Franz Freiherr von der Trenck. K. K. Obrist,
berühmt - berüchtigter Panduren- Kommandant

Er war eine der schillerndsten Gestalten der K. K. Heeresgeschichte des 18. Jh.
In seinem kurzen Leben (er starb im Alter von 38 Jahren) spiegelt sich eine Fülle wildester Leidenschaften und heroischer Tugenden.
Geboren wurde F. am 1. 1. 1711 in Reggio di Calabria. Sein Vater, ein preussischer Edelmann, trat während der Türkenbelagerung Wiens 1683 aus brandenburgischen Kriegsdiensten in die österreichischen über, wo er nahezu 60 Jahre seines Leben verbrachte.
Seine Mutter, geborenen Kettler von Hargvatten war mit Gotthard Kettler, dem letzten Großmeister der Schwertritter in Kurland und erstem Herzog dieses Landes verwandt.
Franz war der drittgeborene Sohn dieser Ehe. Bereits in seiner frühen Jugend war er mehrmals nahe dem Tode. Mit sechs Monaten fiel er durch Fahrlässigkeit seiner Amme in einen Kamin und trug schwere Verletzungen davon. Im Alter von 4 Jahren spielte er mit den Sattelpistolen seines Vaters wobei sich ein Schuss löste. Die von der Wand abgeprallte Kugel verwundete F. schwer am Schenkel. Auch beim Schwimmen und Eislaufen entrann er mehrmals nur knapp dem Tode.
F. begleitete bereits als kleiner Junge seinen Vater bei seinen militärischen Wanderungen nach Messina, Palermo, Neapel, später Venedig, Kärnten, Steiermark, Tirol, Kroatien, Slawonien Syrmien und das Banat. In dieser Zeit hatte F. ein Erlebnis, von dem man auf seine später allseits gerühmte Tapferkeit schließen kann.
Als einmal die Pferde mit dem Wagen auf einer Straße durchgingen, welche auf einer Seite 300 Klafter schroff ins Meer abfiel, blieb F. mit seinem älteren Bruder im Wagen, bis die erschöpften Tiere von selbst stehen blieben. Der Hofmeister und sein Begleiter, die abgesprungen waren, trugen schwere Verletzungen und Beinbrüche davon.
Den ihm angetragenen Posten eines Kommandanten der Zitadelle von Messina lehnte sein Vater ab und übernahm dafür das Kommando der Grenzfestung Brod in Slawonien. F. kam auf die Schule in Oedenburg, wo er bald zu den besten Schülern zählte, aber sein unbändiges Wesen wickelte ihn in viele Unannehmlichkeiten, die mit seiner Entfernung von der Schule endeten. Danach setzte er seine Studien bei den Jesuiten in Pozega (Kroatien) fort.
Am 10. Juli 1729, also im Alter von 17 Jahren, wurde F. in das IR Niclas Graf Pálffy v. Erdöd als Fähnrich aufgenommen. Auch hier gefährdete er sein Leben in einer Reihe von Duellen, so mit dem Grafen Paradiso und Anderen. F. leistete sich auch andere Eskapaden, durch die er bald in Adelskreisen bekannt - berüchtigt wurde.
So ließ er einer der ersten Damen der Wiener Gesellschaft, die ihn verraten hatte, durch seinen Diener ein volles Nachtgefäß über den Kopf schütten!
Sein weiteres Verbleiben im Regiment war gefährdet, als 1731 sein älterer Bruder in Wien starb. Da bat der Vater den Regimentsinhaber, Herzog von Sachsen- Hildburghausen, um die Entlassung seines Sohnes, welche auch sofort gewährt wurde. Nun kaufte er dem Sohn die Herrschaft Prestowacz und verheiratete ihn mit der Tochter des Peterwardeiner Festungskommandanten, Josepha Freiin v. Tissler, mit der F. bereits ein Verhältnis gehabt hatte. An ihrer Seite lebte F. auf seinen Gütern, bis seine Gattin nach 6 Jahren Ehe verstarb. Aus der Ehe stammten 4 Kinder, die jedoch alle bereits früh verstarben.


Obrist Franz v. d. Trenck,
Öl, Franz Adolf Feilhammer (1817 - 1886).

