simonyi auf der Brücke von Arcole 1797

Genauso tapfer und mit Erfolg kämpfte S. im Juni 1800 bei Ulmenheim (unweit Neresheim), wo seine Reiter eine zahlenmäßig überlegene Einheit der "Roten Husaren" vertrieben. Fünf mal ließ S. zur Attacke blasen, versammelte immer wieder seine Reiter, bis die Franzosen das Weite suchten. Er rettete die beträchtliche Bagage des Korps, die Batterien zweier Regimenter und 150 Munitionskarren, die bereits von den Franzosen umrungen waren.

Einige Tage nach dieser Aktion fiel der Feind bei Neuburg a.D. die Nachhut an, die an einigen Punkten weichen musste. S. der mit seinem Zug auf Seitenpatrouille war, schlich sich unbemerkt in den Rücken der Feinde. Seine Attacke war ein voller Erfolg - er brachte sämtliche Posten der französischen Arriérgarde zur Auflösung. Die herbeigeeilte Verstärkung wurde zerstreut, 60 Mann gefangen und 6 Offiziere und 120 Mann der Reg. Benjowsky und Lacy, die in Gefangenschaft geraten waren, befreit. Darauf griffen die restlichen Eskadronen des Regiments - durch S. informiert- in den Kampf ein wobei ein ganzes feindliches Bataillon zusammengehauen wurde. Bei diesem Treffen verlor S. durch einen Schuss auch seinen jüngeren Bruder, der als Kadett unter ihm diente. Auf französischer Seite fiel der berühmte "Erste Grenadier der Franzosen" - Latour d´Auvergne.

Im gleichen Jahr bewährte sich S. bei Kelheim im Korps Klenau. Am 14.12.1800 wurde S. zu Blankenstein Husaren (HR Nr.6) übersetzt, wo er 1804 zum Rittmeister ernannt und nobilitiert wurde. In diesem Regiment verblieb er bis zum 1.7.1809 als er zum Major bei den Hessen - Homburg Husaren (HR Nr. 4) avancierte.

Bereits vorher wurde S. in der 68. Promotion vom 5.5.1802 mit dem Ritterkreuz des MTO dekoriert. Im Jahre 1806 wurde S. dann in den Freiherrenstand mit dem Prädikat "von Vitézvár" erhoben.

Den Feldzug 1805 machte er wie o. erw. als Rittmeister mit. Nach der Kapitulation des Korps Mack in Ulm versuchte S. mit einigen hundert Reitern verschiedener Regimenter sich nach Böhmen durchzuschlagen. Überall von Franzosen umgeben, wich er mit seiner kleinen Einheit größeren Gefechten aus, überfiel kleinere franz. Detachements, wobei seine Reiter einige Beute machen konnten. Neutrales preussisches Gebiet musste durchquert werden. Als S. mit seinen Reitern Dinkelsbühl durchqueren wollte, verbot ihm dies der dortige Stadtkommandant. S. schenkte ihm eines der Beutepferde und erhielt die Erlaubnis zum Passieren. Auch im damals preussischen Feuchtwangen machte S. Rast. Dort wurde er von zwei Amtsträgern aus Anspach aufgesucht, die im Namen des Königs fragten, wie er es wagt, neutrales Gebiet zu betreten. S. der vom Gelage des vorherigen Abends noch nicht ganz nüchtern war, nahm ein Blatt Papier und schrieb an den König, in dem er ihm seine Situation erklärte (Ob der Brief je ankam ist nicht bekannt). S. verkaufte dann in Feuchtwangen seine sämtliche Beute an die dortigen Händler, mit dem erhaltenen Geld wurden Lebensmittel für die Truppe besorgt. Simonyi erreichte dann ohne weitere Probleme Böhmen.

Seine glänzendsten Taten erbrachte er jedoch in den Feldzügen 1809, 1813 und 1814.

