Karl Philipp Fürst Schwarzenberg, k. k. Feldmarschall


Er stammte aus einer weit verzweigten Adelsfamilie, aus der in Südböhmen ansässigen Linie, die bereits 1688 den Fürstentitel erworben hatte.
Geboren am 15. 4. 1771 in Wien, Vater Johann Nepomuk Anton Sch., Mutter Marie Eleonore Gräfin Oettingen-Wallerstein. Nach einer gründlichen Ausbildung durch Privatlehrer (Joseph v. Haßlinger und die Professoren Vseteczka und Johann Mayer) begann er im Alter von 16 Jahren seine militärische Laufbahn als Unterlieutenant im IR Braunschweig-Wolfenbüttel.  Nach kurzer Zeit im Stabe des FML Lacy, dann G.d.C. Joseph Kinsky und FM Loudon, mit dem er den Türkenfeldzug 1786 mitmachte. Bereits dort bewies er mehrmals - mit seinem Freund Fürst Poniatowsky - seine Tapferkeit. Zu seinem Freundeskreis gehörten damals auch Fürst Dietrichstein und der jüngere Prinz de Ligne. Nach dem Sturm auf Sabacz, bei dem er sich wiederum auszeichnete, wurde er zum Hauptmann befördert. Zu dieser Zeit lernte er Kaiser Joseph kennen, der K. 1789 eine Anstellung im Hauptquartier des FM Loudon verschaffte. Von einer Krankheit, die er sich vor Belgrad zuzog, erholte er sich auf den Familiengütern in Böhmen. 1790 zum Major ernannt, nahm K. als 1. Wachtmeister der Arcieren-Leibgarde an der Kaiserkrönung Leopold II. in Frankfurt teil. Anschließend in Wien, widmete er sich weiter seiner militärischen Ausbildung.
Ende 1791 wurde K. als Stabsoffizier dem berühmten Wallonen - Regiment Latour (später Dragoner Reg. Nr.14) zugeteilt. Mit seinem Regiment zeichnete er sich bei Philippsburg und Estreuf aus, kam 1793 - bereits als Oberstlieutenant - zum Ulanen Freikorps Blank, das in Galizien stand. Bei einer Rekognoszierung stürzte er schwer vom Pferd, was wohl die Ursache seiner späteren körperlichen Übel war.
1793 in der Avantgarde des Prinzen Coburg in den Niederlanden, kämpfte er bei Neerwinden, half den Angriff auf die Stellungen bei Onnaing am 1.5. zu vereiteln und nahm an zahlreichen Streifzügen teil.
Anfang 1794 ernannte ihn der Kaiser zum Obersten des Kürassier-Reg. Wallis, das sich damals in Wien befand. Auf seinen Wunsch wechselte er zu Zeschwitz - Kürassieren, die an der Front in den Niederlanden standen. Mit diesem Regiment zeichnete er sich bei Premont aus, bei Cateau unternahm er eine herrliche Attacke.
Dort bedrängten ca. 30.000 Franzosen unter Gen. Chapuy den vom Herzog v. York befehligten rechten Flügel. Auf Empfehlung FML Ott erhielt K. den Auftrag mit seinem Regiment und 12 Eskadronen schwerer englischer Reiter die Attacke zu reiten. Geführt von seinem Rittmeister Mecsery, der das Terrain vorher ausgekundschaftet hatte, gelang es ihm in unmittelbare Nähe der Feinde zu kommen. 2.000 franz. Reiter konnten dem Anprall der schweren Reiter Schwarzenbergs nicht Paroli bieten und wurden in die Flucht gejagt. Danach zersprengte K. noch einige feindliche Karrés. Die Linien des Feindes waren zerschlagen, Gen. Chapuy gefangen, die Armee auf der Flucht. Bei der Attacke eroberten die Kürassiere noch 32 Kanonen. Aus dem 1.Treffen seiner Reiter blieb keiner unverwundet. Der Kaiser, der selbst anwesend war, schmückte K. noch am Schlachtfeld mit dem Ritterkreuz des MTO.
Bis zum Winter 1795 bei seiner Familie, kehrte er danach zu seinem Reg. zurück, focht am Main, bei Heidelberg an der Pfriem und bei Frankenthal. Im nächsten Feldzug nahm er an den Gefechten an der Nidda teil, in den Schlachten bei Amberg und Würzburg. Nach den Gefechten bei Limburg wurde K. zum General-Major befördert. Er kämpfte dann an verschiedenen Plätzen, mit leichten Streiftruppen unter dem Erzherzog am Oberrhein, dann mit FML v. Hotze bei der Belagerung von Kehl, anschließend bei den Truppen in Italien, kam dann wieder an den Rhein und kommandierte die Vorposten um Mannheim.