Sammlungen des Stadtmuseum in Brno/CZ


Als 1737 der Krieg zwischen Russland und der Türkei, an dem bald auch Österreich teilnahm ausbrach, meldete sich auch F. zu den Waffen. Er bot General Seckendorf an, mit einem selbst geworbenen Korps Panduren in Bosnien einzufallen. Seckendorf, der Trenck`s Vorgeschichte gut kannte, lehnte ab. F. trat darauf in russische Dienste als Rittmeister im Husarenregiment des Obersten Cumming. Nach anfänglich gutem Einvernehmen zwischen dem Obristen und F. kam es bald zu Reibereien, deren Kenntnis bis zum Oberkommandierenden FM Graf Münnich gelangten. Auch mit FZM Baron Löwenthal geriet F. in Konflikte, was alles ihm Unannehmlichkeiten und Arrest zuzog. F erwies sich jedoch andererseits als tapferer Soldat und wurde deshalb zum Major des Olow`schen Dragonerregiments ernannt.
Aber Auch hier bekam F. Ärger mit seinem Obersten, den er öffentlich geohrfeigt hatte. F. wurde vor das Kriegsgericht gestellt und zum Tode verurteilt. Das Urteil sollte am 10. 1. 1740 vollstreckt werden. F. stand bereits vor dem Erschießungskommando als der Pardon von FM Münnich, der trotz aller Händel und Rauferein den tapferen F. schätzte, eintraf. F. wurde degradiert und zu halbjährigem Gefängnis verurteilt, danach aus Russland verwiesen. Ein Teil der Haft wurde ihm erlassen und so traf F. Ende 1740 in Leutschau bei seinem Vater ein. Er begab sich danach eine Zeitlang auf seine Güter. Der Einfall von Räubern in sein Haus, deren Züchtigung er auf eigene Rechnung übernahm, brachte F. in einen Konflikt mit der Justiz. Der Esseger Auditor v. Salzenthal, schon von früher her ein Gegner Trencks, schwärzte ihn beim kommandierenden General Guadagni an. Seiner Verhaftung entzog sich F. durch Flucht nach Wien. Die Kapuziner gewährten F. Asyl bis die Angelegenheit durch Vermittlung Herzogs Karl v. Lothringen beglichen war. F. kehrte auf seine Güter in Slawonien zurück.
Als Ende 1740 der 1. Schlesische Krieg ausbrach, erbot sich F. seiner Kaiserin tausend Panduren auf eigene Kosten aufzustellen. Das Angebot wurde angenommen und F. erhielt das Majors - Patent. Im März 1741 hatte F. innerhalb von 3 Wochen tausend Mann beisammen und kam mit ihnen nach Wien, wo die Truppe durch ihre eigentümliche Tracht und Bewaffnung allgemeine Aufmerksamkeit erregte. F. rückte auf Befehl des kommandierenden Generals Graf v. Neipperg nach Schlesien. F. glückten mehrere gute Streifzüge. Auf einem sollte ihn Baron Menzel
(später Inhaber eines Husarenregimentes) begleiten. F. hatte aber schon vorher mit Menzel Streit gehabt und lehnte mit den Worten "..ich habe dieses Korps Panduren aufgestellt und Ihre Majestät hat nur mir dessen Führung anvertraut ... " ab.
Neipperg bestand nun aber auf seinem Wunsch, ja noch mehr - Menzel sollte das Korps kommandieren. Das nun war für F. zuviel, er vergaß sich gegen Neipperg in ungebührlicher Art und wurde auf dessen Befehl arrestiert. Die Panduren lehnte es ab, unter Menzel ins Feld zu ziehen, 40 kamen wegen Widersetzlichkeiten nach Glatz zu Schanzarbeiten. Nach 5 Wochen Arrest übernahm F. wieder das Kommando über seine Panduren.
In den nächsten 2 Jahren vollbrachten die Trenck´schen Panduren die tollsten Streifzüge, bei denen sie sich allerdings auch vieler Grausamkeiten an der Bevölkerung schuldig machten.
Nun unter Befehl des FM Khevenhüller, überfiel F. mit seinen Panduren Steyer und machte 200 Gefangene. Bald darauf nahm er das Schloß Klaus mit 130 Mann Besatzung und 3 Kanonen, dann Windischgarsten, ferner Spital, wo sich ihm 664 Mann ergaben. Noch im Januar besetzte F. mit GM Bärenklau Ried, wirkte dann bei der Einnahme von Plattling mit. Ende März kämpften die Panduren vor Traunstein, Ende Mai griffen sie tausend bewaffnete Bauern bei Lenggries an, zwangen sie zur Aufgabe und Zerstörung der von ihnen errichteten Schanzen. Mitte Juni nahm F. das an der böhmisch - bayrischen Grenze gelegene Schloß Diesenstein.
F. dessen Tapferkeit und Verdienste FM Khevenhüller ebenso rühmte, als er dessen grausame Härte und Beutegier streng rügte, wurde zum Obristlieutenant befördert.
Anfang Juli besetzte er Zwiesel, Regen und Schloß Au. Im September erfolgte die Einnahme von Cham, bei welcher die von den Panduren verübten Gräuel die Gegner Trencks auf ihn warfen. Das aber der Adel in der Umgebung der Stadt Verrat gegen F. vorbereitete und ihn während eines Festes ermorden wollten - was Hauptursache der Gräuel die dort verübt wurden war - wird oft verschwiegen.
1743 kämpfte F. mit seinem Korps am Rhein, zerstörte die Schanzen von Fort Mortier, nahm am 3.9. auf der Insel Rheinmark zwei Redouten im Sturm wobei er den französischen General Crèvecoeur eigenhändig tötete.
Im Feldzug 1744 wirkte F. an der Einnahme von Lauterburg mit, eroberte am 8.9. Neuburg, am 8. 10. in Böhmen die Stadt Teyn. Am 20. 10 stürmten seine Panduren B. Budweis wobei der preussische General Kreutz mit 1.000 Mann nach fünfstündigem Kampf gefangen wurde. Am 23. 10 zwang F. die 600 Mann starke Besatzung des Schlosses Frauenberg (heute Hluboká), nachdem er ihre Wasserleitung unterbrochen hatte, zur bedingungslosen Kapitulation. Am 2. 11. sprengte er ein Batallion der IR Alt- Anhalt.
