Erzherzog Albrecht


Jener fast vergessener Militär war wohl einer der bedeutendsten und wichtigsten Offiziere des österreichischen Heeres des 19.Jahrhunderts.
Geboren wurde Erzherzog Albrecht Friedrich Rudolf als zweites Kind des Erzherzogs Karl,  des Siegers von Aspern, am 3.August 1817 geboren. Nach dem frühen Tot der Mutter Erzherzogin Henriette wurde die Erziehung von seinem Vater geleitet, jedoch unter Mithilfe einiger Lehrer. Die Berufswahl stand Erzherzog Albrecht nicht frei, von vornherein war er zum Soldaten bestimmt. Jedoch wurde bei seiner Erziehung und Bildung zumindest auf ein Mindestmaß an Allgemeinbildung wert gelegt, was seinem Vater Karl zu verdanken ist. Neben grundlegendem Wissen wurde ihm vor allem Strategie und Taktik Kenntnisse, zum Teil anhand von seinem Vater verfassten Lehrbehelfen vermittelt. 1830 wurden er in die Ordensgemeinschaft vom Golden Vlies, dem Hausorden der Habsburger aufgenommen. 1837 übernahm Erzherzog Albrecht zur weiteren Ausbildung nach außen hin das Kommando über das 1.Bataillon des Infanterieregiments Nr.13. Sein Lehrmeister war dabei der Oberst  Friedrich von Ruff. Später wurde seine Ausbildung bei Kavallerie- und Artillerieverbänden fortgesetzt. Am 1.Mai 1844 stand  Erzherzog Albrecht am Beginn einer glücklichen Ehe, er heiratete in München Hildegard, die Tochter König Ludwigs I. von Bayern.
Auch beruflich strebte er vorerst einem Höhepunkt entgegen. Er trat seinen Dienst als kommandierender General Ob und Unter der Enns  schließlich am 15.Januar 1845 an. Als Kommandant von Wien wurde er in die Ereignisse des  März des Jahres 1848 in Wien verwickelt und wurde Opfer der Verkettung unglücklicher Ereignisse. Am 13.März wurde er angewiesen die Straße vor dem Gebäude des niederösterreichischen Landtages räumen zu lassen. Als dies nicht gelang, versuchte er unter Einsatz seiner persönlichen Autorität die Demonstranten zum Abzug zu bewegen. Doch unvermittelt eröffneten nachrückende Truppen das Feuer auf die Menschenmenge in der sich auch Erzherzog Albrecht befand. Als ihm dieses Fiasko zur Last gelegt wurde, erklärte  er am 15.März seinen Rücktritt. Daraufhin übernahm er in Italien das Kommando über eine Division des II. Armeekorps und erhielt im Zuge der Erfolge das Kommandanten Kreuz des Maria Theresia Ordens.
Wenige Jahre später wurde er zum Zivil- und Militärgouverneur Ungarns ernannt. Eine ihm recht unangenehme Aufgabe. Als solcher setzte er die Anordnungen aus Wien konsequent um, versuchte jedoch stets nicht eine „Germanisierung“ Ungarns zu betreiben, sondern den Konflikt mit dem ungarischen Adel beizulegen.
Während im Jahre 1859 die Schlacht von Solferino tobte, war der Erzherzog als Kommandant der 3.Armee nicht beteiligt. Er war als Feldherr der sogenannten „Rheinarmee“ vorgesehen. Doch wurden diese Pläne nach dem Debakel und der vernichtenden Niederlage bei Solferino nicht umgesetzt.
In der Zeit nach 1859 verbrachte Albrecht ruhige Jahre in Italien als Kommandant des 8. Korps. Am 5.Mai des Jahres 1866 wird dem Erzherzog die sogenannte „Süd- Armee“( 5.,7.,9. Korps) anvertraut. Während im Norden die österreichische Armee bei Königgrätz eine schwere Niederlage erleidet, siegt Albrecht, mit John als Chef des Generalstabes, bei Custozza in Norditalien glorreich gegen eine Übermacht italienischer Truppen. Später werden die Truppenteile der Südarmee geschlossen in den Norden nach Wien verlegt um eine Verteidigungsstellung gegen die Preußen aufzubauen. So ist es wohl Erzherzog Albrecht zu verdanken, dass die Niederlage im „Bruderkrieg“ nicht noch schwerer war. Wobei angemerkt werden muss, dass später keine Einigkeit darüber geherrscht hat, ob der Sieg dem Chef des Generalstabes John oder dem Armeekommandanten Albrecht anzurechnen ist.
Nach dem Krieg wird der Erzherzog in den neu geschaffenen Posten des Armee Oberkommandanten eingesetzt, während John Kriegsminister und Chef des Generalstabes wird. In dieser Funktion setzte sich Albrecht für Reformen ein. Jedoch hatte die Einrichtung des AOK nicht lange Bestand, denn bereits zwei Jahre später am 15.Jännner 1868 wurde dieses auf Drängen Johns aufgelöst. So wird der Erzherzog zum Armee- Kommandanten. Dieser Posten war jedoch in Wahrheit nicht mehr, als der eines Armee- Inspektors, welchem die meisten Kompetenzen entzogen wurden. Obwohl nun seine Rechte weitgehend beschnitten waren ließ sich Albrecht nicht davon abbringen seinen Standpunkt darzulegen und diesen auch durchzusetzen. So wie etwa beim Russisch- Osmanischen Krieg im Jahr 1877-78, im Zuge dessen sich der Erzherzog gegen eine Intervention oder gar eine Kriegserklärung Österreichs an Russland aussprach. Er war davon überzeugt dass ein Offensivkrieg gegen Russland nicht zu gewinnen sei. Tatsächlich setzte er sich unterstützt vom Chef des Generalstabes durch.
Im Laufe der Jahr von 1866 bis zu seinem Tod sah Albrecht viele hochrangige Offiziere und Chefs des Generalstabes kommen und gehen. Darunter John, Kuhn und Schönfeld. Auch die Allianzen wechselten noch öfters. So sah er einerseits das Drei Kaiserbündnis zerbrechen, andererseits auch das Entstehen des Zweibundes zwischen Österreich und dem Deutschen Reich. Seiner Auffassung nach würde es gegen Russland kein zweites Sedan geben und damit war ihm möglicherweise bereits bewusst, was sich später im ersten Weltkrieg ereignen sollte. Bis ins hohe Alter bekleidete er den Posten des Generalinspektors und führte als solcher auch unzählige Inspektionen durch. Schließlich starb er im Alter von 78  Jahren am 18.Februar 1895 in Arco. Mit seinem Tod endete eine Epoche. Albrecht kann als typischer, loyaler, konservativer und bedeutender österreichischer Feldherr des 19.Jahrhunderts gesehen werden. Trotzdem geriet er nahezu in Vergessenheit lediglich der „stumme Reiter“ auf der Albrechtsrampe zeugt von ihm.                 
Stefan Kurz

Quelle: Allmayer-Beck, Johann Christoph: Der stumme Reiter, Styria Verlag, Wien 1997

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