Karl Graf Kinsky von Wchinitz und Tettau
k. k. Feldmarschall-Lieutenant.


Familie - Vorgeschichte.

Die Wurzeln der Familie liegen in Nord-West Böhmen in der Gegend von Leitmeritz (Litomerice/CZ). Bereits im 13. Jh. sind die Ritter "von Wchinitz" (Vchynice/CZ) dort nachgewiesen und sind somit eine der ältesten böhmischen Adelsfamilien, die in den folgenden Jahrhunderten an der Geschichte des Königreiches maßgeblich beteiligt waren.
Die Familie teilte sich in mehrere Linien, deren Besitz weiterhin überwiegend in Nord-West Böhmen lag.
Der erste Vchynsky, der in höhere Ämter bei Hofe aufstieg, war Johann Vchynsky, der 1576 Burggraf der Burg Karlstein und einer der kaiserlichen Statthalter wurde.
Einem weiteren Mitglied der Familie gelang es, in den höheren Adel aufzusteigen. Es war Radslav Vchynsky, einer der reichsten Männer im damaligen Böhmen. Die Art, wie er dies erreichte war allerdings nicht ganz ehrlich. Radslav ließ einige Dokumente fälschen, die beweisen sollten, dass die Fam. Vychynic mit der - älteren, bereits geadelten - Familie von Tettau (Tetov/CZ) verwandt ist. Kaiser Rudolf II. bestätigte darauf den v. Vchynic am 21.3.1596 ihren Adelsstatut. Radslav nannte sich ab da "von Wchinitz u. Tettau", wurde kaiserliche Hofmeister und erwarb weitere Güter (u. A. die Burg Krakovec/CZ).
Ein weiteres wichtiges Mitglied der Familie war Wilhelm v. Wchinitz u. Tettau (1574-1634). Er war der erste, der in den Grafenstand erhoben wurde und der den Familiennamen in "Kinsky" änderte, da "Vchynic" im Deutschen schlecht aussprechbar war.
Er war Obrist und Vertrauter von Generalissimus Albrecht v. Waldstein und wurde gleichzeitig mit ihm in Eger am 25.2.1634 ermordet.
in den weiteren Dezenien bekleideten viele Familienmitglieder die höchsten Ämter im Kaiserreich, andere dienten im kaiserlichen Heer.