Als Major im Husarenreg. Hessen Homburg nahm S. noch an der Schlacht bei Wagram teil, wo er mit 4 Eskadronen eine Attacke gegen viel stärkere feindliche Massen führte. Zwei Tage nach der Schlacht erhielt S. den Befehl, die Thayabrücke auf der Heerstraße gegen die unter Marschall Davout anrückenden 30.000 Franzosen zu verteidigen, so lange es möglich ist. S. hatte außer seinen Husaren noch ein Bataillon Infanterie, eine Kompanie Pioniere und 6 Geschütze zur Verfügung. Obwohl ihn General Frehlich, die Übermacht des Feindes gewahrend, abrief, erwiderte S. dass er von seinem Oberkommandanten den Befehl habe, die Brücke so lange wie möglich zu verteidigen. Nach dem er die Brücke mit Strohbündeln, Holz und Pulverfässchen zum Anzünden vorbereitet hatte, ließ er seine Kanonen feuern, bis die Rohre glühten. Danach ließ S. die Brücke anzünden  Mitten auf der Brücke leistete er mit einigen Husaren noch Widerstand gegen die anstürmenden Franzosen. Mit versengten Haaren erschien er dann vor seinem General um Meldung zu machen.

Sein Regiment nahm im Auxiliar- Korps Schwarzenberg auch an dem Feldzug nach Russland an der Seite Napoleons teil. A. v. Treuenfest erwähnt auf S. 377 der Regimentsgeschichte seinen Namen, so dass er persönlich am Feldzug teilgenommen haben muss. Besonders hervorgetan hat sich S. während dieses Feldzuges nicht, da weitere Erwähnungen seines Namen fehlen.

Erst 1813 wird S. in der Schlacht bei Kulm (heute Chlumec bei Aussig/Ustí n. L., CZ) wieder erwähnt. Die Schlacht war bereits entschieden, als seine Einheit den Platz über Aussig (heute Ústí n. L./CZ) erreichte. Die Husaren verfolgten den Feind, wobei sie auf eine vom Feind besetzte Anhöhe, die nicht zu Pferde zugänglich war, stießen.

Oberstlieutenant S. - er war am 11.9.1813 befördert worden - ließ 3 Eskadronen sofort absitzen (bei Husaren äußerst selten!!) und die Anhöhe zu Fuß angreifen. Sie wurde erobert und zahlreiche Gefangene gemacht. Seine Husaren zeichneten sich dann noch bei Delisch und Dohna aus. S. befehligte hier 3 Eskadronen seines Regiments und einen Pulk Kosaken als Avantgarde des FML Grafen Hardegg.

Schon hatte S. mehrere feindliche Reiterabteilungen geworfen, als er auf ein feindliches Bataillon stieß, welches sich aus den Verschanzungen bei Giesshübel zog und in Anblick der Husaren sofort ein Karé bildete. Nachdem sie sich nicht ergeben wollten, griff S. das Karé von allen Seiten gleichzeitig an und zersprengte es. Unter den Toten fanden Simonys Reiter den Adler des Bataillons.

Nach der Schlacht bei Leipzig wurde S. für seine in diesen Tagen bewiesene Bravour zum Obersten und Kommandeur seines Regiments befördert (24.10.1813). Während der Schlacht wurde S. von einer Kugel in die Brust getroffen. Die Brieftasche fing jedoch die Kugel auf, wobei 26 Blätter derselben durchlagen wurden. S. war von dem Schlage zwar ohnmächtig geworden, aber bald wieder zu sich gekommen, auf sein Pferd gesprungen um weiter zu kämpfen.

