Carl Joseph Fürst de Ligne, k. k. Feldmarschall
 
Geboren am 23.5.1735 in Brüssel.
Vater Claudius Lamoral II.
(7.8.1685, + 1766), war k.k FM,
Mutter Elisabeth Alexandrine Prinzessin zu Salm.


Das fürstliche Haus de Ligne ist eines der ältesten und berühmtesten der Niederlande. Der Name stammt vom Städtchen Ligne im Hennegau. Das Geschlecht besaß seit dem 12. Jh. die Pairie von Baudour und seit dem 13.Jh. die erbliche Würde eines Marschalls von Hennegau.
Seine Kindheit verbrachte Carl auf dem Stammschloss der Familie Beloeil und trat bereits mit 17 Jahren als Fähnrich in das wallonische IR seines Vaters ein.
Wie damals gebräuchlich, suchte sein Vater die Braut für den Sohn. Es war Maria Franziska Prinzessin v. Liechtenstein, geboren 1739, mit der sich Carl am 6.8.1755 vermählte. Aus der Ehe kamen 7 Kinder, davon 3 Söhne. Adalbert Xaver starb mit 4 Jahren. Die übrigen zwei wurden auch Offizier im k.k. Heer.
In der Schlacht bei Kolin am 18.6.1757 focht Carl bereits als Hauptmann. In dieser Schlacht hatte sich besonders das Dragonerregiment Nr. 14, dessen Inhaber der Onkel Carls, Fürst Ferdinand de Ligne war, hervorgetan.
1758 als Stabsoffizier im Korps Gen. Loudons, zeichnete sich Carl besonders in der Schlacht bei Hochkirch am 14.10. aus, worauf er zum Oberstlieutenant avancierte.
Nach der Schlacht bei Dresden zum Oberst und Kommandant des Regiments seines Vaters befördert, bei Maxen erneut sich ausgezeichnet, bekam er die Ehre die Nachricht über den Sieg an den französischen Hof nach Versailles zu überbringen.
Carl machte dann im Oktober 1760 den Zug Gen. Lacys und der Russen nach Berlin mit.
Nach dem Tode seines Vaters Claudius Lamoral am 7.4.1766 erhielt dessen Regiment FZM Graf v. Merode. Carl blieb Kommandant des Regiments.
In der Schlacht bei Burkersdorf am 21.8.1762 verlor sein Reg. ein Viertel seines Standes.
Nach dem Frieden von Hubertsburg ging sein Regiment in Garnison in die Niederlande, er selbst begab sich auf Reisen in die Schweiz und Italien. Im Februar 1764 zum General-Major befördert, verbrachte er eine Zeitlang am Hofe in Paris. Im September 1770 nahm er an einem Treffen Joseph II. mit Friedrich II. teil, anlässlich dessen er Friedrich von Kaiser Joseph vorgestellt wurde. Aus diesem Treffen entwickelte sich eine lange Jahre andauernde Zuneigung und Wertschätzung der beiden.
1771 wurde Carl Inhaber des wallonischen IR Sachsen-Gotha Nr. 30 (er blieb Inhaber bis zu seinem Tode). Im folgendem Jahr wurde Carl mit dem Orden des Goldenen Vliess ausgezeichnet und hielt sich darauf einige Zeit in Versailles auf.
Im bayrischen Erbfolgekrieg (Kartoffel - Krieg) befehligte Carl - bereits als FML - unter FM Loudon mehrere Grenadierbataillone.
Nach dem Krieg begab er sich wieder auf Reisen, besuchte im Sommer 1780 Friedrich II. und weilte später am Hofe Katharina II. in St. Petersburg.
Im Jahre 1779 zum Gouverneur von Mons und Divisionskommandant der IR de Ligne und d`Arberg Dragoner ernannt, schrieb er in den nächsten 6 Jahren mehrere Bücher militärischen Inhalts.
