Franz Anton Heinrich Reichsgraf Schlik von Bassano und Weisskirchen

k. k. General der Cavallerie, Träger des MTO



Franz Heinrich entstammte einer im 14. Jh. ursprünglich in Eger (Cheb/CZ) ansässigen Patrizierfamilie, die sich in die angesehendsten Adelskreise des Königreiches Böhmen emporgearbeitet hatte.
Seine Eltern waren Joseph Franz Xaver Graf Schlik und Maria Philippine Ludmila v. Nostitz-Rieneck.
Graf Franz Heinrich wurde am 23.5.1789 im elterlichen Palast in Prag geboren. Auf Wunsch des Vaters studierte er Jura, obwohl er von frühester Kindheit Liebe zum Soldatentum zeigte. Sein Vater starb 1806, Franz beendigte noch sein Studium und trat 1808 in das kaiserliche Heer ein. Im Rang eines Oberlieutenants befehligte er zuerst eine auf den Gütern der Familie angeworbene Landwehrkompanie. 1809 wechselte er dann in das Kürassierregiment Albert v. Sachsen-Teschen im Rang eine Lieutenants. FML Graf Bubna wählte ihn als seinen Adjutanten aus. Er nahm an den Rückzugsgefechten bei Efferding, den Kämpfen bei Passau und an der Schlacht bei Aspern am 21.5.1809 teil. Danach zum Oberlieutenant befördert und zum Ulanenregiment Schwarzenberg Nr. 2 transferiert kämpfte er bei Wagram und Znaim.
Bei den anschließenden Friedensverhandlungen diente Franz Heinrich als Verbindungsoffizier. Zum Rittmeister befördert wurde er kurzzeitig zum HR Nr. 5 – Radetzky versetzt, begleitete FML Graf Bubna in die Küstenlande um dann wieder zu den Schwarzenberg-Ulanen zurückzukehren.
Als Österreich genötigt war für Napoleons Russlandfeldzug ein Expeditionskorps zu stellen, bat Franz Graf Schlik um Entlassung aus der Armee. Erst im Jahre 1813 kehrte er in die Armee zurück und zwar als Rittmeister im Chevauxlegers Regiment Klenau (das spätere DR Nr. 10). Gleichzeitig wurde er Ordonanzoffizier von Kaiser Franz I. Er begleitete dann Fürst Karl v. Schwarzenberg in der Schlacht bei Dresden und nahm am Gefecht der russischen Garden unter Ostermann bei Pirna teil.
In der Völkerschlacht bei Leipzig befehligte er einen Kosakenpulk, mit dem er zweimal die französische Reiterei zurückwarf. Durch Unachtsamkeit eines Kosaken wurde ihm während der Schlacht das rechte Auge ausgestochen. Die Heilung dauerte mehrere Monate, die er im Hause des Hofmarschalls v. Spiegel in Weimar verbrachte.
Nach seiner Genesung begab er sich nach Paris wo er als Kurier Verwendung fand. Zum Major befördert, befehligte er nach Napoleons Rückkehr von Elba eine Velitendivision mit der er an den Kämpfen in Frankreich teilnahm.
Als der Krieg mit Napoleon zu Ende war, kehrte Graf Franz Heinrich auf seine Güter in Böhmen zurück. In mehreren Avancements zwischen 1815 und 1848 rückte er bis zum Feldmarschall-Lieutenant vor. Bei Ausbruch der Aufstände 1848 bekleidete er die Stelle eines Gouverneurs von Krakau. Im November dieses Jahres bekam er den Befehl, mit einem Korps von ca. 8.000 Mann über den Dukla-Pass nach Oberungarn zu ziehen um die dortigen Komitate vor den Aufständischen zu schützen.
Sein Korps, bestehend aus 7 Bataillonen Infanterie, 3 Divisionen Kavallerie und einigen Batterien marschierte über die Karpaten in die heutige Ostslowakei wo es die bei Kaschau (Košice/SK) stehenden Aufständischen angriff und einen Sieg errang. Kaschau wurde am 11.12.1848 besetzt. In den folgenden Wochen versuchten die Aufständischen die Stadt zurück zu erobern, vorerst jedoch vergeblich. Für seine Verdienste in dieser Zeit erhielt Graf Schlik in der 153 Promotion am 29.6.1849 das Ritterkreuz des MTO.
Die ungarischen Aufständischen bekamen weitere Verstärkungen so dass Schlik nicht mehr im Stande war Widerstand zu leisten. Sein Korps zog sich deshalb auf die Hauptarmee unter Windischgraetz zurück, mit der er Ende Februar bei Kápolna einen Sieg errang. Dafür erhielt Graf Schlik das Verdienstkreuz. Seine Truppen kämpften dann noch mit Erfolg bei Hatvan, Isaszeg und vor Komorn.
Während des Besuches des Kaisers im Mai 1849 in Pressburg wurde Franz Heinrich zum geheimen Rat ernannt. Anfang Juni nahm Schlik an den Kämpfen um die Festung Raab teil. Hier ergab sich jene Geschichte, welche C. v. Wurzbach in seiner Biographie des Grafen Schlik ausführlich beschrieben hat. Schlik, der um des Kaisers Sicherheit besorgt war, versuchte jenen vom Betreten der eben erstürmten Stadt abzuhalten. Als er den Kaiser kurz verlassen hatte, stieg Franz I. vom Pferd und lief über die behelfsmäßig instandgesetzte Brücke.
Die Erstürmung Raabs gehörte zu den größten Erfolgen Schliks, um so mehr, als er hier den eigenen Eingebungen und nicht den Empfehlungen des kommandierenden Generals Haynau gefolgt war.
Im August 1849 belagerten Schliks Truppen die Festung Arad. Der aufständische General Damjanic lehnte eine Kapitulation ab. Erst als der russische General Buturlin in die Verhandlungen eingriff, ergaben sich die Aufständischen den russischen Truppen. Nach dem der Abzug der Besatzung begonnen hatte, erhielt Graf Schlik den Befehl von General Haynau sich der Kapitulation mit allen Kräften zu widersetzen und notfalls ein Zerwürfnis mit den verbündeten Russen zu riskieren. Schlik war sich der weitreichenden Folgen solch eines Handelns bewusst und warf den schriftlichen Befehl Haynaus einfach weg.
Für seine Erfolge während der Jahre 1848 – 49 erhielt Graf Schlik nach dem Krieg das Großkreuz des Ordens der eisernen Krone, wurde im September zum General der Kavallerie befördert und zum kommandierenden General in Mähren und Schlesien ernannt. In der 157 Promotion vom 26.3.1850 wurde er noch mit dem Kommandeurkreuz des MTO dekoriert. Im Jahre 1849 wurde er auch zum Inhaber des Husarenregiments Nr. 4 ernannt. Er bliebe es bis zu seinem Tode.
Bis 1854 ruhten die Waffen. Im dann ausgebrochenen Krimkrieg erhielt Graf Schlik das Kommando der IV. Armee. Nach Beendigung der Kampfhandlungen behielt er dieses Kommando und wurde zum kommandierenden General in Galizien und der Bukowina ernannt. Sein Hauptquartier lag in Lemberg.
Im Feldzug des Jahres 1859 befehligte er bei Solferino die II. Armee. Graf Schlik war inzwischen 70 Jahre alt!
Seine letzten Tage verbrachte er in seiner Prager Wohnung. Er sah sein Ende kommen, obwohl niemand in seiner Umgebung daran glauben mochte. Er starb am 17.3.1862 und wurde in der Familiengruft zu Libán/CZ begraben.