Am 17.2.1814 bestanden seine Husaren ein hitziges Gefecht bei Fontainebleau. Kurz danach vollbrachte S. seine wohl bekannteste Heldentat. FML Graf Hardegg rückte über Caluire nach Lyon. Viele Versuche seiner leichten Kavallerie, die reißende Rhone zu übersetzten waren bereits gescheitert, als sich S. anbot, den Versuch mit seinen Husaren nochmals zu wagen. Lieutenant A. Forster ritt zuerst mit seinem Zuge in die eiskalten Fluten, gefolgt von Oberst S. mit drei Eskadronen, hinter ihm ein Pulk Kosaken. Forsters Pferd überschlug sich in der Mitte des Stromes drei mal, ohne ihn aus dem Sattel zu bringen. Trotzdem wäre er ertrunken, wenn ihm nicht der Husar Gabriel Bassic zur Hilfe geeilt wäre, der auch noch seine Kameraden Mayer und Kezechocsky gerettet hatte (Bassic erhielt anschließend 6 Dukaten Douceur). Nach Überwindung vieler Schwierigkeiten und nach dem 13 seine Reiter in den Fluten den Tod gefunden hatten (laut C. v. Wurzbach und J. Hirtenfeld.-  A. v. Treuenfest nennt in seiner Regimentsgeschichte namentlich nur 5 Husaren, zusätzlich 5 Kosaken), erreichte S. am 20.3. das jenseitige Ufer und erschien plötzlich im Rücken der überraschten Franzosen. Die Husaren warfen die feindlichen Truppen, machten viele Gefangene und brachten Verwirrung in die feindlichen Kolonnen. Marschall Augereau, durch diese Verluste bewogen, räumte noch am gleichen Tag Lyon. Ein Vetter Napoleons, Kardinal Fesch, floh aus der Stadt im letzten Moment ohne jegliches Gepäck!

S. rückte mit 20 Husaren und 100 Kosaken vorsichtig in die Stadt. Um nicht von hinten überrascht zu werden, stellte er in Pistolenschussweite je einen Kosaken als Posten auf. S. gelangte so bis auf die Brücke, die die innere Stadt mit der Äußeren verband. Dort meldete ihm sein Vortrupp einen größeren Trupp franz. Reiter, die auf einem Platz standen. Es kam zu einem heftigen Gefecht, in dem Simonyis Reiter siegten. Die Franzosen zündeten ihre Trainwagen an und zogen sich aus der Stadt zurück. Kurz darauf zog der kaiserliche Oberbefehlshaber mit seinem Stabe in Lyon ein.


Simonyi in Fontainebleau

S. erhielt für seine Taten in diesem Feldzug das Kommandokreuz des Leopold Orden und den preussischen Pour le mérite, außerdem russische und kurhessische Orden.

Eine interessante Geschichte, die in der Wiener Zeitschrift "Der Kamerad" 1863, Nr. 101 erschien und eine Episode aus S. Leben, sowie seinen Charakter beschreibt, soll hier kurz wiedergegeben werden:

1813 kommandierte S. jene Husaren, die mit den Alliierten in Paris einmarschierten. Sie besetzten das Schloss Fontainebleau, die Mannschaft lagerte im Garten und S. besichtigte mit seinen Offizieren die Wohnräume Napoleons, welche ihnen der Hofmarschall des Palastes zwar zeigte, aber zu verstehen gab, dass sie der Ehre, in den kaiserlichen Gemächern zu weilen nicht würdig seien. Das bewog S. dazu, sich nach kurzem Nachdenken in des Kaisers Thron zu setzten, seine Tabakpfeife zu stopfen und gemütlich anzuzünden. Dann fragte er den Gouverneur, der sich über S. Handlung mokierte, ob die Franzosen die Kaiserin Marie- Louise und Napoleon lieben. Auf die bejahende Antwort sagte der Oberst: "..es ist gut.." schlug seine Pfeife an den Thronsäulen aus und stieg herab. Als die Husaren darauf die Zimmer der Kaiserin betraten, nahmen sie ihre Tschakos ab und betrachteten mit Verehrung das Seidengewebe des Himmelbettes, das Maria Louise selbst gestickt hatte. Der Gouverneur bot es S. zum Geschenk an, was dieser jedoch mit Entrüstung zurückwies:

"...wir sind nicht gekommen, um zu plündern. Die Kaiserin ist die Tochter unseres gütigen Monarchen Franz des Ersten und ihrer Hände Arbeit wird kein Untertan entweihen wollen. Bewahren Sie für den Kaiser die Schätze seines Palastes und wenn nach uns ein Anderer kommt, so sagen Sie ihm, dass Ungarn hierher gekommen sind und nichts weggenommen haben; dass ein ungarischer Husar am Thronsessel ihres Kaisers seine Pfeife ausgeklopft hat, aber im Gemach ihrer Kaiserin, seiner Erzherzogin, barhaupt und ehrfurchtsvoll gestanden ist..."