1786 weilte er in diplomatischer Mission in Russland und bereitet das Treffen Joseph II. mit Zarin Katharina II. vor. Diese schenkte ihm einige Güter in Taurien (die er später verkaufte).
Während des Türkisch-russischen Krieges war Carl - inzwischen zum FZM aufgestiegen - in diplomatischen Diensten tätig.
1789 befehligte er ein Armeekorps in Syrmien in der Armee der Gen. Loudon und Hadik. Bei der Einnahme von Belgrad am 8.10. d.J. bewies Carl erneut seine Tapferkeit und taktisches Können worauf er mit dem Kommandeurskreuz des MTO ausgezeichnet wurde.
Während des Aufstandes in den Niederlanden wurde Carl von den Aufständischen mehrmals aufgefordert, eine führende Rolle zu übernehmen, was er jedoch mit aller Entschiedenheit ablehnte. Trotzdem geriet er durch einige Missverständnisse damals bei Joseph II. in Ungnade.
Als Franzosen Belgien besetzten, verlor Carl seine sämtlichen Besitztümer dort, sein Regiment wurde in die franz. Armee aufgeteilt. Er ließ sich nun dauerhaft in seinem Landhaus, dass er sich auf dem Leopoldiberg bei Wien bauen ließ, nieder.
In den nächsten Jahren ohne Kommando, weilte er oft bei seiner Tochter in Teplitz (heute Teplice in Böhmen), die Fürst Clary-Aldringen geheiratet hatte.
1803 erhielt Carl vom Reichs-Deputations-Ausschuß im Ausgleich für seine verlorenen Güter das Gut Edelstetten bei Günzburg (er verkaufte es später an Graf Nicolaus Esterházy). Napoleon Bonaparte gab die beschlagnahmten Güter in Belgien an die Familie zurück, wonach Fürst Carl diese seinem Sohn Prinz Ludwig in Verwaltung gab.
1807 wurde Fürst Carl zum Hauptmann der Trabanten-Leibgarde ernannt und am 7.9.1808 zum Feldmarschall. Ein militärisches Kommando, nach dem er sich so sehnte, erhielt Carl nicht mehr.
Carls Sohn, Prinz Carl de Ligne, war Oberstlieutenant bei den Genietruppen. Als Stabsoffizier führte er am 14.9.1792 drei Bataillone Infanterie und mehrere Eskadronen des Husarenreg. Kálnoky Nr.3 gegen die Franzosen in einer Waldschlucht (Defilé) beim Weiler La Croix-aux-Bois. Durch mehrere Kugeln getroffen, starb er im Alter von nur 33 Jahren.
Sein zweiter Sohn, Prinz Ludwig Lamoral, Oberst beim IR Nr. 55 starb am 10.5.1813.
Carl, Fürst de Ligne, starb nach längerer Krankheit am 14.9.1814 in Wien. Er war nicht nur ein hervorragender Soldat und Diplomat, aber wegen seiner Intelligenz, gekonntem Auftreten und Witz in den höchsten Kreisen seiner Zeit sehr beliebt.
Er war (vor der franz. Revolution) Pair von Flandern, Pair, Maréchal, Grand-Bailli und souveräner Offizier der Land-und Grafschaft Hennegau, Gouverneur von Mons, Pair von Namur und Artois.
Grand von Spanien 1. Klasse , k.k. geheimer Rat und Kämmerer, Ritter des Goldenen Vliesses, Kommandeur des militärischen Maria Theresien Orden, k.k. Feldmarschall und Hauptmann der k.k. Trabanten-Leibgarde und Hofburgwache, Oberst und Inhaber des 30. Linien-Infanterieregimentes. Unter Zeitgenossen wurde er al "letzte Blume der Wallonen" bezeichnet.

Harald Skala

Quelle: A. Graf Thürheim: FM Carl Joseph Fürst de Ligne, Wien, 1877.
 

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