Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden (genannt Türkenlouis)
kaiserlicher Generallieutenant


Geboren am 8.4.1655 im Hotel de Soissons in Paris. L. stammte aus der(katholischen) Linie Baden-Baden.
Vater Ferdinand Maxmilian starb bereits am 4.11.1669  im Alter von 44 Jahren an den Flogen eines Jagdunfalls.
Mutter Luisa Christina von Savoyen-Carignan. Die Ehe der Eltern verlief sehr seltsam. Luise Christine stand zeitlebens unter dem Einfluss ihrer starken Mutter und weigerte sich, ihrem Ehemann nach Baden zu folgen. Die Eheleute lebten also meistens getrennt. Ludwig wuchs bei seinem Vater auf, die Mutter kümmerte sich um ihren Sohn sehr wenig.
Nach Vaters Tod begab sich L. wie bei jungen Adeligen dieser Zeit üblich auf Reisen, besuchte Italien, 1673 die Kurfürsten von Mainz und Köln. Die 1674 geplante Reise in die Niederlande fand nicht statt, L. trat als Volontair in die kaiserliche Armee ein, zu seinem Onkel GFZM Hermann v. Baden, der für die Artillerie und das Ingenieurwesen zuständig war. L. machte die Eroberung Philippsburgs im September 1676 mit und durfte die Nachricht über den Erfolg nach Wien bringen.
Zum Obristen ernannt, übernahm er das IR seines Onkels Hermann. Bereits im Alter von 23 Jahren übernahm er mit Zustimmung des Kaisers die Verwaltung der Markgrafschaft Baden.
Nach dem Hermann v. Baden 1681 Präsident des Hofkriegsrates wurde, übernahm L. im Türkenfeldzug 1683 das Kommando über ein Dragonerregiment, mit dem er bei Pressburg (Bratislava ) gegen Tökölys Kuruzen kämpfte und dann beim Entsatz von Wien mitwirkte. In der Schlacht bei Parkány am 9.10.1683 befehligte er die Reiterei des rechten Flügel. In seiner Einheit bewährte sich damals auch Prinz Eugen v. Savoyen. L. wurde daraufhin zum General der Cavallerie, G.d.C. befördert. Im Jahre 1686 kämpfte er unter Herzog v. Lothringen und Kurfürst Max Emanuel v. Bayern u.A. bei Ofen, das am 2.9.erobert wurde.
Am 6.4.1689 ernannte ihn Kaiser Leopold zum Oberbefehlshaber der Armee in Ungarn. Bereits im gleichen Jahr besiegte er ein zahlenmäßig überlegenes türkisches Heer bei Nissa.
1690 heiratete L. auf dem Schloß in Raudnitz (Roudnice, Tschechische Rep.) Sibylla Augusta v. Sachsen-Lauenburg.
Die Schlacht von Szlankamen am 19.8.1691 war wohl der größte Sieg, den L. über die Türken errang. 20.000 Türken kamen um, der Großvezir, Seraskier und der Kommandant der Janitscharen waren unter den Gefallenen. Die Verluste der Kaiserlichen betrugen um die 5.000 Man. Daraufhin wurde L. am 27.8. zum Generallieutenant ernannt. Diese hohe Auszeichnung errangen außer ihm nur noch O. Piccolomini, R. Montecuccoli, Karl von Lothringen und später Prinz Eugen.
Im selben Jahr wurde L. Gouverneur von Raab und erhielt den Orden des Goldenen Vließ.
Nach dem Tod des Hrzg. v. Lothringen übernahm L. den Oberbefehl am Rhein gegen die Franzosen. Mit seinen geringen Kräften konnte er die weit überlegenen Franzosen nicht aufhalten, die Heidelberg eroberten. Festungskommandant FML Heddersdorf, der die Stadt nach kurzer Belagerung den Franzosen übergab, wurde vor ein Kriegsgericht gestellt und zum Tode verurteilt. Erst auf dem Hinrichtungsplatz wurde er begnadigt.
Bei den Feldzügen der nächsten Jahre hatte L. mit vielerlei Schwierigkeiten zu kämpfen. Es fehlte an Geld für die Armee, er bekam nicht genügend Soldaten, außerdem gab es dauernd Streitigkeiten mit den Reichsständen. Da L. von aufbrausender Natur war und auch im Verkehr mit Kaiser Leopold "kein Blatt vor den Mund nahm", schaffte er sich mehr Feinde als Freunde.
1696 versuchte L. die polnische Königskrone zu bekommen. Seine finanziellen Mittel reichten für solch ein Unterfangen jedoch bei Weitem nicht aus (die polnischen Stände wählten zu guter Letzt August den Starken von Sachsen). Da L. seine Kandidatur nicht mit dem Kaiser abgesprochen hatte, zog er sich dessen Unmut zu.