Aus mehreren Berichten geht hervor, dass S. immer darum bemüht war, dass sich seine Leute korrekt verhielten. Schlechten Umgang mit der Zivilbevölkerung bzw. Plünderungen strafte er - oft mit drastischen Methoden.

In der folgenden Friedensepoche wurde 1816 seinem Regiment die Ehre zuteil in Wien einzuziehen. Als es in die Stadt kam, ritten seine 32 Musiker voran, angeführt von einem orientalisch gekleideten riesigen Mohr, der einen silbernen Streitkolben in der Hand hielt. Die Husaren trugen alle neue Uniformen. Die Wiener Bevölkerung - vor Allem die weibliche - begrüßte die Helden stürmisch.

Weitere Garnisonsstationen waren Grosswardein (Oradea/R) und 1818 - 23 Debreczin. Hier erhielt das Regiment 1819 vier neue Standarten mit einem Bande geschmückt, gewidmet von der Gemahlin des Inhabers, Landgraf Friedrich zu Hessen-Homburg.

In diesen Jahren heiratet S. auch, nämlich am 21.10.1822 in Wien. Seine Ehefrau wurde Theresia Leiner v. Negelsfürst (*1803 in Wien, + 31.12.1868 in Radnai bei Arad). Aus der Ehe entstammten 3 Söhne und 2 Töchter (davon verstarben 2 als Kinder).

Die letzte Station unter S. Befehl war Tarnopol (1823 - 34). Hier muss sich das unglückliche Ereignis, das Moric Jokai in der Pester Sonntagszeitung (III. Jhg. Nr 1 - 8) beschreibt, zugetragen haben. Folgendes soll geschehen sein:

S. gab einem Kadetten Urlaub und sagte ihm, wenn er zu einer bestimmten Zeit nicht zurückkommt, so lasse er ihn erschießen. Der junge Mann kam erst nach dem Zapfenstreich und S. ließ ihn - um sein Wort zu halten - erschießen.

Als Kommandant des Regiments hatte S. nicht das Recht solch ein Urteil auszusprechen bzw. vollziehen zu lassen.

Hirtenfeld ("Der Maria-Theresien-Orden und seine Mitglieder", Wien, 1857, S. 742) umschreibt S. Ende sehr diplomatisch mit folgenden Worten:

"So heldenherrlich  S. als Muster eines tapferen Soldaten vor dem Feinde glänzte, so wenig fand er sich in der Friedensepoche auf dem wichtigen Posten zurecht, und so kam es, dass Verhältnisse seinen Austritt aus dem Allerhöchsten Dienst am 23.4.1832 nothwendig machen mussten".

(Bemerkung: das angegeben Austrittsdatum kann nicht stimmen - siehe unten).

Auch C. v. Wurzbach beschreibt in seiner Biographie nicht genau, wie S. endete.

Dem Autor ist es gelungen, im Wiener Kriegsarchiv einige Dokumente ausfindig zu machen, die Licht in die letzten Jahre des Oberst Simonyi bringen. Die Akten berichten folgendes:

Die im Jahre 1823 durchgeführte Visitierung des Regimentsgerichtes des Husarenregiments Nr. 4 ergab vor allem schwere Verfehlungen des Regimentsauditors Anton Freyberger, gegen den mit Reskript vom 19.6.1823 die kriegsrechtliche Untersuchung angeordnet und die Verantwortung des Obersten Simonyi wegen Außerachtlassung seiner Dienstpflichten und unerlaubter Eigenmächtigkeiten beantragt wurde.

Das Verfahren gegen Freyberger endete mit dessen Verurteilung am 30.7.1825.

Er wurde wegen Vernachlässigung seiner Dienstpflichten, unwahrer Eingaben, gesetzeswidrigen Vorgehen in Stand - und Kriegsrechten die auf Todesstrafen erkannten, wovon zwei wirklich vollzogen wurden, als zum Militärrichter unfähig, seiner Charge entsetzt und zu zweijährigem Festungsarrest verurteilt.

Da Oberst Simonyi von den Verfehlungen zum Teil Kenntnis hatte, aber nicht entsprechend eingeschritten war, beantragte der Hofkriegsrat mit Vortrag vom 8.6.1825 neben einem scharfen Verweis, die Bestrafung S. mit einem sechswöchigen Profossenarrest.

