Laudon, Ernst Gideon, Freiherr, kaiserlicher Feldmarschall
(ab 1759 österr. Freiherr, ab da schrieb er sich "Loudon")

Geboren am 2.2.1717 in Tootzen, Livland, gestorben am 14.7.1790 in Neutitschein, Mähren.Aus livländischer Familie die im Laufe des 17. Jh. in die Ritterschaft aufgestiegen war. Vater: Otto Gerhard v. Laudon, schwedischer, dann polnischer Oberstllt. (+1732) Mutter: Sofia Eleonore v. Bornemann auf Treppenhof, Livland (*1680, + 1742 o. 1744).

Folgend der Familientradition ergriff L. als fünfzenhjähriger den Soldatenberuf und trat in die russ. Armee ein. Er focht unter FM Münnich im Polnischen Thronfolgerkrieg und auf dem Balkan gegen die Türken. 1742 quittierte er als Oberleutnant den Dienst und versuchte ohne Erfolg in preussische Dienste einzutreten. Dank seiner Beziehungen zu Oberstleutnant Franz v. d. Trenck gelang es L. dann aber als Hauptmann im berüchtigten Trenk`schen Pandurenkorps eingestellt zu werden. Mit dieser Einheit focht er 1744/45 im Elsaß, Schlesien und Böhmen, bevor er aus Empörung über seinen Kommandeur v. Trenck seinen Abschied nahm und nach Wien ging. 1746 gelang ihm die Wiedereinstellung in der kroatischen Militärgrenze bei einem Karlstädter IR wo er sich als fähiger Administrator erwies.
1753 avancierte er zum Oberstlieutenant und bewährte sich unter U. Brown mit seinen Kroaten so sehr, daß er vor Beginn des Feldzuges 1757 zum Oberst und nach erfolgreichen Kleinkriegsoperationen während des preuss. Rückzugs aus Böhmen im August 1757 zum GFWM befördert wurde. 1758 wurde er mit dem Ritterkreuz und Großkreuz des Maria-Theresia-Orden ausgezeichnet. Vom umsichtigen Taktiker des Kleinkriegs zum Strategen mit großem Überblick gewachsen, führte L. am 30.6.1758 bei Domstadtl in Mähren einen vernichtenden Schlag gegen einen 4000 Wagen umfassenden Konvoi der Preussen, wodurch Friedrich II. genötigt war, die Belagerung von Olmütz abzubrechen. Drei Tage später wurde L. zum FML befördert und im März 1759 in den erbländischen Freiherrenstand erhoben. Im Feldzug 1759 hatte er das Kommando über ein eigenes Korps mit dem er in die Neumark vorstieß und mit der russ. Armee unter Saltykov den Sieg bei Kunersdorf am 12.8.1759 erfocht, ohne jedoch bei den Verbündeten seinen Willen zur kriegsentscheidenden Verfolgung der Preussen durchzusetzen.
Im Feldzug 1760 gelang L. ein vollständiger Sieg über das Armeekorps des Gen. Fouqué bei Landeshut. Am 15.8.1760 erlitt L. - von Daun und Lacy im Stich gelassen - eine schwere Niederlage bei Liegnitz. Auch 1761 konnte er sich mit dem russ. Korps nicht gegen das preuss. Lager von Bunzelwitz durchsetzen sondern lediglich im Handstreich am 1.10.1761 die Festung Schweidnitz nehmen. 
Nach diesen Mißerfolgen trug er sich mit dem Gedanken in fremde Dienste zu treten.
1766-69 bekleidete er das Amt eines Generalinspektors der erbländischen Infanterie und war dann vorübergehend General in Mähren, blieb aber von allen wichtigen Ämtern der Militäradministration ausgeschlosen. 

Am 27.2.1778 zum Feldmarschall (FM) ernannt, kommandierte er ohne großes Glück im Bayerischen Erbfolgekrieg die Flügelarmee an der sächsischen Grenze. Nach Jahren der Verbitterung, die L auf seinem Landsitz in Hadersdorf bei Wien, den er 1777 gegen sein in Böhmen gelegenes Gut Betschwar eingetauscht hatte, betraute ihn Joseph II. mit der Führung eines Armeekorps, das an der Seite der Russen gegen die Türken kämpfte. Dort erlang L. glänzende Erfolge, wurde zum Oberbefehlshaber ernannt und schuf mit der Rückeroberung Belgrads am 8.10.1769 die Voraussetzungen für den Frieden von Swischtow.
Im März 1790 übernahm L. das Oberkommando über eine Observationsarmee an der Grenze zu Preussen. Er starb 1790 in seinem mährischen Hauptquartier 
Der in Volk und Armee sehr populäre Feldherr, dessen Fähigkeiten von der Administration oft unterschätzt wurden, gehört wegen der Entschiedenheit, mit der er seine Ziele häufig gegen den Widerstand seiner zögernden Rivalen durzusetzten vermochte, zu den herausragenden Heerführern des 18. Jh.

Harald Skala






Quelle: 

Neue Deutsche Biographie, Historische Kommision bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band XIII, Berlin, 1982

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