Karl Graf Kinsky wurde am 28.7.1766 auf dem Schloss in Chlumetz (Chlumec nad Cidlinou/CZ), das sein Vater in den Jahren 1721-1723 zu einer wunderschönen Barockanlage (Schloss Karlskron) umbauen ließ, geboren.
Seine Eltern waren Franz Graf Kinsky (1738-1806) und Marie Christine Fürstin Liechtenstein.
Karl trat am 2.3.1781 in die Theresianische Militärakademie ein (deren Direktor war sein Verwandter, Franz Joseph Graf Kinsky). Nach der Abschlussprüfung wurde er am 10.30.1786 im Rang eines Lieutenants dem Chevauxlegers-Regiment seines Ur-Onkels Johann Graf Kinsky zugeteilt.
Mit seinem Regiment kämpfte er 1788 in Ungarn gegen die Türken. Bei der Belagerung von Dubica zeichnete er sich am 9.8 aus. Ihm wurde die Ehre zuteil, die Nachricht vom Sieg dem Kaiser in das Lager bei Semlin zu überbringen.
In der Schlacht bei Novi 3.10. war er als Ordonanz dem FM G. Laudon zugeteilt.
Auch hier überbrachte er dem Kaiser - diesmal nach Lugos - das freudige Ergebnis der Schlacht und wurde vom Kaiser aussertourlich zum Rittmeister ernannt.
Im Jahre 1793 kämpfte Karl mit seinem Regiment in den Niederlanden. Anfang Juni erlitt er eine Verwundung, als er mit seiner Eskadron bei Quesnoy auf Vorposten stand. Am 12.9. kam es zu einem Kampf mit 7.000 Franzosen, welche die Besatzung von Quesnoy verstärken sollten. Bei den ca. 2.000 kaiserlichen Reitern, welche nach längerem Kampf den Gegner völlig vernichteten, war auch Karl v. K. der in der Relation von dem Gefecht lobend erwähnt wurde.
Er kämpfte dann noch bei St. Remy Malbatie und Wattignies.
Nächstes Jahr bewährte sich Karl wieder bei Charleroi und wurde anschließend zum Major befördert.
1795 nahm er an den Gefechten bei Mannheim, Schopp und Landstuhl teil. Für seine Leistungen in den zurückliegenden Feldzügen erhielt Karl in der 43 Promotion am 11.5.1796 den Maria Theresia Orden.
Auch 1796 nahm Karl mit seinem Regiment an den Kämpfen in Deutschland teil. Im nächsten Jahr stand er am Rhein, ohne in Aktion zu kommen.
Nach dem sein Regiment nach Wien verlegt wurde, erhielt Karl dort den Rang eines Oberstlieutenants, sein Regiment wurde zu "Leichten Dragonern" umgewandelt.
1797 finden wir sein Regiment in verschiedenen Gefechten in Süddeutschland eingesetzt. Im Mai im Korps des Gen. v. Hotze nahm Karl an der ersten Schlacht bei Zürich teil, in dem sich das Regiment unter seiner Führung besonders hervortat. An der 2. Schlacht bei Zürich nahm das Regiment - auf Grund der schweren Verluste, die es in der 1. Schlacht erlitten hatte - nicht direkt teil. Erst im September trat es bei Tuttlingen wieder in Aktion.
Über den Winter, bis April 1800 blieb das Regiment bei Eglisau. Anfang Mai machte es den Rückzug der ganzen Armee vom Rhein mit und kam bei Biberach und Neresheim ins Gefecht. Während des im Sommer geschlossenen Waffenstillstandes wurde der Kommandant des Regiments Obrist v Stahel zum GFWM befördert und Karl übernahm das Kommando. In der Schlacht bei Hohenlinden (3.12.1800) bewährte sich das Regiment unter seinem Befehl. Danach erfolgte seine Ernennung zum Obersten.


Karl Graf Kinsky als Kommandant des leichten Dragonerregiments im Jahre 1800. Museum Valašské Meziříčí/CZ

1802 wurde sein Regiment wieder zu Chevauxlegers übersetzt. Zwischen 1802 - 04 lag sein Regiment an verschiedenen Orten in Böhmen in Garnison.
Erst Ende August 1804 wurde es nach Wels verlegt und von dort nach Memmingen.
Nach der Kapitulation der kaiserlichen Armee bei Ulm schlugen sich Reste nach Böhmen durch. Ein Teil des Regiments unter Oberst Karl v. K. wurde Ende Oktober nördlich des Bodensees abgedrängt und dem Korps GM Wolfskehl zugeteilt.
Anfang November wurde die Lage kritisch und es bestand die Gefahr, dass das Korps in französische Gefangenschaft gerät.
Die Obristen Kinsky und Wartensleben schlugen daher GM Wolfskehl den sofortigen Abmarsch nach Böhmen vor, was jedoch dieser (nach Konsultation mit FML Jellacics) ablehnte.
Was nun geschah ist hochinteressant. Kinsky und Wartensleben riefen ihre Offiziere zu einer Lagebesprechung, bei der Kinsky erklärte, dass er lieber seine Karriere opfern würde, als mit seinen Reitern in Gefangenschaft zu gehen und schlug den sofortigen Aufbruch vor. Alle Offiziere waren einverstanden und so brach die Truppe am 13.11 Richtung Böhmen auf. Sie mussten sich durch vom Feind besetztes Gebiet durchschlagen, erreichten aber trotz aller Schwierigkeiten am 20.11. bei Eger (Cheb/CZ) böhmisches Gebiet.
In einem Bericht an Erzherzog Ferdinand rechtfertigten die beiden Obristen ihr Vorgehen. (Akte H-K-R. 1805, G11,124/1 im KA Wien).
Während der Untersuchung der Kapitulation des Korps Jellacics gab letzterer beiden Obristen eine Mitschuld. Die Kommission lehnte seine Begründung zwar ab, die Nichteinhaltung der Subordination beider Obristen konnte jedoch nicht toleriert werden (darauf stand die Todesstrafe!). Dar Fall wurde zur endgültigen Entscheidung Kaiser Franz I. vorgelegt. Der entschied nicht nur von einer Bestrafung beider abzusehen, er beförderte sogar Karl v. Kinsky aussertourlich zum Generalmajor (zum 12.4.1805), Obrist v. Wartensleben drückte er schriftlich seine höchste Zufriedenheit aus.
Die Offiziere des Regiments erhielten zusätzlich einen zweimonatlichen Sold, die Mannschaft einen.
Nach Beendigung des Krieges verließ Karl, Graf Kinsky im September 1806 den aktiven Dienst und kehrte auf seine Güter in Böhmen zurück.
1809 wurde er zwar wieder eingezogen, ein Kommando erhielt er aber nicht. Ende des Jahres schied er wieder aus dem Dienst aus.