Dieser Antrag erhielt die Allerhöchste Genehmigung nicht. Erzherzog Ludwig verfügte im Auftrage des Kaisers am 1.7.1825:

"...Der Oberst Simonyi von Hessen - Homburg Husaren ist nach Vorschrift der Gesetze einem Kriegsrechte zu unterziehen und der Ausschlag desselben seinerzeit gutächtlich vorzulegen..."

Darauf wurde das ungarische Generalkommando in Ofen angewiesen, die Untersuchung gegen S. durch den Stabsauditor von Clessin, der auch die Untersuchung gegen Freyberger geführt hatte, durchführen zu lassen.

Während dieser Untersuchung wurden neue Verbrechen des ehem. Auditors Freyberger, dann die Mitschuld des Regimentsadjutanten Oberlieutenant Velbofsky festgestellt, so dass das Verfahren nun auf die drei genannten Personen erweitert wurde.

Oberst Simonyi wurde schuldig erkannt:

  1. Der Unterlassung der pflichtgemäßen Aufsicht über den Auditor hinsichtlich dessen Amtshandlungen,
  2. Der widerrechtlichen Beeinflussung der gerichtlichen Verhandlungen durch Einwirkung auf die Mitglieder der Kriegsrechte, wodurch mehrere Soldaten widerrechtlich zum Tode verurteilt und zwei von ihnen auch hingerichtet wurden,
  3. Des Missbrauches des ihm zustehenden Strafrechts durch Verhängung widerrechtlicher und ungesetzlicher Strafen,
  4. Des Missbrauches des ihm zustehenden Begnadigungsrechtes,
  5. Des Verbrechens des Verfälschens von Akten und Urkunden und des Betrugs, begangen dadurch, dass er einen Knaben unter falscher Angabe in einem Erziehungsheim unterbringen wollte und hierzu Dokumente (Taufschein und Taufprotokoll) durch den Regimentskaplan fälschen ließ, ebenso wie auch im Arrestanten- und Untersuchungsprotokoll Fälschungen mit seinem Vorwissen vorgenommen wurden.
  6. Der Bedrückung der Mannschaft durch harte reglementwidrige Befehle.


Im Jahre 1829 wurde unter Vorsitz des GM Baron Wernhardt und des Untersuchungs-richters Stabauditors von Renn ein neues Kriegsgericht zusammengesetzt, das S. auf Grund der o. erw. 6 Punkte zur Strafe des elfmonatigen Profossenarrestes verurteilte.

Freyberger wurde wegen Fälschung von Untersuchungsakten und des Erpressens von Geständnissen durch Stockhiebe und Hungern zu neuerlichem zweijährigen Festungs- arrest, der Regimentsadjutant Oberlieutenant Josef Velbofsky wegen eines wahrheitswidrigen Zeugnisses, das er dem Regimentskommandanten ausstellte und wegen Fälschung der Unterschrift des Obersten Simonyi zu viermonatigem Profossenarrest verurteilt.

Am 25.12.1829 langte die Kriegsrechtsakten beim Militär- Appelationsgerichte ein, welches die Angelegenheit in der Zeit vom 25. bis 28.6.1830 unter dem Präsidium des

FZM Baron Lattermann verhandelte.

Während die Urteile für Freyberger und Velbofsky bestätigt wurden, verwarf das Militär Appelationsgericht das Urteil gegen S. und beschloss mit Stimmenmehrheit, dass S. seiner Charge entsetzt, seiner Orden verlustig erklärt und zu einem zweijährigen Festungsarrest verurteilt werden sollte.

Der Hofkriegsrat empfahl den Obersten der Allerhöchsten Gnade, beantragte ihn im Besitz seiner Charge und Orden zu belassen und nur zu einem einjährigen Profossenarrest zu verurteilen mit der Begründung, dass Oberst Simonyi auf eine 38jährige ausgezeichnete und vor dem Feinde oft erprobte Dienstzeit, während welcher er "fünfmal vor dem Feinde geblutet", zurückblicken könne.

