Joseph Wenzel Fürst Liechtenstein, k. k. Feldmarschall

 

Geboren 1696 in Prag. Vater Fürst Philipp (*1664 ,+1704), Mutter M. Christine Löwenstein-Wertheim-Rochefort (*1665 +1730).
Nach seiner Ausbildung am Prager Carolinum trat er als 16-jähriger in die kaiserliche Armee. Während des Türkenkrieges bewährte er sich erstmals als Hauptmann bei Belgrad 1717 und wurde ein Jahr später zum Oberstlieutenant befördert.
Während der folgenden Friedensjahre widmete er sich militärischen Studien. Im Polnischen Thronfolgekrieg 1733 als Feldwachtmeister, 1734 zum Feldmarschallieutenant befördert.
In den folgenden Jahren im diplomatischen Dienst, zuerst als Gesandter am Berliner Hof, wo er Preussen zu einem Bündnis mit dem Kaiser gewinnen sollte. Hierbei kamen ihm seine freundschaftlichen Beziehungen zum Kronprinzen zugute.
Vom 23.12.1737 bis 16.08.1741 als Botschafter am Hof in Versailles. Auch später nahm er im Auftrag des Kaiserhauses gelegentlich noch diplomatische Missionen wahr, so 1760 als Brautwerber für Erzherzog Joseph um Isabella v. Parma, später bat er um die Hand der spanischen Infantin Maria Ludovica für Erzherzog Leopold.
1763 war er in Frankfurt a. M. aus Anlass der Wahl und Krönung Erzhrzg. Josephs zum Kaiser als Wahlbotschafter des Wiener Hofes tätig.
1741 übernahm L. als G.d.C. erneut hohe Militärkommandos. In der Schlacht bei Chotusitz 17.5.,1742 befehligte er die Kavallerie des rechten Flügels. Im Herbst 1745, nach seiner Beförderung zum Feldmarschall erhielt er das Oberkommando der in Italien stehenden Armee. Im Feldzug des folgenden Jahres konnte er nach der Rückeroberung Mailands am 16.6.1746 bei Piacenza einen Sieg über die franz.-spanische Armee erringen. 1753 wurde er Generalkommandant von Ungarn. Fortschreitende körperliche Gebrechen zwangen ihn, sein Kommando niederzulegen und den aktiven Militärdienst zu verlassen.
Die eigentliche Leistung L.s liegt auf dem Gebiet der Neuformierung des österreichischen Artilleriewesens, zu dessen Chef er 1744 ernannt wurde. Unter dem Eindruck des 1. Schlesischen Krieges empfahl er der Kaiserin die vollständige Reorganisation der Artillerie in technischer und personeller Hinsicht, wobei er einen beträchtlichen Teil der dafür erforderlichen Finanzmittel aus eigenem Vermögen beizusteuern bereit war. Für seine Pläne gewann er die Unterstützung einer Reihe von Fachleuten, so den Dänen Alfson, den Franzosen Gribeauval, den Italiener Guasco, den in sächsischen Diensten stehenden Rouvroy und den Preussen Schröder.
1748 schuf L in Böhmen den organisatorischen Mittelpunkt des Artilleriekorps und zog es zu jährlichen Gefechtübungen in Moldauthein (heute Týn nad Vltavou) zusammen. Er führte eine in Form und Abmessungen neue Generation von Feldstücken, Haubitzen und Mörsern der verschiedenen Kaliber ein, die sich in den Feldzügen der folgenden Jahre so sehr bewehrten, dass sie mit nur geringfügigen Änderungen mehr als hundert Jahre zur Standardausrüstung der österr. Artillerie zählte. Die Zahl der Geschütze wurde im Laufe des Siebenjährigen Krieges von 202 im Jahr 1756 auf 458 im Jahr 1760 erhöht.
Im Zuge der Reorganisation ließ L. die wichtigsten Lehrbücher über Handhabung von Geschützen (Belidor, Deidier) auf eigene Kosten neu herausgeben und an die Offiziere des Artilleriekorps verteilen. Er führte auch 1753 ein neues Rangreglement ein und entwarf die Grundzüge eines "Relglements für das k. k. österr. gesamte Feld-Artillerie-Corps", das 1757 erlassen wurde und den Dienstbetrieb bis in alle Einzelheiten festlegte.
Alle diese Maßnahmen hatten eine tiefgreifende und langandauernde Wirkung und sind dem großen Reformwerk Maria Theresias in den ersten beiden Dezennien ihrer Herrschaft an die Seite zu stellen.
Für seine Verdienste wurde L. mit dem Orden des goldenen Vlies (1739), dem Grosskreuz des Stephanordens (1765) und dem Prädikat "Celsissimus" (1760) belohnt.
J. W. Fürst Liechtenstein starb am 10. 2. 1772 in Wien.


Österreichische Artillerie im Siebenjährigen Krieg

Zwischen Mitte 18. und Mitte 19.Jahrhunderts diente eine Reihe von Mitgliedern der Familie Liechtenstein in der kaiserlichen Armee in hohen Funktionen. Da in der Literatur oft nur der Nachnahme zitiert ist, füge ich eine Aufstellung dieser Mitglieder bei.
Joseph Wenzel, Fürst Liechtenstein, GFWM, FM (dessen Biographie oben aufgeführt ist).war 1725 - 72 Inhaber eines 1775 aufgelösten Dragonerregiments.
Johann, Fürst Liechtenstein, GM, FML, war 1772-75 Inhaber des o. erw. DR, dass ab 1772 seinen Namen trug. Ab 1775 zweiter Inhaber des Kürassier-Reg. Modena.
Carl, Fürst Liechtenstein, FML, FM, war 1767 - 89 zweiter Inhaber des Ulanenreg. Nr. 6 (zu dieser Zeit Chevauxlegers).
Johannes Joseph Fürst Liechtenstein, FM, 1790 - 94 Kommandant des Dragonerreg. Nr. 10, das ab 1888 seinen Namen trug.
Moriz, Fürst Liechtenstein, FML,  1800-05 Kommandant des Ulanenreg. Nr.2, 1809-19 Inhaber des Dragonerregiments Nr.6 Albrecht v. Preussen
Johannes Fürst Liechtenstein, FML,1799-1801 Inhaber des in diesem Jahr aufgelösten Dragonerreg. das seinen Namen trug. 1801-36 Inhaber des Husarenreg. Nr.7.
Carl Fürst Liechtenstein, GM, G.d.C, 1840 - 65 Inhaber des Dragonerreg. Nr.10 (dieses Reg. hatte 1801-51 als Chevauxlegers Reg. die Nr.5, 1851-73 als Ulanen - Reg. die Nr.9)
Franz Prinz Liechtenstein, FML, G.d.C., 1837-44 Kommandant des Husarenreg. Nr.9, 1849-87 Inhaber dieses Regiments
Friedrich Fürst Liechtenstein, G.d.C. , 1854-61 Inhaber des Ulanenreg. Nr.3, 1861-85 Inhaber des Husarenreg. Nr.13 - Jazygier u. Kumanen.

Harald Skala

Quellen:
  • C. v. Wurzbach, Biographischer Lexikon des Kaisertums Österreich, Wien, 1872
  • A. Frhr. v. Wrede, Geschichte der K. u. K. Wehrmacht, Wien, 1898-1905 Bd. III

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