Am 8.2.1810 heiratete er im Alter von 44 Jahren die 25 Jahre jüngere  Elisabeth, Gräfin Thun-Hohenstein. Aus der Ehe entsprangen 4 Kinder: Philippina (*1811), Karl (*1813, +1856), Antonia (*1815) und August Leopold (*1817) der die Familie fortführte.

Auch im Feldzug 1813/1814 wurde Karl nochmals in den aktiven Dienst berufen. Ob er jedoch ein Kommando bekam, konnte ich nicht feststellen.
Am 30.4.1815 wurde Karl v. K. zum Feldmarschall-Lieutenant befördert und erhielt den Befehl über eine Division im Korps des Prinzen Philipp v. Hessen-Homburg, das am Rhein stand. Er nahm an einigen kleineren Gefechten teil, bei einem gelang es seiner Division die Franzosen bis unter die Kanonen der Festung Straßburg zu treiben.
Nach dem endgültigen Ende des Krieges wurde Karl v. K. Divisionär in Böhmen, wobei sein Stab in Chlumetz (Chlumec n.C./CZ) - wo auch das Schloss seiner Eltern lag - stand. Diese Funktion behielt er bis 1828.
Im März 1822 wurde er zum Inhaber des Dragonerregiments Nr. 6 (das spätere DR Nr.12) ernannt.
Am 2.2.1828 wurde er endgültig pensioniert und starb am 4.9.1831 auf seinem Schloss in Sloup/CZ, das er 1827 von seinem Onkel geerbt und aufwendig umgebaut hatte. Er ist auch in der dortigen Familiengruft begraben.
Karl Graf Kinsky hatte auch den Titel eines kaiserlichen Kämmerers und war - außer dem MTO - noch Träger des russischen St. Annen Orden 1. Kl.

Die meisten Mitglieder der weitverzweigten Familie Kinsky verließen nach der Machtübernahme durch die Kommunisten 1948 die Tschechei. Denjenigen, die blieben und die kommunistische Herrschaft überdauerten, wurden in der Restitution nach 1990 ihre Güter zurückgegeben. Es handelt sich bis dato um die Schlösser (mit dazugehörigen Ländereien) in Kostelec nad Orlici/CZ, in Chlumec nad Cidlinou mit dem unweit gelegenen Schlösschen Obora, Zdar nad Sázavou und die Burg Kost

Harald Skala
Quellen:
  • C. Pizzighelli, "Geschichte des Dragonerregiments Nr. 10" Wien, 1903
  • A. Valenta, "Dejiny rodu Kinskych", Ceske Budejovice, 2004
  • P. Masek, "Modrá krev", Praha, 1992
  • J. Halada, "Lexikon ceske slechty", Praha, 1999
  • "Militär Almanach", XXIII. 1813 und XXIV 1814, Wien
  • "Militär Schematismus d. österr. Kaiserthums", Wien, 1815
  • A. v. Wrede, "Geschichte der K. u. K. Wehrmacht", Wien, 1908-1905
  • Portrait: Karl Gr. Kinsky, Museum Valašské Meziříčí/CZ, Pastel 48 x 37 cm, Maler T. Dvořáček (?)

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