Als der Krieg 1799 wieder begann, befehligte er die Vorhut des Heeres in Deutschland, focht bei Osterach, Stockach, nahm Donaueschingen und beobachtete dann mit seinen Truppen den Rhein. Danach kurz in der Schweiz, vertrieb K. nach seiner Rückkehr den franz. Gen. Baraguay d`Hilliers aus Heilbronn, anschließend die Franzosen aus Seinsheim und zeichnete sich besonders bei der Erstürmung von Mannheim aus. Danach nötigte ihn eine Krankheit sich in die Pflege seiner Gattin, der verwitweten Fürstin Esteházy, geb. Hohenfeld, die er 1790 geheiratet hatte,  zu begeben.
Im Feldzug 1800 war er wieder im Heer, nun bereits als Feldmarschall-Lieutenant.
Bei Hohenlinden, bereits von Feinden umringt, schlug er sich mit seiner Division durch. Na dem am 18.10 Erzherzog Karl den Oberbefehl über das zerstreute, fliehende Heer übernahm, befehligte K. die Nachhut und entledigte sich dieser schwierigen Aufgabe mit Umsicht und Tapferkeit. Erzherzog Karl schlug darauf dem Kaiser die Ernennung K. zum Inhaber des Ulanenregiments Nr. 2 vor, dessen Oberst er bereits einmal war und das unter Fürst Moriz Liechtenstein hervorragende Taten vollbracht hatte. Der Kaiser entsprach dem Vorschlag. Das Regiment behielt seinen Namen bis zum 1.Weltkrieg.
Nach Beendigung der Kampfhandlungen betraute der Kaiser K. mit verschiedenen diplomatischen Aufgaben. Er wurde zum Hofe Alexander I. nach St. Petersburg entsandt. Während des Aufenthaltes dort gelang es K. ein herzliches Verhältnis zum Zaren aufzubauen. Nach dem Frieden zu Luneville kehrte K. auf seine Güter in Böhmen zurück.
Als sich ein neuer Krieg abzeichnete, übernahm K. das Kommando über die im Innviertel zusammengezogenen Truppen. Im März 1805 wurde er Vice-Präsident des Hofkriegsrates. Im Feldzug dieses Jahres befehligte er ein Korps der Armee in Deutschland, welche unter Mack gegen die Franzosen zog. Sein Sieg bei Jungingen, wo er an der Spitze der Mack-Kürassiere zur Attacke ritt und für den er das Kommandeurskreuz des MTO erhielt, war der einzige Lichtblick dieses Feldzuges. Gegen seinen Rat verließ Mack nicht rechtzeitig Ulm und wurde mit der gesamten Armee gefangen. K. gelang es, sich mit 1.800 Reitern durch die Truppen Murats nach Böhmen durchzuschlagen wobei seine Truppe in acht Tagen 350 km zurück legten. Durch die Strapazen erkrankt, musste er sich eine kurze Genesungspause gönnen, nach der er Kaiser Franz und Alexander I nach Mähren begleitete. Gegen seinen Rat entschieden sich beide, Napoleon bei Austerlitz eine Schlacht zu liefern, die mit einer katastrophalen Niederlage endete.
Nach diesem unglücklichen Feldzug nahm K. den Posten eines Gesandten am Hof von St. Petersburg an. Zu dieser Zeit wurde ihm auch der Orden des Goldenen Vließ verliehen.
Wenige Tage vor der Schlacht bei Wagram 5.7.1809 kehrte er zur Armee zurück und übernahm das Kommando über einige Kavallerieregimenter unter dem Befehl seines Jugendfreundes Fürst J. Liechtenstein. Nach der-  verlorenen - Schlacht befehligte er mit großer Umsicht die Nachhut  Er wurde darauf vom Kaiser zum General der Kavallerie (G.d.C) ernannt. Bald darauf übernahm er das schwierige Amt eines Botschafters am Hofe Napoleons. Nach der Vermählung Maria Louisen`s mit Napoleon veranstaltete K. für die Gäste ein Fest, das einen katastrophalen Ausgang nahm. Bei einem Brand, der in dem Saal ausbrach, fand auch die Gattin seines Bruders den Tod. Da er sich die Hochachtung Napoleons erworben hatte, fiel K. die nicht gerade beneidenswerte Aufgabe zu, als Befehlshaber des österreichischen Expeditionskorps Napoleon bei seinem Zug nach Russland zu begleiten. Er musste nun gegen seine früheren Verbündeten kämpfen, was ihm sicher nicht leicht fiel.