Graf Franz Heinrich v. Schlik war zweimal verheiratet. Am 24.4.1817 heiratete er in Prag Maria Sophia Gräfin von und zu Eltz, die jedoch bereits 1821 verstarb.
Nach ihrem Tode heiratete er nochmals und zwar Wilhelmine Breuer. Aus beiden Ehen entsprangen 8 Kinder, davon 7 Töchter und Sohn Heinrich Franz, der k. k. Oberlieutenant wurde und noch vor seinem Vater starb.

Graf Franz Heinrich Schlik war von hoher Gestalt, bei seinen  Soldaten äußerst beliebt. Er hatte einen ritterlichen Charakter und ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Schlik fühlte sich immer zum böhmischen Adel angehörig und war stolz darauf. Als ihn einst eine Augsburger Zeitung als „deutschen Grafen“ bezeichnete, ließ er sofort ein Dementi veröffentlichen, in dem er auf den uralten böhmischen Ursprung seiner Familie hinwies.
 

Harald Skala

Abbildungen:
  • Staatliches Archiv Zámrsk/CZ, Familienarchiv Schlik, Foto eines Porträts
  • Sammlungen Schlossmuseum Sv. Anton/SK

Quellen:

  • C. v. Wurzbach, „Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich“, Wien 1872
  • J. Hirtenfeld, „Der Militär-Maria-Theresien-Orden und seine Mitglieder“, Wien 1857
  • C. Pizzighelli, „Die Geschichte des Dragonerregiments Nr. 10“, Wien 1903
  • P. Mašek, „Modrá krev“, Prag 1992

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