Beim Angriff auf Kolin in der Nacht 13./14. 11 wurde F. durch eine dreipfündige Kanonenkugel schwer verwundet.
Während der Kämpfe in diesen wenigen Monaten machten Trencks Panduren über 4.500 Gefangene, erbeuteten 22 Kanonen, 3 Mörser, 7 Fahnen und 3 Standarten.
Kurz vor seinem Tod im Januar 1744 schlug FM Khevenhüller der Kaiserin Maria Thersesia die Beförderung Trenck´s zum Obristen vor. Der Vorschlag wurde angenommen.
So begab sich F. nach seiner Genesung in seinem neuen Range nach Wien wo ihn die Kaiserin mit Auszeichnung empfing. Anschließend kehrte F. auf seine Güter zurück wo er für den neuen Feldzug 800 Mann anwarb. In den Feldzug 1745 fallen einige der denkwürdigsten Unternehmungen der Trenk`schen Panduren.
Die Einnahme der Festung Kosel bei der 18 Offizieren und 400 Mann gefangen und 27 Kanonen nebst 100 Munitionswagen erbeutet wurden .Im August zogen die Panduren über Böhmen nach Schlesien zur Hauptarmee. Einer vorübergehenden Einnahme von Neustadt am 11. 9. folgte am 20. 9. ein Überfall auf Jaromierz, bei welchem eine 15. 000 Mann starke preussische Kolonne zersprengt und 16 Kanonen erbeutet wurden.
Auch am 30. 9. focht F. mit seinen Panduren bei Soor. Diese Schlacht wurde ihm später zum Verhängnis. Als F. den Sieg der kaiserlichen bereits sicher wähnte, plünderte er das preussische Lager, wobei das Zelt und das silberne Tafelservice Friedrich II. auf seinen Anteil kam. Als Friedrich II. dies erfuhr, soll er vergnügt gerufen haben: "... desto besser, desto besser, so haben doch meine Feinde etwas zu tun und ich werde an der Hauptsache nicht gehindert...!"
Trenck wurde später beschuldigt, er habe den König in dessen Zelt gefangen genommen, ihn aber gegen Zahlung eines größeren Betrages wieder laufen lassen.
Obwohl F. von diesen Beschuldigungen wusste, ging er nach Beendigung des Feldzuges nach Wien. Dort hatten sich inzwischen seine Feinde zusammengetan und F. bei der Kaiserin angeschwärzt. Die Klagen waren so massiv, dass die Kaiserin die Errichtung einer Untersuchungskommission anordnen musste. Das Resultat war, dass man F. eine geringe Geldbuße auferlegte, worauf er sich Anfang 1746 wieder auf seine Güter begab.
Auch für den Feldzug in den Niederlanden warb er ein Korps von 600 Mann an. Als jedoch alsbald Frieden geschlossen wurde, begab sich F. nach Wien, um seine Verteidigung selbst in die Hände zu nehmen. Dort angekommen, erhielt er sofort Hausarrest. Er beachtete dies jedoch kaum und fuhr in den schönsten Equipagen in der Stadt herum. Im Theater, im Beisein der Kaiserin, stürzte sich F. auf einen seiner Gegner, den er in einer Loge erblickt hatte, um ihn zu züchtigen. Das brachte das Fass zum Überlaufen. F. wurde vor das Kriegsgericht gestellt, dessen Präsident General Löwenwalde, einer der erbittertsten Gegner Trencks war. Dieser leitete die Untersuchungen in höchst parteiischer Weise. Die gegen F. erhobenen Beschuldigungen lauteten: daß er Regimentsgelder veruntreut, mehrere seiner Panduren niedergemetzelt, seine Leute zum Raub von Kirchengerät aufgefordert und Geistliche mit Schlägen misshandelt hätte. Auch die Soorer Lagergeschichte wurde wieder aufgefrischt.
Nach einer abwertenden Bemerkung Gen. Löwenwalde zu dem von Herzog Karl zugunsten F. vorgelegtem Zeugnis kam es zum Eklat: F. packte den Präsidenten des Gerichts an der Brust, schleifte ihn zum Fenster und machte Anstalten, ihn hinauszuwerfen. Nur die anwesenden Wächter konnten dies durch schnelles Einschreiten verhindern. F. wurde zum Tode verurteilt. Die Bestätigung des Urteils
wollten die Urheber während der Abwesenheit des Kaisers und Herzog Karls erreichen. Freunde Trencks verwendeten sich für ihn bei der Kaiserin, die das Urteil aufhob und eine Wiederaufnahme des Prozesses anordnete. Nun kamen alle Unrechtmäßigkeiten des 1. Prozesses an`s Tageslicht, aber es blieb noch genug übrig um F. zur lebenslangen Festungshaft auf dem Spielberg in Brünn zu verurteilen. Seine Güter wurden unter die Verwaltung des von F. benannten Hofrat von Kämpf und Baron Pejasevicz gestellt.
Die Kaiserin befahl, da sie das kriegsrechtliche Urteil nicht umstoßen konnte und wollte, dass man F. in der Haft Alles was er nur wünsche, nur nicht die Freiheit gewähren möge.
Am 22. 9. 1749 setzte F. sein Testament in 22 Paragraphen auf. Neben dem Festungskommandanten und seinen 7 Kindern und den Offizieren vermachte er größere Beträge der Kirche für Messen und den Kapuzinern, die ihm seinerzeit Asyl gewährt hatten. Außerdem sollte ein Spital für Arme und Bedürftige errichtet werden.
In diesem Paragraph ist bemerkenswert, dass F. wünschte, dass vorzüglich Personen aufgenommen werden sollten, die sich legitimieren können, dass sie in der Stadt Cham oder im Isarwinkel von dem letzten Krieg verunglückt oder verarmt seien (hier hatten seine Panduren am schlimmsten gewütet).