Im Juni 1812 setzte sich das Korps von Lublin aus in Marsch. Später erhielt K. noch den Befehl über das 7. Armeekorps (Sachsen).Am 12.8. schlug K. die Russen unter Tormassow und hielt die dreimal stärkere Armee Tschitschakows in Schach. Nach der Niederlage an der Beresina zog sich K. nach Bialystok zurück, wirkte an der Organisation der polnischen Truppen unter seinem Jugendfreund Poniatowsky mit und zog sich dann bis Krakau zurück, wo er den Oberbefehl an Frimont übergab und als Gesandter nach Paris zurückkehrte. Während des Feldzuges hatte Napoleon dem Kaiser die Ernennung K.`s zum Marschall empfohlen, was auch geschah.
Nach dem alle seine Bemühungen, Napoleon von seinen Kriegsplänen abzubringen gescheitert waren, kehrte K. nach Wien zurück.
Nach einigen Querelen, verursacht durch die Hofpartei, die Erzherzog Karl protegierte, wurde K. am 8.5.1813  zum Generalissimus der in Böhmen neu aufgestellten österreichischen Armee ernannt, Graf Radetzky ihm als Chef des Generalstabes an die Seite gestellt. Zu Trachenberg wurde der Feldzugsplan entworfen. Danach standen 237.000 Mann unter K. v. Schwarzenberg in Böhmen, 95.000 unter Blücher an der Katzbach und 150.000 unter dem Kronprinzen v. Schweden an der Havel und Spree. Drei Monarchen befanden sich in K.`s Hauptquartier, was seine Entscheidungsfreiheit stark einschränkte. Durch sein diplomatisches Geschick und einnehmendes Wesen gelang es ihm jedoch, die nötigen Maßnahmen durchzusetzen. Die Siege Blüchers bei Grossbeeren , an der Katzbach und bei Dennewitz hatten Napoleon geschwächt. Der Ausgang der Völkerschlacht bei Leipzig krönte die Bemühungen Schwarzenbergs. Am 2. Schlachttag führte er im kritischen Moment persönlich die Kavallerie gegen Murats Reiter. Am 19.10 zogen die drei Monarchen, der Fürst Schwarzenberg voran, in Leipzig ein. Kaiser Franz schmückte den Fürsten noch am Schlachtfeld mit dem Großkreuz des MTO, der Zar und der König von Preußen verliehen ihm ihr höchsten Orden.
Die geschlagene franz. Armee zog gegen den Rhein und lieferte den Verbündeten Bayern und Österreichern unter FM Wrede bei Hanau eine letzte Schlacht. K. setzte auch nachher seinen Plan durch, mit dem Heer sofort nach Frankreich einzufallen.
Ehe Napoleon seinen Plan zur Aufstellung von 4 Armeen in Turin, Bordeaux, Metz und Utrecht durchführen konnte, war das östliche Frankreich von den Verbündeten besetzt. Am 1.2.1814 kam es zur Schlacht bei Brienne, die Napoleon verlor. Danach konnte er zwar Teilerfolge gegen Blücher erreichen, nicht jedoch den Einzug der Verbündeten in Paris am 31.3.verhindern. Napoleon musste abdanken.
Fürst Schwarzenberg erhielt von allen Verbündeten ihre höchste Orden, der Kaiser ernannte ihn zum Präsidenten des Hofkriegsrates. Am 5.5. legte er das Oberkommando der Armee nieder und kehrte auf seine Güter in Böhmen zurück.
Nach der Rückkehr Napoleons aus Elba wurde K. wieder mit dem Oberbefehl der Armee betraut, die sich bei Heilbronn sammelte. Napoleon wurde jedoch ohne zutun der Österreicher bei Waterloo besiegt. Am 17. 7. zog K. das zweite mal in Paris ein.
Er kehrte nach einigen Monaten nach Böhmen zurück, wo ihn Zar Alexander auf seinem Gut Orlik besuchte.
Am 13.1.1817 erlitt K. einen Schlaganfall, und verbrachte dann einige Zeit in Karlsbad. Zunehmende Lähmung und heftige Anfälle machten ihm jedoch auch danach das Leben schwer. Im April 1820 reiste er nach Leipzig, dem Ort seines größten Ruhmes. Die letzten Tage verbrachte er auf Wunsch des König von Sachsen in dessen Wohnung am Markt. Er starb dort am 15. 10. 1820.
Sein Leichnam wurde von sächsischen Truppen bis zur Grenze begleitet, wo ihn österreichische übernahmen und nach Wittingau brachten. Endgültige Ruhe fand er in der Familiengruft zu Orlik. Kaiser Franz befahl dreitägige Staatstrauer für den verstorbenen Helden.
Fürst K. Schwarzenberg hatte 3 Söhne: Friedrich, Karl (General und Zivilgouverneur in Siebenbürgen) und Edmund, der auch im Heer diente und Träger des Ritterkreuzes des MTO wurde.

Harald Skala
Quellen:
  • C.v. Wurzbach, Biographischer Lexikon des Kaiserthums Österreich, Wien, 1872

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