Nach dem Frieden von Rijkswijk 1697 versuchte L. die Kreise des Reiches zur Aufstellung eines stehenden Heeres zu bewegen und dessen Oberbefehl zu übernehmen, was wiederum den Argwohn Leopold I. erweckte.
Da Ludwigs Residenzstadt Baden von den Franzosen weitgehend zerstört war, begann er in den letzten Jahren des 17. Jh. mit dem Bau einer neuen Residenz in Rastatt (Baumeister war der Italiener Rossi). Die Zeit, in der er nicht im Felde war, verbrachte L. mit seiner Familie meist auf dem Schloß von Schlackenwerth (heute Ostrov bei Karlsbad, Tschechische Rep.).
1700 war der Kaiser in einer sehr verzweifelten Situation und suchte nach Verbündeten. So machte er auch L. weitgehende Zugeständnisse, um ihn zur Übernahme der Armee am Rhein zu überreden. Im Spanischen Erbfolgekrieg befehligte Prinz Eugen die Armee in Italien, L. kämpfte gegen die verbündeten Franzosen und Bayern unter Marschall Villars und Kurfürst Max Emanuel am Rhein.
1704 sollten Prinz Eugen, der Herzog von Marlborough und Ludwig v. Baden gemeinsam eine Entscheidung im Westen herbeiführen, was zu Streitigkeiten um den Oberbefehl führte. L. zog mit einem Teil der Armee nach Donauwörth, wo er am 2.7. am Oberschenkel verwundet wurde. Durch falsche Behandlung heilte diese Wunde nie ganz aus.
Eugen und Marlborough besiegten die Franzosen und Bayern bei Höchstädt, L. belagerte inzwischen Ingolstadt. Nach dem Sieg bei Höchstädt brach er die Belagerung ab und vereinigte sich mit Eugen.
Nach dem Tod Leopold I. am 5.5.1705 wurde Joseph I. Kaiser. Obwohl er mehrere male L. bei seinen Feldzügen begleitet hatte, war das Verhältnis der beiden nicht sehr gut. L. wurde zunehmend als "Bremser" bei den weiteren Aktionen gegen die Franzosen betrachtet, obwohl seine Warnungen vor übereilten Aktionen oft gut begründet waren.
Auch die Gesundheit des Markgrafen verschlechterte sich zusehends, so dass er den Dienst bei der Armee unterbrechen musste. Der Kaiser war der Ansicht, dass dies nur vorgetäuscht wäre. So verschlechterte sich auch das Verhältnis zwischen Kaiser und Markgraf weiter.
In seiner Abwesenheit befehligte FM Thüngen die Armee am Rhein. Der Kaiser zwang ihn, mit ungenügenden Kräften den Rhein zu überqueren und gegen die Franzosen zu ziehen. Erst kurz vor der unweigerlichen Katastrophe sah Joseph I. seinen Fehler ein und gab den Befehl zum Rückzug.
L. versuchte seine Leiden (Gicht, Rheuma und seine offenen Wunde am Oberschenkel) bei Kuren im hessischen Schlangenbad zu kurieren, mit mäßigem Erfolg.
Im Herbst 1706 ging L. in seine neue Residenz nach Rastatt, wo er seine letzten Tage verbrachte. Er starb am 4.1.1707. Sein Leib wurde in der Stiftskirche zu Baden beerdigt.
Mit seiner Ehefrau Sibylla Augusta hatte  L. ein sehr gutes Verhältnis, sie verbrachten gemeinsam jeden freien Tag. Sibylla Augusta folgte L. auch oft bei seinen Unternehmungen. Das Familienleben wurde aber sehr oft getrübt - von den neun Kindern, die Sibylla Augusta gebar, starben sechs im Kindesalter.
Markgraf Ludwig war ein treuer Heeresführer seines Kaisers, der bereit war, Gesundheit und Leben für ihn zu opfern. Er war aber auch ein Reichsfürst und als solcher vertrat er immer die Belange seines Standes, auch gegen den Souverän.
Vor Allem in seiner Zeit als Befehlshaber am Rhein kam es zu Spannungen zwischen Kaiser und Markgrafen, der sich oft vom Kaiser im Stich gelassen fühlte und ihm das auch unumwunden kund tat.
In jungen Jahren oft kühn voranstürmend, wurde er mit zunehmendem Alter und Erfahrungen vorsichtiger, was ihm später von jüngeren Heerführern (Prinz Eugen, Marlborough) als Zaudern vorgeworfen wurde.

Harald Skala

Inhalt
Übersicht Biographien
Zu den Zeitgenossen