Zehn Tage nach Aufstellung dieses Testaments starb F., ohne eigentlich krank gewesen zu sein und zwar zu der Stunde, die er vorausgesagt hatte. Am 4. 10. ließ er die Offiziere der Bürgergarnison sich versammeln, ließ sich als Kapuziner die Tonsur scheren und legte das Habit der Ordensbrüder an. Gegen 11 Uhr rief er aus: .."Gottlob, meine Stunde ist gekommen..!", setzte sich an den Tisch, stützte seinen Kopf auf die Arme und verweilte so eine Zeitlang. Als ihn die Anwesenden nach einiger Zeit berührten, merkten sie, dass F. tot war.
Sein Verwandter, Major Friedrich v. d. Trenck meinte später, dass F. im Besitz des sogen. "Aqua Toffana" war, welches, wenn man es nimmt, den Tod bis auf die Stunde voraussehen lasse und mit diesem Gift hätte sich sein Vetter das Leben genommen.
Franz von der Trenck wurde in der Kapuzinergruft in Brünn in einem gläsernen Sarg, der 1872 in eine neuen Sarg aus Metall umgebettet wurde, beigesetzt.


Ehrenwache zum 250 Todestag von F. v. d. Trenck an seinem Glassarg in der Krypta der Kapuzinerkirche in Brno/CZ (Brünn)

Er hatte viele Feinde aber auch hochgestellte Personen, die sich für ihn einsetzten, so FM Khevenhüller und Prinz Karl v. Lothringen. Seine Panduren aber, gegen die er drakonische Strenge übte, hingen an ihm mit unbegrenzter Begeisterung und eine handvoll Leute, wenn er sie führte, gingen ohne zu Zaudern auf ein feindliches Karré los.

Harald Skala

Quelle: 

C. von Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Wien, 1872
 

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