Diese Empfehlung fand jedoch die Allerhöchste Genehmigung wiederum nicht. Erzherzog Ludwig vermerkte auf dem Antrag:
 
"...Dem Antrag zur Begnadigung des Obersten Baron Simonyi finde ich nicht statt zu geben. Der übrige Inhalt dient mir zur Wissenschaft.
                                                                                  Wien, den 5. März 1831
                                                                                  Auf ah. Befehl Sr. Majestät
                                                                                              Erzh. Ludwig m. p.
 
Auf Grund dieser Resolution wurde das vom Appelationsgericht gefällte Urteil am 23.4.1831 kundgemacht und vollzogen. Simonyi wurde in der Festung Arad interniert und starb dort an "Brand" wie im Sterberegister vermerkt, am 23.8.1832.

Seine sterblichen Überreste wurden am 25.8.1832 auf seinem Gut in Vadasz (heute Vinatori/R) beigesetzt. Als die Erbin seines Sohnes, Werler Péterné, geb. Karoline Pretzner die Domäne Vadasz parzellieren ließ, veranlasste sie die Überführung des Leichnams 1913 nach Budapest, wo er am 24. 4. d. J. auf dem Kerepeser Friedhof beigesetzt wurde.

S. hatte 2 Kinder.

  • Ladislaus (Lájos) geb. 1824 in Tarnopl, gestorben 20. 8. 1897 in Budapest. Während des Aufstandes 1848/49 war er Kurier bei Gen. Arthur Görgei. 1875-76 ungarischer Industrie- und Handelsminister. Er war mit Julia Gräfin Königsegg-Rothenfels verheiratet.
  • Katarina, verheiratet mir Moricz Hertvick von Hanen-Eberstein, k. u. k. General.

Simonyis Ehefrau heiratete nach seinem Tode nochmals. Ihr 2. Ehemann wurde Janos Henrik Rochel.

Andere Personen des Regiments, die in die Angelegenheit verwickelt waren, wurden wegen Verjährung nicht mehr in Untersuchung gezogen, nur gegen den Kaplan Anton Szull wurde die gerichtliche Untersuchung noch beantragt.

Der Lebenslauf von Oberst Simonyi erinnert stark an denjenigen von Obrist Franz v. d. Trenck, den berühmt- berüchtigten Panduren Oberst. Wie jener, war auch S. äußerst tapfer, tollkühn, ja todesverachtend. Auch er wurde von seinen Soldaten abgöttisch geliebt, obwohl er manchmal recht grausame Methoden zur Einhaltung der Disziplin ergriff. Beide hatten Schwierigkeiten mit der Einhaltung allgemein gültiger Regeln und Gesetzte, was letztendlich zur Verurteilung durch ein Kriegsgericht führte (auch v.d. Trenck starb im Gefängnis auf dem Spielberg zu Brünn).

 Im Jahre 1919 stellte in Ungarn der Markgraf Pallavicini den Antrag, ein Husarenregiment, das den Namen "Simonyi" führe, aufzustellen. Die "Simonyi Husaren" nahmen dann im November 1919 am Vormarsch auf Budapest teil. Danach wurde das Regiment in das Honvéd - Husarenregiment Nr. 2 einbezogen.

 

Quellen:

  • Dr. J. Hirtenfeld, Der Militär-Maria-Theresien-Orden und seine Mitglieder, Wien, 1857
  • G. Ritter Amon v. Treuenfest, Geschichte des k.u.k. Husarenregiments Nr. 4, Wien, 1903
  • C. v. Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich,
  • Kempelen, Béla, Magyar Nemzetségi Zsebkönyv,
  • Dokumente aus dem Familienarchiv Mae. L. Morley, Kingston, Ontario, Kanada
  • Márki Sándor, Geschichte des Komitats Arad und der Kgl. Freistadt Arad, Bd. II. 1895 (ungarisch)
  • "Der Kamerad", Wien, 1863, Nr. 101
  • Moric Jókai (Jókai Mór), Pester Sonntagszeitung Jhrg. 1857, Nr. 1 - 4
  • Kriegsarchiv:     Akte KA Nr. 729, AE Nr. 5558 von 1913 + Gutachten
  • Akte KA Nr. 475, AE Nr. 5486 von 1913
  • Akte KA Nr. 705 AE Nr. 7286 von 1935

Harald Skala

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